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Wissenschaft in den Medien: Streitgespräch mit Wormer, Fischer, Lüthje - SPIEGEL ONLINE

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Es ist offenbar nur dazu da, Leuten eine Arbeitsstelle und eine Pension zu geben, die nichts anderes konnen, als "Wissenschaft im Dialog" so zu machen, dass niemand davon Kenntnis nimmt. Ich mache einen radikalen Vorschlag: Die Gelder, die bisher fur "Wissenschaft im Dialog" und andere Initiativen ausgegeben wurden, sollten in eine Stiftung oder einen Fonds fliessen, der unabhangigen Wissenschaftsjournalismus fordert. Wormer: Es gibt in Forschungsinstituten die Idee, man konne unter Umgehung der bosen kritischen Journalisten, die sowieso immer nur falsch berichten, direkt den Endnutzer erreichen.

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Wissenschaft in den Medien: Streitgespräch mit Wormer, Fischer, Lüthje - SPIEGEL ONLINE
Bildquelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/5/52/Die_fr%C3%B6hliche_Wissenschaft-Nietzsche-1887.djvu/page1-421px-Die_fr%C3%B6hliche_Wissenschaft-Nietzsche-1887.djvu.jpg    

Im Fernsehen beispielsweise bricht die Quote ein, sobald ein Wissenschaftler vorm Bucherregal gezeigt wird. Rosa Kaiser Holger Wormer: Studierte Chemie und Philosophie und arbeitete als Redakteur. Lehrt Wissenschaftsjournalismus an der Uni Dortmund und ist Autor. Fischer: Trotzdem: Wissenschaft konnte man am ehesten uber Personen bekannt machen, das zeigen doch andere Themen. Wenn Leute uber Kunst nichts wissen, reden sie uber Kunstler. Zugang zur Literaturdebatte bieten Schriftsteller-Personlichkeiten. In der Offentlichkeit spielen nun mal Gesichter die Hauptrolle. Wormer: Forscher eignen sich aber offenbar weniger als Identifikationsfiguren. Fischer: Wir brauchten ein "Literarisches Quartett" fur Sachbucher, einen Marcel Reich-Ranicki der Wissenschaftsdebatte! SPIEGEL ONLINE : Der beruhmte Kritiker Marcel Reich-Ranicki hat im Fernsehen Bucher ins Gesprach gebracht. Aber bei Literatur wollen eben viele mitreden, wahrend man mit naturwissenschaftlicher Bildung kaum renommieren kann, oder? Fischer: Nicht unbedingt. Wurden Naturwissenschaften in Talkshows debattiert, wollten alle mitreden, und eine gesellschaftliche Debatte kame in Gang. Plotzlich waren Natur und Technik etwas, das allgemein diskutiert und nicht apodiktisch von Professoren verkundet wurde. Wenn ein Forscher erklart, Leben im Reagenzglas erzeugt zu haben, ware das doch eine Talkshow wert! Stattdessen bringen diese Sendungen zu viel albernes Zeug. SPIEGEL ONLINE: Hat sich denn nichts verbessert in der Wissenschaftskommunikation? Luthje: Ich sehe das nicht so pessimistisch. Es gibt vielleicht nicht den grossen Star, aber es gibt viel mehr TV-Sendungen und Wissenschaftszeitschriften als fruher. Rosa Kaiser Corinna Luthje: Studierte Kulturwissenschaften. Lehrt Kommunikationswissenschaft an der TU Dresden. Fischer: Nein, es hat sich nichts verandert. Wenn Bambi-Preisverleihung ist, wird eine dreistundige Direktubertragung im Fernsehen gemacht. Die Nobelpreis-Verleihung bekommt zehn Sekunden in der Tagesschau. Wormer: Was die popularen Formate angeht, kommt Deutschland im internationalen Vergleich eigentlich ganz gut weg. Es gibt das Angebot auf den dritten Programmen, schone Magazine, bunte Kindergeschichten oder