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Nachlese - Heidelberg Center for American Studies (HCA)

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Fur den zweiten Vortrag im Rahmen des Baden-Wurttemberg Seminars hatte das Heidelberg Center for American Studies David Woolner, Senior Fellow und Resident Historian des Franklin and Eleanor Roosevelt Institute in Hyde Park, New York, eingeladen. Die erste Buchvorstellung des neuen Jahres prasentierte die Arbeit von vier HCA Doktoranden: Maria Diaconu, Eva-Maria Mayer, Maarten Paulusse und Styles Sass hatten jeweils alle einen Artikel zu dem Buch The United States as a Divided Nation: Past and Present beigetragen. Die Leser oder - an diesem Abend - das Publikum entscheiden dabei, welchen Verlauf die Ermittlungen der drei Detektive Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews nehmen sollen: Wie verhalten sie sich, wenn vor ihren Augen eine gefahrliche Schlange geraubt wird?

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Nachlese - Heidelberg Center for American Studies (HCA)
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So beendete Laura Shapiro ihren Vortrag und Dr. Schuler eroffnete die Fragerunde. Viele gute Antworten und grossartige Geschichten spater schloss der Abend mit einer Signierstunde und einem Glas Wein. Frank Costigliola: "Kennan's Reason and Stalin's Terror " Am fünf Dezember begrusste das HCA Professor Frank Costigliola, den Board of Trustees Distinguished Professor der University of Connecticut. Professor Costigliola, ein alter Freund des HCA, sprach im Rahmen des Baden-Wurttemberg Seminars uber einen seiner Forschungsschwerpunkte, den Begrunder der amerikanischen Containment-Politik nach dem Zweiten Weltkrieges, George Kennan. Nach einer kurzen Vorstellung durch Professor Manfred Berg, dem Curt Engelhorn Professor fur Amerikanische Geschichte der Universitat Heidelberg, begann Professor Costigliola, dem Publikum den Diplomat George Kennan und dessen politische Raison etwas naher zu bringen. Kennan hatte bereits vor dem zweiten Weltkrieg in Deutschland gelebt und sprach nicht nur Deutsch und Russisch fliessend, sondern beherrschte auch viele andere Sprachen. Seine personliche Meinung uber Krieg wurde nachhaltig durch den Zweiten Weltkrieg und besonders durch die Zerstorung Hamburgs, welches Kennan sehr mochte, gepragt. In der Berliner Botschaft war er zum Russlandexperten ausgebildet worden und wurde dann eintausendneunhundertvierunddreißig als amerikanischer Diplomat nach Moskau versetzt. Bereits fruh hatte Kennan eine grosse Leidenschaft fur die russische Kultur und eine tiefe Zuneigung zur russischen Bevolkerung, die er stark romantisierte, entwickelt. Im Gegensatz dazu empfand er die sowjetische Regierung als eine Bedrohung fur die Integritat dieser guten Menschen. Er entwickelte eine innige Beziehung zu Moskau und seinen Einwohnern, von denen einige wahrend Stalins Grossem Terror verurteilt und hingerichtet wurden. Obwohl Kennan versuchte ein, gewisses Verstandnis fur das russische Denken und Handeln in Amerika aufzubauen, trugen seine Schriften uber die Sowjet Union massgeblich zur Entwicklung des Kalten Krieges und der amerikanischen Containment Politik bei. Neben dem umfassenden Einblick in Kennans Biographie erorterte Professor Costigliola, warum es notwendig sei, Kennans Charakter zu studieren. Der Historiker sagte, dass eine umfassende Analyse von Kennans Schriften zeigen konne, dass die weithin akzeptierte Trennung zwischen Korper, das heisst Emotionen und emotionalen Denken, und Geist, das heisst Rationalitat und rationalem Denken, unzureichend und schlechthin falsch sei. Kennan, der sich selbst als rationalen Menschen sah und sich die Fahigkeit, eigene Emotionen und die Emotionen anderer zu kontrollieren, zuschrieb, neigte andererseits zu Temperamentsausbruchen und mystischer Romantik. Daher sei es notwendig, ihn gemass seiner Konzeptualisierung von denken, fuhlen und handeln zu analysieren. Obwohl Rationalitat und Emotionalitat in der Mehrzahl seiner Berichte an Washington ausgeglichen waren, veranderte sich diese Dynamik nach den Sauberungen Stalins, die Kennan traumatisierten. Es fiel ihm schwer, uber die Prozesse und Hinrichtungen neutral zu berichten, und er war der Meinung, dass seine westlich gepragte Analytik die russische Logik hinter diesen Vorgangen unmoglich verstehen konne. In einer schriftlichen Dokumentation uber die Sauberungen, die Kennan im Jahr eintausendneunhundertachtundsechzig veroffentlichte, rief er die Anfuhrer des Grossen Terror dazu auf, fur ihre grausamen Taten Busse zu tun. Er begann, sich fur bestimmte Kreml Politiker auszusprechen und kritisierte Entscheidung der NATO hart. Auch wenn Kennans Versuche, Amerikaner und Russen naher zu einander zu bringen, scheiterten, sei Kennan ein wichtiges Beispiel, das dem Ideal eines rein rationalen politischen Entscheidungstragers widerspreche, sagte Costigliola. Kennans Entscheidungen waren zutiefst von seinen Gefuhlen beeinflusst, und diese Tatsache hervorzuheben, so schloss Professor Costigliola, sei ein notwendiger Schritt, um die Geistes- und Politikwissenschaften zu einem neuen Verstandnis von Denkprozessen zu bringen. Das Publikum diskutierte anschliessend angeregt diese und andere Theorien sowie weitere Details aus dem Leben George Kennans. GKAT Grand Opening Am dreißig November zweitausendsiebzehn hiess das HCA die neuen Kollegiaten des Graduiertenkollegs "Authority and Trust in American Culture, Society, History, and Politics" (GKAT) willkommen. Der Grundungsdirektor des HCA, Prof. Dr. Dr. h.c. Detlef Junker begrusste die Nachwuchswissenschaftler, gefolgt von einem Grusswort des Rektorats der Universitat Heidelberg von Prorektorin Prof. Dr. Beatrix Busse. Der GKAT Sprecher Prof. Dr. Manfred Berg stellte dann die neuen Kollegiaten und ihre Projekte vor. Dieser Einfuhrung folgte der Festvortrag von Prof. Dr. Helmut Anheier, Prasident der Hertie School of Governance in Berlin und Professor fur Soziologie an der Ruperto Carola. Sein Vortrag beleuchtete verschiedene Aspekte des Konzepts,,Vertrauen". Sein interdisziplinarer Ansatz stehe nicht nur im Einklang mit den Pramissen des GKAT, so Anheier, sondern sei besonders fur die Analyse eines so abstrakten Begriffs wie Vertrauen vorteilhaft. Viele Vertreter unterschiedlicher akademischer Disziplinen hatten bereits die verschiedenen Facetten von Vertrauen untersucht. Abhangig von den Personen oder Institutionen, in die Gesellschaften oder Individuen Vertrauen haben, ist es moglich, Vertrauen in einzelne Kategorien aufzubrechen. Soziopolitische Studien, die sich auf die theoretische Arbeit von unter anderem Pierre Bourdieu und Robert Putnam beziehen, konnten so Daten uber unterschiedliche Arten von Vertrauen sammeln. Obwohl diese Studien deutliche Diskrepanzen zwischen demokratischen Staaten mit liberaler Markwirtschaft und Autokratien mit einer gelenkten Wirtschaft aufwiesen, betonte Prof. Anheier, dass weder ein genereller Abbau noch ein genereller Anstieg von Vertrauen zu verzeichnen war. Obwohl Populismus und ein starkes antielitares Klima scheinbar ein weitreichendes Gefuhl von Vertrauensverlust hervorgerufen haben, konnte ein solcher Ruckgang empirisch nicht nachgewiesen werden. Selbst in der U.S.-amerikanischen Gesellschaft, die das geringste Vertrauen in Regierung und Institutionen aufwies, konnte keine signifikante Veranderung verzeichnet werden. Somit schloss Prof. Anheier mit der Frage, ob Vertrauen tatsachlich so fragil sei, wie oft angenommen und verwies darauf, dass eine detailliertere Konzeptualisierung dieses Begriffes notig war, um diese und andere Fragen zu beantworten. Nach dem Festvortrag schloss sich ein Empfang in der Bel Etage des HCA, der allen Gasten die Gelegenheit gab, die neuen Einsichten bei Sekt und Happchen zu vertiefen. " The Transatlantic Alliance and the Trump Administration " Dass Sicherheitspolitik zwar eine ernste, aber auch sehr unterhaltsame Angelegenheit sein kann, erfuhren die Teilnehmerinnen und Teinehmer eines Townhall Meetings mit dem Titel,,The Transatlantic Alliance and the Trump Administration" am 20.11.2017. Zu Gast waren U.S.- Generalkonsul James Herman sowie der Kommandierende General der U.S.-Armee in Europa, Generalleutnant Ben Hodges. Eine Kooperation zwischen dem Heidelberg Center for American Studies (HCA) und der Aussen-und Sicherheitspolitischen Hochschulgruppe Heidelberg (ASH) hatte zur Diskussion mit den hochkaratigen Gasten eingeladen. Die bereits gemeinsam gesammelte Erfahrung der Referenten mit derartigen Veranstaltungen trug schon in den ersten Minuten nach der Begrussung durch den Grundungsdirektor des HCA, Prof. Dr. Dr. h.c. Detlef Junker, zur Auflockerung der Atmosphare bei: sie hatten einen Kasten Bier mitgebracht, um daraus Flaschen als Belohnung fur besonders schwierige Fragen an die Zuhorerschaft zu vergeben. Nicht zuletzt auch aufgrund dieser entspannten Atmosphare entwickelte sich schnell eine lebhafte Diskussion zwischen Publikum und Gasten. Mehrmals betonten Generalkonsul Herman und Generalleutnant Hodges dabei die grosse Bedeutung der guten deutsch-amerikanischen Beziehungen sowie die Rolle Deutschlands als,,moral authority" weltweit. Aber beide hoben auch die verschiedenen Massnahmen zur Wiedergewinnung des deutschen Vertrauens nach der NSA-Affare und die Bedeutung einer guten bilateralen Beziehung unterhalb der Regierungsebene wiederholt hervor. Darauf angesprochen, welchen Einfluss das Twitterkonto des U.S.-Prasidenten auf die deutsch-amerikanischen Beziehungen hatte, antwortete Generalleutnant Hodges knapp:,,watch what we do - not what we say". Trotz allem sei eine Einhaltung der zweitausendvierzehn gemachten Zusagen zum Ziel der Steigerung der Verteidigungsausgaben auf zwei Prozent des BIP innerhalb der NATO integraler Bestandteil einer verlasslichen Partnerschaft beider Lander. Zwar sei eine diplomatische Konfliktbeilegung einer militarischen immer vorzuziehen - Diplomatie ohne ausreichend verfugbare militarische Kapazitaten sei jedoch wie,,ein Orchester ohne Instrumente," so Generalleutnant Hodges. Eine Starkung der europaischen Zusammenarbeit im Bereich der Verteidigung geniesse deshalb grosse Zustimmung in den USA, nicht zuletzt, weil eine effiziente Zusammenarbeit im Bereich Beschaffung und Instandhaltung innerhalb der E.U. sowie eine schnellere Verlegbarkeit von Material und Personal in Europa letztlich auch die NATO starke. Nach der 70-minutigen, angeregten Diskussion zwischen Referenten und Teilnehmenden bedankte sich Moderator Florian Stellkamp von der ASH bei Generalkonsul Herman und Generalleutnant Hodges sowie dem HCA fur die erfolgreiche Zusammenarbeit und sprach auch dem etwa 130-kopfigen Publikum seinen Dank fur die lebhafte Beteiligung aus. Thomas Brown: "The Rise and Fall of Confederate Monuments " Im November folgte Thomas Brown von der University of South Carolina, der gerade den Fulbright Distinguished Chair an der Universitat von Uppsala innehat, der Einladung des HCA, einen Vortrag im Rahmen des Baden-Wurttemberg Seminars zu halten. Prof. Brown sprach uber die Verbreitung und den Niedergang von Konfoderierten-Denkmalern, basierend auf seinem Buch The Reconstruction of American Memory: Civic Monuments of the Civil War, dass kurz vor der Veroffentlichung stehe. Der Geschaftsfuhrer des HCA, Dr. Wilfried Mausbach, hiess Prof. Brown willkommen und gab Einblicke in dessen akademische Arbeit. Prof. Brown ist der Author von Civil War Canon: Sites of Confederate Memory in South Carolina und Dorothea Dix, New England Reformer. Er ist Herausgeber mehrerer Bucher, darunter Remixing the Civil War: Meditations on the Sesquicentennial und der Co-Author von Hope and Glory: Essays on the Legacy of the 54th Massachusetts Regiment. Ausserdem tragt er mit seiner Arbeit in der Historic Columbia Foundation dazu bei, dass das Haus, in dem Woodrow Wilson als Kind lebte, zu einem Ort des Lernens wird. In der Lehre konzentriert sich Thomas Brown auf die Geschichte der Vereinigten Staaten mit speziellem Augenmerk auf den Burgerkrieg und die Phase der Reconstruction. Im Suden der USA, jedoch vornehmlich in New Orleans, Baltimore und Dallas, werden Konfoderierten-Denkmaler abgebaut, stellte Prof. Brown fest. Warum gerade jetzt? Denkmaler und Monumente, die die der Konfoderierten-Armee gedenken und sie feiern, wurden bis in die funfziger Jahre hinein errichtet. Viele seien Ausdruck offen rassistischer Einstellungen, waren jedoch zumindest bis vor Kurzem toleriert worden. Prof. Brown zeigte Bilder solcher Denkmaler, zum ersten das Farragut Monument, welches sich in New York City auf dem Madison Square befindet und Admiral David Glasgow Farragut gedenkt, der wahrend des Burgerkriegs New Orleans einnahm und die Schlacht um Mobile Bay gewann; zum zweiten das Lincoln Memorial in Chicago. Beide Monumente wurden von dem Bildhauer Augustus Saint-Gaudens erschaffen. Prof. Brown wies darauf hin, dass fur einen langen Zeitraum nur Fuhrungspersonlichkeiten dargestellt worden waren. Der gemeine Infanterist wurde erst zum Ende des neunzehnten Jahrhunderts beliebt, als der Soldat den Bauer als Ideal des Staatsburgers ersetzte. Auch die Verortung der Denkmaler veranderte sich. Zuerst waren Monumente vor allem auf Friedhofen errichtet worden, ein hochpolitischer Raum, wie das Beispiel Greenwood Cemetery in Brooklyn zeigt. Auch gab es Unterschiede im Gedenken an den Krieg zwischen Norden und Suden. Dazu fuhrte beispielsweise der Umstand, dass der Suden uber die Gebeine seiner Soldaten verfugte, wahrend die Soldaten aus dem Norden zumeist weit entfernt von ihrer Heimat begraben wurden. Interessanterweise war der Burgerkrieg der erste Krieg, in dem Soldaten nicht namenlos starben, sondern eine Identifikationsmarke, das sogenannte "dog tag" trugen, damals ein Stuck Papier, Metall oder Holz, das auf der Innenseite der Uniform oder um den Hals getragen wurde. Viele der Burgerkriegsdenkmaler wurden mithilfe der United Daughters of the Confederacy errichtet, nach einigen Einschatzungen sogar die Mehrheit der siebenhundert Statuen und Monumente, die in den siebzig Jahren nach dem Burgerkrieg aufgestellt worden waren, so auch das Konfoderierten-Denkmal auf dem Nationalfriedhof Arlington in Virginia. Wann stoppte der Bau dieser Denkmaler? Sie seien fur Fussganger geschaffen worden, erlauterte Prof. Brown. Mit den ersten Autos auf der Strasse vollzog sich eine raumliche Veranderung. Eine kulturelle Veranderung geschah, als das Kino die USA eroberte; die bewegten Bilder begeisterten die Menschen weit mehr als Bronzestatuen. In den letzten Jahren begann der Abbau der Denkmaler. Die viel diskutierte Nathan Bedford Forrest Statue in Nashville, Tennessee, war in den letzten Jahren regelmassig vandalisiert worden, in jungster Zeit mit #Black Lives Matter Graffiti, erzahlte Prof. Brown. Die #Black Lives Matter Bewegung spiele eine enorm wichtige Rolle im Diskurs um die Konfoderierten-Denkmaler. zweitausendsiebzehn wurde das Jefferson Davis Monument in New Orleans auf Anweisung der Stadtverwaltung abgebaut, wenn auch unter Protest. Weitere triftige Beispiele sind das Thomas J. "Stonewall" Jackson und das Robert E. Lee Monument im Emancipation Park, Charlottesville, Virginia. Sie waren eintausendneunhunderteinundzwanzig und eintausendneunhundertvierundzwanzig errichtet worden. Der Park war zuvor eine afroamerikanisches Viertel gewesen, die McKee Row. Die Hauser dieser verarmten Gegend wurden nach dem Ersten Weltkrieg abgerissen und an ihrer Stelle ein Park samt zweier Gedenkstatten errichtet, die den beruchtigten Sudstaatengeneralen gewidmet waren. Die Idee, die Denkmaler zu entfernen, kam nach dem tragischen Tod von Heather Heyer; sie war im August zweitausendsiebzehn von einem Auto uberfahren worden, das in eine Gruppe von Menschen gelenkt wurde, die gegen eine Versammlung von weissen Nationalisten und weiteren rechten Organisationen protestiert hatten. Der Stadtrat stimmte einstimmig dafur, die beiden Statuen der Generale mit schwarzer Folie zu verhullen. Menschen, die sich gegen das Verhullen oder den Abriss von Konfoderierten-Denkmalern aussprechen, behaupten, es sei der Mensch, dem gedacht wurde, und nicht seiner Taten. Im engeren Sinne passiere der Abriss aus zwei Grunden, sagte Prof. Brown. Zum einen sprache man sich so klar gegen von der Regierung finanzierten Rassismus aus, und zum anderen unterwandere man so nicht die Veranderungen, die die Legislatur seit der Burgerrechtsbewegung vollbracht habe. Im weiteren Sinne stunden die Denkmaler fur die Ursprunge des Ikonoklasmus, gewalttatige, rassistische Ausbruche und die sozialen Organisation von Gewalt. Ausserdem, fugte Prof. Brown zu, seien die Denkmaler Vorbilder fur die gewaltsame Regulierung einer Ordnung nach Hautfarbe, da die Bauten die Rassentrennung zelebrierten. Nach seinem Vortrag wurde Prof. Brown mit Fragen zu dem Abbau der Denkmaler bombardiert. Die Zuhorenden waren klar gespalten in jene, die sich einen Abbau aller Konfoderierten-Denkmaler wunschten und solche die, die Entfernung als eine Verfalschung der Geschichte ansahen. Prof. Brown antwortete darauf:,,Es gibt wohl viele Formen des Gedenkens, die demokratischste scheint jedoch das Buch zu sein. " Am Mittwoch, den acht November 2017, hatte das Forum fur Internationale Sicherheit in Kooperation mit dem Heidelberg Center for American Studies und der Deutschen Atlantischen Gesellschaft zur Podiumsdiskussion zum Thema,,Der Trump-Effekt - Ein Jahr nach der Wahl" eingeladen. Moderiert wurde der Abend von Prof. Dr. Sebastian Harnisch vom Institut fur Politische Wissenschaft in Heidelberg. Als Diskutanten waren Dr. Martin Thunert vom Heidelberg Center for American Studies, Dr. David Sirakov von der Atlantischen Akademie Rheinland-Pfalz sowie Dr. Caroline Fehl von der Hessischen Stiftung fur Friedens- und Konfliktforschung geladen. Die Diskussion begann mit der Frage, ob Donald Trump sein Ziel, Amerika wieder zu alter Grosse zu verhelfen, erreicht habe. Die Diskutanten waren sich daruber einig, dass dies nicht der Fall sei, denn seine Erfolge beziehen sich mehr auf die Prasidentschaftswahl als solche statt auf tatsachliche Erfolge, insbesondere in der Legislative. Sie sahen Trump eher als ein Symptom langerfristig wirkender Krafte denn als deren Ursache. Ohne ihn als Prasidenten ware die Polarisierung der amerikanischen Gesellschaft, vor allem in Bezug auf den generellen Skeptizismus gegenuber internationalen Organisationen und Abkommen, jedoch weniger stark ausgepragt als sie es heute ist. Das Verhaltnis zwischen Donald Trump und Angela Merkel ist im Vergleich zum Verhaltnis zwischen Barack Obama und Angela Merkel eher schwierig. Zukunftig konne sich stattdessen Frankreich mit Prasident Macron trotz inhaltlicher Differenzen an Trump annahern. Bezuglich der Frage, ob man Trump metaphorisch als,,Twitterkonig" bezeichnen konne, der aus dem Bauch heraus Zeilen veroffentliche, stellte David Sirakov heraus, dass es trotz allem wichtig sei, Trumps Ausserungen ernst zu nehmen, ganz gleich uber welchen Kanal diese mitgeteilt werden. Caroline Fehl sowie Martin Thunert raumten Trumps Beraterinnen und Beratern, insbesondere seiner Tochter Ivanka, ein, einen gewissen Einfluss auf den Prasidenten zu haben, jedoch sei der tatsachliche,,Policy-Impact" beschrankt, wie man beispielsweise beim Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen sehen konne. Obwohl Trump innenpolitisch kein starker Prasident sei, trauen ihm viele Politikexperten zu, wiedergewahlt zu werden und die republikanische Partei im Zuge der,,mid-terms" in seinem Sinne zu gestalten. Der grosste Teil der sich als Republikaner identifizierenden Wahler stehe weiterhin zu Trump, allerdings sinke die absolute Zahl der Parteianhanger. Nun musse dem Abbau der Politik Obamas eine positive Gesetzgebung wie zum Beispiel die Unternehmenssteuerreform folgen, da uber Trump momentan die Russland-Affare sowie der Fehler, den FBI-Chef Comey entlassen zu haben, hange. Die Podiumsdiskussion endete mit der Frage, inwieweit Trump ein Sicherheitsrisiko in Bezug auf den Iran und Nordkorea darstelle. Die Diskutanten kamen zu dem Ergebnis, dass Prasident Trump ein sehr grosser Unsicherheitsfaktor sei. Die anschliessende Fragerunde diskutierte, wie realistisch es sei, dass Prasident Trump wiedergewahlt werde, ob seine Sicherheitspolitik fur Asien gefahrlicher als fur Europa sei und warum der Dow-Jones Aktienindex trotz ausbleibender Steuerreform steige. Publikum und Diskutanten fuhrten dann diese uber alle Massen gut besuchte Veranstaltung bei einem gemeinsamen Umtrunk rege fort. David D. Hall: "The Origins of Puritanism: Or, the Politics of 'Reformation' in Sixteenth-Century Britain " sechsundzwanzig Oktober zweitausendsiebzehn Das HCA setzte am sechsundzwanzig Oktober sein Baden-Wurttemberg Seminar mit einem Vortrag von David D. Hall fort, dem Bartlett Professor of New England Church History Emeritus an der Harvard Divinity School, der uber die Ursprunge des Puritanismus und die Reformationspolitik Englands im sechzehnten Jahrhundert sprach. Jan Stievermann, Professor fur die Geschichte des Christentums in den USA, hiess den illustren Gast willkommen und hob die wissenschaftlichen Meriten Prof. Halls hervor. David D. Hall unterrichtet seit eintausendneunhundertneunundachtzig an der Harvard Divinity School. Er ist unter anderem Autor folgender Bucher: The Faithful Shepherd: A History of the New England Ministry in the Seventeenth Century; Worlds of Wonder, Days of Judgment: Popular Religious Belief in Early New England; Puritans in the New World: A Critical Anthology und A Reforming People: Puritanism and the Transformation of Public Life in New England - allesamt entscheidende Beitrage zur Erforschung der Verbindung von Geschichte und Religion, betonte Prof. Stievermann. Er selbst habe grosses Wissen und Inspiration aus den Arbeiten Prof. Halls gezogen, die die Puritan Studies und amerikanische Religionsgeschichte geformt und neu definiert hatten. David D. Hall ist daruber hinaus Herausgeber von zwei massgeblichen Dokumentensammlungen: The Antinomian Controversy of 1636-1638: A Documentary History und Witch-Hunting in Seventeenth-Century New England: A Documentary. Am HCA sprach er uber Religion und Gesellschaft im Neuengland des sechzehnten Jahrhunderts, auch im Zuge seines aktuellen Projekts, einer umfassenden Geschichte des Puritanismus in England, Schottland, und Neuengland von 1550 bis 1700, die von der Princeton University Press veroffentlicht werden wird. Naturlich sei er bereits einmal in Heidelberg gewesen, sagte David Hall. Als er eintausendneunhundertachtundfünfzig Fulbright Stipendiat in Frankreich war, nutzte er die Moglichkeit, Europa zu bereisen. Er begann seinen Vortrag mit einer kurzen Einfuhrung zu den Konigen und Koniginnen und deren Hinrichtungen im England und Schottland des sechzehnten Jahrhunderts. Er verglich England und Schottland, die eintausendfünfhundertneunundfünfzig grosse Ahnlichkeit aufgewiesen, sich aber in den darauffolgenden Jahrzehnten unterschiedlich entwickelt hatten. Er stellte zwei Reformer vor, den Schotten John Knox und den Englander Thomas Sampson. Letzterer, vormals als linker Protestant ins Exil geschickt, druckte seinen Unmut uber den Zustand der Kirche aus; besonders die Form des Gottesdienstes stiess ihm als,,unrein" auf. Elizabeth I. hatte durch ihre Bischofe ihre Priester angewiesen, uber der Soutane die "surplice", ein Chorhemd, anstatt dem,,Geneva Gown", einem Talar, zu tragen und so Aufruhr unter den Protestanten ausgelost: der Beginn protestantischer Non-Konformitat. Siebenunddreissig Priester verweigerten sich dem Kleiderwechsel. Die schottische Monarchin Mary von Guise wurde zu einem Treffen mit puritanischen Fuhrern gedrangt, die sie uberzeugten, ihren Glauben an die puritanische Lebens- und Glaubensweise publik zu machen. eintausendfünfhunderteinundsechzig wurde ein schottisches Book of Common Prayer veroffentlicht, eine englische Ubersetzung der,,Geneva Order". Wahrend die Schotten weiterhin ihre Nachbarn mit Argwohn betrachteten, bewunderten die puritanischen Englander die Schotten fur ihre erfolgreiche Verbreitung des Puritanismus. Charles I. wunschte sich eine Vereinheitlichung der Gottesverehrung in ganz England und bat schottische Bischofe, ihn bei der Erstellung eines Gebetbuches zu unterstutzen. Die Englander waren davon nicht begeistert; die schottischen Bischofe wurden offentlich mit Fakalien beworfen. Sie liessen daraufhin drei Mannern die Ohren abschneiden und als Lasterer und Verrater brandmarken. Der Konig hatte keine Wahl, er war auf schottische Hilfe angewiesen, wollte er die Verbreitung des Puritanismus vorantreiben. Sein Vater hatte ihm die Furcht vor dem Presbyterium eingescharft, das sein Volk letztendlich gegen die Krone aufbringen wurde. Die Puritaner, die im siebzehnten Jahrhundert in Nordamerika Gemeinden grundeten, versuchten antidemokratische Tendenzen auszumerzen, stellte Prof. Hall fest. Gruppen innerhalb Ihrer Gemeinden konnten jedoch Regeln erstellen, die bestimmten, wer beispielsweise am Sakrament teilnehmen durfte:,,Freut ihr euch nicht, wenn bei jedem Sakrament dein Nachbar dessen wurdig ist? " zitierte Prof. Hall. Eine der Hauptideen hinter seiner Forschung sei die Frage, wie repressiv die Puritaner als Gesellschaft gewesen seien - moglicherweise weniger als wir denken, sagte David Hall. Beispielsweise hatten Puritaner darauf gedrangt, die Eheschliessung zu einem zivilen Akt zu erklaren, womit Scheidungen moglich wurden. Hiernach eroffnete Prof. Stievermann das Gesprach, wobei Grossteile der Anwesenden besonders an einem Schritt in der Demokratisierung interessiert waren: Bildung. Die Fahigkeit zu lesen war in den Vereinigten Staaten starker verbreitet als in England, sagte Prof. Hall. Mehr als vierzig Prozent aller Haushalte in Massachusetts hatten uber eine Bibel verfugt, und die Mitglieder dieser Haushalte vermochten auch, sie zu lesen. Im Anschluss an das Publikumsgesprach dankte Prof. Stievermann David Hall herzlich fur seinen informativen und unterhaltsamen Vortrag und verabschiedete das Publikum. Enjoy Jazz: One Note At A Time von Renee Edwards Am vierundzwanzig Oktober freute sich das HCA, seinen Besuchern erneut eine Dokumentation uber New Orleans in Zusammenarbeit mit dem Enjoy Jazz Festival prasentieren zu konnen. In der deutschen Erstauffuhrung des Filmes,,One Note At A Time" von Regisseurin und Produzentin Renee Edwards erhielten die Anwesenden einen Einblick in das Leben der Jazzmusiker von New Orleans nach Hurrikan Katrina. Im Fokus des Filmes standen zahlreiche Musiker, die nicht nur mit den Folgen der Fluten, sondern auch mit einem zunehmend maroden Gesundheitssystem kampften. Vorgestellt wurde der Film von der freischaffenden Musikjournalistin und Konzertorganisatorin Franziska Buhre. Nach einer kurzen Vorstellung durch Dr. Anja Schuler berichtete Frau Buhre uber die Musician's Clinic in New Orleans, eine Klinik, die Gesundheitsfursorge speziell fur Tanzerinnen und Musiker anbietet. Die Leiter Bethany und Johann Bultman grundeten diese Einrichtung nach Katrina, um die Kunstler New Orleans, die einkommensbedingt oft in eine Marge rutschten, in der sie weder staatlich noch privat abgesichert waren, zu unterstutzen. Die Klinik bietet ihnen nicht nur einen umfassenden Service, so Buhre, sondern auch die Moglichkeit flexibler, an das Einkommen des Patienten angepasster Bezahlung. Danach eroffnete die Dokumentation den Zuschauern einen personlicheren Einblick in die Klinik und das Leben ihrer Patienten. In zahlreichen Interviews mit Jazzmusikern und Mitarbeitern der Klinik zeigte sich, dass sie mehr als medizinische Versorgung bereitstellt. Fur die Musiker, die in den Fluten oftmals die Soft- und Hardware ihrer kunstlerischen Kariere verloren hatten, war die Musician's Clinic auch ein Ort der seelischen Genesung. Dies galt besonders fur diejenigen, die New Orleans nach Katrina verlassen mussten und fur die die Ruckkehr in die Heimat Teil eines mentalen Heilungsprozesses darstellte. Zuruck in New Orleans, welches noch mit den Folgen des Hurrikans kampft, sahen sich die Musiker jedoch neuen Herausforderungen gegenuber. Zunehmender Wettbewerb mit Clubs sowie neue Gesetzgebung zum Larmschutz fuhrten zu einer neuen Organisationsweise der Musiker, aber auch zur einer lebendigeren Jazzszene. Die Wiederbelebung der Musikszene in New Orleans sei fur alle involvierten Kunstler ein Kraftakt, so Bethany Bultman, Grundungsdirektorin der Musician's Clinic. Da Musiker viel Zeit und Energie in ihre Kunst investieren, sind sie auf eine gute Gesundheit angewiesen. Um den Musiker hier beiseite zu stehen, ist die Klinik auf staatliche Unterstutzung angewiesen, die jedoch schon bald nach Katrina auslief. Die zurzeit grosstenteils durch Spenden finanzierte Einrichtung hat jedoch die Gemeinschaft in New Orleans gestarkt und somit letztlich auch dem Jazz geholfen, wieder auf die Beine zu kommen. Die personlichen Geschichten der Bewohner New Orleans regten die Zuschauer dazu an, in der nachfolgenden Diskussionsrunde mit Franziska Buhre und Anja Schuler noch mehr uber das Schicksal der Klinik und ihrer Patienten zu erfahren. Verleihung des Rolf-Kenter-Dissertationspreises zweitausendsiebzehn Zum achten Mal wurde mit dem Rolf-Kentner-Dissertationspreis eine herausragende Arbeit im Bereich der American Studies ausgezeichnet. In diesem Jahr wurde der Preis an Elena Poppe verliehen, Project Director und Research Fellow fur die Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK). Sie promovierte zu,,U.S. Democracy Promotion after the Cold War: Stability, Basic Premises, and Policy towards Egypt ". Detlef Junker, Grundungsdirektor des HCA, hiess Elena Poppe, den Stifter des Preises Rolf Kentner und den Schatzmeister des Schurman Vereins Dr. Gerhard Vogel herzlich willkommen. Er nutzte die Gelegenheit, den beiden Gonnern des HCAs, ohne die weder die Schurman Bibliothek fur Amerikanische Geschichte noch das HCA Wirklichkeit geworden waren, fur ihren Einsatz zu danken. An diesem Nachmittag waren beide von ihren Aufgaben fur den Schurman Verein zuruckgetreten. Sie wurden mit grossem Applaus und der Ernennung zu Ehrenmitgliedern des Schurman Vereins geehrt. Professor Junker hiess ebenfalls die frischen und erfahreneren Ph. D.