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Segregation

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Segregation

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In den Neubausiedlungen mit grossen Anteilen von offentlich geforderten Wohnungen, die im Laufe des zwanzig Jahrhunderts entstanden, wurde immer eine "soziale Mischung" angestrebt, womit die Tendenz zur klassenlosen Mittelschichtsgesellschaft befestigt werden sollte. Das kann bei einer sozial marginalisierten Bevolkerung dadurch zustande kommen, dass die Informations- und Kontaktmoglichkeiten der Bewohner sehr beschrankt sind, weil sie stark lokal orientiert sind und in der Nachbarschaft vor allem auf Leute treffen, die ebenfalls uber geringe Ressourcen verfugen. Benachteiligte Bewohner, die sich ihren Wohnort nicht selbst aussuchen konnen, geraten damit in einen Kreislauf der Exklusion (vgl. Kronauer 2010), der aus eigener Kraft kaum mehr zu durchbrechen ist.

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Segregation
Bildquelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/b/b1/Segregated_cinema_entrance3.jpg    

Die Stadte werden in der postfordistischen Entwicklung sozial und kulturell heterogener. Damit nimmt die raumliche Segregation auch weiter zu. Betroffen sind einerseits einkommensschwache Haushalte, andererseits ethnische Minderheiten. Wo sich beides uberlagert, wird die Situation in Politik und Offentlichkeit als sehr problematisch angesehen. So gesehen drohen Stadte gleichzeitig zu Orten einer neuen Urbanitat und einer neuen sozialen Ausgrenzung zu werden. Zu allen Zeiten und in allen Kulturen existierte in den Stadten eine raumliche Segregation verschiedener Standes- oder Berufsgruppen. Aber auch in demokratischen, marktwirtschaftlich regulierten Gesellschaften gibt es keine vollkommene Gleichverteilung der sozialen Gruppen im stadtischen Raum. Wahrend der Phase der Hochindustrialisierung in Deutschland zwischen eintausendachthundertsiebzig und eintausendneunhundertzehn bildeten sich in den grossen deutschen Stadten krasse Unterschiede in der Wohnqualitat zwischen dem Proletariat und anderen Klassen und Schichten heraus. Seit der Einfuhrung einer sozialen Wohnungspolitik nach eintausendneunhundertachtzehn ist der Abbau der sozialen Segregation zu einem festen Ziel von Stadt- und Wohnungspolitik geworden. In den Neubausiedlungen mit grossen Anteilen von offentlich geforderten Wohnungen, die im Laufe des zwanzig Jahrhunderts entstanden, wurde immer eine "soziale Mischung" angestrebt, womit die Tendenz zur klassenlosen Mittelschichtsgesellschaft befestigt werden sollte. Die hohe Konzentration von Arbeitern in den proletarischen Quartieren mit geringer Wohnqualitat ist immer auch als eine potenzielle Gefahr fur politisch umsturzlerische Umtriebe betrachtet worden. Der soziale Wohnungsbau sollte also auch ein Instrument zur Verringerung der sozialraumlichen Segregation sein. Diese Rolle kann er heute immer weniger wahrnehmen, weil die Bestande laufend abnehmen und sich zunehmend in den Wohnsiedlungen der 1960er- und 1970er-Jahren konzentrieren. Da zugleich der Bedarf nach solchen Wohnungen durch Zuweisung an die wachsende Zahl armer Haushalte und mittelloser Zuwanderer steigt, konzentrieren sich dort immer starker Haushalte mit multiplen sozialen Problemlagen. Die zunehmende Heterogenitat der Stadte Die Stadte werden in der postfordistischen Entwicklung sozial und kulturell heterogener. Die Arbeitsmarktentwicklung sorgt fur grossere materielle Ungleichheit, und der bestandig wachsende Anteil der Bevolkerung "mit Migrationshintergrund" fuhrt zu einer grosseren kulturellen Heterogenitat - und in den Grossstadten sind die sozialen und kulturellen Unterschiede am starksten. Damit "entmischen" sich stadtische Quartiere, die Segregation nimmt wieder zu. Segregation bedeutet, dass Bewohner, die eine soziale, kulturelle oder ethnische Gemeinsamkeit haben, nicht wahllos vermischt mit anderen Gruppen wohnen, sondern