Science Slams. Aber in den Hauptnachrichtensendungen, beim politisch relevanten Teil der Wissenschaft, stehen wir nicht besonders gut da, besonders im offentlich-rechtlichen Fernsehen nicht. Besser geworden ist es dagegen bei uberregionalen Printmedien. Und bei grossen Online-Medien konkurrieren Forschungsthemen sogar mit den Hauptnachrichten aus Politik und Gesellschaft. SPIEGEL ONLINE: Warum hinkt das Fernsehen hinterher? Wormer: Nicht selten deshalb, weil es an Personal fehlt. Die "ARD Aktuell"-Redaktion etwa hat meines Wissens nach wie vor keinen Wissenschaftsredakteur. Wozu das fuhrt, konnte man etwa wahrend der Fukushima-Atomkatastrophe besichtigen. Fast alle anderen Medien haben insgesamt einen guten Job gemacht. Aber das Fernsehen hatte eine komplett offene Flanke - und das 25 Jahre nach Tschernobyl. 2. Werben fur die Wissenschaft? SPIEGEL ONLINE : Seit den Neunzigerjahren gibt es in Deutschland das Forderprogramm "Wissenschaft im Dialog". Hat es sich gelohnt? Fischer: " Wissenschaft im Dialog" ist reine Geldverschwendung. Es ist offenbar nur dazu da, Leuten eine Arbeitsstelle und eine Pension zu geben, die nichts anderes konnen, als "Wissenschaft im Dialog" so zu machen, dass niemand davon Kenntnis nimmt. Fischer: Die Organisatoren sollten sich schamen. Das Nichtvermitteln von Wissenschaft wurde vom organisierten Nichtvermitteln von Wissenschaft abgelost. Mehr ist nicht geschehen. SPIEGEL ONLINE: Immerhin haben Forschungsinstitute ihre Pressestellen verstarkt, warum ist das geschehen? Wormer: Die Forschung muss ihre Finanzierung zunehmend rechtfertigen. Deshalb ist ein machtiges Wissenschaftsmarketing entstanden. Medien mussen nun noch grundlicher nach den Beweisen fragen. Die Wachterfunktion des Wissenschaftsjournalismus wird kunftig in weitaus hoherem Masse gebraucht als bisher. Ich mache einen radikalen Vorschlag: Die Gelder, die bisher fur "Wissenschaft im Dialog" und andere Initiativen ausgegeben wurden, sollten in eine Stiftung oder einen Fonds fliessen, der unabhangigen Wissenschaftsjournalismus fordert. Fischer: Aufklarung uber Wissenschaft ware aber auch etwas anderes als die bunten Erklar-Shows, die im Fernsehen dominieren. Es mangelt an kritischen Berichten uber Forschung. 3. Durfen Journalisten Professoren kritisieren? SPIEGEL ONLINE : Manche Wissenschaftsjournalisten schicken ihre Artikel vor Veroffentlichung zur Kontrolle an Wissenschaftler. Ist manchen die Zustimmung von Forschern wichtiger als unabhangige Berichterstattung? Fischer: So ist es wohl leider oft. Luthje: Das Problem wurde mir neulich in Osterreich verdeutlicht. Dort sagte mir der Vorsitzende eines Verbands der Wissenschaftsjournalisten, der ausgerechnet in der PR arbeitet: "Ich bitte Sie. Ich kann doch keinen Professor kritisieren. " Fischer: Wir brauchen mehr Journalisten, die auch Nobelpreistrager kritisch hinterfragen und nicht vor ihnen auf die Knie sinken. Diese Hierarchie ist ohnehin verfehlt: Das Vermitteln von Wissenschaft ist intellektuell oft anspruchsvoller als das Betreiben von Wissenschaft. SPIEGEL ONLINE : Viele Forscher meinen, dass sie sich gar nicht erklaren mussten, da die Wissenschaft sich selbst kontrolliere und korrigiere. Als Argument wird ja gern behauptet, Journalisten wollten in erster Linie Geld verdienen, wahrend Wissenschaftler nur der Wahrheit dienten. (Lautes