-Kandidaten, Master- und Bachelorstudenten willkommen, die die Entwicklung des HCAs uber die letzten Jahre verkorpern. Martin Thunert, Senior Lecturer fur Politikwissenschaft am HCA, hielt im Anschluss die Laudatio auf Elena Poppe. Zunachst gab Dr. Thunert einen Uberblick uber die sieben Preise, die das HCA seit zweitausendzehn verliehen hat. In diesem Jahr ging er zum ersten Mal an eine Alumna der Goethe Universitat Frankfurt und zum dritten Mal an eine Frau. Elena Poppe hat zweitausendneun ihr Magisterstudium cum laude abgeschlossen. Sie verbrachte zwei Jahre in den USA, eines als Studentin amerikanischer Zeitgeschichte an der American University in Washington, D.C. und ein zweites als Visiting Scholar an der Georgetown University. Annika Poppe wurde wahrend ihrer Promotion durch die Studienstiftung des Deutschen Volkes und die Fulbright Kommission unterstutzt. Ihr akademisches Zuhause, erklarte Dr. Thunert, sei eine Institution, die lose mit der Universitat verbunden sei, das Leibniz Institut HSFK. Elena Poppes Forschung konzentriert sich auf die internationale Demokratieforderung, das globale Phanomen der Verkleinerung von zivilem Raum, U.S.-amerikanische Aussenpolitik und die Beziehungen zwischen den USA und Agypten. Ihre Dissertation ist zeitlich zwischen dem Ende des Kalten Krieges und der Ernennung Trumps zu Prasidenten verortet. Sie beginnt mit Erlauterungen zur Demokratieforderung, die sich zu Beginn der achtziger Jahre eher als statisch denn als stark veranderlich charakterisieren lasst, obwohl viele Experten dies anders erwartet hatten. Dr. Poppe untersuchte die Prasidentschaften Bill Clintons, George W. Bushs und Barack Obamas. Dr. Thunert stimmte einem Mitglied der Jury zu, welches in seiner Bewertung der Arbeit lobte, dass Elena Poppe,,erfolgreich gewesen sei, wo andere Muhe haben: in der Verbindung von American Studies und Politikwissenschaft". Dr. Thunert gratulierte Dr. Poppe herzlich zu Ihrer Leistung und gab ihr das Wort. Dr. Poppe dankte der Jury und dem HCA, sie fuhle sich,,kleiner und grosser zugleich". Sie hielt einen spannenden Vortrag zu ihrem Thema und teilte ihre Erkenntnisse uber die amerikanische Politikstrategie zur Demokratisierungsforderung in Agypten in den letzten Jahren. Die Forderung von Demokratie war eines der wichtigsten aber auch der umstrittensten Themen der Bush-Regierung und hat sein Vermachtnis stark belastet. Dennoch schob Barack Obama das Thema nicht vollstandig beiseite, denn der Gedanke, dass die USA eine exponierte Rolle haben, wenn es um Demokratie und Freiheit geht, ist tief in der nationalen Identitat verankert. Durch Trump sei diese,,soft power" der U.S.-amerikanischen Diplomatie gefahrdet. Er hatte beispielsweise Sympathien fur autokratische Fuhrungspersonen zur Schau gestellt. Es sei aber auch zu bemerken, fugte Elena Poppe hinzu, dass Trump die Verkleinerungen ziviler Raume vorangetrieben, jedoch nicht verursacht hatte. Dies sei ein globales Phanomen. Dr. Poppe beendete ihren Vortrag mit dem Hinweis auf Ihr aktuelles Projekt zu Demokratie in Zeiten Erdogans, Putins und Trumps. Nach einem Schlussapplaus wurden Dr. Poppe und das Publikum eingeladen, den Preis auf einem Empfang in der Bel Etage des HCA zu feiern. Enjoy Jazz: Faubourg Treme von Dawn Logsdon and Lolis Eric Elie Am siebzehn Oktober prasentierte das HCA seinem Publikum in einer Zusammenarbeit mit Enjoy Jazz den Film,,Faubourg Treme". Diese Dokumentation von Dawn Logsdon und Lolis Eric Elie, beide Einwohner von New Orleans, portratiert das Stadtviertel Treme vor und nach Hurrikane Katrina. Daruber hinaus spielen die wiederkehrenden Anstrengungen der Bewohner Tremes, ihre Heimat durch die Zeiten der Sklaverei, Rassentrennung und der Burgerrechtsbewegung am Leben zu halten, eine zentrale Rolle. Eingefuhrt und kontextualisiert wurde der Film von Berndt Ostendorf, Professor Emeritus fur Nordamerikanische Kulturgeschichte am Amerika-Institut der Ludwig-Maximilian-Universitat in Munchen. Nachdem Dr. Anja Schuler, die Koordinatorin des Forums am HCA, Professor Ostendorf vorgestellt hatte, gab dieser den Zuschauern umfangreiche Informationen uber den geschichtlichen Hintergrund des Viertels. So sei Treme bereits fruh zum Zentrum afroamerikanischer und kreolischer Kultur in New Orleans geworden und entwickelte unter anderem auch durch seinen hohen Anteil freier Afroamerikaner und die vielfaltige Zusammensetzung der Bevolkerung eine lebhafte und reiche Kultur. Als zu Beginn des zwanzig Jahrhunderts die Rassentrennung in der amerikanischen Gesellschaft auf ihrem Hohepunkt angelangte, war diese einzigartige Kultur fur die Bewohner Tremes nicht nur eine Zuflucht, sondern auch eine Moglichkeit der freien kunstlerischen Entfaltung. Das Viertel wurde zum,,Geburtsort des Jazz", und auch wenn es in den letzten Jahrzehnten herbe Schlage einstecken musste, so blieben Musik und besonders Jazz eine wichtige Stutze fur seine Bewohner. Die Zuschauer erfuhren danach mehr uber Treme und seine Einwohner in der Dokumentation selbst, welche Lolis Eric Elie bei den Renovierungsarbeiten seines Hauses begleitete. Da viele Afroamerikaner bereits im neunzehn Jahrhundert als freie Burger Besitz erwerben konnten, sind viele Hauser in Treme nicht nur Zeitzeugen von Familiengeschichten, sondern daruber hinaus Zeugnisse der Geschichte des Viertels. Sein einzigartiger Charakter wurde besonders durch das Zusammenleben franzosischer, spanischer, kreolischer und afroamerikanischer Kulturen gepragt. Noch heute ist das so genannte,,Second-lining", welches die Teilnahme an einer Strassenparade in dem zweiten Block nach der Blaskapelle beschreibt, ein Ausdruck dieser verschiedenen Kulturen. Neben seinem Beitrag zur kulturellen Landschaft von New Orleans bluhte in Treme schon seit dem neunzehn Jahrhundert der politische Aktivismus. So wurde hier die erste afroamerikanische Zeitung L'Union (spater umbenannt in The New Orleans Tribune) gegrundet, welche sich nicht nur fur die Abschaffung der Sklaverei aussprach, sondern spater auch die Burgerrechtsbewegung unterstutzte. Ausdruck fanden die gesellschaftspolitischen Bemuhungen im Jazz, der dem Viertel auch heute, nach Katrina, hilft, sich wieder mit neuem Leben zu fullen. Diese Unverwustlichkeit Tremes und die Entschlossenheit seiner Bewohner, den Charakter ihrer Heimat zu erhalten, beeindruckte das Publikum und fuhrte nach Ende des Filmes zu einer lebhaften Diskussionsrunde mit Berndt Ostendorf und Anja Schuler. Am elf Oktober hiess das HCA Juliet Kaarbo, Co-Direktorin des Center for Security Research und Professorin fur Aussenpolitik an der Universitat Edinburgh, herzlich zum Baden-Wurttemberg Seminar willkommen. Professor Kaarbo prasentierte in der ersten gemeinsamen Veranstaltung des HCA und des Graduiertenkollegs,,Authority and Trust" (GKAT) ihr aktuelles Forschungsprojekt, in welchem sie die Rollentheorie auf den Brexit anwendet. Nach einer kurzen Vorstellung durch Professor Sebastian Harnisch vom Institut fur Politische Wissenschaft der Universitat Heidelberg erlauterte Professor Kaarbo die Vorteile dieser Methode. Sie erklarte dem Publikum zunachst, dass die Rollentheorie alle Handlungen internationaler und nationaler Politik als Handlungen auf einer globalen Buhne betrachtet und regionalen, nationalen und internationalen Akteuren entsprechende Rollen zuteilt. Daruber hinaus geht diese Theorie laut Kaarbo davon aus, dass sich die Rolle eines jeden Staates aus dessen Position auf der Buhne und seiner Sozialisierung durch andere Akteure ergibt. Auf dieser Grundlage formulierte Professor Kaarbo eine zentrale Frage ihres Forschungsprojekts, namlich wie, wann und warum sich die Rollen von Staaten veranderten. Professor Kaarbo und ihre Kollegen Kai Oppermann und Ryan Beasely definieren Rollentransformation als einen Prozess, der sowohl durch interne Anfechtung als auch durch externe Sozialisierung ausgelost wird. Obwohl interne Konflikte besonders im Hinblick auf den Brexit bedeutsamer zu sein schienen, argumentierte Kaarbo fur die Signifikanz der externen Sozialisierung, wahrend welcher ein Staat durch die Interaktion mit anderen Staaten seine Rolle definiere. Gerade im Falle Grossbritanniens sei auch der externe Einfluss nicht zu leugnen. Besonders falle jedoch in beiden Diskursen auf, so Kaarbo, dass der Streit uber die politische Souveranitat von zentraler Bedeutung sei. Die ungewohnlich spezifische Verbindung zwischen Souveranitat und Rollentransformation werfe daher die Frage auf, ob nicht nur die Fallstudie Brexit, sondern die Rollentheorie im Allgemeinen von einer Einbeziehung dieser Besonderheit profitieren wurde. Professor Kaarbo argumentiert ausserdem, dass im Fall des Brexits nicht nur der tatsachliche und ideelle Wert von Souveranitat deutlich wurde, sondern auch die Verteilung von Macht in einem politischen System, die durch ein solches Ereignis auch neu verteilt werden kann. Weiter sei es auch notwendig, die Auswirkungen eines Rollenwandels auf bestehende Rollen miteinzubeziehen, da hierdurch bestehende Allianzen zerfallen, aber auch neue entstehen konnten. Deswegen gehe es nicht nur um die neue Rolle Grossbritanniens, sondern schlussendlich um die Verschiebung des Rollengeflechts auf globaler Ebene. Dies konne dann zu einer prinzipiellen Neubewertung von Souveranitat fuhren, was wiederum Auswirkungen auf alle souveranen Rollen hatte. Professor Kaarbo demonstrierte dann, dass sich diese theoretischen Ansatze empirisch an einer Vielzahl gesellschaftlicher Institutionen nachvollziehen lassen. Obwohl die ursprungliche Intention gewesen sei, Souveranitat, welche an die E.U. abgegeben worden war, wieder auf nationaler Ebene zu etablieren, breitet sich der Souveranitatskonflikt rasch auf andere Teile der Gesellschaft, wie die Gerichte oder britische Landesteile, aus. Somit musste man nun, laut Kaarbo, den Brexit als Element eines komplexen Geflechts regionaler und nationaler Interessen ansehen. Nach dem Referendum wurden die Versuche der internationalen Gemeinschaft, Druck auf Grossbritannien auszuuben, rasch von neuen Konflikten uber nationale Souveranitat, Beispiel Schottland, abgelost. Diese Konflikte seien ein klares Symptom fur den komplizierten Prozess der Rollentransformation, den Grossbritannien gerade durchlaufe. Professor Kaarbo beendete ihren Vortrag dann mit der Prognose, dass der Brexit das generelle Souveranitatsverstandnis, welches bis dato vorgeherrscht hatte, untergraben und neu definieren konnte. Begeistert von ihrem Vortrag nahm das Publikum dann die Gelegenheit wahr, in der anschliessenden Debatte das Projekt mit Juliet Kaarbo angeregt zu diskutieren. F. Gregory Gause III: "The Trump Administration and the Middle East " F. Gregory Gause, Professor for International Affairs und Leiter des International Affairs Department der Bush School of Government an der Texas A&M University, eroffnete am fünf Oktober das Herbstprogramm des Baden-Wurttemberg Seminars. Der Inhaber des John H. Lindsay '44 Lehrstuhls referierte uber die Nahostpolitik von Prasident Donald Trump in einem Vortrag, welcher in Kooperation mit der Hochschule fur Judische Studien Heidelberg veranstaltet wurde. Nach einer kurzen Vorstellung durch Professor Johannes Becke von der Hochschule fur Judische Studien begann Professor Gause seinen Vortrag mit einer detaillierten Analyse der bisherigen Massnahmen der Nahostpolitik von Prasident Trump. Er betonte zur Uberraschung aller Anwesenden, dass Prasident Trumps Haltung, verglichen mit der seines Vorgangers, die traditionelle amerikanische Aussenpolitik im Nahen Osten widerspiegelte. Obwohl andere von Trump initiierte Massnahmen diese Kontinuitat nicht aufwiesen, reihte er in Sachen Naher Osten in die Politik, besonders die strikte Anti-Terror Politik, fruherer Administrationen ein. Daruber hinaus hatte er wahrend seines Wahlkampfes versprochen, die amerikanische Botschaft in Israel von Tel Aviv nach Jerusalem zu verlegen. Trump hatte diesen Plan jedoch rasch nach seiner Wahl verworfen und erneuerte stattdessen die Zusage, dass Amerika weiterhin ein Friedensabkommen zwischen Israel und Palastina unterstutzen werde. Obwohl Trump im Zuge seines Wahlkampfes ebenso stark fur eine verringerte amerikanische Prasenz im Nahen Osten pladierte wie andere Kandidaten vor ihm, wiesen vermehrte Einsatze der amerikanischen Luftwaffe in Syrien und neu stationierte Truppen in Afghanistan auf eine wieder grossere amerikanische Prasenz hin. Die Kontinuitat von Trumps Nahostpolitik wurde ausserdem durch einen rhetorisch-ideologischen Umschwung demonstriert, der durch einen Personalwechsel im Weissen Haus ausgelost wurde. Wo zuvor der ehemalige Chefstratege Steve Bannon und der ehemalige Nationale Sicherheitsberater General Michael Flynn sich einer islamophoben, anti-muslimischen Rhetorik bedienten, schlug General H. R. McMaster, der seit Februar Nationaler Sicherheitsberater des Prasidenten ist, einen deutlichen gemassigteren Kurs ein. Professor Gause betonte jedoch, dass Donald Trumps Haltung zum Iran und dem Nuklearabkommen deutlich von der Barack Obamas abweiche. Trump zeigte sich hier deutlich konfrontativer, jedoch betonte Gause, dass diese Haltung, die spurbaren Druck auf das iranische Regime ausubte, die amerikanische Aussenpolitik seit 1979 dominiert hatte und dass lediglich Prasident Obama deutlich von diesem Kurs abgewichen war. Nach diesem ausfuhrlichen Vergleich leitete Professor Gause dann zu der Frage uber, warum Trump trotz deutlicher Kontinuitat in der Nahostpolitik dennoch als Gefahr fur den Status Quo wahrgenommen werde. Hauptsachlich, so Gause, lage dies an Trumps Eigenart, politische Veranderungen unverzuglich zu kommentieren. Damit untergrabe er nicht nur seine eigenen Mitarbeiter, sondern stellte Politiker und Burger gleichermassen vor die Frage, wer den Prasidenten und ergo die Nahostpolitik in der Offentlichkeit tatsachlich reprasentiere. Professor Gause sprach dann zum Ende seines Vortrages uber die Grunde fur Trumps uberraschend kontinuierliche Nahostpolitik. Unter anderem sehe er das weiterhin bestehende wirtschaftliche Interesse der USA an guten Handelsbeziehungen als ausschlaggebend fur die amerikanische Nahostpolitik. Daruber hinaus betonte Gause aber, dass diese Kontinuitat auch das Resultat von innenpolitischen Interessen sei. Zum einen unterstutzen grosse Teile der amerikanischen Gesellschaft speziell seit dem Jom-Kippur-Krieg eintausendneunhundertdreiundsiebzig den Staat Israel, zum anderen stunden viele Amerikaner seit den Anschlagen des elf September hinter einer strikten Anti-Terror Politik. Professor Gause schloss dann seinen Vortrag mit einer Prognose fur zukunftige Kontinuitat in der Nahostpolitik Trumps und eroffnete die Diskussion, in welcher er diese und andere Themen lebhaft mit dem Publikum im Atrium diskutierte. Podiumsdiskussion: "Trump's World: The First zweihundert Days " Die letzte Veranstaltung des Sommersemesters war ein Ruckblick auf die politischen Entwicklungen und Veranderungen in den Monaten nach dem Einzug Donald Trumps ins Weisse Haus. Zu,,Trumps Welt : Eine Zwischenbilanz nach zweihundert Tagen" hatte das HCA die Journalisten Ali Aslan und Andreas Horchler eingeladen, aus den eigenen Rangen stiess der Politikwissenschaftler Martin Thunert hinzu. Die Moderation ubernahm Tobias Endler, ebenfalls Politikwissenschaftler am HCA. In der Diskussion ging es vor allem um die Wahlerschaft Trumps, die bisherigen innenpolitischen Veranderungen und die Rolle der Medien. Zu Beginn fasste Tobias Endler den Ist-Zustand der U.S.-amerikanischen Regierung zusammen; die Exzentrik des zweihundert Tage-alten Prasidenten, seine standigen Twittergewitter und die aussen- und innenpolitischen Tumulte. Es stunde die Sommerpause des Kongresses bevor, ein guter Moment innezuhalten und sich zu fragen, was eigentlich los ist in den USA. Die erste Frage ging an Andreas Horchler, der bis zum Juli dieses Jahres als Auslandskorrespondent fur die ARD in Washington tatig war. Vier Jahre lang hat Andreas Horchler in den USA gelebt und gearbeitet. Wie sei die Stimmung in den USA, fragte Tobias Endler, ist die Hauptstadt wirklich die,,Kloake", von der Donald Trump immer spricht? Fur viele sei Trumps Prasidentschaft noch immer der taglich getraumte Alptraum, antwortete Andreas Horchler. Washington D.C. sei zutiefst demokratisch, um Anhanger Trumps zu finden musse man aus der Stadt hinaus aufs Land, beispielsweise hatte er kurzlich einen Waffenhandler in North Virginia interviewt, der ihm erklart hatte, dass die Skandale um Trump bedeutungslos seien und dass Trump als Prasident sein Bestes tun wurde. Die nachste Frage richtete Tobias Endler an Ali Aslan, der von 1992-2006 in den USA lebte und seine Karriere als Volontar bei CNN begonnen hatte. Nach seiner Arbeit fur NBC News, CNN, ABC News und Channel News Asia ist der TV-Moderator, Journalist und Politikwissenschaftler derzeit Moderator des Online-Formats,,Die richtigen Fragen" auf. Welches Potenzial habe Trump da angezapft? Trump ist nicht vom Himmel gefallen, meinte Ali Aslan. Ahnliche Entwicklungen gebe es in Polen, der Turkei und Ungarn. Jedoch wurde falschlich angenommen, der Konflikt fande zwischen links und rechts statt, tatsachlich geht es um arm und reich. Dass sich der unterprivilegierte Teil der Bevolkerung Trump zugewandt hatte, liege auch in der Verantwortung der Demokraten, die ihn gewahren liessen. Ihn selbst beschaftige die Arroganz, mit der in Deutschland und Europa die amerikanische Wahlerschaft bewertet wurde. Ihre Situation liesse sich mit europaischen Massstaben kaum erfassen. Aus amerikanischer Sicht sei die Wahl eine Reality-Stars zum Prasidenten nur konsequent gewesen. Trump hatte den Wahlkampf um seine zweite Amtszeit bereits begonnen, stellte die Runde fest, und eine Wiederwahl sei nicht unmoglich. Was hatte Trump in den ersten zweihundert Tagen seiner Amtszeit eigentlich erreicht? Die Standards seien neu gesetzt, meinte Ali Aslan, Trump verfuge uber einen Teflon-Charakter, alles perle an ihm ab. Die Skandale, in die Trump bisher verwickelt war, hatten seine Vorganger das Amt gekostet. Die Fallhohe sei gross, pflichtete ihm Andreas Horchler bei. Die dramenfreien Regierung Obamas sei eben vorbei. Er sahe Trumps grossten Einfluss in der Berufung Neil Gorsuchs als Richter am Supreme Court. Seine konservative Haltung, etwa in Fragen der Familienplanung und Abtreibung, wurde die Gesetzgebung moglicherweise fur Jahrzehnte stark beeinflussen. Dennoch, gab Martin Thunert zu bedenken, der unter anderem fur das Senatskomitee fur Arbeit, Bildung und Gesundheit gearbeitet hatte, trage bisher kein Gesetz die Handschrift des Prasidenten Trumps. Die Beziehung zwischen der ersten Gewalt - der Exekutive - und der vierten Gewalt - den Medien - habe sich unter Trump und auch schon im Wahlkampf stark verandert, sagte Tobias Endler, wie bewerteten die Diskussionsteilnehmer dies? Medien hatten Trump grosser gemacht als er war, sagte Ali Aslan, uber dreissig Minuten eine Trump-Hoteleroffnung zu zeigen, von denen zwei Minuten lang uber Politik gesprochen wird, sei ein Unding, dass CNN, um sich die Gunst des Prasidenten zu sichern, nun vierundzwanzig Stunden Trump bringe, zeige Schwache. Insgeheim sei man sich in der Medienbranche allerdings einig: Trump ist gut fur das Geschaft. Die Gatekeeper-Funktion der Presse sei aufgehoben, der Prasident kommuniziere direkt mit der ganzen Welt: via Twitter, sagte Martin Thunert. Die Versuche, Trump vorzufuhren, konnten allerdings nach hinten losgehen. Breitbart sei nur die Speerspitze alternativer Medien in den USA. Bald offnete Tobias Endler die Diskussion auch zum Publikum hin, das sich mehrheitlich fur den Blick der Experten auf die Person Trump interessierte. Woher komme dieser Teflon-Effekt? Zunachst sei Trump durch und durch New York, meinte Ali Aslan. Er profitiere von der gespaltenen Gesellschaft der USA und vom,,kaputten" Washington. Sein Reichtum spiele eine Rolle, obwohl es nicht sicher sei, ob Trump wirklich uber die Summen verfuge, die er regelmassig andeutete. Auch hatte er sich nie an die Regeln der,,political correctness" gehalten, sondern sich vielmehr dagegen ausgesprochen, was seiner Wahlerschaft gefiel. Martin Thunert merkte an, dass Trump nicht der erste Teflon-Prasident der USA sei, auch Reagan verzieh man vieles. Bei Reagan sei es jedoch eher seine sympathische, kommunikative und naive Art gewesen, bei Trump wurde man sein offen feindliches Verhalten als Ehrlichkeit und Direktheit interpretieren. Ausserdem gabe es ganz einfach viele Politiker, die noch unbeliebter seien. Weitere Themen der Publikumsdiskussion waren,,Fake News" und Migration. Letztlich sei Trump ein endliches Phanomen, schloss Tobias Endler. Der Women's March hatte grossere Massen angezogen als die Amtseinfuhrung, und Amerika sei mehr als Trump. In spatestens siebeneinhalb Jahren sei es vorbei, stimmte ihm Ali Aslan zu. " The Nuclear Crisis: The Arms Race, Cold War Anxiety, and the German Peace Movement of the 1980s" (HCA Book Launch) Fur den letzten Book Launch des Semesters setzten sich Wilfried Mausbach, Martin Klimke, und Claudia Kemper auf der Buhne des HCA zusammen, um ihren eben veroffentlichten Band The Nuclear Crisis: The Arms Race, Cold War Anxiety, and the German Peace Movement of the 1980s vorzustellen. Dr. Mausbach, Geschaftsfuhrer des HCAs, stellte seine Kollegen Professor Klimke, einen der Herausgeber des Bandes, und Dr. Kemper vor, die das Kapitel zu zivilem Widerstand verfasst hat. Beide sprachen uber ihre Teilnahme an dem Projekt, und es folgte eine Diskussion mit dem Publikum, die Dr. Mausbach moderierte. Sein Besuch im HCA war fast so etwas wie ein Heimspiel fur Professor Klimke, da er seinen Master sowie seinen Ph. D. in Heidelberg absolviert hatte. Heute ist Martin Klimke Associate Dean of Humanities and Associate Professor of History an der New York University in Abu Dhabi. Er sprach uber den Entstehungsprozess des Bandes und die funf Herausgeber, die sich zweitausendelf zusammengetan hatten, um neuere Forschung zur,,Nuklearkrise" zu bundeln. Er fuhrte das Publikum dann auf eine rasante Tour durch die verschiedenen Manifestationen von Nuklearangsten in den westlichen Gesellschaften wahrend des Kalten Krieges, beginnend mit dem Brettspiel,,Fulda Gap" aus den 1970ern und verschieden Blockbustern, die sich mit den Schrecken eines moglichen nuklearen Angriffs auseinandersetzten, endend mit den sehr viel ernsteren Protesten gegen nukleare Waffen in Mutlangen. Claudia Kemper, die seit zweitausendvierzehn am Hamburger Institut fur Sozialforschung arbeitet, hatte bereits vor ihrem Artikel fur The Nuclear Crisis zum Thema Zivilschutz gearbeitet. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft unterstutzte ihr post-doc Projekt zu Arzten und Arztinnen in der anti-atomaren Friedensbewegung der 1980er Jahre. Dr. Kemper ist Mitherausgeberin der Serie,,Frieden und Krieg" des Klartext Verlags. Ihr Artikel beschreibt die Moglichkeiten des Zivilschutzes bei einem moglichen nuklearen Angriff, speziell Strahlungsschaden, sowie die Effekte biologischer und chemischer Waffen. Anschliessend eroffnete Dr. Mausbach die Diskussion mit dem Publikum. Philipp Gassert, Professor fur Zeitgeschichte an der Universitat Mannheim, ein weiterer Herausgeber, fragte seine Kollegen und seine Kollegin, ob sie glaubten, dass der Band Auswirkungen auf den interdisziplinaren Diskurs gehabt habe. Das Konzept des Bandes hatte sich durchaus bewahrt, antwortete Professor Klimke, jedoch sei man in Sachen Branding wohl gescheitert. Der Band habe eine kulturelle Dimension des Themas eroffnet, die in diesem Zusammenhang gut funktioniert hatte. Die nachste Frage sprach an, in wie fern weitere Forschung zu den gesellschaftlichen Aspekten einer drohenden Nuklearkrise notig sei. Dr. Kemper glaubte, dass man zwei Strange verfolgen musse: den transnationalen Charakter der Friedensbewegung und die angenommene Verschmelzung von Protesten gegen Atomwaffen und Atomkraftwerke. Die Mitglieder der Friedensbewegung seien oft als naive,,Peaceniks" wahrgenommen und dargestellt worden, fugte Dr. Mausbach hinzu. Es habe aber eine Kluft bestanden zwischen den USA und Europa: wahrend die U.S.