konzentriert in bestimmten Quartieren. Soziale und kulturelle Distanzen werden in raumliche Distanzen ubersetzt. Die Reichsten wohnen in den begehrtesten und sozial exklusiven Gegenden, die Armsten in den Wohnvierteln, in denen andere nicht wohnen wollen. Es gibt also eine freiwillige und eine erzwungene Segregation. Migranten-Haushalte werden auf dem Wohnungsmarkt haufig diskriminiert und in bestimmten Quartieren zusammengedrangt, wo sie dann eine auf ihre Bedurfnisse zugeschnittene Infrastruktur aufbauen und ein lebendiges Gemeinschaftsleben entwickeln. Diese sichtbare Absonderung wird haufig als Zeichen mangelnder Integration gesehen, was allerdings durch die empirische Forschung nicht bestatigt wird (vgl. Haussermann 2009). Wahrend sich die sozialen Aufsteiger unter den Migranten immer starker uber die gesamte Stadt verteilen, bleibt die migrantische Unterschicht stark segregiert. Dies ist aber eher der Ausdruck als die Ursache ihrer sozialen Marginalisierung. Die Folgen einer unfreiwilligen Segregation sind ambivalent. Betroffen sind davon einerseits einkommensschwache Haushalte, andererseits ethnische Minderheiten. Wo sich beides uberlagert, wird die Situation in Politik und Offentlichkeit als sehr problematisch angesehen (vgl. Haussermann/Kronauer/Siebel 2004). Das ist sie auch, wenn der Wohnort zu einer eigenstandigen Quelle sozialer Benachteiligung wird. Das kann bei einer sozial marginalisierten Bevolkerung dadurch zustande kommen, dass die Informations- und Kontaktmoglichkeiten der Bewohner sehr beschrankt sind, weil sie stark lokal orientiert sind und in der Nachbarschaft vor allem auf Leute treffen, die ebenfalls uber geringe Ressourcen verfugen. Bei Jugendlichen, fur die die Nachbarschaft ein wichtiger Sozialisationsraum ist, wird angenommen, dass sie in einem verarmten Milieu des Quartiers Normen lernen und Vorbildern folgen, durch die sie dauerhaft diesem Milieu verhaftet bleiben. Besonders sichtbar wird dies an den geringen Erfolgen im Bildungssystem, wodurch die Lebensperspektiven von Kindern und Jugendlichen blockiert werden. Benachteiligte Bewohner, die sich ihren Wohnort nicht selbst aussuchen konnen, geraten damit in einen Kreislauf der Exklusion (vgl. Kronauer 2010), der aus eigener Kraft kaum mehr zu durchbrechen ist. Auf diese Problemlage hat das Bund-Lander-Programm "Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf - die Soziale Stadt" reagiert und Mittel fur Massnahmen bereitgestellt, mit denen durch eine integrierte Quartierspolitik die Situation in der Nachbarschaft verbessert und den Bewohnern neue Perspektiven eroffnet werden sollen. Die Abkoppelung von Quartieren sowie die Ausgrenzung ganzer Bewohnergruppen soll damit verhindert werden. Eine wichtige Triebfeder fur den Wegzug von Bewohnern, die uber ein hoheres soziales und kulturelles Kapital verfugen, ist die Situation in den Schulen. Auf den Bildungserfolg ihrer Kinder bedachte Eltern meiden die Schulen mit hohen Anteilen von Schulern mit einer nicht-deutschen Herkunftssprache und verlassen solche Quartiere. So entstehen die Quartiere der sozialen Ausgrenzung, die aber auf der anderen Seite auch eine starke Binnenintegration aufweisen konnen. Die gemeinsame Lebenssituation erleichtert intensive soziale Beziehungen, durch die auch gegenseitige Hilfeleistungen moglich sind. Das homogene Milieu bietet also bis zu einem gewissen Grad auch eine soziale Einbettung. Aber dies kann aus den oben genannten Grunden auch zu einer Falle fur die soziale Mobilitat werden. Die Stadte, die durch das starke okonomische Wachstum zwischen eintausendneunhundertfünfzig und eintausendneunhundertfünfundsiebzig zu Integrationsmaschinen geworden waren, erleben einen starken Strukturwandel und haben diese Funktion fur einen erheblichen Teil ihrer Bewohner verloren. Sie stehen in der Gefahr, gleichzeitig zu Orten einer neuen Urbanitat und einer neuen sozialen Ausgrenzung zu werden.

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