Gelachter der drei Wissenschaftler) Fischer: Wissenschaftler wollen Erfolg, Wissenschaftler wollen eine Frau, ein Hotelzimmer, eine Einladung oder ein Auto! Wir sollten die Wahrheit lassen, wo sie ist - bei den Theologen oder beim lieben Gott. SPIEGEL ONLINE : Wenn man sich ansieht, was etwa Politiker an offentlicher Kritik aushalten mussen, erscheinen Wissenschaftler dann manchmal ein wenig uberempfindlich? Wormer: Ja. Alle entsprechenden Studien der Medienwissenschaft deuten darauf hin, dass uber Wissenschaft wesentlich positiver berichtet wird als etwa uber Politik. Erfolgsstorys werden wesentlich ofter veroffentlicht als Berichte uber Fehlleistungen. Das Bild des Retters im weissen Kittel wird ungern infrage gestellt. Luthje: Wohl kaum. Die meisten Forscher haben Angst, kritisch zu bloggen. Sie furchten die Ausgrenzung durch Kollegen. Wormer: Dass Wissenschaftsblogs Journalismus betreiben oder ihn gar ersetzen konnten, ist ein Mythos, der im Wesentlichen von Wissenschaftsbloggern verbreitet wird. Blogs sind meinungsstarker und quellenarmer als Massenmedien. Die sozialen Medien scheinen sogar den Korpsgeist unter Forschern zu fordern, Widerspruch wird oft bestraft. Zudem erreichen selbst die deutschen Top-Wissenschaftsblogs vergleichsweise winzige Leserschaften. SPIEGEL ONLINE : Wenn der bloggende Wissenschaftler kein Journalist sein kann - was ist dann mit den Kommunikationsprofis in den Pressestellen der Institute? Wormer: Die Euphorie der Wissenschaft, kunftig alle medialen Kanale bedienen zu konnen, ist totaler Humbug. Ich hoffe, dass die Forschungseinrichtungen davon herunterkommen. Sonst wird deren Kommunikation irgendwann so aussehen wie das Privatfernsehen in den USA: Jeder macht seinen eigenen Kanal mit Mikro-Reichweite, naturlich finanziert mit Steuergeldern. Das ist aus okonomischer Perspektive absoluter Wahnsinn. Und es ist eine Querfinanzierung, die zumindest fragwurdig ist. Wormer: Es gibt in Forschungsinstituten die Idee, man konne unter Umgehung der bosen kritischen Journalisten, die sowieso immer nur falsch berichten, direkt den Endnutzer erreichen. Diese Traumvorstellung ist so verfuhrerisch, dass ich ihr wahrscheinlich auch erlage, wenn ich keine Ahnung von Medien hatte. zunachst brauchte man eine totale neustrukturierung der deutschen universitats-und forschunglandschaft dort, wo sie sich momentan unter einfluss von okos und anderen verstehdeutschen hinbeweget, droht ein kompletter [] zunachst brauchte man eine totale neustrukturierung der deutschen universitats-und forschunglandschaft dort, wo sie sich momentan unter einfluss von okos und anderen verstehdeutschen hinbeweget, droht ein kompletter stillstand "Hat sich denn nichts verbessert in der Wissenschaftskommunikation? " hat man doch gesehen, nachdem der unkontrollierte Absturz des Rosetta - Landers von der ESA bereits als "voller Erfolg" dargestellt wurde, [] " Hat sich denn nichts verbessert in der Wissenschaftskommunikation? " hat man doch gesehen, nachdem der unkontrollierte Absturz des Rosetta - Landers von der ESA bereits als "voller Erfolg" dargestellt wurde, bevor auch nur die ersten Daten ausgewertet waren; die sind gewiss auch von Kultur- und Kommunikations- "Wissenschaftler"Innen veramerikani- ah: geschult worden haben "Angst" vor Professoren?

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