-Amerikaner sich hauptsachlich auf den binaren Konflikt konzentriert hatten, wunschten sich die Europaer ein Ende des Kalten Krieges. Die Diskussion entwickelte sich schnell weiter und bewies damit einmal mehr die Relevanz des Themas. Im Anschluss bekampften die Anwesenden noch mit ein paar kalten Getranken die Hitze des Tages und verliessen dann das HCA, vor dessen Tur ein schoner Sommerabend auf sie wartete. Patrick Roth: "Death and Resurrection in L.A." (HCA trifft) Lesungen sind immer etwas Besonderes am HCA. Am elf Juli las der Schriftsteller Patrick Roth im Rahmen der Reihe HCA trifft aus seinen Buchern Die Amerikanische Fahrt und Johnny Shines. Letzteres ist der zweite Teil seiner Christus Trilogie, die zweitausendsechzehn erstmals als Gesamtausgabe beim Wallstein Verlag erschien. Der Kommentar zu dieser Ausgabe wurde von Prof. Dr. Kopp-Marx verfasst, die den Autor auch an diesem Abend begleitete und ihm einige Fragen zu seiner personlichen Geschichte und seinem Leben in Los Angeles stellte. Michaela Kopp-Marx lehrt Neuere Deutsche Literatur an der Universitat Heidelberg und verantwortet seit eintausendneunhundertachtundneunzig die Heidelberger Poetikdozentur, worauf die Universitat Patrick Roth zweitausendvier und zweitausendzwölf berief. Jan Stievermann, Professor fur die Geschichte des Christentums in den USA, erweiterte die Runde nach der Lesung und leitete die anschliessende Diskussion mit dem Publikum. Die grosszugige Unterstutzung des Schurman Vereins zur Forderung der Amerikastudien an der Universitat Heidelberg e.V. hatte den Abend ermoglicht. Zunachst stellte Michaela Kopp-Marx den Autor vor. Nach einem Aufenthalt in Paris und einigen Jahren Studium an der Universitat Freiburg erhielt Patrick Roth ein einjahriges Stipendium des DAAD fur die University of Southern California in Los Angeles. Zwar war er dort als Anglistikstudent immatrikuliert, hatte sich aber schon mit dem Wunsch beworben, Filmproduktion und Regie am Cinema Department zu studieren. Der Wechsel gelang, und nach Ablauf des Stipendiums beschloss er, sich in den Vereinigten Staaten niederzulassen. Zunachst schrieb und inszenierte Patrick Roth Theaterstucke, die in Deutschland vor allem als Horspiele erschienen. Seit den 1990er Jahren ist er in erster Linie als Schriftsteller bekannt. Er publiziert Novellen, Romane, Erzahlungen und Erzahlzyklen wie die Christus Trilogie. Vor dem Kernstuck des Abends, der Lesung, stellte Prof. Kopp-Marx eine paar Fragen an Patrick Roth, etwa, warum es ihn in die USA gezogen hatte. Das Erzahlkino, antwortete der Autor, sei damals synonym mit dem amerikanischen Kino gewesen, nur dort, und am besten am renommierten USC Cinema Department, sei es moglich gewesen, Erzahlkino zu erlernen. Das Jahr an der kalifornischen Universitat sei sehr intensiv gewesen, dort hatte er,,Erzahlen" gelernt, angefangen mit Stummfilmen, also mit,,Bildgeschichten". Patrick Roth beschrieb auch seinen damaligen Schaffensprozess; er hatte sich mit einem,,Splitter" befasst, einem Bildfragment oder einer Stimmung, die ihn langer beschaftigt hatten, und hatte sich bei heruntergelassenem Rollladen und einer Schallplatte mit Regenaufnahmen auf dem Plattenteller in sein Zimmer gelegt und seiner Fantasie freien Lauf gelassen. Regen- und Windgerausche hatten ihn immer inspiriert, aber seien in Sudkalifornien eher selten. Wahrend der Lesung allerdings ging ein Wolkenbruch auf das Atrium nieder -,,die perfekte Mischung", freute sich der Autor. In seinem Roman Die amerikanische Fahrt: Stories eines Filmbesessenen erzahlt er von seiner Begeisterung fur Film, fur Schauspieler, fur die Regisseure John Ford, Howard Hawks und Alfred Hitchcock und unverhofften Begegnungen mit seinen Helden, zum Beispiel Henry Fonda. Auch berichtet er, wie das Erlernen filmischer Mittel zur Basis seines spateren Schreibens wurde. Wie sei es zu der intensiven Auseinandersetzung mit der Bibel gekommen, die den Grundstoff fur die Christus Trilogie bildet, fragte Michaela Kopp-Marx, bevor sich der Autor dem zweiten Teil der Lesung zuwandte. Zunachst sei es eine sprachliche Faszination gewesen, sagte Patrick Roth, spater hatte er die Bibel als mythologischen Text gelesen, enthalte sie doch viele der altesten Bilder der Menschheit. Er beschrieb die Bibel,,als Schatzkammer archetypischer Bilder, bedacht und kommentiert". In Johnny Shines erzahlt Patrick Roth die Geschichte eines jungen Mannes, der dem,,Jesusbefehl" gehorcht; er versucht, frisch Verstorbene aus umliegenden Gemeinden wieder zum Leben zu erwecken. Der Autor las die Stelle aus dem Buch, an der Johnny Shines von seinem Alltag als,,Erwecker" berichtet. Wie waren seine messianischen Figuren zu verstehen, fragte Jan Stievermann, nachdem er zu dem Duo auf der Buhne gestossen war. Ginge es um eine Sakralisierung oder eine Profanierung der biblischen Inhalte? Man solle die Texte einfach auf sich wirken lassen, war die Antwort, die spontane Reaktion wurde vor allem von intellektuelleren Lesern oftmals unterdruckt, jedoch sei es gerade jene, die ihm als Autor am Herzen lagen. Auf die Frage, welche zeitgenossischen Autoren ihn inspirierten, gab Roth zu, sich nur wenig mit zeitgenossischen Autoren zu befassen, nannte jedoch Breece D'J Pancake und David Mamet. Daraufhin wurde die Runde geoffnet, und das Publikum hatte vor allem viel Lob fur den Autor, nicht zuletzt fur seine spannende Lesung und seine Offenheit. Inzwischen hatte der Regen aufgehort, und das HCA entliess sein Publikum in einen frischen, duftenden Sommerabend. Manisha Sinha setzte am sechs Juli den Schlusspunkt des einundzwanzigsten Baden-Wurttemberg Seminars. Ihr Vortrag stellte die Forschungsergebnisse ihres neu erschienen Buches The Slave's Cause: A History of Abolition vor. Nach der Promotion an der Columbia University hat Prof. Sinha augenblicklich den James and Shirley A. Draper Chair in Early American History an der University of Connecticut inne. Vor zwei Jahren nominierte Politico ihr erstes Buch, The Counterrevolution of Slavery, als eines der zehn besten Neuerscheinungen zum Thema. In diesem Jahr nominierte sie die Zeitschrift Diverse: Issues in Higher Education als eine der funfundzwanzig einflussreichsten Frauen im hoheren Bildungswesen. Nach einer Vorstellung durch Prof. Dr. Berg (HCA und Historisches Seminar) fuhrte Prof. Sinha ins Thema ein, indem sie ihre Forschung uber den amerikanischen Abolitionismus als eine long duree etablierte. Sie datiert die Ursprunge der Bewegung in die Zeit der Amerikanischen Revolution; ihre Protagonisten waren radikale weisse und schwarze Amerikaner; ihre Ziele drehten sich um die Belange der Afro-Amerikaner. Die Historiographie allerdings portratiert Abolitionisten meist entweder als Fanatiker, die den blutigsten Krieg in der amerikanischen Geschichte zu verantworten haben, oder als paternalistische und wirtschaftskonservative burgerliche Reformer. Tatsachlich aber, so Prof. Sinha, grundete sich die Bewegung auf den,,Widerstand der Sklaven und nicht auf burgerlichen Liberalismus". Sklavenaufstande in den Kolonien inspirierten die ersten, von Quakern dominierten, Gesellschaften fur die Abschaffung der Sklaverei; die dramatischen Schicksale entflohener Sklaven waren der Kitt, der die unterschiedlichen Faktionen der Bewegung zusammenhielt. Die Abschaffung der Sklaverei war kein "Moment" im Burgerkrieg, sondern vielmehr ein hundertjahriges Drama, das sich in Gerichtssalen, Parlamenten, Buchern und auf der Strasse abspielte. Prof. Sinha stellte etliche weniger bekannte Abolitionisten vor und machte an ihren Geschichten deutlich, dass der Abolitionismus die rigiden Grenzen von Rasse, Klasse und Geschlecht uberwand. Er hinterfragte grundsatzlich die Sklavenarbeit in einer kapitalistischen Demokratie, liess theoretisch versierte Afro-Amerikaner zu Wort kommen und war Geburtshelfer fur die erste amerikanische Frauenbewegung. Abolitionisten verloren zudem Missstande in der ganzen Welt nicht aus dem Blick und schlossen sich anderen radikalen Bewegungen an, beispielsweise dem utopischen Sozialismus, dem Feminismus und dem Pazifismus; sie unterstutzen den Kampf der amerikanischen Ureinwohner und setzen sich fur die Rechte von Immigranten und Arbeitern ein. Letztlich verbanden sie den Kampf fur die Abschaffung der Sklaverei mit dem fur,,die Demokratie, die Burgerrechte und die Emanzipation von Frauen und Arbeitern". Prof. Sinha schloss ihren faszinierenden Vortrag mit einem Blick auf das Erbe der amerikanischen Abolitionisten, die fur eine perfektere Demokratie kampften, in den USA und weltweit. Dem Vortrag folgte eine lebhafte Debatte, und etliche Zuhorer nutzten die Gelegenheit, ein signiertes Exemplar von The Slave's Cause mit nach Hause zu nehmen. Die Vereinigten Staaten und die Europaische Union werden ihre Differenzen nicht uberwinden wenn ihre politische Kultur sich an simplistische Perspektiven klammert, die sich nur zur Vergangenheit hin orientieren und hoffen, irgendetwas,,wieder gross zu machen", sagte Michael Drescher, der am zwanzig Juni Teile seiner Doktorarbeit am HCA prasentierte. Seine Betreuer Gunter Leypoldt und Dietmar Schloss stellten den vielversprechenden Wissenschaftler vor, der bereits als Tutor am HCA und am Anglistischen Seminar tatig war. Michael Drescher wurde bei seiner Promotion durch die Studienstiftung des Deutschen Volkes unterstutzt und verbrachte ein Forschungssemester an der Harvard University. Dr. Dreschers Vortrag fokussierte darauf, wie Nathaniel Hawthorne und Heinrich Heine sich bemuht hatten, die nationalen Mythologien rund um den amerikanischen Puritanismus und die europaischen Herrscher neu zu beschreiben. Am wichtigsten schienen seine Erkenntnisse in Bezug auf das Thema Mythos und die Einfuhrung des Begriffs,,mythologische Resignifikation". Hawthorne und Heine verhandelten zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts in ihren Schriften nationale Identitat neu. Diese politisch gesinnten Autoren auf beiden Seiten des Atlantiks trachteten nach einer frischen Definition ihrer jeweiligen Kultur und schrieben deshalb eigene Versionen von Geschichten, die in den Vereinigten Staaten und Deutschlands als kulturelle Basis dienten. In der Antebellum-Phase in den USA und dem deutschen Vormarz waren Unzufriedenheit uber die Politik und ihre Strukturen gewachsen. Die beiden Autoren nutzen das Geschichtenerzahlen, um eine Sicht auf die Welt vorzustellen, in der die Veranderungen mitschwangen, die sie fur ihre Heimatlander im Sinn hatten. Geschichten wurden zum Vehikel fur politische Veranderung, sagte Dr. Drescher. Das Demontieren und Neuverfassen von Mythen entpuppte sich als machtiges Werkzeug. Michael Drescher berief sich in seiner Interpretation von,,Mythos" auf Roland Barthes und Hans Blumenberg. Der Mythos sei ein personliches sowie ein kulturelles Phanomen, das Gemeinschaft schuf, wo sich keiner zugehorig fuhlte und ausserdem eine soziale Realitat,,,eine beruhigende Auffassung der Welt, die notig ist, um Unsicherheit und den Terror der Existenz zu ertragen". Dr. Drescher spezifizierte Mythen, die das Fundament von Nationen bildeten, wie Der Scharlachrote Buchstabe und Deutschland. Ein Wintermarchen als,,civic myths. " Sie waren besonders beliebt in Zeiten des Tumults wie Antebellum und Vormarz. Im Resignifikationsprozess werden Mythen mit neuen Gedanken und politischen Ideen durchmengt; im Falle von Hawthorne und Heine besassen diese demokratische Qualitat. Beide Autoren schrieben die Geschichten neu, um die Gegenwart zu verandern, nicht die Vergangenheit. In seiner Arbeit, sagte Michael Drescher, argumentiere er, dass mehr, nicht weniger Demokratie zur Losung unserer politischen Probleme fuhrt. Inspiriert von Dr. Dreschers Vortrag stellte das Publikum zahlreiche Fragen, etwa, wie konnte Hawthorne ein glaubwurdiges Bild der Puritaner zeichnen? Als er den Scharlachroten Buchstaben schrieb, gehorten sie doch langst zur Vergangenheit. Die Puritaner im Scharlachroten Buchstaben sind von Hawthorne erdacht, antwortet Dr. Drescher, jedoch wurden Amerikaner und Amerikanerinnen heutzutage seine Vision teilen. Der Mythos schert sich nicht um Wahrheit oder Geschichte. Hawthorne hatte zwar seine Hausaufgaben gemacht, jedoch war er auf der Suche nach einem Branding, dass ihn in seinen Argumenten bestatigte. Mythos und Ideologie waren ja eng miteinander verbunden, gab ein Zuhorer zu bedenken. War dies nicht gefahrlich? In seiner Arbeit, gab Michael Drescher zuruck, hatte er sich nur auf die sonnige Seite des Phanomens Mythos beschrankt und die Autoren, die fur Demokratie standen. Am Ende, sagte er, kame es doch auf die Hand an, die die Feder fuhrt. Zur vorletzten Veranstaltung des Baden-Wurttemberg Seminars im Sommersemester hiess das HCA Daniel Barber, Assistenzprofessor an der Penn Design willkommen. Anja Schuler, die die offentlichen Veranstaltungen am HCA koordiniert, stellte den,,architektonischen Historiker" vor. Professor Barber errang Abschlusse an der Columbia sowie an der Yale Universitat und erhielt eine Post-Doc Stelle am Harvard University Center for the Environment. zweitausendsechzehn ging er im Zuge einer Forderung durch die Humboldt Stiftung an das Rachel Carson Center in Munchen, wo er insgesamt vier Jahre lang immer wieder zu Gast sein wird. Daniel Barbers Forschung konzentriert sich nicht allein auf Architektur, er bezieht auch technologische Entwicklungen und soziale sowie politische Umstande mit ein, die die architektonische Idee des Solarhauses und seiner Weiterentwicklung, des Passivhauses, beeinflussten. In seinem Vortrag stellte er originelle Experimente mit dem Bau von Passivhausern und ihrer Warmegewinnung und -speicherung in den USA und weltweit vor. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Solarhauser als Teil der Zukunft amerikanischer Architektur angesehen. Eine der dem Solarhaus zugrundeliegenden Ideen, die Daniel Barber prasentierte, ist jene, die einen kreativen Prozess beschreibt, der seinen Ursprung in der Kargheit hat statt im Uberfluss. Die Herausforderung ist also, etwas zu entwerfen, das die Ressourcen nutzt, uber die eine Gesellschaft verfugt, anstatt sich ubermassig mit dem Schwinden dieser Ressourcen zu beschaftigen. Die ersten Solarhauser wurden zu Beginn des Zweiten Weltkriegs gebaut, und einige Architekten und Stadtplaner sahen in ihnen einen Vorgeschmack auf die Zukunft, die das Nachkriegsamerika erwartete. George Van Dyne, ein Pionier der Systemokologie, bestatigte dem Solarhaus,,eine bedeutungsvollen Einfluss auf das Makroklima", und sicherlich stellte es einen grossen Schritt weg von fossilen Brennstoffen dar. Glaswande mit Blenden schafften ein Klima im Inneren der Hauser, in dem auch ohne eine zusatzlichen Heizquelle,,Klein-Toby noch nicht einmal ein Schnupfchen bekam ". Experimentellere Entwurfe zeigten Hauser mit einem Algenfeld auf dem Dach, um Nahrung zu produzieren fur die Zeit,,in der Weizenfelder und Rinderfarmen der Vergangenheit angehoren ". Generell waren Solarhauser in Landern mit heissem Klima beliebt. Prof. Barber zeigte zwei Beispiele, beide in Rio de Janeiro, Brasilien. Eines war das Ministerium fur Bildung, Ministerio de Educacion de Rio de Janeiro, das andere ein Wohnbau, Edificio MMM Roberto/ Irmaos Roberto. Beide waren eintausendneunhundertfünfundvierzig gebaut worden, und ihr Raumklima wurde durch Unterteilungen der Fassade und manuelle Jalousien reguliert. Bedauerlicherweise, sagte Daniel Barber, seien die Jalousien seit dem Ol-Boom nicht weiterverwendet worden, und die Raume wurden durch individuelle Klimaanlagen gekuhlt. Das Interesse des Publikums war geweckt, und eine lebhafte Diskussion entstand. Warum hatten Solarhauser nie den Durchbruch erlebt? Sie seien nun einmal nicht gunstig, antwortete Daniel Barber, besonders die kleinen Einheiten, wie sie fur die Bebauung von Vorstadten geeignet waren. Der Standplatz eines Solarhauses sei vor Baubeginn genauestens zu analysieren, die schattenspendenden Schirme exakt zu montieren, die Isolierung sei kostspielig, und die Form sei stark von der Nutzung abhangig. Fur Investoren, die eine grosse Anzahl Hauser binnen kurzer Zeit bauen lassen wollten, sei ein Solarhaus nicht profitabel. Warum war Solarenergie zwischen den 1950ern und den spaten 1970ern so straflich vernachlassigt worden? Fossile Brennstoffe seien uber einen langen Zeitraum billig gewesen, bis zur Energiekrise. Selbst ehrwurdige Institutionen wie das MIT hatten ihr Budget fur Solarenergieforschung in ein kleines Atomkraftwerk auf dem Campus gesteckt. Wie lautete Prasident Carters Meinung zu Solarenergie, hatte er sie nicht unterstutzt und sogar Solarkollektoren auf dem Dach des Weissen Hauses installieren lassen? Ja, sagte Professor Barber, zweiunddreißig Paneele seien als symbolischer Akt angebracht worden, ausserdem hatte Carter eintausendneunhundertneunundsiebzig amerikanische Familien aufgefordert, das Thermostat herunterzudrehen und einfach mal einen Pullover anzuziehen. Obama hatte sich auf gesunde Ernahrung anstatt auf Energie konzentriert, und Politiker, die ihr Engagement gegen den Klimawandel uberlebt hatten, seien selten. Mit dieser Bemerkung endete die Zeitreise des Abends. Der James W.C. Pennington Preis, der gemeinsam vom HCA und der Theologischen Fakultat der Universitat Heidelberg verliehen wird, ging in diesem Jahr an Harry S. Stout, Jonathan Edwards Professor fur Amerikanisches Christentum an der Yale Divinity School. Erneut fand der Festakt und der anschliessende Empfang im Atrium und im Garten des HCA statt. Der James W.C. Pennington Preis ehrt herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die sich jenen Themen widmen, die auch den Namensgeber beschaftigten: Sklaverei und Emanzipation, soziale Reformen, Religion, Friede, Bildung und interkulturelle Kommunikation. Das sechste Jahr in Folge ermoglichte eine Spende der Manfred-Lautenschlager-Stiftung dem Preistrager einen vierwochigen Forschungsaufenthalt in Heidelberg. Die Verleihung begann mit Ansprachen des Grundungsdirektors des HCA, Prof. Dr. Dr. h.c. Detlef Junker, dem Stifter des Preises, Dr. h.c. Manfred Lautenschlager, und Jan Stievermann, Professor fur die Geschichte des Christentums in den USA. Harry S. Stout promovierte eintausendneunhundertvierundsiebzig an der Kent State University, veroffentlichte und editierte zahlreiche Bucher uber Religions- und Kulturgeschichte und ist seit eintausendneunhundertsechsundachtzig Professor fur Amerikanische Religionsgeschichte an der Yale Divinity School. Im Jahr eintausendneunhunderteinundneunzig wurde er Jonathan Edwards Professor. Harry Stouts Forschung widmet sich Puritanismus und Evangelikalismus und insbesondere der Religion im Kontext des Amerikanischen Burgerkriegs. Wie Pennington interessiert er sich fur die religiosen Motive hinter dem Ende der Sklaverei. In seiner Rede fokussierte er auf den,,Gott Lincolns und die Emanzipationsproklamation". Anders als die Gettysburg-Rede und seine zweite Antrittsrede feiern Historiker Lincolns Emanzipationserklarung von eintausendachthundertdreiundsechzig nicht als inspirierende Rede. Lange Zeit wurde sie als trocken und nur mehr rhetorisch wahrgenommen, es fehlten die Substanz und Eloquenz, fur die Lincolns Reden beruhmt waren. Auch kritisierten Historiker in der Vergangenheit, dass das Dokument nur jene Sklaven befreite, die innerhalb der Konfoderation ansassig waren, und Sklaven in den Grenzstaaten ausschloss. In seinem Vortrag ging Professor Stout besonders auf die Frage ein, ob und wie Lincolns Glaube seine Entscheidung, die Sklaverei in den USA abzuschaffen, beeinflusst hat. Offensichtlich hat der Prasident in dieser Frage, die ihn lange beschaftigt hat, auf eine Bestatigung seines Gottes gehofft. Die Emanzipationserklarung, so Prof. Stout, strebte mehr als eine Emanzipation an, die lediglich Rassengleichheit und volle Staatsburgerschaft mit sich brachte. Lincoln wollte eine moralische Gleichberechtigung, was der Erklarung eine geradezu revolutionare Dimension gab. Somit wurde die Emanzipationsproklamation von einer ahnlichen moralischen und religiosen Kraft wie die Gettysburg-Rede und Lincolns zweite Antrittsrede inspiriert. Der Gott Lincolns war der puritanische Gott der hebraischen Bibel, der sich fur seine auserwahlten Volker einsetzt, die dann wiederum so leben sollten, dass sie ihm gefielen. Sein Zorn war gefurchtet, aber Seine Zuneigung war prachtig. Die Vorstellung dieses Gottes beeinflusste Lincolns Weg zur Emanzipationserklarung und den darauffolgenden Ereignissen enorm. Prof. Stout betonte, das die Emanzipationserklarung Teil einer Revolution ist, die immer noch gegenwartig ist. Er konstatierte aber auch, dass es nach wie vor eine Kluft zwischen der Gleichberechtigung, die nach dem Burgerkrieg in der amerikanischen Verfassung verankert wurde, und der Realitat der Gegenwart besteht, in der Vorurteile und Gewalt sehr prasent sind. So wie Lincoln in der historischen Forschung wird auch unsere Gesellschaft von zukunftigen Generationen daran gemessen, wie wir mit dieser Kluft umgehen, schloss Prof. Stout. Die Preisverleihung fand unter kraftigen Beifall statt, und die Gaste konnten danach bei strahlendem Sommerwetter im Garten des HCA mit dem Preistrager anstossen. Jason Reblando: "New Deal Utopias" Im Mai hatte das HCA den Fotografen Jason Reblando eingeladen, um im Rahmen des Baden-Wurttemberg Seminars uber seine neuste Arbeit, einen Bildband zum Thema,,Greenbelt Communities" in den USA zu berichten, der im Herbst zweitausendsiebzehn beim Heidelberger Kehrer Verlag erscheint. Daniel Sommer fuhrte als Redakteur des Kehrer Verlags und Dozent fur Rhetorik und Prasentation am HCA durch den Abend. Jason Reblando arbeitet von Chicago aus. Seinen B.A. in Soziologie schloss er am Boston College ab, seinen M.A. in Fotografie am Columbia College in Chicago. Er verbrachte als Fulbright-Stipendiat Zeit in den Philippinen und wurde mit dem begehrten Kunstlerpreis des Illinois Art Councils ausgezeichnet. Seine Arbeiten waren in verschiedenen Museen der Ostkuste und des mittleren Westens ausgestellt. Sein Interesse fur die Greenbelt Communities aus der Zeit zwischen den Weltkriegen wurde durch ein Projekt uber sozialen Wohnungsbau in Chicago von zweitausend bis zweitausendsechs geweckt. So begann er, zu einigen der innovativsten staatlichen Bauprojekte der Roosevelt-Ara und der New Deal Regierung zu forschen: Die drei Greenbelt Towns Greenbelt, Maryland, nahe Washington D.C.; Greenhills, Ohio, nordlich von Cinncinatti; und Greendale, Wisconsin, nahe Milwaukee. In den 1930er Jahren plante und baute die United States Resettlement Administration drei Gemeinden, um fur Bauern, die ihr Land verloren hatten, und arme Stadtbewohner ein Zuhause zu schaffen. Dies geschah als Reaktion auf die Wohnungskrise, die im Zuge der Great Depression entstanden war. Stadtplaner wollten amerikanische Stadte neu gestalten und bezogen sich hierbei auf die,,Garden City"-Prinzipen des britischen Stadt-Reformers Sir Ebenezer Howard, der Wohnraum an der Schnittstelle von Stadt und Natur schaffen wollte. Die Bewohner der Gartenstadte sollten von beiden Welten profitieren und die sozialen und okonomischen Vorzuge des Lebens in einer Gemeinschaft geniessen. Trotz Protesten konservativer Politiker und Schmahungen von Zeitungen, die gegen den New Deal Stimmung machten, fuhrte die Resettlement Administration drei solche Stadtebauprojekte durch. Die Stadte beinhalteten drei Wirkungsfelder: Wohnen, Industrie und Landwirtschaft. Die Hauser wurden so angeordnet, dass die Wohnstatten vom Kern der Stadt leicht erreichbar waren, der aus dem Verwaltungsgebaude, Geschaften, einem Kino, einer Tankstelle, einem Schwimmbad und einer Schule bestand, die auch als Burgerhaus fungierte. Kleine Fusspfade ermunterten die Bewohner zu laufen anstatt zu fahren, es dominierten naturliche, weite Flachen. Der Aufbau der Stadte dauerte von eintausendneunhundertfünfunddreißig bis eintausendneunhundertachtunddreißig an und schuf fünfundzwanzig null Arbeitsplatze. So wundervoll diese Greenbelt Cities scheinen, heutzutage verdienen einige Aspekte strenge Kritik. Die Stadte waren fur Familien mit niedrigem oder massigem Einkommen geschaffen worden, wirklich arme Familien wurden ausgeschlossen, also diejenigen, die es am Notigsten gebraucht hatten, sagte Jason Reblando. Viele, die sich fur die Gartenstadte interessierten, waren entweder zu arm oder zu reich. Ausserdem war es afroamerikanischen Arbeitern, die am Bau von Greenbelt, Maryland mitgewirkt hatten, spater nicht erlaubt, dort mit ihren Familie zu leben. Fur sie wurde Langston Terrace geschaffen, eine rein afroamerikanische Gemeinde. Bis in die 1950er Jahre hinein waren alle Gartenstadte allein weissen Amerikanern vorbehalten. In den 1930ern waren Stadte,,out", erklarte Jason Reblando, auf die Projektion eines Plakates hinter sich weisend.,,Der Tod lauert in den Strassen. Welcher Spielplatz fur ihr Kind? " war darauf zu lesen.,,The City", ein Film von 1939, stellte urbane Zentren als chaotisch und ungesund dar, entseelt durch Materialismus und kinderfeindlich.,,Grungurtel oder Gosse" fasste Jason Reblando die Botschaft zusammen. Am Ende blieb es bei den drei Stadten, private Makleragenturen ubernahmen die Verteilung der Hauser und auch auf den Grunflachen wurde gebaut - also ganz entgegen der Gartenstadt-Philosophie. New Deal Utopias zeigt, wie das Leben in den Gartenstadten heute aussieht; die Struktur ist auch nach achtzig Jahren noch sichtbar, sagte der Fotograf, jedoch schien die Zeit still zu stehen. Er habe sich manchmal merkwurdig gefuhlt, als er die leblosen Strassen fotografierte, mit Bewegungen der Vorhange in Hausfenstern als einzigem Beweis fur menschliches Leben. Trotzdem inspirieren die Grungurtelstadte bis heute Stadteplaner auf der ganzen Welt. Jason Reblandos Vortrag wurde von zahllosen Bildern begleitet, die Geschichten erzahlten, stark in Kontrast und Farbe. Vielleicht aber wurden auch die Bilder vom Vortrag begleitet. Zusammen erzeugten sie ein unbestimmtes Gefuhl, das bei manchen Zuhorern sicher anhielt, bis sie auf die geschaftige Heidelberger Hauptstrasse traten. Der erste Book Launch des Sommersemesters feierte die Veroffentlichung von Woodrow Wilson. Amerika und die Neuordnung der Welt, dem neusten Werk Manfred Bergs, dem Curt-Engelhorn-Stiftungsprofessor fur Amerikanische Geschichte am Historischen Seminar der Universitat Heidelberg. Die Willkommensworte an diesem Abend sprach der Grundungsdirektor des HCA, Detlef Junker, der Prof. Berg seit eintausendneunhundertachtzig kennt und seine akademische Laufbahn begleitet hat. Prof. Junker akzentuierte einige Meilensteinen dieser Karriere, darunter den Ruprecht-Karls-Preis der Universitat Heidelberg 1990, die Berufung an die Ruperto Carola 2005, die Auszeichnung mit dem David Thelen Award der Organization of American Historians, das Joint Appointment, welches seit zweitausendneun mit dem HCA besteht und das zweitausendelf veroffentlichte Buch Popular Justice: A History of Lynching in America. zweitausendsechzehn erhielt den Distinguished Historian Award der Society of Historians of the Gilded Age and the Progressive Era. Woodrow Wilson. Amerika und die Neuordnung der Welt ist seine achte Monographie und erschien beim C.H. Beck Verlag. In einer Lesung aus dieser neuen Wilson-Biographie stellte der Autor einige Aspekte der Biografie dieses recht umstrittenen neunundzwanzig Prasidenten der USA dar. Wahrend das Leben der,,Nationalhelden" unter den amerikanischen Prasidenten - Washington, Lincoln und Roosevelt - in allen Medien immer wieder aufgearbeitet wird, ist das Interesse an Woodrow Wilson in den USA sowie in Europa weit weniger ausgepragt. Im deutschsprachigen Raum erschien nun mit Prof. Bergs Buch die erste Biograf ie seit Jahrzehnten uber den Prasidenten, der die USA im Fruhling eintausendneunhundertsiebzehn in den Ersten Weltkrieg fuhrte und so auch das Schicksal Deutschlands massgeblich mitbestimmte. Im eigenen Land ist Wilson dagegen vor allem wegen des eintausendneunhundertdreizehn ratifizierten Federal Reserve Acts bekannt und fast beruchtigt, da dieser die Macht und den Einfluss der Banken starkte. Auch konnte der Sudstaatler Wilson sich nicht vom Rassismus seiner Zeit freimachen. Manfred Berg beschriebt Wilson zudem als wortgewaltigen Intellektuellen, der es in nur zwei Jahren vom Prasidenten der Universitat Princeton zum Gouverneur von New Jersey brachte. Heute setzen sich Princetons Studentinnen und Studenten wegen seiner rassistischen Ansichten vehement fur eine Umbenennung der Woodrow Wilson School of Public and International Affairs ein. Es sind Woodrow Wilsons zwiespaltiges Erbe und die unterschiedlichen Eindrucke, die er hinterlasst, die eine erneute Aufarbeitung seines Lebens hundert Jahre nach Eintritt der USA in den Ersten Weltkrieg so spannend machen. Auch erinnert man sich heute aufgrund seiner Aussenpolitik erneut an ihn und den Wilsonianismus oder internationalem Liberalismus, auf den sich spatere Prasidenten beriefen. Hauptpunkte dieser Politik waren die globale Verbreitung der Demokratie, der Marktwirtschaft und des Kapitalismus sowie eine Ablehnung des Isolationismus. Dies schloss ein militarisches Eingreifen bei Gefahrdung des Weltfriedens oder eigener Interessen ein. Diese Ideen inspirierten jene Menschen, die sich und ihr Land als Teil einer Weltgemeinschaft sahen und nach einer gerechteren Weltordnung strebten. Eine Auseinandersetzung mit Wilsons Biographie halt viel Zundstoff bereit. Jedoch wurde der internationale Liberalismus heutzutage zu Unrecht verkannt, fand Prof. Berg. Mit Trump hatten die USA einen Neo-Isolationisten zu ihrem Prasidenten gewahlt, sagte er, ein Umstand, der das Publikum auch in der nachfolgenden Diskussion sehr beschaftigte. Podiumsdiskussion: "100 Tage Trump - Entwicklungen in der Aussen- und Sicherheitspolitik " Foto: Johannes Kummerow drei Mai zweitausendsiebzehn ,,Alles ist viel komplizierter als gedacht. So konnte das Motto der ersten einhundert Tage von Trump als Prasident der Vereinigten Staaten lauten", fuhrt Dr. Wilfried Mausbach (wissenschaftlicher Geschaftsfuhrer des Heidelberg Center for American Studies) bei der Podiumsdiskussion,,100 Tage Trump - Entwicklungen in der Aussen- und Sicherheitspolitik" in Heidelberg aus. Seit seinem Amtsantritt am zwanzig Januar zeichne sich immer mehr ab, dass Trump mit den vielschichtigen Anforderungen seines Amtes uberfordert sei und nahezu eine,,Komplexitatsallergie" habe. Zur Diskussion am drei Mai zweitausendsiebzehn hatten die Aussen- und Sicherheitspolitische Hochschulgruppe Heidelberg und das Heidelberg Center for American Studies eingeladen. Gleich zu Beginn hakte der Moderator Marco Fey (Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung) bei den Referenten nach, wie solch starke Ruckschlusse so kurz nach der Inauguration uberhaupt gezogen werden konnen:,,Es sind bisher keine sieben Prozent seiner Amtszeit verstrichen - wir haben noch eintausenddreihunderteinundsechzig Tage Trump vor uns. " Dem entgegnete Dr. David Sirakov (Leiter Atlantische Akademie Rheinland-Pfalz) jedoch, dass die ersten einhundert Tage besonders wichtig seien:,,Ihre Wahlversprechen mussen die US-Prasidenten bestenfalls in den ersten achtzehn Monate umsetzten. Durch die wechselnden Mehrheitsverhaltnisse in Kongress wird der politische Prozess danach einfach zu zah. " In Bezug auf die kunftige aussen- und sicherheitspolitische Ausrichtung der USA sind sich die Referenten einig:,,Es fehlt einfach eine Strategie", so Franka Ellman (German Marshall Fund of the United States). Bei Analysten und Diplomaten verstetige sich das Gefuhl, Trump stolpere eher durch die internationale Politik und handele impulsiv. Hinzu kommen seine zahlreichen politischen Kehrtwenden, die seine Politik schwer einschatzbar und kalkulierbar machen wurden.,,Trump fuhrt das Land mit politischer Unkenntnis. Zudem sind wichtige Schlusselpositionen noch immer nicht besetzt", so Dr. Sirakov. Aus diesem Grund seien seine,,Executive Orders" auch haufig so schnell zu kippen wie beim sogenannten,,Muslim Ban". Durch die fehlenden Berater seien diese zudem schlecht durchdacht. Fur die Gaste war besonders eine Frage von Interesse: Wie wird sich das deutsch-amerikanische Verhaltnis unter Prasident Trump weiterentwickeln?,,Trump hat sich Frau Merkel gegenuber bei ihrem Besuch nicht besonders hoflich verhalten ", merkte eine Teilnehmerin aus dem Publikum an. Frau Ellman sieht das jedoch relativ entspannt:,,Es gibt eine gute Normalitat und einen funktionierenden diplomatischen Austausch. Wahrend der ersten einhundert Tage unter Obama hatten sich die Regierungschefs und Aussenminister beider Lander noch nicht getroffen. Die Prioritaten lagen damals eher in Asien. " Zumindest die US-Regierung habe Deutschland als wichtigen internationalen Spieler erkannt. Also alles halb so schlimm fur die kommenden eintausenddreihunderteinundsechzig Tage?,,Das System der,Checks and Balances' funktioniert noch", so Franka Ellman. Dr. Sirakov merkte an, dass Trump wie alle US-Prasidenten zu Beginn seiner Amtszeit eine gewisse Lernkurve erleben werde, wenn seine eigenen Vorstellungen auf die Realitat des Weissen Hauses treffen. Dem stimmt auch Dr. Mausbach zu:,,Bisher sind weder die grossten Hoffnungen, noch die schlimmsten Befurchtungen eingetreten. " (Mirjam Schulz) HCA Commencement zweitausendsiebzehn Am achtundzwanzig April feierte das HCA die Abschlusse der Bachelor-, Master-, und Ph. D.-Jahrgange zweitausendsiebzehn in der Aula der Alten Universitat. Die Zeremonie begann mit Grussworten des Rektors, Prof. Dr. Dr. h.c. Bernhard Eitel. Er gratulierte den frischgebackenen Graduierten und wunschte ihnen Gluck fur ihren Lebensweg. Dabei betonte er das Motto der altesten Universitat Deutschlands:,,semper apertus" (,,stets offen"). Prof. Dr. Dr. h.c. Detlef Junker, der Grundungsdirektor des Heidelberg Center for American Studies , hiess dann die Graduierten, deren Familien und die Freunde des HCAs willkommen. Er betonte die interdisziplinaren und interkulturellen Aspekte der HCA-Programme und ermutigte die Absolventen und Absolventinnen, ihre Expertise uber die Vereinigten Staaten nutzbringend einzusetzen. Im Anschluss stellte er die diesjahrige Festrednerin, Heidi Crebo-Rediker, vor, Fellow des US-amerikanischen Thinktanks Council on Foreign Relations und CEO von International Capital Strategies. [an error occurred while processing this directive] Heidi Crebo-Rediker sprach in ihrer Rede von,,Multilateral Ties That Bind"und begann mit einem Ruckblick auf die U.S.-amerikanischen Prasidentschaftswahlen von 2016, die viele Fragen nach der Rolle der USA in der Welt ausgelost haben. Sie konzentrierte sich dabei auf etwas, das die Studierenden des HCAs sicherlich selbst erlebt haben - solange die Dinge, die uns verbinden, starker sind als die Krafte, die uns zu trennen versuchen, gibt es Hoffnung fur alle. Die multilateralen Verknupfungen am HCA verbinden die Studierenden miteinander, und die internationalen Beziehungen funktionieren ebenso: Um gemeinsame Ziele zu erreichen und Herausforderungen zu meistern, mussen Lander zusammenarbeiten und miteinander kommunizieren, auch wenn jedes eigene Interessen verfolgt. Heidi Crebo-Rediker hofft, dass dies auch fur die aktuelle U.S.-Regierung gilt, da Probleme wie Klimawandel, Energiesicherheit, Migration und wirtschaftliche Krisen nur durch internationale Kooperation gelost werden konnen. Jedoch konnte sich der Multilateralismus am Scheideweg befinden: wahrend sich die USA traditionell auf eine multilaterale Tradition berufen, scheint die neue Administration sich offen dagegen zu stellen. Heidi Crebo-Rediker hofft, dass die USA nach einiger Zeit erkennen werden, dass sie grossere Macht ausuben konnen, wenn sie mit anderen Landern kooperieren, als wenn sie allein agieren. Sollte dies nicht der Fall sein, konnten andere Lander die Fuhrung ergreifen und den Multilateralismus vorantreiben. Sie illustrierte diesen Punkt, indem sie auf die Rolle der Weltbank und des Internationalen Wahrungsfonds hinwies, zwei Institutionen, die sich auf Multilateralismus grunden. Die Unterstutzung der USA fur beide Institutionen hat nachgelassen, und andere Lander scheinen bereit zu sein, Verantwortung zu ubernehmen; China, beispielsweise, hat zweitausendvierzehn die Asiatische Infrastrukturinvestmentbank gegrundet. Heidi Crebo-Rediker bezog klar Stellung fur eine Weiterfuhrung der multilateralen Tradition in den USA. Im Anschluss an die Verleihung der Zeugnisse und eine grossartige Interpretation von George Gershwin's,,Rapsody in Blue" des Papermoon Orchestras, teilte der Abschlussredner des Masterjahrgangs, Aljay Pascua, einige seiner Erinnerungen an das HCA mit dem Publikum. Nach der Zeremonie trafen sich Graduierte und Gaste zu einem Empfang im HCA, wo sie sich uber ihre Vergangenheit austauschten und uber die Zukunft beratschlagten. Herzliche Gluckwunsche an alle Absolventinnen und Absolventen! In Kooperation mit dem Geographischen Institut der Universitat Heidelberg hiess das HCA Derek Gregory, Peter Wall Professor am Geographischen Instituts der University of British Columbia, Kanada, als den zweiten Sprecher Sommersemester des Baden-Wurttemberg Seminars willkommen. Seine Arbeiten waren dem Publikum wohl bekannt, selbst die Galerie des Atriums fullte sich mit Zuhorern. Ulrike Gerhard, Professorin fur Humangeographie Nordamerikas am HCA und dem Geographischen Institut, stellte Prof. Gregory vor. Seine Arbeit konzentriert sich aktuell auf die Frage, wo Kriege zu,,verorten" sind, speziell auf unbemannte Flugsysteme und deren Gebrauch seit dem Zweiten Weltkrieg, besonders in Afghanistan/Pakistan und dem Jemen. Professor Gregory verlasse sich in seiner Forschung zu Raum, Ort und Territorium nicht auf die Geographie der alten Schule, betonte Ulrike Gerhard. Sein Fokus liege auf Prozessen historischer und geographischer Veranderung und er wende eine Fulle an kritischer Theorien an; derweil uberdenke er standig bestehende Raumkonzepte. Die L.A. Times nannte ihn,,erfrischend zornig ". Prof. Gregorys Vortrag drehte sich zu Beginn um Distanz, Verstreuung und den globalen Kampfraum. Nukleare Waffen hatten die Wahrnehmung des Kampfplatzes verzerrt, fasste Prof. Gregory den Text,,War and the Vanishing Battlefield" von Frederic Megret zusammen. Unbemannte Flugsysteme, oder,,Drohnen" hatten diese Veranderung stark vorangetrieben. Als die Obama Administration die Drohnentechnologie fur sich entdeckte, sei der Gedanke von,,kontrollierter" Kriegsfuhrung aufgekommen, der dem Einsatz von Drohnen ein sauberes Image verliehen hatte. Der Zweite Weltkrieg sei,,der letzte Pilotenkrieg" gewesen. Seitdem wurden Kriege per Fernbedienung gefuhrt; der Traum des,,Roboterflugs" sei wahr geworden. Diese Entwicklung habe eintausendneunhundertfünfundvierzig begonnen, nachdem die Ergebnisse der Tests auf dem Bikini Atoll veroffentlicht worden waren und,,Kriege per Druckknopf" in der Offentlichkeit diskutiert wurden, einerseits angstlich, andererseits mit Bewunderung fur die technologischen Entwicklungen. Die ersten Drohnen sammelten Daten aus Atomwolken mit dem Ziel, amerikanische Leben zu retten. Die Vereinigten Staaten hatten einen Weg gefunden, Macht auszuuben, ohne ihre Burger in Gefahr zu bringen. US-Burger sahen sich hierbei nie als Tater, sondern als potenzielle Opfer. Was wurde geschehen, wenn eine fremde Macht Drohnen gegen amerikanisches Leben richtete, fragte das LIFE Magazin im November eintausendneunhundertfünfundvierzig Man veranstaltete Schutzubungen, die die Burger an die standige Bedrohung durch einen moglichen Atomangriff der Sowjetunion erinnern sollte. Der nachste Schritt, nuklearer Kriegsfuhrung ein saubereres Image zu verleihen, war die,,Burokratisierung des Mords", wie sich Henry T. Nash, ein ehemaliger Analytiker des Verteidigungsministeriums, ausdruckte. Ein komplexes System von Zielentwicklung, Zielauthorisierung und,,in Aktion treten" wurde angewandt, um Drohnen einzusetzen. Totungslisten, Signalabschnitte und Visual Feeds machten gezieltes Toten zu einem objektiven und rationalen Prozess. Beamte bestunden darauf, dass die Zahl der Opfer durch Drohneneinsatze minimiert worden sei. Am Ende seines Vortrags zeigte Derek Gregory das Bild einer pakistanischen Familie, die ein Mitglied in einer Drohnenattacke verloren hatte. Zubair Rehman, der Sohn des Opfers sagte:,,Ich mag den blauen Himmel nicht mehr. Eigentlich mag ich grauen Himmel lieber. Die Drohnen fliegen nicht, wenn der Himmel grau ist. " So schloss Prof. Gregory seinen Vortrag, und Ulrike Gerhardt lud zur Diskussion ein. Sei es nicht die Aufgabe einer Regierung, die Opfer auf der eigenen Seite eines Konflikts zu minimieren? Wurden Drohnen nicht weit weniger Menschen toten? Distanz ist kein moralisches Absolut, antwortete Derek Gregory. Wenn etwas aus grosser Distanz falsch sei, wie nah musse es sein, damit es richtig ist? Drohnen durfen nur in unkontrolliertem Flugraum eingesetzt werden, was eine asymmetrische Kriegsfuhrung zur Folge hat. In den USA dachte man derzeit, dass David unfaire Vorteile hat, nicht Goliath. Wie gehen die Drohnenpiloten mit ihren Erfahrungen um? Als Soldaten Kriege an einer realen Front fuhrten, hatten sie Kameraden um sich, die die gleichen oder ahnliche Erfahrungen machten. Wenn Piloten die Drohnen von einem Militarstutzpunkt aus fliegen, gingen die Soldaten nach ihrer Schicht nach Hause. So wurde die Erfahrungen in einen privaten Rahmen integriert und der Krieg auf unterschiedliche Weise nach Hause gebracht, sagte Prof. Gregory. Das Kriegsfeld werde global und schaffe komplizierte Geographien. Auf den Stutzpunkten, von denen aus Drohnen manovriert werden, seien Schilder angebracht:,,Sie verlassen nun die Vereinigten Staaten". Wie immer profitierte die Diskussion von den verschiedenen Erfahrungen der Zuhorer und das Publikum verliess das HCA mit nachdenklichen Mienen. Russell Brian Goodman: " Some Continuities in American Philosophy " Der erste Gast im Sommersemester zweitausendsiebzehn des Baden-Wurttemberg Seminars Russel Brian Goodman vom Philosophischen Seminar der University of New Mexico. Prof. Goodman besuchte das fruhlingshafte Heidelberg fur ein paar Tage und begeisterte das Publikum im Atrium des HCAs mit seinem Vortrag uber die Philosophie in den Vereinigten Staaten des neunzehnten Jahrhunderts und seine Protagonisten Waldo Emerson und William James. Der Vortrag fand mit Unterstutzung der Fulbright Kommission Deutschland statt und zog viele Besucher an. Jan Stievermann, Professor fur die Religionsgeschichte Amerikas an der Universitat Heidelberg, hiess Professor Goodman willkommen und beleuchtete kurz einige Stationen seiner beeindruckenden akademischen Karriere. eintausendneunhunderteinundsiebzig hatte er seine Promotion in Philosophie an der Johns Hopkins University abgeschlossen und war im Anschluss nach Albuquerque umgezogen. eintausendneunhunderteinundneunzig wurde er zum Professor berufen und blieb, abgesehen von Gastdozenturen in Spanien und England der University of New Mexico treu. Sein aktuellstes Werk, American Philosophy before Pragmatism, welches zweitausendfünfzehn veroffentlicht wurde, schliesst mit einer Diskussion uber sich stetig entwickelnde Zusammenhange in der amerikanischen Philosophie. An diesem Abend sprach Prof. Goodman uber die Zusammenhange zwischen Emerson und den Pragmatisten. William James, der altere Bruder des Schriftstellers Henry James, hatte Deutschland in den spaten 1860er Jahren besucht, um eine Reihe von Erkrankungen auszukurieren, und dort zur Philosophie gefunden. Er hatte sogar Heidelberg besucht, jedoch hatte ihm hier niemand seine Aufmerksamkeit geschenkt. William James sei einer der grossten Denker des neunzehnten Jahrhunderts gewesen, betonte Prof. Goodman, er habe erheblich zu der Etablierung der Psychologie als Wissenschaft beigetragen. Er schrieb The Varieties of Religious Experience, in dem er das Herz einer Religion in der religiosen Erfahrung selbst verortete. James, oft in einem Atemzug mit John Dewey und Charles Sanders Peirce genannt, war Pragmatist. Er sah den Pragmatismus als Mediator zwischen den,,harten" und,,empfindsamen" philosophischen Temperamenten. James,,schmeckte das Bittere am Grunde des Bechers", wahrend er Whitman und Emerson als,,heiter und optimistisch", aber gleichzeitig als authentisch und ungewohnlich wahrnahm. Die Familie James las Emersons Texte beim Abendbrot, und die Ausgaben von Emersons Buchern im Besitz von William James wimmelten vor handschriftlichen Anmerkungen. James und Emersons Arbeiten zeigten Gemeinsamkeiten auf, und es schien, als hatten sie zwischen sich ein wachsendes Wertesystem geschaffen. Ist Emerson also ein Art Pragmatist? Nicht wirklich, sagte Prof. Goodman, er habe Gedanken, die zentral fur diese Denkrichtung sind, aussen vorgelassen, jedoch seien die Themen Emersons in die Werke James' und Deweys eingedrungen. Nach dem Vortrag diskutierte das Publikum einige Fragen mit Professor Goodman. War Emerson eigentlich ein echter Philosoph? Hatte James versucht, an den Erfolg Emersons anzuknupfen und dessen Ansehen fur sich genutzt? Unwahrscheinlich, antwortete Professor Goodman; beide waren unabhangig voneinander erfolgreich gewesen. Und beide seien Philosophen gewesen, James hatte Emerson sogar als,,Seher" beschrieben. Heutzutage wurde wohl niemand Emerson als Philosophen sehen, seine Zeitgenossen dagegen schon: John Dewey, Stanley Cavell und Friedrich Nietzsche. Ausstellung: "Der Kalte Krieg. Ursachen - Geschichte - Folgen " Am sechzehn Marz eroffnete im Atrium des HCA die Ausstellung,,Der Kalte Krieg. Ursachen - Geschichte - Folgen", eine Kooperation der Bundesstiftung Aufarbeitung mit dem Berliner Kolleg Kalter Krieg. Uber einhundertsechzig zeitgenossische Fotos, Dokumente und Schaubilder blickten vor dem Hintergrund angespannter Ost-West-Beziehungen und der Debatte uber eine Wiederkehr des Kalten Krieges auf die Jahre zwischen eintausendneunhundertfünfundvierzig und eintausendneunhunderteinundneunzig - vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis zur Auflosung der Sowjetunion. Die Ausstellung zeigte die weltanschaulichen, politischen, militarischen und wirtschaftlichen Ursachen des Kalten Krieges in globaler Perspektive auf und erinnerte daran, wie nachhaltig dieser Konflikt die beteiligten Gesellschaften auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs pragte. Einer der drei Schwerpunkte der Ausstellung war die Dynamik des nuklearen Rustungswettlaufs, der als entscheidend fur den Ursprung und die Zuspitzung des Kalten Kriegs gesehen wird; ein anderer die,,heissen Kriegen" in der,,Dritten Welt", deren Wirkungen bis heute andauern; ein dritter auf den zeitgenossischen diplomatischen und zivilgesellschaftlichen Initiativen, die den Kalten Krieg mindestens zeitweilig eindammten und abkuhlten. Diese Ausstellung forderte die Zuschauer am ersten Abend und in den darauffolgenden Wochen nicht nur zur historischen Ruckschau auf. Sie bot zugleich Anknupfungspunkte, sich mit aktuellen internationalen Konflikten oder aber mit den Spatfolgen des Kalten Krieges in der sogenannten Dritten Welt zu befassen, mit denen Europa heute konfrontiert ist. Diese Themen griff auch Bernd Greiner vom Berliner Kolleg Kalter Krieg in seinem Eroffnungsvortrag auf: ,, Der Kalte Krieg - Beobachtungen zu einem Zeitalter der Extreme". Anschliessend nutzten viele Besucher, darunter etliche Zeitzeugen, die Gelegenheit, um mit Prof. Greiner ins Gesprach zu kommen oder einen ersten Blick auf die Exponate zu werfen. Zum letzten Vortrag im Herbstprogramm des Baden-Wurttemberg Seminars hiess das HCA Mark Valeri willkommen, der daruber sprach, wie gesellschaftliche Bedingungen puritanische Gemeinden in den USA im achtzehnten Jahrhundert beeinflussten; er fragte auch danach, welche Rolle die Gewissensfreiheit spielte und welche Bedeutung die Konversion hatte. Jan Stievermann, Professor fur die Geschichte des Christentums in den USA am HCA, fuhrte Prof. Valeri ein, der sich sehr freute, wieder in Heidelberg zu sein. Prof. Valeris Forschung beschaftigt sich mit gesellschaftlichen Denkweisen, der politischen Geschichte des Puritanismus, und der Moralphilosophie der Aufklarung. Er ist Inhaber des Reverend Priscilla Wood Neaves Distinguished Professorship of Religion and Politics am Danforth Center on Religion and Politics an der Washington University, St. Louis. Prof. Valeris neustes Buch, Heavenly Merchandize: How Religion Shaped Commerce in Puritan America, untersucht die gesellschaftlichen Veranderungen in der amerikanischen Wirtschaft vom fruhen siebzehnten Jahrhundert, als die Puritaner das Gemeinwohl uber den personlichen Profit stellten, bis zu den 1740er Jahren, als der Handel in der christlichen Sichtweise zunehmend zu einem "unqualifizierten Gut" wurde, wie etwa das Gluck: Wer es verdiente, bekam es auch. Diese Gemeinden akzeptierten den Markt, weil er sie finanzierte. Frommigkeit schlug sich dort in Fleiss und Sparsamkeit nieder, was sowohl Ursache als Folge war. Prof. Stievermann empfahl die Lekture, weil der Autor die Entstehung des Handels nicht allein auf politische Entwicklungen in den Kolonien zuruckfuhrte, sondern die Religion als einen Hauptgrund sah. Auch in seinem Vortrag fokussierte sich Mark Valeri auf diese Interpretation der Geschichte des amerikanischen Kapitalismus. Die puritanischen Verfechter des freien Marktes sahen darin eine grundsatzliche Verbesserung, weil Gemeindemitglieder so soziale Mobilitat und wachsenden Wohlstand erfahren konnten, was wiederum den gesellschaftlichen Zusammenhalt forderte. Prof. Valeri zitierte John Wesley, der ein erfahrener Handler war, Wirtschaftsratgeber gelesen hatte und aktuelles okonomisches Wissen fur sehr wichtig hielt. Er riet dazu, so viel wie moglich zu verdienen und zu sparen, damit man grosszugig spenden konnte. Die Calvinisten dagegen standen dem freien transatlantischen Handel eher skeptisch gegenuber und plagten sich mit dem Spannungsverhaltnis von Pietat und Freiheit. William Tennant und John Edwards schrieben dem Individuum die Macht zu, sich selbst den Weg zur Erlosung zu suchen und forderten so die Vorstellung einer Wahlfreiheit in religiosen Dingen. Gleichzeitig braute sich die Amerikanische Revolution zusammen. Prof. Valeri betonte, dass die Puritaner im achtzehnten Jahrhundert gerne die "Sprache der Freiheit" benutzt hatten, aber nicht wussten, wie. Das achtzehnte Jahrhundert war durchaus von Optimismus gepragt, so Valeri, von der Zuversicht, dass man eine Gesellschaft auch mit einem gewissen Vergnugen aufbauen konne. Schliesslich entstunden Hass, Liebe und Wertschatzung aus Gefuhlen, und Edwards schrieb uber die Gefuhle, die bei einer wahren Konversion entstehen. Einerseits betonte er, dass Willenskraft von Gefuhlen ausserhalb des personlichen Einflusses geformt wird, andererseits schien es ihm, dass Menschen das wollen, was ihnen gefallt, weil das, was ihnen gefallt, ihr Wille ist. Nachdem er seine Gedanken dargelegt hatte, lud Prof. Valeri das Publikum zur Diskussion ein. Seine Zuhorer waren von diesem dichten und faktenreichen Vortrag sehr beeindruckt. Was aber bedeuteten diese religiosen Uberlegungen beispielsweise fur die Institution der Sklaverei? War sie nicht auch Teil des Marktes? Edwardianer hatten sich bereits fruh gegen die Sklaverei gewandt, so Prof. Valeri; ob dahinter das Konzept der Gewissensfreiheit stand, konnte er nicht sagen. Die Herrenhuter Bruder dagegen hatten darin eine Anomalie des Kapitalismus gesehen, in dessen Zentrum ja freie Arbeiter standen. Man diskutierte ausserdem Fragen der naturlichen Fahigkeiten und der moralischen Kompetenz sowie das Verhaltnis zwischen "Gott" und "ich". Die Zuhorer verliessen das HCA nicht nur mit neuen Ideen, sondern auch mit dem Gefuhl, gerade eine Zeitreise gemacht zu haben. Bernadette Wegenstein, " The Good Breast Documentary: U.S. Breast Cancer in the Age of the Mastectomy" Zur vorletzten Veranstaltung im aktuellen Wintersemester des Baden-Wurttemberg Seminars hiess das HCA, zusammen mit dem Gleichstellungsburo der Universitat Heidelberg, die Filmemacherin Bernadette Wegenstein willkommen, die ausserdem Professorin fur Media Studies und Direktorin des Center for Advanced Media Studies an der Johns Hopkins Universitat ist. Professor Wegenstein stellte ihren zweitausendsechzehn produzierten Dokumentarfilm,,The Good Breast" vor, der Brustkrebs als Ritual erforscht und die zunehmende Zahl der Brustamputationen in den USA als eine moderne Form der Opferung sieht. Der sehr einfuhlsam gedrehte Dokumentarfilm zeigte die korperlichen, emotionalen, erotischen und psychischen Narben von Brustkrebspatientinnen, ihren Familien und ihrem Umfeld. Er stellt der erfahrenen Chirurgin Dr. Lauren Schnaper, die viele Brustamputationen in den USA fur medizinisch unnotig halt, vier Brustkrebspatientinnen und ihre sehr unterschiedlichen Geschichten auf der Suche nach der,,guten Brust" gegenuber. Das Publikum im Atrium des HCA bekam einen sehr intimen und personlichen Einblick in die Brustamputationen und -rekonstruktionen und wurde Zeuge der korperlichen und seelischen Hohen und Tiefen nach einer solchen Operation, von einem entzundeten Implantat bis zu einer geradezu wundersamen Rekonstruktion. Fur jede Patientin bedeutete der Verlust der Brust weitaus mehr als nur den Verlust eines Organs; die Amputation illustrierte vielmehr, welche Bedeutung die Brust fur die Geschichte, das Leid und die Widerstandsfahigkeit von Frauen hat. Der Film wies auf die medizinischen, wissenschaftlichen und religiosen Mythen hin, die sich um die weibliche Brust ranken, und bot so eine brillante Diagnose der personlichen und kulturellen Vorstellungen uber den weiblichen Korper. Zudem verwob der Film kunstvoll Szenen aus dem Operationssaal und Archivmaterial zur Geschichte der Brustamputationen mit einem Bericht uber die Reise von Dr. Schnaper nach Catania auf Sizilien, zum alljahrlichen Fest zu Ehren von Sankt Agatha, die ihre Bruste fur ihre Jungfraulichkeit opferte. Das faszinierte Publikum erfuhr so mehr uber diese sizilianische Heilige, deren Bruste als seit jeher als Symbol fur weibliche Starke gelten. Diese Verbindung zwischen den beinahe allgegenwartigen Brustamputationen in den USA und der uralten Hochachtung vor der weiblichen Brust warf viele Fragen fur die anschliessende lebhafte Diskussion mit Bernadette Wegenstein auf. Gary Gerstle: "Race and Nation in the Age of Obama " Der Vortrag des Historikers Gary L. Gerstle, Paul Mellon Professor fur Amerikanische Geschichte an der University of Cambridge, bescherte dem HCA ein volles Haus. Sein Besuch am HCA fand im Rahmen des Baden-Wurttemberg Seminars in Kooperation mit dem Historischen Seminar statt. Professor Gerstle sprach uber ein neues Kapitel, das er der aktuellen Ausgabe seines erstmals zweitausendeins veroffentlichten Buches American Crucible hinzugefugt hatte: "Race and Nation in the Age of Obama, 2000-2016". Manfred Berg, Professor fur Amerikanische Geschichte an der Universitat Heidelberg, stellte Gary Gerstle vor und gab einen kurzen Uberblick uber sein Werk. Er unterstrich seine Leistungen in einem vielleicht vernachlassigtem Feld der amerikanischen Geschichte: Arbeitergeschichte und die Geschichte der Arbeiterbewegung. In seinem neuen Kapitel analysiert Professor Gerstle die Prasidentschaft Obamas und zeigt die Abfolge von Umstanden auf, die letztlich zur Wahl Trumps fuhrten. Wie ublich, sagte Professor Gerstle, behaupte der Gewinner, sein Sieg sei Schicksal. Jedoch seien es manchmal Kleinigkeiten, die grosse Veranderungen herbeifuhrten. Zunachst stellte Professor Gerstle zwei Hauptkonzepte des Nationalismus vor:,,ethnischer Nationalismus", wie er dem deutschen NS-Regime zugrunde lag, und,,ziviler Nationalismus", zu dem die Vereinigten Staaten von Amerika traditionell tendierten. Dem zivilen Nationalismus liegen allgemeines Recht und eine allgemeine politische Identitat zu Grunde, Staatsburgerschaft ist fur den Einzelnen oder die Einzelne per Einburgerung moglich. Die Regierung unterliegt den Regeln einer pluralistischen Demokratie. In der fruhen Geschichte der USA hielt sich eine Gruppe von Menschen, die Herkunft und Hautfarbe teilten, allein befahigt, die Nation zusammenzuhalten. Dies wurde im,,Naturalization Act" von eintausendsiebenhundertneunzig gesetzlich verankert, der freien Weissen die Staatsburgerschaft garantierte. Auch die darauffolgende Gesetzgebung bestatigte den Wunsch der U.S.-Amerikaner, weiss und europaisch zu sein. Wenn uberhaupt Ost- und Sudeuropaer einwandern sollten, so nur als Burger zweiter Klasse. Das Ziel lag darin, die Gesellschaft moglichst weiss und protestantisch zu halten. Auch wenn ziviler Nationalismus bedeutete, dass jeder und jede amerikanisch werden konnte, Einwanderungsgesetze schrankten die Zuwanderung ein. eintausendneunhundertneunundsechzig und in den Siebzigern spitzten sich dann die gesellschaftlichen Spannungen zu und waren kaum noch kontrollierbar. Auf der einen Seite standen jene, die auf weisse Vorherrschaft pochten, auf der anderen Seite die Burgerrechtsbewegung. Auch wurden die Stimmen von Feministen und solchen Menschen lauter, die ein Leben im Mainstream verneinten. Diese Gruppen kritisierten den amerikanischen Nationalismus und lehnten ihn ab, stellten die,,manifest destiny" in Frage und machten deren Anhanger fur die Verbrechen der Sklaverei, den Volkermord an amerikanischen Ureinwohnern und ausbeuterischen Kapitalismus verantwortlich. Mit Bill Clinton, behauptete Professor Gerstle, hatte die amerikanische Gesellschaft einen Linksruck erfahren, Rassismus war,,out" und der zivile Nationalismus lebte auf. Der neue Prasident betonte den Einfluss der afroamerikanischen Kultur auf die Gesellschaft; die Autorin Toni Morrison, der Komiker Chris Rock und andere nannten Bill Clinton den,,ersten schwarzen Prasidenten". Dies war beinahe eine Erfullung der Traume derer, die auf eine integrativere Gesellschaft gehofft hatten. Ein Teil Amerikas wandte sich dem Multikulturalismus zu und ganzlich vom Nationalismus ab. Clintons Nachfolger George W. Bush unterstutzte diesen Trend, argumentierte Professor Gerstle: Bush sei als Texaner mit der Kultur der Latinos und Latinas in den USA vertraut und schatzte sie. Auch hatte Bush die erste afroamerikanische Aussenministerin ernannt. Clinton und Bush hatten somit den Weg fur Obama geebnet. Professor Gerstle gab zu, er selbst habe nie an die Prasidentschaft eines Afroamerikaners zu seiner Lebenszeit geglaubt, jedoch habe er genauso wenig den Zerfall der Sowjetunion vorausgesehen. Als Prasidentschaftskandidat konnte Obama das Thema Rassismus nicht ausklammern und hielt im Marz zweitausendacht eine denkwurdige Rede, in der er seinen personlichen Traum mit dem Traum verglich, der hinter der amerikanischen Verfassung steht. Obwohl die Freude uber den Sieg Obamas gross war, hielten laut einer Umfrage nur achtundzwanzig Prozent aller Amerikaner die Prasidentschaft eines Afroamerikaners fur die Erfullung des amerikanischen Traums. Prasident Obamas Haltung stiess bald auf Widerstand. Gegner unterstellten ihm, heimlich Muslim zu sein und seine Kampagne mit Drogengeldern zu finanzieren. Einige teilten die Wahrnehmung, dass Schwarz nun Weiss regierte und schlussfolgerten, dass die Weissen sich verteidigen mussten. Der Verkauf von Schusswaffen stieg an. Die Bedeutung war klar: Amerika ist weiss und kann nicht von einem schwarzen Prasidenten regiert werden. Ende zweitausendneun preschte die,,tea party" vor, viele sahen hier die letzte Moglichkeit, die,,Werte" ihres Landes, eines Landes in Not, zu verteidigen. Die Partei betonte die,,Andersartigkeit des afrikanischen Gegenubers"; ein Bild, das Obama als Hexendoktor darstellte, verbreitete sich im Netz, Protestplakate zeigten ihn als Affen. Der frisch gewahlte Prasident Trump versprach seinen Wahlern, den,,American Way" wiederherzustellen. Zunachst machte er klar, dass muslimische Fluchtlinge und mexikanische Einwanderer nicht langer willkommen waren. Aus Professor Gerstles Sicht haben Mexikaner und Mexikanerinnen den Platz der Schwarzen in den USA eingenommen, sie werden als kriminell und gewaltbereit dargestellt und gesehen. Als Trump sich vor den Angriffen auf seine Meinung erst duckte und dann mit voller Kraft zuruckschlug, waren seine Wahler begeistert. Professor Gerstle erklarte, dass Hillary Clinton ohne die,,gigantischen Aktion des FBIs" die Wahl gewonnen hatte. Was das politische Erbe Obamas anbelangt, habe Trump die Macht, Obama aus den Geschichtsbuchern zu streichen und zukunftigen Generationen beizubringen, dass dessen Prasidentschaft bedeutungslos war. Am Ende, schloss Professor Gerstle, entsteht das Paradox Amerika zwischen den Polen von zivilem und ethnischem Nationalismus. In der anschliessenden Diskussion wurden viele Fragen gestellt, beispielsweise warum die Amerikaner und Amerikanerinnen Obama uberhaupt eine Chance gegeben hatten. Obama hatte den zivilen Nationalismus angespornt, antwortete Professor Gerstle und ware auf einer Wellenlange mit grossen Teilen der Bevolkerung gewesen; er war ein Aussenseiter, kein Teil des Washingtoner Establishments, und seine Wahler trauten ihm zu, die angekundigten Veranderungen wirklich umzusetzen. Auch sei er das schwarze Kind einer weissen Familie. Obama glaube mit ganzem Herzen, dass Rassismus uberwunden werden konne, was Wahler und Wahlerinnen inspirierte, auf dieses Ziel hinzudenken und zu -arbeiten. Vielleicht, sagte Professor Gerstle, gab es nie jemanden, der starker an den amerikanischen Traum glaubte als Barack Obama. Jamie O' Connell war der erste Gast des neuen Jahres im Baden-Wurttemberg Seminar und setzte sich mit der Frage auseinander, ob internationale Gerichtshofe die Macht und die Moglichkeit besitzen, den Verbrechen, die sie untersuchen, ein Ende zu setzen. Jamie O'Connell ist Senior Fellow des Honorable G. William and Ariadna Miller Institute for Global Challenges and the Law an der University of California, Berkeley. Er forscht und lehrt in den Bereichen Menschenrechte und Internationales Recht und arbeitete in der Vergangenheit an Menschenrechts- und Entwicklungsprojekten in mehreren afrikanischen, europaischen und asiatischen Landern sowie Nord-, Mittel- und Sudamerika. Er ist Begrunder und Prasident der International Professional Partnerships for Sierra Leone, einer nichtstaatlichen Organisation, die die Regierung Sierra Leones dabei unterstutzt, offentliche Amter und Behorden auszubauen. Manfred Berg, Curt Engelhorn Professor fur Amerikanische Geschichte an der Universitat Heidelberg, stellte Jamie O'Connell vor, warf einen Blick auf die offentliche Wahrnehmung von Internationalen Gerichtshofen und erinnerte an einige bekannte Ereignisse und Prozesse, wie die Nurnberger Prozesse, die Balkankriege, den Volkermord in Ruanda und das Romische Statut des Internationalen Strafgerichtshof von 1998, das den Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) begrundet hatte. In seinem Artikel,,Gambling with the Psyche: Does Prosecuting Human Rights Violators Console Their Victims" von zweitausendfünf hatte Jamie O'Connell sich mit den Auswirkungen internationaler Strafprozessen auf die Opfer von Gewalttaten befasst. In seinem Vortrag am HCA diskutierte er, ob und wie Internationale Gerichtshofe Verbrechen verhindern konnen. Zunachst sei er folgender Frage nachgegangen: Wie entstehen solche Verbrechen? Er habe zwei Antworten gefunden;,,sickness in the heart" - "Krankheit im Herzen" - oder eine rationale Entscheidung. Ersteres sei nicht beeinflussbar, Letzteres konne man untersuchen. Der IStGH, der seine Arbeit zweitausendzwei aufnahm, verfugt uber die Gerichtsbarkeit, Individuen, die des Volkermords, Verbrechen gegen die Menschlichkeit oder Kriegsverbrechen verdachtigt sind, zu verfolgen. Es gibt zwar einen Europaischen Gerichtshof, einen Interamerikanische Gerichtshof fur Menschenrechte und einen Afrikanischen Gerichtshof fur Menschenrechte. Ihre Gerichtsbarkeit ist jedoch geografisch begrenzt; sie agieren regional, nicht global. Sie wurden geschaffen, um bestimmte Menschenrechtsabkommen durchzusetzen und um die Verantwortung einzelner Staaten in individuellen Fallen zu ermessen. Die Menschenrechtsgerichte entscheiden also uber die Verantwortlichkeit von Staaten, wahrend der IStGH uber die Verantwortlichkeit von Individuen entscheidet. Eine gute Beziehung zwischen den Gerichtshofen fur Menschenrechte und dem IStGH ist essentiell. Zunachst entscheiden die von dem jeweiligen Land Beauftragten uber Recht und Unrecht; internationale Institutionen kommen nur zum Einsatz, wenn die nationalen Institutionen versagen. Die internationalen Institutionen ubernehmen die Gerichtsbarkeit also erst, wenn alle juristischen Ressourcen des jeweiligen Landes erschopft sind. Jamie O'Connell beschrieb eine mogliche Ermessung des Einflusses, den internationale Gerichtshofe haben; beispielsweise konne man untersuchen, wie sich Falle ohne die Einmischung internationaler Gerichtshofe entwickeln wurden. Auch hatten die Urteile der Vergangenheit eine direkte Wirkung auf mogliche Straftater. Die Gerichtshofe erkennen die Unterschiede zwischen legaler und illegaler Bestrafung an und untergraben die soziale Akzeptanz von Verbrechen und derer, die sie begehen. Der Einfluss der Burger auf regionale Gerichte und ihre Richter ist gross, und die Lokalpolitik kann faire Verfahren behindern. Mit diesen Einschrankungen haben die internationalen Gerichtshofe Einfluss auf Verbrechen, die begangen werden, und auch darauf, wie sie begangen werden. In dem Schlussteil seines Vortrags gab Dr. O'Connell an, dass die Institution internationaler Gerichtshof vielleicht nicht zu einem Ende aller Verbrechen fuhren wurde, dass sie jedoch Leben schutze. Der IStGH hatte Verbrechen im Keim erstickt; offentliche Bekanntmachung der Strafverfolgung Einzelner schrecke ab und erleichtere Friedensverhandlungen. Die Gerichte ermutigten Menschen und Behorden, gegen destruktive Machte im Land tatig zu werden. Was sei denn der Traum des IStGH, wurde O'Connell aus dem Publikum gefragt. Menschenrechtsgerichte fur Asien und den Mittleren Osten, dass afrikanische Lander aufhorten sich aus den Abkommen zuruckzuziehen und dass nationale Gerichte die Opfer der verhandelten Verbrechen starker einbezogen, antwortete O'Connell sofort. Die sogenannten,,victims' participation units" wurden Teil eines jeden Gerichtsprozesses und so neu definieren, wer beteiligt ist, wenn Gerechtigkeit geubt wird. Auch wunsche er dem IStGH Weisheit fur politische Operationen, zu wissen, wann anzuklagen und wann zu verwarnen sei. Die darauffolgende Diskussion war lebendig und die Meinungen vielseitig. Die Zuhorer verliessen das Atrium des HCAs sowohl informiert als auch inspiriert. Zum letzten Baden-Wurttemberg Seminar im alten Jahr hiess das HCA, in Kooperation mit der American Academy in Berlin, Rebecca Boehling willkommen, Professorin fur Geschichte an der University of Maryland, Baltimore County, und Berthold Leibinger Fellow an der Academy. Anja Schuler, die die Forum-Veranstaltungen am HCA koordiniert, stellte Prof. Boehling und ihre umfassenden Arbeits- und Forschungsgebiete vor: neuere Europaische Geschichte, deutsche Geschichte, Frauengeschichte und Judische Studien. In zweitausenddreizehn wurde Rebecca Boehling zur Leiterin des Internationalen Suchdienstes und des aus ihm entstandenen Archivs und Dokumentationszentrums in Bad Arolsen ernannt. In ihrem Vortrag betrachtete sie die Geschichte des 1943 gegrundeten Suchdienstes und bot ihren Zuhorern ihre,,einzigartige amerikanische Perspektive". Nach der Befreiung der Konzentrationslager am Ende des Zweiten Weltkrieges blieb an den Schauplatzen der nationalsozialistischen Verbrechen nur weniges an aussagekraftigem Material zuruck. Jedoch kamen zahlreiche und sehr unterschiedliche Dokumente aus Gefangnissen, Arbeitslagern, dem Katalog der Reichsvereinigung der Juden, den Akten zu Zwangsarbeitern und denen der Gestapo zu einem gigantischen Archiv zusammen. Der Internationale Suchdienst (International Tracing Service, ITS) sammelte Dokumente, die von den Alliierten des Zweiten Weltkriegs konfisziert worden waren und jene Menschen betrafen, die unter der Verfolgung der Nationalsozialisten gelitten hatten. Der Suchdienst nahm die Spur heimatvertriebener Zivilisten auf, recherchierte ihre personliche Geschichte, half Familienzusammenfuhrungen auf den Weg zu bringen und vereinfachte die Emigration. Ab eintausendneunhundertfünfundvierzig versammelten sich im Archiv Auflistungen des Kindersuchdienstes, Dokumente der Nothilfe- und Wiederaufbauverwaltung der Vereinten Nationen, der Internationalen Fluchtlingsorganisation, administrative und pflegerische Dokumente, Krankenunterlagen, Identifikationsausweise und anderes Material, das im Zusammenhang mit Ruckfuhrung und Emigration steht, sogar personliche Gegenstande, sogenannte,,Effekte". Fur kriegsgeschadigte Menschen in Gebieten, die unter der Kontrolle der Vereinten Nationen standen, waren Sozialwerke zustandig. Heimatvertriebene mussten sich registrieren lassen, um das Lebensnotwendige wie Nahrung, Obdach und Kleidung zu erhalten. Ein fur den Zweck entwickeltes "Sonderstandesamt" hatte die Aufgabe, Todesfalle in den Konzentrationslagern formal zu bestatigen. Einige Opfer bevorzugten die Staatenlosigkeit gegenuber der deutschen Staatsburgerschaft oder einer Einburgerung in das Flucht- oder Aufenthaltsland, da es ihrem Gefuhl von Entwurzelung entsprach. In den letzten zwei Jahrzehnten setzte sich der ITS mit vielen neuen Herausforderungen auseinander, etwa der Digitalisierung von Dokumenten, der Erhaltung dieser Dokumente und, als wichtigstem Punkt, dem offentlichen Zugang zu Dokumenten und Effekten. Auch Veranderungen innerhalb des Mitarbeiterstabs wurden vorgenommen; der ITS benotigte akademisch ausgebildete Archivarinnen und Archivare sowie und Historikerinnen und Historiker, und es mussten projektspezifische Arbeitsgruppen gebildet werden. Seit zweitausendsieben bietet der ITS freien Zugang zu den Archiven sowie kostenlose Recherche, auch fur jene, die nicht personlich nach Bad Arolsen kommen mochten oder konnen. Der Zugang fur Ahnenforscher und Journalisten wurde vereinfacht. Prof. Boehling erinnerte ihre Zuhorer daran, dass fur manche Familien die in Bad Arolsen gelagerten Dokumente der einzige Beweis der Existenz verlorener und getoteter Familienmitglieder seien, die einzige Chance auf einen moglichen Abschluss mit diesem Teil ihrer Familiengeschichte. Die Einzigartigkeit des ITS liegt in seinem internationalen Charakter, auch rechtlich gesehen: zwar wird der ITS einzig vom deutschen Staat finanziert, jedoch gelten keine nationalen Gesetze oder Richtlinien. Ebenfalls einzigartig ist die schiere Grosse eines Archivs, das allein der Sammlung von Dokumenten uber Opfer der Naziverfolgung gewidmet ist. Im Juni zweitausenddreizehn wurde der ITS zum UNESCO Weltkulturerbe erklart. Auch viele Jahrzehnte nach Kriegsende ist die Organisation nicht uberflussig. Seit den siebziger Jahren ermoglichte sie einundachtzig Familienzusammenfuhrungen. Prof. Boehling stellte den Fall einer jungen Frau vor, die nach Bad Arolsen gereist war, um Auskunfte uber ihre Familie zu erhalten. Sie fand heraus, dass ihr Grossvater, bevor er ihre Grossmutter in Israel kennenlernte, bereits eine Familie gehabt hatte, die in den Konzentrationslagern umgebracht worden war. Die Enkelin sprach von einem Gefuhl des Verlustes, jedoch auch einem Gefuhl der Zufriedenheit daruber, die Geschichte ihres Grossvaters, und somit auch ihre eigene, erfahren zu haben. Das Publikum im Atrium des HCA war sehr interessiert an der Rolle des Archivs in den Kriegsverbrecherprozessen der Nachkriegszeit. Prof. Boehling bestatigte, dass das Archiv eng mit den Gerichten zusammengearbeitet und Informationen zu Tatbestanden bereitgestellt hatte. Sie schloss mit der Bemerkung, dass das Archiv Segen und Fluch zugleich sei, nicht zuletzt, weil sich darin Dokumente befanden, die nachweisen, dass im Nachkriegsdeutschland einflussreiche Personlichkeiten in Verbrechen gegen die Menschlichkeit verwickelt waren. Kenneth Marcus, " African American Ballet in Postwar Los Angeles " 11. November 2016 Im November hiess das HCA den Historiker Kenneth H. Marcus als Gast im Baden-Wurttemberg Seminar willkommen. Professor Marcus sprach uber einen wichtigen Teil der Nachkriegskultur in Los Angeles: Afroamerikanisches Ballett. Dorothea Fischer-Hornung, ehemalige Senior Lecturer am HCA, stellte Kenneth Marcus vor. Seine akademische Ausbildung erhielt er in den Vereinigten Staaten, Deutschland, Frankreich und England, zweitausendeins begann er seine Karriere als Dozent fur Geschichte an der University of La Verne in Kalifornien. Seine Interessen sind vielseitig, seine Forschung erstreckt sich uber Jahrhunderte Nordamerikanischer und Europaischer Geschichte und Padagogik. Professor Marcus produzierte ausserdem zwei Aufnahmen mit den Arias Troubadours, die kalifornische Volks- und Tanzmusik des 19. und 20. Jahrhunderts neu interpretieren. Professor Marcus sprach zunachst uber die Anfange des First Negro Classical Ballet. Die meisten Kulturhistoriker seien vertraut mit der Harlem Renaissance, afroamerikanischen Autoren und Autorinnen, Jazz- und Bluesmusikern und -musikerinnen, jedoch sei die Rolle von klassischer Musik und klassischem Tanz in der afroamerikanischen Kultur in der Vergangenheit vernachlassigt worden. eintausendneunhundertsechsundvierzig grundete der weisse Choreograph Joseph Rickard eine der ersten afroamerikanischen Ballettkompanien. Diese Kompanie verkorperte multiethnische Kooperation in den Kunsten inmitten einer Gesellschaft, die tief von der Rassentrennung gepragt war. Bernice Harrison, eine afroamerikanische Mutter aus Los Angeles, wurde mit ihrer Tochter von einem Studio fur Klassischen Tanz abgewiesen und erhielt die Empfehlung, sich nach einem Stepptanz-Studio umzuschauen. Rickard war bei dieser Szene zugegen und setzte daraufhin seinen Drang in die Tat um, einen Raum zu schaffen, der Afroamerikanerinnen und -amerikaner willkommen hiess und ihnen eine klassische Tanzausbildung ermoglichte. Es folgte die Grundung einer Balletttruppe bestehend aus seinen talentiertesten Schulerinnen und Schulern; Bernice Harrison wurde die Prima Ballerina. Die ersten drei Jahre nannte sich die Gruppe Americana, und ihr erster Auftritt fand im Herbst eintausendneunhundertsiebenundvierzig im Danish Auditorium in Los Angeles statt. Die Zeitung Los Angeles Sentinel finanzierte, bewarb und besprach die Vorstellung und feierte sie als Beginn einer neuen Ausdrucksform fur,,Negroes". Die Kompanie bestand mehr als zehn Jahre und beschaftigte mehr als dreissig Tanzer, die neben dem Tanz auf ihre Jobs ausserhalb der Kunst angewiesen waren. Die Stuckentwicklungen und Auffuhrungen wurden aus einem sehr begrenzten Budget finanziert. Kenneth Marcus erwahnte auch die Kostume, die sich sehr von denen anderer Kompanien unterschieden; sehr minimalistisch entworfen und so umgesetzt, dass die Korperformen der Tanzenden auf das Beste betont wurden. Die Gruppe fuhrte sogenannte,,Tanz-Dramen" auf, die Jazz und Boogie Wooogie miteinschlossen und in denen oftmals Manner als Frauen auftraten. Das Ballett der Truppe hielt sich nicht mit rassistischen Klischees der Zeit auf und vermied alles, was an Voodoo oder Onkel Tom erinnerte. Die Tanzer und Tanzerinnen des First Negro Classical Ballet wurden mit harter rassistischer Kritik konfrontiert. Eine der Tanzerinnen erzahlte in einem Interview, dass man die weiblichen Tanzer der Truppe oftmals wissen liess, dass afroamerikanische Frauen nicht fur klassischen Tanz,,gebaut" waren; ihre Hintern seien zu gross und ihre Korper der Aufgabe generell nicht gewachsen. Trotz extremer Vorurteile und der schlechten finanziellen Situation verwirklichten sich die Mitglieder der Kompanie ihren Traum vom Klassischen Tanz. Ausserdem bestatigte die Qualitat der Auffuhrungen, wie fruchtbar interethnische Kollaboration sein konnte und dass es in der Kunst keinen Platz fur Rassismus gibt. Aufgrund unterschiedlicher kunstlerischer Interessen und permanentem Geldmangel tat sich die Kompanie schliesslich mit dem Ward Flemyng's New York Negro Ballet zusammen. Im Anschluss an den Vortrag diskutierten die Zuhorer klassisches und modernes Ballett, beeindruckt von den Hurden, welche die Kompanie bezwungen hatte und von der Hingabe ihrer Mitglieder an den Tanz. Podiumsdiskussion: "Die Vereinigten Staaten nach den Prasidentschaftswahlen 2016" In manchen Staaten wurde noch gezahlt, aber am Abend des neun November gab es ein klares Ergebnis: Der Republikanische Kandidat Donald Trump ist der designierte Prasident der Vereinigten Staaten und wird am zwanzig Januar zweitausendsiebzehn in das Weisse Haus einziehen. Das HCA hatte drei Experten zu einer Einschatzung dieser Ergebnisse USA eingeladen; Alexandra Gleber, eine Deutschamerikanerin und Bachelorstudentin am HCA, die zweitausenddreizehn Mitglied der,,Democrats Abroad" ist; Anthony Santoro, der in Virginia geboren und aufgewachsen ist, sowohl seinen M.A. als auch seine Promotion in Heidelberg abgeschlossen hat, mehrere Jahre Seminare zu Religion in Amerika und amerikanischer Religionsgeschichte am HCA unterrichtet hat und derzeit als Senior Information Developer bei SAP ist; und Martin Thunert, Senior Lecturer fur politische Wissenschaft am HCA. Anja Schuler, die am HCA die Forum Veranstaltungen koordiniert, moderierte. Alle Beteiligten haben uber lange Zeitraume in den USA gelebt, gaben aber zu, dass sie den Ausgang der diesjahrigen Wahlen nicht vorausgesehen hatten. Auch ein Grossteil des Publikums war sehr uberrascht uber das Ergebnis; das Atrium und die Galerien waren bis zum letzten Platz gefullt. Welche Faktoren haben zu diesem unvorhersehbaren Ergebnis gefuhrt? Martin Thunert gab mehrere Grunde an: auf der einen Seite hatte sich Trumps Bild in der Offentlichkeit in den Wochen vor der Wahl geandert; er erschien selbstbewusster, begann Themen naher auszufuhren, und mischte seinem Auftreten etwas Selbstironie bei. Zusammengefasst: Er war sympathischer geworden. Die Demokraten, andererseits, schienen ihre Stammwahler im sogenannten Rostgurtel und Arbeiter im Allgemeinen vergessen zu haben, die als Verlierer der Globalisierung sehen. Misstrauisch hatten sie die immer gruner werdende Politik beobachtet; der Lebensunterhalt und -stil eines Grossteils dieser Menschen hange schliesslich vom Ol ab. Alexandra Gleber erwahnte die landlichen Gebiete und die,,unsichtbare Mehrheit", die hauptsachlich aus weissen Mannern mit rudimentarer Bildung bestunde, die sich nun durch die Versprechen Trumps gestarkt fuhlten. Anthony Santoro fugte hinzu, dass die Wahler Hillary Clinton seit zwanzig Jahren gekannt und ihr ebenso lang misstraut hatten. Seit Jahrzehnten verabscheuten sie das,,alte, kaputte Washington", das die Kandidatin verkorpere. Es ware ein Wahlkampf der weissen Manner gewesen, und auch wenn man die,,unsichtbare Mehrheit" am Anfang als Scherz abgetan hatte, so hatte sie am Ende die Wahl dominiert. Die Moderatorin erinnerte daran, dass der neue Prasident einen Sitz am Supreme Court besetzen wurde und fragte in die Runde, was denn Obamas Vermachtnis sei, was von,,Change" ubrigbleiben wurde. Die Obamas seien gescheitert, so Martin Thunert, sie hatten sich sehr fur Hillary Clinton eingesetzt und offen gegen Trump ausgesprochen; nun lage es in Trumps Macht, Obama zu einer Fussnote in der amerikanischen Geschichte zu degradieren. Alexandra Gleber bemerkte, dass Trump angekundigt hatte, die inhaltlichen Aufgaben seinem Vizeprasidenten und seinen Beratern zu uberlassen, wahrend er sich darauf konzentrieren wurde, Amerika wieder gross zu machen -,,make America great again! " Sie zitierte eine Quelle aus dem Internet; Trump dachte Prasident sein sei wie Konig sein. Frau Gleber druckte ihre Sorge uber die Radikalitat der Anhanger Trumps aus und uber die Verhartung der Fronten zwischen Liberalen und Konservativen. Anthony Santoro gab Zweifeln Ausdruck, dass Trump jemals wirklich Prasident werden wollte. Er hatte mehr als einmal gesagt, dass, sobald er ein Ziel erreicht hatte, er sich nicht langer dafur interessieren wurde. Fur Dr. Santoro ist Mike Pence der Mann, dem die Aufmerksamkeit gelten sollte. Seine Haltung gegenuber Abkommen mit Korea oder Japan seien ausschlaggebend fur die zukunftige Handelspolitik des Landes. Ubrig von Obamas Regierungszeit sei nur eines: Enttauschung. Sei die Welt denn bereit fur Trump, fragte Anja Schuler. Was wurde als nachstes geschehen in der Aussenpolitik des Landes? Jedes Handelsabkommen wurde auf den Prufstand gestellt, sagte Martin Thunert, und Trump musse die Versprechen gegenuber den Arbeitern in seiner Wahlerschaft einhalten. Trump wurde auch eine Umverteilung der Kosten fur die NATO anstreben. All dies konne aber nur stattfinden, nachdem die Personalfragen geklart seien, eine in sich schwierige Aufgabe. Auch Alexandra Gleber fuhrte die Versprechen gegenuber Arbeitern an und sieht Donald Trump jetzt in der Pflicht, zu beweisen, dass er der Problemloser ist, als der er sich im Wahlkampf prasentiert hatte. Dies wurde auch ein Ende des Islamischen Staates einschliessen. Warum hatten beinahe alle Medien einen Sieg fur Clinton vorausgesagt? Warum hatten Meinungsforscher und Demoskopen versagt? Warum lagen Internetplattformen wie so falsch? Umfragen seien Momentaufnahmen, sagte Dr. Thunert, keine Zukunftsvorhersagen. Die Millennials und die Regenbogenkoalition hatten unter Umstanden nicht ausreichend darin partizipiert. Auch die deutsche Presse hatte versagt, sie hatte ungenugend uber den Wahlkampf berichtet und ein einseitiges Bild der aktuellen politischen Landschaft der USA gezeichnet. Ware Bernie Sanders doch der bessere Kandidat fur die Demokraten gewesen? Das konne man nicht sagen, stimmten die Diskutanten uberein. Vielleicht sei es noch nicht an der Zeit gewesen fur eine liberale Frau an der Spitze des Landes, spekulierten Anthony Santoro und Alexandra Gleber; die Kandidatur eines Aussenseiters, der sich uberzeugend vom politischen Establishment hatte distanzieren konnen, hatte moglicherweise einen erfolgreicheren Gegner zu Trump dargestellt, der gerade in dieser Hinsicht gepunktet habe. Martin Thunert wiese darauf hin, dass Sanders zwei wichtige Wahlergruppen ausgelassen hatte, Hispanoamerikaner und Afroamerikaner, ein grosser Fehler, der wohl nicht rechtzeitig hatte behoben werden konnen. Nach dieser Frage wurde die Diskussion fur das Publikum geoffnet. Was wurde sich durchsetzen, freier Handel oder Protektionismus? Was wurde sich andern, wenn Arbeiter erkennen, dass die Verbesserungen, die Trump angeboten hatte, nicht umsetzbar sind? Wie konnte die Demokratische Partei wieder auferstehen? Die letzte Frage problematisierte Entwicklungen in Europa, die zu einem Aufstieg von Populismus und rechter Politiker fuhren konnten. Es sei an der Zeit, sagte Anthony Santoro, dass die Gesellschaft begreife, dass schlecht ausgebildete Menschen keine schlechten Menschen seien; Angst und Arger beeinflussten politisches Urteilsvermogen. Eine bedachtere Wahlerschaft hatte nicht zugelassen, dass Hillary Clinton damonisiert und Donald Trump alles verziehen wurde. Anja Schuler beendete die Diskussion und wunschte allen, die bis in die fruhen Morgenstunden aufgeblieben waren, eine angenehme Nachtruhe. Zum Auftakt des zwanzigsten Baden-Wurttemberg Seminars lud das HCA am siebenundzwanzig Oktober zu einer Lesung zweier bekannter amerikanischer Autoren ein: Beth Ann Fennelly und Tom Franklin. Margit Peterfy, Senior Lecturer fur American Studies am Anglistischen Seminar der Universitat Heidelberg, hiess das Autoren- und Ehepaar willkommen und stellte sie und einen Teil ihrer Werke vor. Beth Ann Fennelly ist die aktuelle Poeta Laureata Mississippi und leitet Schreibwerkstatten und das Master of Fine Arts Programm an der University of Mississippi. Ihre erste Sammlung von Gedichten, Open House, erschien zweitausendeins und gewann mehrere Preise. Zwei weitere Sammlungen erschienen 2004, Tender Hooks, und 2008, Unmentionables, beide ebenfalls von Kritikern bejubelt. Sie erhielt verschiedene Stipendien und wurde zu zahlreichen prestigetrachtigen Lesungen eingeladen, unter anderem an der Library of Congress. Tom Franklins Bucher sind nur auf den ersten Blick Kriminalgeschichten. Er verfasste den Roman Poachers (1999), eine Sammlung von Kurzgeschichten, Hell at the Breech (2003), und die Romane Smonk (2006), and Crooked Letter, Crooked Letter (2010). Letzterer wurde mit dem Gold Dagger der Crime Writers' Association und dem Preis der LA Times fur den besten Roman im Bereich Mystery/Thriller ausgezeichnet. Er unterrichtet ebenfalls an der University of Mississippi. Dem Publikum im Atrium des HCAs bot das Autorenpaar Lesungen aus drei verschiedenen Texten; jeweils ein Werk von Fennelly und Franklin und eines aus ihrem gemeinsamen Oeuvre. Tom Franklin machte den Anfang mit Crooked Letter, Crooked Letter. Der Spruch,,M-I-crooked letter-crooked letter-I-crooked letter-crooked letter-I-humpback-humpback-I" dient als Eselsbrucke, mit der Grundschuler die Schreibweise von,,Mississippi" erlernen sollen. In dem kleinen Ort Chabot verschwand vor funfundzwanzig Jahren eine junge Frau nach einem Rendezvous mit Larry Ott. Trotz fehlender Beweise wird Larry Ott, der mittlerweile,,Scary Larry" genannt wird, noch immer verdachtigt, das Madchen auf dem Gewissen zu haben. In Kindheitsszenen wird die Zeit nach dem Civil Rights Movement dargestellt; die alte Ordnung ist zerschlagen, die Rassenhierarchie offiziell aufgehoben, voller Spannungen ist der Alltag in der nun entsegregierten Schule in Chabot. Verwohnt von seiner Mutter und gequalt von seinem Vater wunschte Larry Ott sich nichts mehr als einen Freund. In der Gegenwart des Romans wird nun ein weiteres Madchen vermisst; die Ermittlungen gehen aufgrund alter Verdachtsmomente in Richtung Larry Otts, was in einem Ubergriff seitens der Kleinstadter resultiert. Er wird in die Brust geschossen. Detective Silas Jones, der nach langer Abwesenheit zuruck in seinen Heimatort Chabot zieht, wird mit der Losung beider Falle, dem Verschwinden des Madchens und dem Mordversuch, beauftragt. Er und Larry teilen ein Stuck Vergangenheit, mit dem Silas nun erneut konfrontiert wird. Die Themen des Buches - Freundschaft, Schuld und Scham - verzahnen sich mit Geschichte und Psychologie der Post-Civil Rights Generation. Nachfolgend las Beth Ann Fennelly aus Heating and Cooling: zweiundfünfzig Micro-Memoirs, das im Herbst zweitausendsiebzehn bei W. W. Norton erscheinen wird. Memoirs sind fur sie von kleine und grosse Ereignisse im Leben, die einem ab und zu wieder in den Sinn kommen. Warum also nicht die eigenen aufschreiben? Sie beschreibt es als,,poetisches die-Wahrheit-Erzahlen"; sie fasst Erinnerungen in Verse. Eine Mikro-Erinnerung stach besonders heraus:,,Daughter, they'll use even your own gaze to wound you", in der die Autorin beschreibt, wie sie als Madchen in sexuelle Handlungen und Fantasien von Mannern hineingezogen fuhlte - etwa durch die Blicke eines Voyeuristen am Strand. Eine weitere, frohlichere Mikro-Erinnerung erzahlt davon, dass ihr Mann in vielen seiner Geschichten einen Charakter namens Colin erschafft, der dann immer auf unnaturlichem Weg zu Tode kommt. Colin ist der Name eines ihrer ehemaligen Liebhaber. Gemeinsam las das Paar dann aus The Tilted World, erschienen zweitausendvierzehn nach uber vier Jahren Recherche zur grossen Mississippi-Flut von 1926-27, der grossten Uberschwemmung in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Die Autoren berichteten, dass uber dreihundert Menschen vor den Fluten in Sicherheit gebracht werden mussten und dass uber siebenhundert unter den Konsequenzen der Katastrophe litten, zum grossen Teil Afroamerikaner. Vor diesem Hintergrund spielt die Erzahlung von The Tilted World: Zwei Beamte des FBI finden inmitten eines Tatorts ein Kind. Eine Schnapsbrennerin nimmt das Kind auf, und es entwickelt sich eine Geschichte uber Mord und Verschworung. Nach dieser letzten Lesung begann eine spannende Diskussion. Wie schreibt man gemeinsam ein Buch und bleibt trotzdem verheiratet, lautete die erste Frage. Das Paar beschrieb den anfanglichen Prozess, in dem sie die Erzahlung unter sich aufgeteilt hatten und dann den jeweiligen Teil des Anderen gegengelesen hatten. Tom Franklin behauptete, seine Texte seien,,schrecklich hassliche Dinger" gewesen, bevor sich seine Frau ihrer angenommen hatte. Beth Ann Fennelly sprach daruber, wie sie sich in der Vergangenheit gescheut habe, uber Gewalt zu schreiben, jedoch wahrend des Schreibens an The Tilted World erkannt habe, dass,,Gewalt zu jedem kommen kann", und dass sie als Autorin dieses Thema nicht ausklammern konne. Allmahlich wandelte sich die Diskussion in eine Signierstunde, und viele kleinere Gesprachsrunden entstanden. Die zahlreich erschienenen Zuhorer verliessen schliesslich beschwingt das Atrium, mit den Buchern dieser faszinierenden Autoren unterm Arm. Film Clips: "Wahlwerbung in den Wahlkampfen von 1960, 1988, zweitausendacht und 2016" Eine Woche nach der dritten TV-Debatte der Prasidentschaftswahlen zweitausendsechzehn und zwei Tage nach der ersten Ausstrahlung des Wahlwerbespots,,Mirrors" der Clintonkampagne kamen vier Spezialisten fur amerikanische Prasidentschaftswahlen im Atrium des HCAs zusammen. Raluca Cimpean, Styles Sass, Martin Thunert und Abraham de Wolf diskutierten die Wahlkampfe von John F. Kennedy und Richard Nixon, George H. W. Bush und Michael Dukakis, Barack Obama und John McCain sowie das aktuelle Rennen zwischen Hillary Clinton und Donald Trump. Der Geschaftsfuhrende Direktor des HCA, Wilfried Mausbach, fuhrte durch die Veranstaltung. Der Abend begann mit historischen Werbespots wie,,Daisy Girl", dem Madchen mit dem Ganseblumchen, den Wilfried Mausbach als,,Mutter aller Wahlwerbespots" bezeichnete. Vielleicht sei Twitter derzeit die starkste Wahlwerbekraft, jedoch hatte TV-Wahlwerbung ihre Wichtigkeit im Prasidentschaftswahlkampf der USA beibehalten. Raluca Cimpean aus Rumanien, die ihren Master sowie ihren Ph. D. am HCA absolvierte, hielt den ersten Vortrag. In ihrer Dissertation John F. Kennedy Through the Looking Glass: Docudramatic Representations of the JFK Image betont sie, wie wichtig die Wahrnehmung der Offentlichkeit fur einen Kandidaten ist. Dies wurde, laut Cimpean, zum ersten Mal bewusst und erfolgreich in der Kennedy-Kampagne von eintausendneunhundertsechzig eingesetzt.,,Es kommt nicht darauf an, was du bist, sondern wofur dich die Leute halten ", wird John F. Kennedy gerne zitiert. Raluca Cimpean illustrierte ihr Argument mit Auszugen aus der Dokumentation,,Primary" und dem Wahlwerbefilm,,New Frontier" von eintausendneunhundertsechzig Hier wird Kennedy als Kriegsheld, charismatischer Senator, der die Massen begeistert, und liebevoller Familienvater dargestellt, der nach der Arbeit zu Frau und Kindern nach Hause kommt. Raluca Cimpean zeigte auf, dass diese Prasentation der offentlichen sowie der privaten Seite eines Kandidaten in darauffolgenden Kampagnen mehr oder minder erfolgreich nachgeahmt worden sei. In der zweiten Prasentation wandte sich Martin Thunert von Camelot ab, wie er sagte, und der,,dunklen Seite" der Wahlwerbung zu. Der,,Willie Horton Spot" von eintausendneunhundertachtundachtzig kann als Wendepunkt in der Kampagne Bushs gegen Michael Dukakis angesehen werden. Der demokratische Kandidat Dukakis hatte einem Freigangprogramm fur Langzeithaftlinge zugestimmt, das Wochenenden ausserhalb des Gefangnisses auch fur Gefangene wie Willie Horton moglich machte, der wegen Mordes inhaftiert war. Willie Horton kehrte nach einem Freigang nicht in die Haftanstalt zuruck, vergewaltigte in Maryland eine Frau und verletzte ihren Verlobten schwer. Bushs Wahlwerbespot akzentuierte diesen Vorfall stark und portratierte Dukakis als zu mild. Ausserdem bekraftigte dieser Spot Stereotypen des schwarzen Verbrechers und der weissen Opfer (Horton war Afroamerikaner). Zudem fungierte der Spot als Warnung vor einer dritten Amtszeit in Folge fur einen Prasidenten aus den Reihen der Demokraten. Dukakis musste im Nachhinein zugeben, dass er die Brisanz dieses Falles unterschatzt hatte. Der dritte Teilnehmer der Runde, Styles Sass, ist ebenfalls Absolvent des M.A.- und des Ph. D.- Programms des HCA. Seine Prasentation wandte sich erneut Camelot,,,Camelot 2.0", wie er es nannte, und widmete sich der Bedeutung der Aussenpolitik in Barack Obamas Wahlkampf sowie dem,,Markenwechsel", auf den es der Kandidat im Rennen um das Weisse Haus zweitausendacht abgesehen hatte. Die Rede Obamas am vierundzwanzig Juli in Berlin habe den Zenit dieser Strategie dargestellt; eine Veranstaltung, die ihren Besuchern,,das poetische Gefuhl gegeben hatte, dabei gewesen zu sein, als Geschichte gemacht wurde". Ein amerikanischer Politiker, der im Ausland gefeiert wurde, ein Kandidat, der zu diesem Zeitpunkt noch nicht die Nominierung zum Prasidentschaftskandidaten erhalten hatte, eroberte die Herzen von zweihundert null Menschen. Dies hatte in hartem Kontrast zu dem schlechten internationalen Renommee von George W. Bush gestanden, was Obamas Kampagne fur sich nutzte, indem sie den republikanischen Kandidaten John McCain als die Fortsetzung dieser Politik portratierte. An einem Punkt des Wahlkampfes hatte sich McCain genotigt gefuhlt zu sagen:,,Ich bin nicht Bush! " Er reagierte mit einem Spot,,Celebrity", der Obama unterstellte, genau wie den It-Girls in dem Spot nichts weiter als prominent zu sein und kein fahiger Politiker. Das sass:,,Ich will einen Prasidenten im Weissen Haus, keine Beruhmtheit! " Obama reagierte sofort; er hielt nur noch kleinere Veranstaltungen ab, bevorzugt in den Abendstunden, um eine unmittelbare Berichterstattung durch die Presse zu vermeiden. Der letzte Redner des Abends war Abraham de Wolf, der teilweise in den Vereinigten Staaten aufwuchs, als Anwalt arbeitet und sich bei den,,Burgern fur Heidelberg" engagiert. Er ist stark mit den USA verbunden und folgt den politischen Ereignissen des Landes mit grosser Aufmerksamkeit. Er zeigte verschiedene Spots des aktuellen Wahlkampfes und unterstrich die Unterschiede zwischen der Wahlwerbung Clintons und Trumps. Viele der Spots von Donald Trump gingen nicht uber dreissig Sekunden hinaus und zeigten zum Grossteil in selbst auf Wahlveranstaltungen. Die Werbespots seiner Gegenkandidatin Hillary Clinton seien bis zu vier Minuten lang, teuer produziert und zeichneten sich gekonnt durch einen positiven Unterton aus, sogar in den negativ angelegten Spots. Zwei stunden hierbei hervor, beide Reaktionen auf Strategien Trumps:,,Captain Khan", ein Spot uber den trauernden Vater Humayun Khans, einen muslimischer U.S. Soldat, der im Irak sein Leben verlor und das seiner Kameraden rettete, als er sich einem Selbstmordattentater entgegenstellte. Donald Trump hatte die Familie des Verstorbenen beleidigt, nachdem diese auf dem Parteitag der Demokraten erschienen waren. Der zweite Spot ist der zuvor erwahnte Spot,,Mirrors" -,,Spiegel", der junge Madchen zeigt, die sich im Spiegel und mit ihren Handykameras betrachten. Im Hintergrund sind Trumps beruchtigte Kommentare uber Frauen zu horen.,,Ist dies der Prasident, den wir fur unsere Tochter wollen? " fragt der Spot am Ende. Nach der Vorfuhrung von,,Mirrors" eroffnete Wilfried Mausbach die Diskussion; das Publikum interessierte sich vorrangig fur die Veranderungen in der Wahlwerbung uber die Zeit und fragte sich, ob Wahlwerbung mehr fur die Kandidaten tun kann als ihre Wahler zu mobilisieren. Verleihung des Rolf-Kenter-Dissertationspreises zweitausendsechzehn Am verlieh das HCA aufs Neue den Rolf Kentner Preis. Zum siebten Mal ehrte der Preis, gestiftet von einem der engagiertesten Sponsoren des HCAs, eine herausragende Promotionsarbeit in den Amerikastudien. Dieses Jahr ging der Preis an Birte Wege, die aktuell die Juniorprofessur fur amerikanische Literatur am John F. Kennedy Institut der FU Berlin vertritt. Sie studierte englische Literatur und Linguistik, Politikwissenschaften und Islamwissenschaften an der Universitat Freiburg und erhielt dort ihren Masterabschluss in englischer Literatur. Einen weiteren Mastertitel, diesmal in Betriebswirtschaft, erwarb sie an der Fraser Universitat in Vancouver. Im Sommer 2015 reichte sie ihre Dissertation an der Graduate School of North American Studies am John F. Kennedy Institut ein:,,Drawing on the Past: The Graphic Narrative Documentaries of Emmanule Guibert, Ho Che Anderson, Art Spiegelman, and Joe Sacco ". Nach einem Willkommensgruss des Grundungsdirektors des HCA, Detlef Junker, sprach der Geschaftsfuhrer Wilfried Mausbach einleitende Worte und zitierte aus der Laudatio Gunter Leypoldts, Mitglied des Preiskomitees, der betonte, dass Birte Weges,,Dissertation einen umfassenden Uberblick uber die geschichtliche Entwicklung dokumentarischer Bildgeschichten bietet und sowohl die Moglichkeiten dieses neuen Genres als auch die aktuellen Unterscheidungen innerhalb des Genres aufzeigt. Daruber hinaus stellt sie die besondere Position fest, die die dokumentarische Bildgeschichte derzeit im Feld der Bildgeschichte einnimmt. Sie erklart das Potenzial dieses Genres und gibt wertvolle Einblicke in die historischen, genre-spezifischen, und kulturellen Umstande, die fur die dokumentarische Bildgeschichte ausschlaggebend sind. " Dr. Weges Vortrag,,Drawing on the Past: Photography and Graphic Narrative Documentary " fokussierte dann auf eine der dokumentarischen Bildgeschichten, auf die ihre Dissertation aufbaut, Ho Che Andersons King: A Comics Biography of Martin Luther King, Jr. Andersons Arbeit uber Kings Leben in den Jahren eintausendneunhundertfünfunddreißig bis 1936, basiert auf Fotografien. Eines der Einzelbilder, die Dr. Wege wahrend ihres Vortrags zeigte, ist die gezeichnete Version des ikonischen Fotos des Lynchmords an Thomas Shipp and Abram Smith in Marion, Indiana am sechs August eintausendneunhundertdreißig Birte Wege wies darauf hin, dass es dieses Foto war, das Abel Meeropol dazu veranlasste, ein Gedicht uber dieses entsetzliche Ereignis zu schreiben,,,Strange Fruit", das durch Billie Holidays musikalische Interpretation beruhmt wurde. Meeropol kam abermals mit der Geschichte seines Landes in Beruhrung, als er auf einer Weihnachtsfeier im Hause W.E.B. DuBois' gemeinsam mit seiner Frau die Sohne von Ethel und Julius Rosenberg kennenlernte, die einige Zeit zuvor wegen Atomspionage hingerichtet worden waren. Eine weitere Geschichte, die sich hinter dem Foto aus Indiana verbirgt, ist die des dritten Opfers, James Cameron. Ein Mob brach in das Gefangnis ein und zerrte drei Jugendliche aus dem Gebaude; die Menge ging auf Abram Smith los, prugelte ihn zu Tode und erhangte Thomas Shipp an einem Fenster. Das Bild wurde gemacht, als die toten Korper zur Schau an einen Baum gehangt wurden. James Cameron war dem Tode nahe, als eine einzelne Person die Menge uberzeugte, Cameron am Leben zu lassen und in seine Zelle zuruckzubringen. Dr. Wege zeigte auf, dass nur Comics einem Bild Farbe hinzufugen konnen; in einer Version des Lynchmord-Fotos sind die Leichen rot eingefarbt - sie werden so in mehr als einem Sinn zu,,farbigen" Leichnamen. Dr. Wege argumentiert, dass diese und andere afroamerikanische Bildergeschichten die Rechtfertigung von Gewalt an Afroamerikanern durch Polizeikrafte kommentiert. Sie wies darauf hin, dass ein neues Medium wie die dokumentarische Bildgeschichte eine Chance fur Minderheiten, speziell fur Afroamerikaner bietet, ihre Geschichte zu erzahlen und von einem eigenen Standpunkt aus zum geschichtlichen Diskurs beizutragen. Das Publikum im vollbesetzten Atrium des HCAs war sehr von diesem Vortrag fasziniert und beschloss den Abend mit regen Diskussionen bei dem Empfang in der Bel Etage des Hauses. Podiumsdiskussion: "Making Transatlantic Dialogue Great Again? " Am Abend der dritten und letzten TV-Debatte der U.S.-amerikanischen Prasidentschaftskandidaten luden das Forum fur Internationale Sicherheit (FiS), die Deutsche Atlantische Gesellschaft e.V. (DAG) und das HCA zu einer Podiumsdiskussion im Curt und Heidemarie Engelhorn Palais ein. In seinen Begrussungsworten erinnerte der Grundungsdirektor des HCA, Detlef Junker, an die Krisen in den transatlantischen Beziehungen der funfziger, sechziger und siebziger Jahre, beispielsweise an den NATO-Doppelbeschluss von eintausendneunhundertneunundsiebzig Auf dem Podium diskutierten Josef Braml, Politikwissenschaftler und Politikberater, derzeit wissenschaftlicher Mitarbeiter des Programms USA/Transatlantische Beziehungen sowie Leiter der Redaktion und geschaftsfuhrender Herausgeber des Jahrbuchs der Deutschen Gesellschaft fur Auswartige Politik, und Martin Thunert, Senior Research Fellow fur politische Wissenschaften am HCA, uber Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des transatlantischen Dialogs; Stefan Artmann (FiS) moderierte. Wahrend Josef Braml wie in seiner neuesten Publikationen,,Auf Kosten der Freiheit. Der Ausverkauf der amerikanischen Demokratie und die Folgen fur Europa" ein dunkles Bild der naheren Zukunft der USA zeichnete, betonte Martin Thunert eher die Widerstandsfahigkeit der USA. Roter Faden der Diskussion war die Prasidentschaftswahl zweitausendsechzehn Weitere Themen waren Sicherheitspolitik, NATO, TTIP und die Position der Prasidentschaftskandidaten zum Konflikt in Syrien. Welche Ziele wurden sich eine Prasidentin Clinton oder ein Prasident Trump fur die Zukunft setzen? Und welche Mittel wurden sie wahlen, um diese Ziele zu erreichen? Bei der Frage nach der zukunftigen Sicherheitspolitik der USA und dem moglichen Einsatz von Atomwaffen, wie sie Trump einige Male thematisiert hatte, waren sich die Teilnehmer einig; Trump wurde wohl keinen atomaren Weltkrieg anzetteln, der Einsatz in regionalem Raum sei jedoch moglich. Als oberster Befehlshaber hatte er hier relativ freie Hand und ware sowohl fur Mitstreiter als auch fur Gegenspieler schwer einzuschatzen. Josef Braml wies darauf hin, dass Trump Unberechenbarkeit fur eine Tugend halt und dass eine inszenierte Bedrohung eminent wichtig fur die Innen- und Aussenpolitik der USA sei. Ohne Feind keine Wirtschaftswachstum, und wenn es "nur" um die sechshundert Milliarden geht, die den jahrlichen Verteidigungshaushalt der USA ausmachen. Martin Thunert dagegen machte darauf aufmerksam, dass Trumps Kritik an der Offenlegung militarischer Strategien durch die Obamaregierung, etwa uber den Abzugstermin in Afghanistan, gerechtfertigt sei; oppositionelle Krafte wie die Taliban hatten nur den Abzug aussitzen mussen, um sich dann der Gebiete erneut zu bemachtigen. Teil zwei der Diskussion drehte sich um die NATO, und auch hier bewegten sich die Meinungen der Teilnehmer auseinander. Das Bild der USA als liberaler Hegemon sei bruchig, so Joseph Braml; die NATO wende sich gegen China, wovor die Bundesrepublik die Augen zu lange verschlossen hatte. Trump dagegen, so Martin Thunert, ubersetze sicherheitspolitische Fragen ins Kaufmannische und wurde sein Handeln als Prasident davon abhangig machen. Wenn die Aufteilung der finanziellen Burde inadaquat sei, wurde die Gefahr bestehen, dass die USA ihr Engagement im westlichen Bundnis unter Trump vermindern wurden. Clinton dagegen hatte mit ihrer bisherigen Politik eine andere Gangart angedeutet und sei ausserdem davon uberzeugt, dass Wladimir Putin aktiv versuche, sie als Prasidentin zu verhindern. Im dritten Teil ging es um TTIP, und vor allem die Frage, ob um das Freihandelsabkommen bereits gescheitert sei. TTIP seit tot, behauptete Josef Braml.,,The business of America is business", und TTIP sei nichts anderes als ein neuer Name fur alte Ideen. Der Freihandel befinde sich in einer Abwartsspirale und Europa musse sich vor protektionistischen Ideen huten. Martin Thunert hielt die Zukunft von TTIP fur ungewiss und zu diesem Zeitpunkt nicht fur vorhersehbar. Nahme man Handelspolitik in den transatlantischen Verhandlungen als gemeinschaftliches Politikfeld wahr, wurden neue Handelsabkommen moglich; TTIP wurde womoglich fallen gelassen und konnte als,,TTIP light" wieder auferstehen. Zum Ende der Diskussion wurde Syrien angesprochen. Stefan Artmann stellte die Frage, ob ein Prasident Trump nicht von Vorteil ware, wenn es um die einen Beitrag zur Losung des Konfliktes ginge, da er nicht vorbelastet sei und eine bessere Beziehung zu Putin hatte. Martin Thunert halt Putin fur wenig ausschlaggebend. Die Situation sei schwierig, Obama sei als Friedenstifter gewahlt worden, aber seit der Genfer Vereinbarung 2013, dem Interimsabkommen mit dem Iran uber dessen Atomprogramm, stecke man in einer Sackgasse. Mit einer Flugverbotszone uber Syrien wurde Obama lediglich Russland provozieren. Im Syrienkonflikt gabe es nur schlechte Losungen. Josef Braml stimmte seinem Kollegen zu und merkte an, er sei skeptisch, dass Clinton in Syrien durchgreifen wurde; Russland dagegen wurde von Instabilitat in der Region profitieren. Hierauf eroffnete Stefan Artmann die Fragerunde fur das Publikum, das uber grundsatzliche Strukturen fur politisches Handeln und die Frage diskutierte, und daruber, ob die Konsequenzen eines Regierungsantritts von Donald Trump nicht eher innenpolitischer als aussenpolitischer Natur waren. Die Schlussworte Martin Thunerts galten der Frage nach der Bedeutung des Trump-Slogans,,Make America great again "; welche Vergangenheit wurde hier beschworen, was wolle man zuruck? Mit diesem Gedanken entliessen die Podiumsteilnehmer ihre Zuhorer in einen herbstlichen Heidelberger Abend. Als Teil des Enjoy Jazz Festivals im Rhein-Neckar-Delta zeigte das HCA in Kooperation mit den,,Burgern fur Heidelberg" die Dokumentation "Mary Lou Williams: The Lady Who Swings the Band" von Carol Bash. Im vollbesetzten Atrium des HCA gab es Popcorn, und das Publikum genoss die Show. Der Name Mary Lou Williams ist nicht sehr bekannt. Wer noch nicht von ihr gehort hat, hatte mit diesem Dokumentarfilm nun die Gelegenheit, diese Lucke zu fullen. Ihr musikalisches Genie wurde mit zwei Jahren offensichtlich, als sie bereits fahig war, das Klavierspiel ihrer Mutter zu kopieren. Mit sieben Jahren begann sie, offentlich in Pittsburgh aufzutreten, wurde als "the little piano girl of East Liberty" zu einer kleinen lokalen Beruhmtheit und half, ihre zehn Geschwister zu ernahren. Sie verliess ihre Eltern fruh und schloss sich einer fahrenden Jazzband an. Ein Kollege uberzeugte sie eines Tages, die Clownerei sein zu lassen und eine ernsthafte musikalische Karriere zu verfolgen. In Kansas City spielte sie mit Musikern, die spater zu grossen Beruhmtheiten wurden, wie Coleman Hawkins und Count Basie. Sie heuerte bei der Andy Kirk Band an, wo sie, noch ein Teenager, ihren Mann John Williams kennenlernte. Die Schwierigkeiten, die sie als eine der wenigen Jazzmusikerinnen der Zeit hatte, wurden offensichtlich. Sie musste ihre Kollegen davon uberzeugen, dass "sie so gut war wie ein Mann". Auch stand sie als Frau unter Generalverdacht, Unruhe in der Band auszulosen. So zog sie in den vierziger Jahren allein nach New York. Bash berichtet, wie sehr Williams es zum einen genoss, Teil der innovativen Jazz-Szene zu sein und zum anderen, wie gross die Schwierigkeiten waren, sich als weibliche Musikerin mit ihrer Musik zu etablieren und nicht mit ihrem Sexappeal. Der Film zeigt die Hurden, die Williams als dunkelhautige Kunstlerin uberwinden musste, und kontrastiert ihre Karriere mit der anderer popularer Jazzmusikerinnen ihrer Zeit. Sie ging nach Europa, um die Szene zu wechseln und vielleicht ihr Gluck zu finden, und kam gebrochen zuruck. Sie wandte sich dem Glauben zu und begann nach einer Pause wieder mit dem Arrangieren und Komponieren von Musik. In ihren Sechzigern befand sie sich in einer absoluten Hochphase, was sie stark von ihren Zeitgenossen unterschied, die zumeist bei der Musik blieben, die sie beliebt und beruhmt gemacht hatte. Mary Lou Williams inspirierte moderne Jazzmusiker wie Thelonious Monk. Von den dreissiger bis zu den siebziger Jahren war eine treibende Kraft in der Geschichte und Entwicklung des amerikanischen Jazz. In der Dokumentation wird Williams damit zitiert, dass sie nie Musik komponiert, sondern sie,,freigelassen" habe. Gleich zu Beginn des Films wies Bash darauf hin, dass die Musikerin mit einer,,Gluckshaube", einem Stuck Plazenta auf dem Kopf, zur Welt kam, was im Aberglauben der Sudstaaten belegt, dass dieses Kind mit der Geisterwelt kommunizieren kann. Williams' bildnerische Arbeiten, die der Film ebenfalls zeigt, unterstreichen dieses Bild von einer Kunstlerin, die von Damonen geplagt war. Sie erscheint jedoch nicht als exzentrisches musikalisches Genie, sondern als energisch, diszipliniert und ambitioniert. Mit ihrer Dokumentation,,Mary Lou Williams: The Lady Who Swings the Band" hat die Filmemacherin Carol Bash dankenswerterweise diese aussergewohnliche Figur des Jazz einem grosseren Publikum nahegebracht. Als Teil der HCA-Veranstaltungsreihe zu den US-Prasidentschaftswahlen zweitausendsechzehn stellte der ehemalige Masterstudent und Doktorand des HCA, Dr. Styles Sass, zum Abschluss des Sommersemesters sein kurzlich veroffentlichtes Buch zum Narrativ der Wahlkampfkampagnen von zweitausendacht vor. Dr. Sass erlauterte zunachst die Bedeutung von Narrativen, die durch die Anordnung bestimmter Geschehnisse einen sinnvollen Zusammenhang herstellen. Somit ist nicht nur die Wahrnehmung einer Kampagne abhangig von ihrem Narrativ, sondern das Narrativ auch die effektivste Art, Informationen sinnvoll und attraktiv zu verbreiten. Hierbei argumentierte Dr. Sass, dass, sobald das Narrativ offentlich wird, alle anderen Aktionen entweder sinnvoll und dadurch gewinnbringend inkorporiert werden, oder als Kritik das Narrativ entkraften konnen. Daher stellt sich die Frage, was ein erfolgreiches von einem schlechten Narrativ unterscheide. Hierzu entwickelte Styles Sass fur seine Dissertation ein Modell, welches zwei Kriterien auf die vier Hauptstrange eines Wahlkampfnarratives anwendete. Er hat beobachtet, dass alle erfolgreichen Narrative zum einen eine starke innere Koharenz hatten und zum anderen ein hohes Mass an Glaubwurdigkeit ausstrahlten. Dies war wiederum zutreffend auf die vier Erzahlstrange, welche im Narrativ enthalten waren, namlich den Familien-, den National- und den Parteienstrang sowie die Gegenerzahlung zur Kritik des Konkurrenten. Diese Theorie erlauterte Dr. Sass dann zunachst anhand des Wahlkampfes von Barack Obama und John McCain im Jahre zweitausendacht Durch den militarischen Hintergrund und den patriotischen Slogan,,Country First" hatte McCain ein Narrativ aufgebaut, welches zwar in sich selbst schlussig war, jedoch nicht den Zeitgeist des Wahljahres reflektierte. Hier konnte Obama mit seinem Slogan,,A Change We Can Believe In" ein konkurrierendes Narrativ aufbauen, das nicht nur koharent war, sondern sich auch glaubwurdig in die subjektive Lage der amerikanischen Gesellschaft einbettete. Dr. Sass bot dem Publikum dann eine Analyse der aktuellen Kampagnen von Hillary Clinton und Donald Trump. Er betonte, dass Trumps Narrativ trotz frappierender innere Widerspruche ein hohes Mass an Glaubwurdigkeit ausstrahle. So sei es ihm moglich, selbst ohne konkrete Ideen ein Gefuhl der Zuversicht auszustrahlen. Im Gegensatz dazu stehe das Narrativ seiner Konkurrentin Hillary Clinton. Diese bette sich mit ihrem Slogan,,Hillary For America" in das zuvor uber acht Jahre konstruierte Narrativ Barack Obamas ein und betont vor allem die Kontinuitat des sozialen Fortschritts. Dr. Sass kritisierte jedoch, dass Hillary Clinton bis dato nicht das ganze Potenzial einer Gegenerzahlung ausgeschopft habe. In der darauffolgenden Diskussion erkundete das Publikum zusammen mit Styles Sass weitere hypothetische Kampagnen sowie vergangene Wahlkampfe. Am sieben Juli hiess das HCA Rashida Braggs, Assistenzprofessorin fur African American Studies am Williams College in Massachusetts, fur die Vorstellung ihrer Neuerscheinung,,Jazz Diasporas: Race, Music and Migration in Post-World War II Paris" willkommen. Prof. Braggs hatte das akademische Jahr 2009/10 als Ghaemian-Scholar am HCA verbracht und stellte nun ihre Forschungsergebnisse uber afroamerikanische Jazzmusiker in Paris vor. Sie erorterte in ihrem Vortrag, dass das Leben afroamerikanischer Jazzmusiker in Paris keineswegs der bis dahin weit verbreiteten Vorstellung eines egalitaren Miteinanders, unbeeinflusst von Vorurteilen, entsprach. Auch wenn Jazzmusiker bekannt waren und ihre Kunst respektiert wurden, so waren ihre burgerlichen und personlichen Freiheiten stets durch ihre Hautfarbe und Herkunft bestimmt. Um dies zu erlautern, hat Rashida Braggs einige Kapitel ihres Buches den Biographien damaliger Jazzgrossen wie Hal Singer oder Sydney Bechet gewidmet. Besonders letzterer hat sein Talent, verschiedene Musikinstrumente zu spielen, oft dafur benutzt, verschiedene subjektive Personlichkeiten zu konstruieren, die er dann fur seine offentlichen Auftritte nutzte. Sein Erfolg war daher auch von seiner Fahigkeit, sich als Kunstler neu zu prasentieren, mitbestimmt. Die Eindrucke, die Bechet und andere Musiker vermittelten, fugten sich am Ende zu dem Mythos afroamerikanischer Jazzmusiker in Paris zusammen, der oftmals die Komplexitat der Beziehung dieser Musiker zu ihrer Umgebung verschleierte. So ausserten sich Mitglieder der Jazz Diaspora selten offentlich uber politische Fragen ihre Heimatlandes, da dies ihre Popularitat in der Pariser Gesellschaft gemindert hatte. Des Weiteren berichtet Prof. Braggs, wie sie ihre Erfahrungen in den Theaterwissenschaften genutzt hat, um ihre Studenten dazu zu bringen, den Prozess der Selbstdefinition, den auch Bechet durchlaufen hat, besser zu verstehen. In verschiedenen performativen Studien hat sie ihren Studenten so nicht nur ermoglicht, ihren Forschungsgegenstand genauer zu erkennen, sondern ihnen auch demonstriert, wie vorbestimmt ihre Wahrnehmung desselbigen ist. Sie nutzte die Ergebnisse dieser Performancestudien auch, um den Lesern ihres Buches ein umfangreicheres Verstandnis fur das Leben afroamerikanischer Jazzmusiker in Paris zu vermitteln. Im Zuge der Veranstaltungsreihe,,Die U.S.-Prasidentschaftswahlen am Heidelberg Center for American Studies" hatte das HCA am funften Juli zu einer Podiumsdiskussion eingeladen. Zusammen mit Laura von Daniels, Mitarbeiterin der Stiftung Wissenschaft und Politik, Andreas Schwarzkopf, Journalist bei der Frankfurter Rundschau, und Martin Thunert, Senior Research Fellow fur politische Wissenschaften am HCA, untersuchte der Moderator Tobias Endler, der als Forschungskoordinator am HCA arbeitet, wie polarisiert die USA vor den Prasidentschaftswahlen im Herbst tatsachlich ist und in welche Richtung sich Innen- und Aussenpolitik womoglich entwickeln werden. Die Diskussion wurde mit der Frage nach der aktuellen politischen Lage in den USA eroffnet. Hier waren sich alle Beteiligten einig, dass man eine stetig wachsende Polarisierung beobachten kann. Auch wenn gesellschaftlicher Pluralismus kein neues Phanomen ist, sei, so Andreas Schwarzkopf, klar ersichtlich, dass sich gesellschaftliche Graben vertiefen. Die daraus resultierende Ausdifferenzierung der Identitatspolitik, die immer populistischere Zuge annehme, sei jedoch kein ausschliesslich amerikanisches Phanomen, betonte Martin Thunert, sondern konne auch europaweit am Beispiel des Brexits beobachtet werden. Diese neue und komplexe Polarisierung fuhre in den USA vor allem zu einer Art Schockstarre unter den Mitgliedern verschiedener Think Tanks, knupfte Laura von Daniels an. Auch wenn man versuchte, der Lage Herr zu werden und zu erklaren, wie ein Kandidat wie Donald Trump so erfolgreich werden konnte, musse man doch immer wieder die Position des wartenden Beobachters einnehmen. Hier warf Tobias Endler die Frage nach der Rolle der Medien in diesem komplexen Zusammenspiel auf. Andreas Schwarzkopf betonte zwar die Pramisse der Berichterstattung, das emotionale und populistische Appelle inhaltlich neutral an die Leser vermittelt werden musse, jedoch kritisierte Laura von Daniels, dass ein Grossteil der Berichterstattung zu einer stetigen Selektion beitrage und dadurch auch hartnackige Stereotypen, wie das Image Hillary Clintons als unterkuhlte Politikern, verstarkt wurden. Weiter betonte Martin Thunert, dass Trump so vom Image Hillary Clintons als Establishment-Politikerin profitieren und dies durch seine vom Wahlsystem begunstigte Position als Aussenseiter zu seinem Vorteil nutzen konne. Im zweiten Teil der Diskussion lenkte Tobias Endler dann den Blick auf die transatlantische Perspektive und besonders auf das Freihandelsabkommens TTIP . Hier herrsche vor allem Ungewissheit unter deutschen Politikern, so Laura von Daniels. Man gehe zwar von einem deutlichen protektionistischen Wandel unter einer Prasidentschaft Trump aus, jedoch sei auch Clintons Politik zu TTIP nicht sicher und letztlich auch stark abhangig von den jeweiligen Vizeprasidenten beider Anwarter. Andreas Schwarzkopf bemerkte ausserdem, dass die neue Ausrichtung der U.S.-Politik nach China von weiten Teilen der deutschen Politik und Offentlichkeit noch nicht in vollem Ausmasse begriffen worden sei und dass angesichts der vielen Krisenherde in der EU eine scharfe Kritik an den USA oft unangebracht ist. Martin Thunert erwiderte jedoch, dass vor allem im Hinblick auf Trump, der politische Beziehungen einer strengen Kosten-Nutzen-Analyse unterziehe, das Prasidentenamt nicht zu vorschnell beurteilt werden solle. Auch Laura von Daniels stimmte dem zu und betonte abermals, dass man bis zu diesem Zeitpunkt keine klar umrissenen Politikplane von Trump mitbekommen hatte und daher nur spekulieren konne. Abschliessend merkte Andres Schwarzkopf jedoch an, dass Deutschland trotz aller Kritik ein wichtiger Eckpartner fur die USA sei und bleiben werde und dass die deutsch-amerikanischen Beziehungen daher ein wichtiger Pfeiler der zukunftigen U.S.-Politik bleiben werden. Nach diesem Schlusswort offnete Tobias Endler die Diskussion fur das Publikum, welches vor allem auf die gesellschaftliche Spaltung und aktuelle Medienereignisse einging. Am dreißig Juni beschloss das HCA das Fruhjahrsprogramm seines Baden-Wurttemberg Seminars mit einem Vortrag von Jeffrey C. Alexander, dem Lillian Chavenson Saden Professor fur Soziologie an der Yale University. In dieser Kooperationsveranstaltung mit dem Anglistischen Seminar referierte Prof. Alexander uber seine Forschung zu performativen Eigenschaften sozialer Protestbewegungen. Er begann mit einer Analyse des inszenierten Charakters der Chinesischen Revolution. Da das chinesische Bauerntum durch seine religiose Einstellung eine hohe Toleranz gegenuber Armut und Ungerechtigkeit entwickelt hatte, musste es zunachst vom Mehrwert einer Revolution uberzeugt werden. Das erreichte die KPC durch Suku, was so viel bedeutet wie eine Geschichte von Verbitterung und Leid erzahlen. Suku wurde, so Prof. Alexander, von einem dramatischen Redner vorgetragen, mit dem sich die Landbevolkerung identifizieren konnte. Die KPC nutzte die Inszenierung von Suku und symbolische Gewaltakte auch nach der Revolution, um ihre Macht zu erhalten. Eine ahnliche Strategie konne man auch in der amerikanischen Burgerrechtsbewegung um Martin Luther King erkennen, fuhr Prof. Alexander fort. Dieser Protest sei ebenfalls eine Inszenierung gewesen, die die weisse Bevolkerung der Sudstaaten zu brutalen Gewalttaten an Afroamerikanern provozieren sollte. Die Bilder jener Gewalttaten wurden dann im ganzen Land verbreitet, so dass die Notwendigkeit gesellschaftlicher Reformen nicht weiter geleugnet werden konnte. Prof. Alexander argumentierte, dass das Ziel der Burgerrechtsbewegung daher nicht gewesen sei, die Unterdruckung unmittelbar zu beenden, sondern vielmehr, eine intervenierende Macht fur die eigene Sache zu gewinnen. Laut Prof. Alexander sollte auch die aktuelle blacklivesmatter Kampagne diesem Modell folgen, um vergleichbare Erfolge zu erreichen. Die gezielten medialen Inszenierungen, die blacklivesmatter bereits fruh fur ihre Sache nutzte, seien ein erstes Indiz fur die Orientierung an Strategien fruherer Bewegungen. Prof. Alexander kritisierte jedoch, dass sich die Bewegung zu sehr auf Gewaltakte der Polizei und nicht stark genug auf das Narrativ eines Klassenkampfes verliess. Daruber hinaus fehlte ihnen ein charismatischer Anfuhrer wie Mao oder King. Die interaktive Form des Protestes, die blacklivesmatter fur sich nutze, sei im Gebrauch des Mediums zwar neu, aber im Kern auch eine uramerikanische Art und Weise, die Buhne des Protestes zu besetzen. In einem kurzen Kommentar von Barbara Mittler, Professorin fur Sinologie und Chinastudien an der Universitat Heidelberg, erfuhr das Publikum weitere Details uber Mao, der die amerikanische Burgerrechtsbewegung als Klassenkampf gegen den amerikanischen Imperialismus unterstutzte. Mao hatte seine politische Macht stetig durch Reden und Bucher gefestigt und somit eine Art Kraftfeld um seine Person und sein Anliegen erschaffen. Zahlreiche Reproduktionen seiner Bilder und Werke wurden so zu einer mise en abyme, einem Abbild im Abbild. Dies verewigte ihn als Ikone des Burgerprotestes und fuhrte dazu, dass andere Protestbewegungen seine Person noch lange als Bezugspunkt referierten und fur ihre Zwecke nutzten. Am 14.06.2016 verlieh die Universitat Heidelberg zum funften Mal den James W.C. Pennington Award. Der diesjahrige Preistrager, Prof. John Witte Jr., Direktor des Center for Law and Religion an der Emory University in Atlanta, wurde fur seine Forschungen zur Entwicklung der Menschenrechte sowie zu den verfassungsrechtlichen Freiheiten religioser Gruppen ausgezeichnet. Rektor Bernhard Eitel sprach zunachst uber die Idee des Pennington Awards, den die Fakultat fur Theologie und das HCA gemeinsam vergeben und der durch die Manfred Lautenschlager Stiftung gefordert wird. Der Preis wurdigt Forschungsbeitrage im Bereich afroamerikanischer Literatur, Religion und Kultur. Die Pennington Seminare, in denen Studenten jedes Jahr die Moglichkeit hatten, mit Professor Jan Stievermann und dem jeweiligen Preistrager dessen Expertise genau zu beleuchten, sind, so Rektor Eitel, eine besondere Bereicherung des Studiums an der Ruperto Carola. Nach dieser kurzen Einfuhrung sprach Dr. h.c. Manfred Lautenschlager uber die Genese dieser Auszeichnung. Als erster Afroamerikaner uberhaupt wurde James W. C. Pennington von der Universitat Heidelberg eintausendachthundertneunundvierzig mit einem Ehrendoktor der Theologischen Fakultat ausgezeichnet. Pennington, der der Sklaverei entflohen war, war Autodidakt und wurde als erster Afroamerikaner in Yale zugelassen - jedoch nicht als aktiver Student. Der Pennington Preis stehe somit fur ein besonderes Engagement der Forschung, gegenseitiges Verstandnis und soziale Gerechtigkeit zu fordern. Dieser Pramisse stimmte Professor Gregory Sterling, Dekan der Yale Divinity School, zu und betonte in seiner kurzen Ansprache, wie wertvoll das wiederentdeckte Erbe Penningtons nicht nur kulturgeschichtlich sei. Es verbinde die Universitaten Heidelberg und Yale miteinander und ermuntere dazu, die Geschichte beider Institutionen weiter zu beleuchten. Prof. Jan Stievermann betonte in seiner Laudatio auf den Preistrager den umfangreichen Beitrag, den dieser im Bereich der Rechts- und Geschichtswissenschaften geleistet hat. Mit der Auszeichnung Wittes ehrten das HCA und die Theologische Fakultat einen Forscher, der den Ideen Penningtons verhaftet sei. Als Direktor des Center for the Study of Law and Religion erforscht Professor Witte seit Jahren die Interaktion zwischen Gesetz und Religion. So hat er insbesondere mit seiner Forschung zur Religionsfreiheit einen wesentlichen Beitrag zum Verstandnis der Verbindung zwischen Protestantismus und westlicher Kultur geleistet. In seinem Festvortrag widmete sich Professor Witte Jr. dann dem protestantischen Ursprung der Menschenrechte, in deren Zentrum die Religionsfreiheit stehe. Er verwies auf die langanhaltende Kultur der Rebellion gegen Tyrannei, die nicht zuletzt auf Martin Luther zuruckgeht. So ging es nicht nur um die tatsachlich greifbare politische Unterdruckung, sondern auch um geistige Unterdruckung, gegen die sich viele protestantische Gruppen seit Jahrhunderten wehrten. Da dieser Widerstand zunachst nur schwer mit dem traditionellen Bibelverstandnis vereinbar war, mussten Protestanten ihr Weltbild fundamental verandern. So unterschieden sie, laut Witte, schnell sehr viel genauer zwischen gerechten und ungerechten Herrschern und leugneten die gottliche Unterstutzung letzterer. Aus diesem neuen Weltbild entstand das Recht auf Selbstverteidigung, welches jedoch schon bald durch die Idee des Gesellschaftsvertrages reformiert wurde. Dieser garantierte Burgern nun Schutz im Gegenzug fur Gehorsam, und der am meisten geforderte Schutz, so Witte, war der vor Diskriminierung oder Benachteiligung auf Grund von Religion. Zu diesem Aspekt gesellte sich jedoch auch das Konzept von Gewissensfreiheit, welches Pennington stark propagierte. Als Pazifist rief er zum gewaltfreien Widerstand gegen die Sklaverei auf, deren Tyrannei nicht nur Afroamerikaner betraf, sondern auch Geistliche, die versuchten, Sklaven religiose Unterstutzung zu bieten. Vor allem die Kirchengemeinden spielten hier eine Rolle, denn sie benachteiligten oft sogar freie Afroamerikaner. Einhundert Jahre vor Martin Luther King war Pennington somit ein Fursprecher fur soziale Veranderungen, der vor allem an die Solidaritat und Unterstutzung fureinander appellierte. Pennington war uberzeugt, dass auch Afroamerikaner ein angeborenes Recht auf Freiheit hatten und dass es ihr Recht war, diskriminierende Gesetze zu brechen, um sich dieses Privileg zu beschaffen. Zeit seines Lebens blieb Pennington jedoch Pazifist und begrundete durch seine Taten und Worte ein neues Zeitalter der liberalen protestantischen Theologie und letztlich einer Burgerrechtsbewegung. Fur ihn war die Kirche das Kernstuck einer jeden Rebellion gegen Ungerechtigkeit, wodurch er nicht nur die Schlusselrolle der Religion in der westlichen Kultur vorwegnahm, sondern auch deren Rolle in der Etablierung der Menschenrechte. Penningtons ausserordentliches Konzept der physischen und geistigen Tyrannei, so Witte, fordere bis heute Forscher heraus, ihr Bild von legitimer und illegitimer Herrschaft zu hinterfragen. Im Anschluss an die Preisverleihung lud das HCA alle Gaste zu einem Empfang in der Bel Etage ein. Am dreißig Mai hiess das HCA im Zuge des Baden-Wurttemberg Seminars Karen Hansen willkommen, Professorin fur Soziologie, Women's, Gender und Sexuality Studies an der Brandeis University und derzeitige Inhaberin des Distinguished Fulbright Chair an der Universitat Uppsala. In ihrem Vortrag gewahrte sie Einblicke in ihr Projekt zur Geschichte skandinavischer Einwanderer in den USA, dessen Ergebnisse kurzlich als Buch erschienen sind. Einfuhrend stellte sie einen biographischen Bezug her: Da ihre Grossmutter als norwegische Siedlerin im Dakota Reservat gelebt hatte, will sie sowohl die vergessene Geschichte der skandinavischen Einwanderergesellschaft wie auch die der Dakota beleuchten. So wie diese heute versuchen, mit Wunschelruten nicht gekennzeichnete Graber ihrer Vorfahren wiederzufinden, will Prof. Hansen die verschuttete Geschichte beider Gruppen wieder ans Licht bringen. Ihre historische Untersuchung zeigte zunachst, dass dieses ungewohnliche Nebeneinanders haufig durch simple Missverstandnisse belastet wurde, wie zum Beispiel die indianische Sitte, ein fremdes Haus ohne Anklopfen zu betreten. Viele dieser Missverstandnisse waren auf die unterschiedliche kulturelle Sozialisation der Skandinavier und der Dakota zuruckzufuhren, was beiden Gruppen schnell bewusst wurde. Nach einigen Jahren der Nachbarschaft entwickelten sie daher nicht selten enge freundschaftliche Beziehungen. Manche Dakota liessen ihre Kinder protestantisch taufen, und religiose Gruppen wie die Presbyterianer veroffentlichten sogar Bibelubersetzungen in der Sprache der Dakota. Nichtsdestotrotz waren vor allem Territorialkonflikte oftmals eine Belastung fur diese Freundschaft. Als Folge des Dakota-Krieges von eintausendachthundertzweiundsechzig wurden die Dakota in ein Reservat zwangsumgesiedelt, und als dieses Land ebenfalls fur die Besiedlung durch skandinavische Einwanderer freigegeben wurde, befurchteten die Dakota, erneut enteignet zu werden. Viele Dakota hielten die Einwanderer fur landgierige Bauern und ignorierten damit ihre Anpassungsfahigkeit und modernen Lebensstil. Zusatzlich stiess der Drang der Neuankommlinge, Besitz zu akkumulieren, in der nicht an materiellen Gutern interessierten Kultur der Dakota auf Unverstandnis. Trotz vieler Anstrengungen der Dakota, Land zuruckzukaufen, avancierten die skandinavischen Einwanderer rasch zu den grossten Landbesitzern. Deren starker personlichen Bezug zu ihrem Land, das sie uber viele Generationen vererbten, war nicht selten der Grund fur weitere Konflikte zwischen Dakota und Skandinaviern. Prof. Hansen betonte jedoch, dass beide Gruppen trotz aller Unterschiede die gleichen Herausforderungen zu meistern hatten. Sie mussten zu Amerikanern werden und sich an eine neue Gesellschaftshierarchie gewohnen, wahrend sie gleichzeitig versuchten, ihr kulturelles Erbe am Leben zu erhalten. Obwohl es oft nicht einfach war, miteinander zu kommunizieren, gelang es den beiden ungleichen Nachbarn zu koexistieren. Heutzutage versuchten viele skandinavischen Familien, die Fehler der Vergangenheit wiedergutzumachen und die Beziehungen zu den amerikanischen Ureinwohnern zu verbessern. Dies geschehe oftmals auf einer personlichen Ebene und fuhrte dazu, dass die Beziehung zwischen Dakota und Skandinaviern neu definiert werden konnte. In der folgenden Diskussion wurde der Vortrag durch Publikumsfragen uber weitere Konflikte und Aspekte der skandinavischen Siedlungsgeschichte vertieft. Am vierundzwanzig Mai setzte das Baden-Wurttemberg Seminar seine Vortragsreihe mit Mark Peterson fort, der Professor fur amerikanische Geschichte an der University of California, Berkeley, ist. Peterson widmete seinen Vortrag dem deutschen Einfluss auf Bostons Reformer vom Anfang bis zur Mitte des neunzehnten Jahrhunderts. Boston galt als sehr selbstzentriert, nicht zuletzt, weil die Stadt Anfang des neunzehnten Jahrhunderts ihren wirtschaftlichen Schwerpunkt vom internationalem Handel hin zur Baumwollindustrie verlagert hatte, welche von den rapide zunehmenden Wirtschaftsembargos der US-Regierung nicht betroffen war. Bedingt durch ein steigendes Mass an Missfallen gegenuber der Bundesregierung verlagerte sich auch der kulturelle Schwerpunkt mehr und mehr auf die Stadt selbst sowie ihre unmittelbare Umgebung. Zeitgleich entstand ein steigendes Interesse an deutscher Bildung, die nicht nur wegweisend fur die Entwicklung der Geisteswissenschaften an den Universitaten war, sondern auch aus einer gesellschaftlichen Affinitat herruhrte. So sahen Bostoner Burger starke Verbundete in den Deutschen, die sich gegen die Idee eines napoleonischen Europas wehrten. Im Jahr eintausendachthundertfünfzehn reisten daher vier Absolventen der Harvard Universitat nach Gottingen, um dort ihr Studium weiter zu fuhren. In ihrer Zeit in Deutschland bereisten sie nicht nur Stadte wie Jena, Leipzig, Hamburg und Berlin, sondern hatten auch die Gelegenheit, wichtige Kulturtrager, wie zum Beispiel Johann Wolfgang von Goethe, personlich kennen zu lernen. Dies hinterliess einen bleibenden Eindruck bei den Reprasentanten Bostons, der dazu fuhrte, dass nach ihrer Heimkehr die Tradition des Auslandsstudiums, insbesondere in Deutschland, erhalten blieb. Daruber hinaus erkannten diese Amerikaner in den damaligen deutschen Stadten, die sie als modern und unabhangig ansahen, ein Vorbild fur ihre eigene Heimat. In den Deutschen sahen sie fromme und gemeinschaftsorientierte Burger, die die republikanische Ordnung tapfer ertrugen. Diese Eindrucke fuhrten dazu, dass Bostoner Burger sich sowohl in Deutschland als auch in Boston zunehmend deutschen Traditionen verschrieben. So begannen sie, sich deutschen Studenten, die in der griechischen Revolution gegen das osmanische Reich eine notwendige Verteidigung der hellenischen Kultur sahen, anzuschliessen. Die Deutschlandbesucher aus Boston exportierten auch deutsche Kultur und wissenschaftliche Methoden nach Boston. Vom Grundschulsystem nach Pestalozzi, der Universitatsdidaktik und dem Turnverein bis hin zu Sozialwohnungen und Gefangnissen - Bostons Reformer lehnten zahlreiche Massnahmen zu Etablierung eines,,Athens in Amerika" an ihre Erfahrungen in Deutschland an. Dies fuhrte wiederum dazu, dass deutsche Radikale wie Karl Follen nach Boston auswanderten, weil sie dort nicht nur sicher vor deutscher Strafverfolgung waren sondern auch eine intellektuelle Heimat fanden. Follen und andere Deutsche erkannten schnell, dass ihre Denkweise in Boston ganz und gar nicht radikal sondern viel eher anerkannt war und integrierten sich zumindest fur kurze Zeit in die Bostoner Elite. Abschliessend betonte Prof. Peterson, dass das Bewusstsein um die Prasenz deutscher Kultur in Boston heute nicht sehr gross sei, die Tatsache der transatlantischen Beziehung und Verbundenheit zweier Orte jedoch keinesfalls ungewohnlich ist. Diese und andere Fragen, insbesondere uber Goethes Beziehung zu Boston und den Einfluss der deutschen Kultur in den USA, wurden anschliessend in einer angeregten Diskussion weiter von Prof. Peterson und dem Plenum beleuchtet. Naomi Wood: A Reading from Mrs Hemingway Am zwölf Mai wurde das Baden-Wurttemberg Seminar des HCA durch eine Lesung von Naomi Wood bereichert. Die in London ansassige Autorin und Dozentin fur kreatives Schreiben an der Goldsmith University veroffentlichte die englische Ausgabe ihres zweiten Buches, Mrs Hemingway, bereits vor zwei Jahren. In diesem Roman beleuchtet sie das Leben Ernest Hemingways durch die Augen seiner vier Ehefrauen Hadley Richardson, Pauline Pfeiffer, Martha Gellhorn und Mary Welsh. Im Zuge ihrer Lesereise anlasslich des Erscheinens der deutschen Ubersetzung im Verlag Hoffmann & Campe besuchte sie auch das HCA. In einem kurzen Vortrag beschrieb Naomi Wood zunachst ihre langjahrige Faszination fur den Schriftsteller, der in vierzig Jahren insgesamt vier Mal verheiratet war. Vor allem sein mediales Bild als selbsterklarten,,Ubermenschen" und maskulinen,,Bilderbuch-Amerikaner" stand fur Naomi Wood im starken Gegensatz zu seinen zahlreichen, durchaus ernsten Beziehungen. Aus dem Wunsch heraus, eine personlichere, privatere Seite von Ernest Hemingway zu erkunden und somit einen Beitrag zu einer moglichen Neudefinition seiner Personlichkeit zu leisten, entstand Naomi Woods zweites Buchprojekt. In dem Roman,,Als Hemingway mich liebte" erteilt die Schriftstellerin daher Hemingways Ehefrauen das Wort. Seine erste Frau, Hadley Richardson, die in St. Louis geborene Tochter einer wohlhabendenden Familie, traf Hemingway auf einer Party. Nach der Hochzeit zog das Paar nach Paris, wo Hemingways erster Sohn geboren wurde und wo er auch die Bekanntschaft seiner zweiten Frau, Pauline Pfeiffer, genannt,,Fife", machte. Diese war ihrerseits Journalistin fur die Vogue und zog mit Hemingway nach der Hochzeit eintausendneunhundertsiebenundzwanzig nach Key West. Dort wuchs die Familie um zwei weitere Sohne und eintausendneunhundertsechsunddreißig auch um eine neue Geliebte, Martha Gellhorn. Die junge Kriegsreporterin, die auf der Durchreise in Key West Halt machte, beeindruckte Hemingway sehr. Nach der Hochzeit der beiden eintausendneunhundertvierzig wurde jedoch klar, dass ein sesshaftes Leben fur Martha Gellhorn nicht in Frage kam. Das Paar trennte sich kurze Zeit spater, und bereits eintausendneunhundertsechsundvierzig heiratete Hemingway seine vierte und letzte Frau, Mary Welsh, ebenfalls eine Kriegsreporterin. Zusammen lebten sie auf Kuba und genossen das Leben der High Society. Hemingways Alkoholismus und die Veranderungen seiner Personlichkeit nach dem Flugzeugabsturz 1950 machten die Ehe jedoch bis zu seinem Suizid 1961 zu einer Herausforderung fur Mary. Wahrend der Lesung, welche von Marie Harnau und Maria-Claudia Scheckeler, zwei Vertreterinnen des Performing Arts Club des HCA, unterstutzt wurde, zeigte sich, mit welcher Sorgfalt und Liebe zum Detail Naomi Wood den Gefuhlen der vier Frauen Hemingways nachgespurt hat. Abwechselnd wurde je ein Auszug aus der deutschen und der englischen Ausgabe vorgetragen, um alle vier Frauen zu gleichermassen vorzustellen. Diese standen, trotz der scheinbaren Konkurrenz um Hemingways Liebe, in engem Kontakt zueinander und unterstutzen sich gegenseitig uber Hemingways Tod hinaus. Naomi Wood lieferte den anwesenden Liebhabern von Hemingway mit ihrer Lesung neue Einblicke in das Leben des Nobelpreistragers. In der anschliessenden Diskussion berichtete die Autorin daruber hinaus uber Hemingways Beziehung zu seinen Kritikern, den schriftstellerischen Wettbewerb zwischen ihm und seinen Frauen, sowie uber ihre Erlebnisse im Zuge ihrer Forschungen an Hemingways Wirkungsstatten in den USA, England, der Karibik und Frankreich. Fur den zweiten Vortrag im Rahmen des Baden-Wurttemberg Seminars hatte das Heidelberg Center for American Studies David Woolner, Senior Fellow und Resident Historian des Franklin and Eleanor Roosevelt Institute in Hyde Park, New York, eingeladen. Der Wissenschaftler ist dem HCA seit vielen Jahren verbunden und verknupfte in seinem Vortrag den amerikanischen,,Progressivism" mit dem aktuellen Wahlkampf. Damit wollte er, so der Redner, die Entwicklung aufzeigen, die die Nation zum Scheideweg des Jahres zweitausendsechzehn gebracht hat. Einfuhrend betonte Prof. Woolner, dass der Ursprung progressiver US-amerikanischer Politik historisch im,,Populism" des neunzehnten Jahrhunderts anzusiedeln sei. Begrundet wurde dieser vor allem durch die Greenback Party des spaten neunzehnten Jahrhunderts, die neue Probleme politisierte und progressive Reformen forderte, welche von spateren Regierungen aufgenommen wurden. Mit einem starken Fokus auf eine gerechtere Vermogensverteilung begrundeten die amerikanischen,,Populists" ihre progressiven Ideen. Als eine Nation, die, so Prof. Woolner, traditionell von einer konservativen Mitte gepragt war, fehlte den USA insbesondere eine etablierte sozialdemokratische Partei. Dies fuhrte dazu, dass gesellschaftlicher Wandel und Wohlfahrtsprogramme seit jeher aus progressiven Bewegungen entstanden. Hier verwies Prof. Woolner auf Franklin D. Roosevelt, dessen Reden durch einen starken emotionalen Appell an das amerikanische Volk nicht selten an populistische Rhetorik erinnerten, auf dessen Agenda jedoch soziale Gerechtigkeit und gesellschaftlicher Wandel ganz oben standen. Im zweiten Teil seines Vortrags kam Prof. Woolner dann zur aktuellen Lage der US-Gesellschaft. Er fuhrte viele ineinander greifende gesellschaftliche Veranderungen auf, welche im einundzwanzigsten. Jahrhundert Populisten wie Donald Trump und Bernie Sanders den Weg geebnet hatten. So spiegele die Kluft zwischen beiden Kandidaten die gesellschaftliche Kluft der Wahlerdemographie wider. Wahrend Trumps Angst-Rhetorik laut Wollner vor allem weissen, mannlichen Amerikanern mittleren Alters zusage, die durch Veranderungen des Arbeitsmarktes einer unsicheren Zukunft entgegensehen, spreche Bernie Sanders besonders junge, weisse, mannliche Studenten an, die durch Studienkredite hoch verschuldet sind und seinen Wunsch nach mehr sozialer Gerechtigkeit teilen. Prof. Wollner betonte, dass sich vor allem die amerikanische Mittelschicht vom Gesellschaftssystem sowie der Wirtschaft im Stich gelassen fuhle und daher auch ein hohes Mass an Frustration uber das vorherrschende System zeige. Ausserdem, so Wollner, seien durch die Entwicklung der US-Parteienlandschaft die Identitaten der Parteien so monolithisch geworden, dass bei einem Wegfall des politischen Zentrums kaum noch fruchtbare Diskurse entstunden. Populisten profitierten demnach von dem unbestreitbaren Bedurfnis nach Veranderung in Zivilgesellschaft und Politik. Daher stunde die amerikanische Gesellschaft zweitausendsechzehn an einem Scheideweg und die Wahlen im November wurden bestimmen, in welche Richtung sich die zerruttete amerikanische Gesellschaft in Zukunft entwickeln wird. Mit dieser kritischen Bestandsaufnahme lud Prof. Woolner die Anwesenden zu einer lebhaften und ausfuhrlichen Diskussion ein, welche vor allem die Eigenheiten der amerikanischen Wahlerschaft und Politik noch weiter beleuchtete. Am zweiundzwanzig April kamen Studierende und ihre Familien, sowie Mitarbeiter und Freunde des HCA in der Alten Aula der Universitat Heidelberg zusammen, um die akademischen Abschlusse von insgesamt achtunddreißig Bachelor-, Master- und Promotionsstudenten zu feiern. Begleitet wurden die Feierlichkeiten von dem Heidelberger Jazz Ensemble Papermoon Orchestra, bestehend aus Johannes Alisch am Kontrabass und Alexander Schindler am Flugel, dessen jazzige Klange den perfekten Rahmen fur die Veranstaltung lieferten. Vom historischen Ort inspiriert betonte Rektor Bernhard Eitel die Tradition des internationalen akademischen Austausches, welche schon fruh an der Ruperto Carola begrundet wurde. Er gratulierte enthusiastisch der vielfaltigen Gruppe der Absolventen, die an dem traditionellen Abschlussfeier teilnahmen. In seiner Ansprach hob Rektor Eitel die Verantwortung, die die Absolventen fur die Gestaltung der globalen Zukunft hatten, besonders hervor und ermunterte sie dazu, stets neugierig, engagiert und optimistisch zu bleiben. Daruber hinaus lud er die Absolventen herzlich dazu ein, weiterhin in Kontakt mit der Universitat zu bleiben, eine Bitte, der sich auch HCA-Grundungsdirektor Detlef Junker anschloss. [an error occurred while processing this directive] Prof. Junker war uberaus stolz, eine so hohe Anzahl Absolventen aller drei Programme des HCA begrussen zu konnen. Er begluckwunschte die neunzehn Absolventen des interdisziplinaren Bachelorstudienganges, sowie die elf Absolventen des internationalen Masterstudienganges zum erfolgreichen Abschluss. Daruber hinaus gratulierte er den acht frisch Promovierten, die den anspruchsvollen Forderungen einer Promotion mit ihren aussergewohnlichen und exzellenten Dissertationen mehr als gerecht geworden waren. Ausserdem bedankte sich Professor Junker beim Schurmann Verein und den Friends of the HCA, durch die das HCA die Moglichkeit habe, angehenden Akademikern eine einzigartige Ausbildung bieten zu konnen. Sowohl die Wunsche von Prof. Junker als auch von Rektor Eitel fanden Widerhall in Steven Hill Festvortrag,,The Future of Work : Will America's 'Uber Economy' Eat Our Jobs? ". Der Senior Fellow der New American Foundation und Holtzbrinck Fellow der American Academy in Berlin sensibilisierte hierin die Anwesenden fur die dramatischen aktuellen Veranderungen des Arbeitsmarkes. Der technische Fortschritt schlagt sich laut Steven Hill vor allem in der dramatischen Zunahme von Zeitarbeit nieder. Dies fuhre zu einer stetig wachsenden Unsicherheit unter den Arbeitnehmern, welche wiederum unter anderem zu Dumpinglohnen und mangelnder Absicherung bei Krankheit fuhre. Er erinnerte die Absolventen an ihre eigene Verantwortung, sich fur bessere Arbeitsverhaltnisse einzusetzen, und pladierte fur mehr Toleranz und soziale Gerechtigkeit. Nachdem anschliessend Professor Junker die Abschlusszeugnisse ausgehandigt hatte, hielt Maren Schafer als Jahrgangsbeste der Masterabsolventen die Valedictorian Speech. Hierin betonte sie den interkulturellen Austausch, welcher ihr nicht nur fremde sondern auch die eigne Kultur naher gebracht hatte. Sie bedankte sich bei den Mitarbeitern, Lehrenden und Kommilitonen des HCA fur diese neuen Perspektiven und Chancen, die ihr wahrend ihres Studiums eroffnet haben. Nach einem kurzen musikalischen Zwischenspiel lud Professor Junker dann die Anwesenden ein, die Feierlichkeiten im HCA fortzusetzen. Begleitet vom Papermoon Orchestra genossen dort Familien und Freunde der Absolventen, sowie Studierende und Mitarbeiter des Heidelberg Center for American Studies das Buffet und stiessen auf die Leistungen der Studierenden an. Wir gratulieren allen Bachelor-, Master- und Promotionsabsolventen von 2016! Ausstellung: " Dorothea Lange: Iconic American Photography" Die amerikanische Fotografin Dorothea Lange gilt als Pionierin der Dokumentarfotografie. Vor achtzig Jahren reiste sie mit Kollegen wie Walker Evans und Gordon Parks im Auftrag der U.S.-Regierung durch die USA, um das Ausmass der Armut wahrend der Grossen Depression zu dokumentieren. Im Marz eintausendneunhundertsechsunddreißig entstanden in einem Erntehelferlager in Nipomo Mesa, Kalifornien, die ikonischen Fotos von Florence Owens Thompson, die als "Migrant Mother" den entwurzelten Frauen und Mannern der Grossen Depression ein Gesicht gab. Am zehn Marz erschienen Langes Fotos in den San Francisco News. Danach wurden Lebensmittellieferungen in die Region veranlasst. Dorothea Langes Aufnahmen sollten die Dokumentarfotografie nachhaltig beeinflussen. Ihre Bilder von Demonstrationen und Streiks, Fursorgeempfangern und Wanderarbeitern, Menschenschlagen vor Essensausgaben oder Arbeitsamtern pragten das kollektive Gedachtnis der Grossen Depression in den USA und erlangten eine hohe Popularitat. Das HCA nahm das Jubilaum der "Migrant Mother" zum Anlass, in einer von Reinhard Schultz kuratierten Ausstellung eine Reihe von Dorothea Langes ikonischen Fotografien der dreissiger und vierziger Jahre zu zeigen, Portrats von Arbeitslosen, Obdachlosen, Migranten und Landarbeitern, aber auch wenig bekannte Abbildungen von Grossgrundbesitzern oder Werftarbeiterinnen. Bereits zur Vernissage kamen viele interessierte Besucher ins Atrium, und das Interesse an Dorothea Langes Fotografie liess auch in den folgenden funf Wochen nicht nach. Fur das letzte Baden-Wurttemberg Seminar vor den Semesterferien begrusste das HCA Rabbi David Teutsch, den Direktor des Zentrums fur judische Ethik am Reconstructionist Rabbinical College, der zudem ein Consultant und bekannter Autor ist. Sein neuestes Buch, A Guide to Jewish Practice: Shabbat and Holidays, der zweite Band einer Trilogie, regt seine Leser an, die jeweiligen Meilensteine des judischen Kalenders nach ihren Bedurfnissen zu gestalten. Im Jahr zweitausendeins erschien der erste Band der Reihe, A Guide to Jewish Practice: Everyday Living, welcher mit dem "Myra H. Kraft Memorial Award" und dem "National Jewish Book Award for Contemporary Life and Practice" ausgezeichnet wurde. Als Harvard-Absolvent erhielt Professor Teutsch seinen Master in Hebrew Letters and Rabbinic Ordination vom Hebrew Union College-Jewish Institute of Religion in New York City und seinen Doktortitel von der Wharton School of the University of Pennsylvania. Seine Dissertation beschaftigte sich mit Themen der Organisationsethik. Von 1993 bis 2002 war er Prasident des RRC und im Anschluss an war er als Dean of Admissions tatig. In seinem Vortrag im HCA sprach Rabbi Teutsch uber die grosse Bandbreite der judischen Gemeinden in den USA und uber die Veranderungen, die diese in den letzten Jahrzehnten erfahren haben. Professor Teutsch fuhrte aus, dass die meisten Menschen das Bedurfnis haben, in einer Gemeinschaft zu leben, deren Mitglieder ihre religiosen Uberzeugungen teilen; er beschrieb die judischen Gemeinden in den USA als starke geistige Gemeinschaften, die durch spirituelle Freundschaften zusammengehalten werden und in denen Menschen ihre Erfahrungen von Generation zu Generation weiter geben. Die Gemeinden basieren zudem auf der Solidaritat der Familie. Professor Teutsch verwies ausserdem darauf, dass die judischen Gemeinden auf eine deutlich langere Geschichte zuruckblicken als andere amerikanische Religionsgemeinschaften. Sie uben nie Druck aus, sich ihnen anzuschliessen, und es sei auch gar nicht moglich, quasi automatisch Mitglied zu werden. Die meisten Mitglieder judischer Gemeinden sehen sich zudem als aktive Mitglieder der amerikanischen Wirtschaft und Gesellschaft, wenden sich aber ihrer Religion zu, um ihre moralischen Bedurfnisse zu artikulieren. Eine starke judische Gemeinschaft hilft ihren Mitgliedern, sich in der amerikanischen Gesellschaft auf ihre judischen Wurzeln zu konzentrieren und gleichzeitig traditionelle judische Werte zu respektieren. Dennoch haben die judischen Gemeinden in den USA sich in den letzten Jahrzehnten verandert. Viele haben die traditionelle judische Lebensweise hinter sich gelassen oder sie verandert, um judisches Leben in der amerikanischen Gesellschaft aufrechtzuerhalten. Daruber hinaus haben sich neue Aspekte religiosen Lebens herausgebildet, die die judische Gemeinschaft noch starker werden liessen. Zum Ende seines Vortrags ging Professor Teutsch auf die Bedeutung der judischen Wohlfahrt ein. Teil einer judischen Gemeinde zu sein bedeutet oft, sich in der Wohlfahrtsarbeit zu engagieren oder andere ehrenamtliche Arbeit zu leisten. Wahrend einer lebhaften Diskussionsrunde beantwortete Rabbi Teutsch zahlreiche Fragen uber das amerikanische Judentum im einundzwanzigsten Jahrhundert, insbesondere im Zusammenhang mit den bevorstehenden Prasidentschaftswahlen. Zur ersten Buchvorstellung des neuen Jahres begrusste das HCA zwei Herausgeber und einen Autor des Bandes Religion and the Marketplace in the United States, Detlef Junker, Jan Stievermann und Daniel Silliman. Das Buch versammelt viele Beitrage der gleichnamigen Konferenz, die zweitausendelf am HCA stattgefunden hat. Die Themen dieser Kapitel reichen vom Merkantilismus der amerikanischen Kolonialzeit uber Megachurches und den Buchmarkt bis zu Popfestivals und spuren so den wechselseitigen Beziehungen zwischen religiosem Verhalten und kommerziellen Praktiken nach. Der Band bietet kein gerades Narrativ; vielmehr zeigen seine Beitrage, dass die Interaktion zwischen religiosen und wirtschaftlichen Praktiken in den USA vielfaltig, wechselseitig und oft hochst widerspruchlich ist. Nachdem zwei der Herausgeber einige ubergreifende Themen der Konferenz und des Buches vorgestellt hatten, gab Daniel Silliman einige Einblicke in seine Forschung uber die Left Behind Serie von sechzehn Endzeitromanen. Sein Ansatz dreht sich nicht in erster Linie um die Frage, warum dieses Genre so uberaus beliebt ist, vielmehr schaut er auf das Angebot - wie und wo ist diese,,Glaubensliteratur" verfugbar. Daniel Sillimans Arbeit zeigt, dass eine Analyse des Buchmarkts wesentlich fur ein Verstandnis der wirtschaftlichen und kulturellen Wirkung dieses Genres ist. Andere Beitrage dieser Sektion zeigen ebenfalls, wie sehr der Buchmarkt an religiose Erfahrungen und Praktiken gebunden ist, egal ob es um den Massenmarkt, Ratgeber oder Experimentalismus geht. Sowohl die Vorstellung des allgemeinen Konzepts wie auch die Detaildarstellungen resultierten in einer angeregten Diskussion, die auch nach Ende der Veranstaltung bei einem Glas Wein fortgesetzt wurde. Anthony Marra: A Reading from The Czar of Love and Techno Die letzte Veranstaltung des Baden-Wurttemberg Seminars im Jahr zweitausendfünfzehn war ein Abend mit dem amerikanischen Autor Anthony Marra, der aus seiner Neuerscheinung The Czar of Love and Techno las (auf Deutsch als Letztes Lied einer vergangenen Welt erschienen). Anthony Marra ist Absolvent der University of Southern California und besuchte anschliessend die Autorenwerkstatt an der University of Iowa. Von 2011 bis 2013 war er als Stegner Fellow an der Stanford University. Anthony Marra hat den Whiting Award, einen Pushcart Prize und den Narrative Prize gewonnen; seine Arbeit wurde ausserdem in Best American Nonrequired Reading zweitausendzwölf aufgenommen. Sein erster Roman, A Constellation of Vital Phenomena, wurde im Mai zweitausenddreizehn veroffentlicht, erhielt den John Leonard Prize of the National Book Critics Circle und wurde in mehrere Sprachen ubersetzt. Auch die deutsche Ubersetzung Die niedrigen Himmel, begeisterte die Kritiker. Aktuell ist Anthony Marra als Dozent fur Literaturwissenschaften an der Stanford Universitat. Der Abend begann mit einigen humorvollen Anekdoten uber die Zeit, in der Anthony Marra in Osteuropa gelebt und studiert hat. Die Personen, die er dort kennenlernte, und die Situationen, die er dort erlebte, inspirierten die Kurzgeschichten in,,The Czar of Love and Techno". In der Eroffnungsgeschichte des Buches trifft der Leser einen sowjetischen Kunstzensor der 1930er Jahre, der Personen, die unter Stalin in Ungnade gefallen waren, aus Bildern herausretuschiert, darunter eine Ballerina und seinen eigenen Bruder auf einem Familienfoto. Die nachste Geschichte springt nach Sibirien in das Jahr zweitausenddreizehn zur Enkeltochter dieser Ballerina und ihren Freundinnen. Jede Kurzgeschichte in The Czar of Love and Techno steht fur sich, aber das Gesamtbild ergibt sich dadurch, dass alle Charaktere - manchmal ein wenig verandert - wieder in anderen Geschichten auftauchen. Die Geschichten beschreiben die politische und soziale Landschaft von der UdSSR der 1930er Jahre bis zu den chaotischen Nachwirkungen ihrer Auflosung. In der abschliessenden Diskussion charakterisierte der Autor sein Werk nicht in erster Linie als ein bestimmtes Genre, sondern als eine lange Geschichte uber Verlust, Beziehungen, Liebe und Familie, und uber Kunst und Freiheit. Das HCA setzte sein Baden-Wurttemberg Seminar am drei Dezember fort und begrusste Martha Davis zu ihrem Vortrag,,Small Places, Close to Home: U.S. Cities and Human Rights ". Martha Davis ist Professorin der Rechtswissenschaften an der Northeastern University School of Law und halt in diesem Semester den Fulbright-Lehrstuhl fur Menschenrechte am Raoul Wallenberg Institut der Lund Universitat in Schweden. An der Northeastern University ist Martha Davis zudem Direktorin des Programms,,Human Rights and the Global Economy" und des NuLawLab. Sie unterrichtet hauptsachlich Verfassungsrecht und professionelle Verantwortung. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen auf den Burgerrechten, dem Verfassungsrecht, hauslicher Gewalt, den Menschenrechten, internationalem Recht und juristischer Ethik. Professor Davis wies zunachst darauf hin, dass der Grossteil der Diskussion uber Gesundheit als ein Menschenrecht sich auf globale Gesundheitsinitiativen beschrankt und die Anwendung von Menschenrechtsprinzipien auf bedeutsame soziookonomisch und ethnisch bedingte Ungleichheiten in den Vereinigten Staaten im Wesentlichen ignoriert. Betrachtet man die grossen Lucken im Versicherungssystems und den Zugang zu qualitativ hochwertiger Vorsorge in den USA, so wird deutlich, dass die Bemuhungen sich zunachst darauf gerichtet haben, ein universales Gesundheitssystem zu entwickeln. Da sich, wie das Institute of Medicine kurzlich berichtete, die Gesundheit der Amerikaner fortlaufend verschlechtert, konnten Menschenrechtsstrategien auch hier eine Wirkung entfalten. Professor Davis bewertete dann die Anwendung von internationalen Menschenrechtsprinzipien einschliesslich des,,Rechts auf Gesundheit" im US-Kontext und analysierte, wie bereits existierende Gesetzte genutzt werden konnen, um Gesundheit als ein Menschenrecht fur Amerikas benachteiligte Bevolkerungsgruppen umzusetzen. Die USA haben bis jetzt internationale Menschenrechtsprinzipien nicht national angewendet, besonders nicht jene, die soziale und okonomische Rechte fordern. Dennoch lassen neue Entwicklungen hoffen, dass eine breitere Gesundheits- und Menschenrechtsbewegung auf den Weg gekommen ist. Neue Studien dokumentieren, dass sich der Gesundheitsstatus von Amerikanern im internationalen Vergleich verschlechtert und dass soziale Faktoren dabei eine ausschlaggebende Rolle spielen. Um den gerechten Zugang zu Krankenversicherungen und Gesundheitsversorgung zu gewahrleisten, bedarf es einer Menschrechtsagenda. Diese sollte Massnahmen beinhalten, die negative soziale Faktoren bekampfen und Umwelt-, okonomische und soziale Bedingungen, die der Gesundheit nutzlich sind, fordern. Um jedoch eine wirksame Menschenrechtsstrategie zu entwickeln, mussen die betroffenen Personen und Gemeinden eine Stimme erhalten. Nur dann kann man die sozialen Bedingungen, die sich in den USA auf die Gesundheit benachteiligter Gruppen auswirken, identifizieren, ein grosseres Engagement ermutigen und entschieden dazu beitragen, die Situation zu verbessern. Professor Davis hob abschliessend hervor, dass eine wirksame Strategie fur Gesundheit und Menschenrechte,,health care providers", Rechtsanwalten und das offentliches Gesundheitssystem miteinbeziehen muss, um die Bevolkerung vor Ort fur eine andere Politik zu mobilisieren. Heather Love: "Practices of Description: Reading the Social in the Post-War Period" Am vierundzwanzig November begrusste das HCA zusammen mit dem Anglistischen Seminar der Universitat Heidelberg Heather Love im Baden-Wurttemberg Seminar. Sie sprach uber,,Practices of Description: Reading the Social in the Post-War Period", und damit vor allem uber ihr gleichnamiges Buchprojekt. Heather Love ist die R. Jean Browlee Term Associate Professorin am Anglistischen Seminar der University of Pennsylvania. Zu ihren Forschungsschwerpunkten zahlen Vergleichsstudien zu sozialem Stigma, obligatorischem Gluck, Transgender-Fiction, Lesemethoden in den Literaturwissenschaften, sowie die Geschichte der Genderstudien und Literatur und Kultur des zwanzig Jahrhunderts. Sie erhielt 2014 den,,Lindback Award for Distinguished Teaching". In der Soziologie gelten die 1950er und 1960er Jahre als das,,goldene Zeitalter der Mikroanalyse". In diesen Jahrzehnten wurden neue Aufnahmetechniken und Forschungsmethoden entwickelt, und die Forschung konzentrierte sich zunehmend auf konkrete Kommunikationsubungen, um so detaillierte Portraits von kleineren sozialen Gesellschaften zu erstellen. Diese Forschung fand uber die Grenzen von Disziplinen hinweg statt, und multidisziplinare Teams arbeiteten daran, Portraits sozialer Interaktion anhand von Mikro-Skalen zu erstellen, um sie umfassender und konkreter zu machen. Das geplante Buchprojekt wird mehrere dieser Projekte vorstellen, die in der Anthropologie, Biologie, Linguistik, Psychologie, Soziologie bzw. Kommunikation angesiedelt sind, um so die Herausforderungen der damaligen Zeit nachzuempfinden. Professor Love vergleicht diese Projekte der Sozialwissenschaften mit gleichzeitig verlaufenden kulturellen Entwicklungen, beispielsweise dem Realismus im Roman der Nachkriegszeit, und der Performanz des Observational Cinema. Den Realismus im Roman der Nachkriegszeit betrachtet Heather Love im Kontext von zeitgenossischen methodologischen Debatten. Professor Love fuhrte aus, dass die Wende zur Post-Hermeneutik und beschreibenden Art des Lesens sowie die Zunahme empirischer Humanwissenschaften vor allem ein Resultat quantitativer Methoden und Einblicke der Neurowissenschaften war. Sie hob hervor, dass die meisten Kritiker den Wert dieser neuen Form empirischer Forschung diskreditieren. Im Gegensatz dazu ist sie der Ansicht, dass die alteren Formen der empirischen Forschung ein grosses Angebot an Ressourcen fur die heutigen Humanwissenschaften bieten, nicht nur epistemologisch, sondern auch methodologische und ethisch. Edward Goetz: "Ruins of the New Deal: Dismantling Social Housing in the U.S." Das HCA setzte sein Baden-Wurttemberg Seminar am zwölf November mit einem Vortrag von Prof. Edward Goetz vom der Humphrey School of Public Affairs an der University of Minnesota fort. Prof. Goetz sprach uber die Grunde fur die schleichende Abschaffung des offentlichen Wohnungsbaus in den Vereinigten Staaten. Seit den grossen Wohnungsprojekten des New Deal hat man sich dort zunehmend von der Idee des staatlich finanzierten Wohnungsbaus abgewandt und grosse Wohnprojekte privatisiert. Bei seiner Einfuhrung wurde der offentliche Wohnungsbau, anders als heute, nicht als Wohlfahrtsprogramm gesehen. Prof. Goetz wies auf vier Faktoren hin, die zum Ansehensverlust dieser Programme gefuhrt haben. Der erste ist der sogenannte "Nachbarschaftseffekt", den die Soziologie in den 1980er und 1990er Jahren ausgemacht hat. Danach kann das Wohnumfeld positive und negative Auswirkungen auf seine Bewohner haben, und dem sozialen Wohnungsbau wurden negative Auswirkungen auf dort aufwachsende Kinder attestiert. Diese Studien wirkten sich negativ auf den gesellschaftlichen und politischen Diskurs aus und beeinflussten viele politische Entscheidungen uber die Fortfuhrung der Wohnungsbauprogramme. Dazu kamen neoliberale Theorien uber "gemischte" Wohnviertel - man versuchte, unterprivilegierte Bevolkerungsgruppen in "gemischten" Wohnprojekten anzusiedeln, wo nicht alle Bewohner von staatlicher Unterstutzung lebten. Diese sogenannten "Opportunity Neighborhoods" sollten vor allem dazu fuhren, dass arme Familien sich nicht langer in gefahrlichen Ghettos gefangen fuhlten und ihre Kinder bessere Bildungschancen hatten. Daruber hinaus fuhrte die Gentrifizierung vieler Stadtviertel dazu, dass die Immobilienwerte gestiegen sind und einkommensschwache Familien verdrangt wurden. Dieser Prozess wird oft von Investoren vorangetrieben, die vor allem Profit erzielen wollen. Auch den Stadten kommt die Gentrifizierung in Vierteln mit sozialem Wohnungsbau nicht ungelegen, weil die neuen Objekte oft hohere Steuern abwerfen. So vernachlassigt man offentliche Wohnblocke, bis sie am Ende abgerissen werden mussen. Dieser Prozess vertreibt viele einkommensschwache Familien, die auf preiswerten Wohnraum angewiesen sind. Schliesslich wies Prof. Goetz darauf hin, dass auch die ethnische Zugehorigkeit der Bewohner etwas damit zu tun hat, dass und wann Sozialwohnungen abgerissen werden. Es fallen uberdurchschnittlich viele Bauten, die mehrheitlich von Afroamerikanern bewohnt werden, der Abrissbirne zum Opfer. Oft machen Bewohner gegen solche Entwicklungen mobil, aber nur die wenigsten dieser Proteste sind stark genug, um gegen private Investoren (und die Regierung) anzugehen. Dieser sehr informative und interessante Vortrag resultierte in einer animierten Diskussion, die nicht zuletzt davon bestimmt war, dass etliche Teilnehmer die von Prof. Goetz beschriebenen Entwicklungen in oder nahe ihren eigenen Wohnvierteln erlebt haben. Tobias Endler und Martin Thunert: "Entzauberung: Skizzen und Ansichten zu den USA in der Ara Obama" (HCA Book Launch) Am 10. November stellten Tobias Endler und Martin Thunert, wissenschaftlicher Mitarbeiter beziehungsweise Senior Lecturer fur Politikwissenschaft am HCA, ihre neue Publikation vor.,,Entzauberung: Skizzen und Ansichten zu den USA in der Ara Obama" beschaftigt sich mit der Lage der Nation nach acht Jahren Obama, insbesondere mit dem wirtschaftlichen Wandel innerhalb des Landes.,,Entzauberung" ist auch eine kritische Betrachtung des Supermachtstatus der USA, der weltpolitischen Rolle des Landes und deren globale Auswirkungen fur andere Staaten, insbesondere fur das Verhaltnis zu Deutschland. In ihren Ausfuhrungen beleuchteten die beiden Wissenschaftler ausserdem das bevorstehende Ende der Amtszeit Obamas und den anstehenden Prasidentschaftswahlkampf. Als Grundlage ihrer umfangreichenden Analyse der innen- und aussenpolitischen Entwicklungen dienten den Autoren vor allem Interviews mit Amerikaexperten an Universitaten und Think Tanks, darunter John Mearsheimer, Dali Yang, Deborah Larson, Robert O. Keohane und Fay Hartog Levin. Der Band setzt sich kritisch mit den Interviewergebnissen auseinander und vermittelt so ein umfassendes Bild davon, wie Amerikas fuhrende Denker wahrend Obamas zweiter Amtszeit die Lage der USA betrachten und welche Prognosen sie fur die Zukunft der USA sowohl national als auch international abgeben. Dabei gehen die Autoren sowohl auf nationale Faktoren wie die aktuell polarisierte politische Landschaft und zentrale Politikfelder wie Energie, Bildung oder Einwanderung ein, als auch auf die Rolle der USA als globale Macht. Die Meinungen der Experten sind ahnlich divers wie die Anzahl der Interviewpartner fur das vorliegende Werk. Signifikant ist jedoch der breite Konsens daruber, dass keiner der Experten die USA vor einem Niedergang sieht. Vielmehr ginge es um die Zusammenstellung eines neuen internationalen Portfolios der USA, das entgegen der Erwartungen nicht mit einem Ruckgang der globalen Bedeutung der USA einhergehen wird. Hierbei heben Martin Thunert und Tobias Endler die betrachtliche Widerstandsfahigkeit der Weltmacht hervor. Auch wenn sich die Rahmenbedingungen der aktuellen Weltlage verandert haben, so bleiben die Auswirkungen dieses neuen Portfolios auch fur andere Staaten relevant. Als grosste Herausforderung fur den neuen Prasident oder die neue Prasidentin der USA sieht Martin Thunert, die Aufgabe das Regierungssystem der USA auf Bundesebene wieder funktionstuchtig zu machen und darauf zu achten, dass nicht nur die obere Gesellschaftsschicht von den Fortschritten der Globalisierung und der Digitalisierung profitiert. Auf der internationalen Ebene unterstreichen die Autoren die Rolle Chinas als grosser finanzieller Unterstutzer der USA und geben die geopolitischen Verschiebungen insbesondere im asiatischen Raum zu bedenken. Bezuglich des stark polarisierenden republikanischen Prasidentschaftskandidaten und Multi-Milliardars Donald Trump hebt Tobias Endler hervor, dass Trumps augenblicklich fuhrende Rolle in nationalen Umfragen daher ruhrt, dass es aktuell eine gewisse populistische Grundstimmung bei einem Teil der amerikanischen Wahler gibt. Als Prasidentschaftskandidat stellt sich Trump auf die Seite der Mittel- und Unterschicht und wendet sich konkret gegen die politischen und medialen Eliten des Landes. Als Gegenpol zu Trump sieht Tobias Endler den selbsterklarten demokratischen Sozialisten Bernie Sanders, der wiederum die Eliten der Wirtschaft und Finanzwelt als Gegner skizziert und sich vom politischen Establishment abwendet, indem er seinen potentiellen Wahlern Unabhangigkeit und Authentizitat vermittelt. Beide Kandidaten profitieren davon, dass sie die Angste der jeweiligen Bevolkerungsschicht, die sie adressieren, schuren. Mit dem Beginn der Debatten und der Vorwahlen ab Anfang zweitausendsechzehn wird auch eine Verlagerung der Inhalte einhergehen. Dann wird es verstarkt um konkrete politische Sachfragen und Probleme gehen. Die Autoren prognostizieren eine Schwachung der Kandidaten Trump und Sanders. Das Augenmerk der Medien werde sich dann verstarkt auf Hillary Clinton und Jeb Bush richten. Tobias Endler betonte diesbezuglich die starke Tradition von politischen Familiendynastien innerhalb der USA und nennt als weitere Beispiele die Familien Kennedy und Roosevelt. Solche politischen Dynastien stellen jedoch keine konkrete Gefahr fur die amerikanische Demokratie dar. Anders sieht es mit der starken ideologischen Polarisierung und dem massiven Einfluss von Geld auf die U.S.-Politik aus, da mittlerweile bekannt ist, dass ohne grosszugige Spenden kaum noch Amter zu bekommen sind. Fur die Prasidentschaftswahl sehen die Autoren die grosste Chance der Republikaner darin, dass es bisher kaum einmal einer Partei gelungen ist, drei Mal in Folge das Weisse Haus zu halten; jedoch muss ein republikanischer Kandidat einige wichtige Bundesstaaten von den Demokraten zuruckgewinnen um eine reelle Chance zu haben. Hillary Clinton dagegen muss vermeiden, dass ihre Kandidatur als Selbstlaufer gesehen wird. Verleihung des Rolf-Kentner-Dissertationspreises zweitausendfünfzehn Am fünfzehn Oktober zweitausendfünfzehn fand am HCA die nunmehr sechste Verleihung des Rolf Kentner Dissertationspreises statt. Das Institut stellte ausserdem die neuen Mitglieder des MAS und des Ph. D. Programmes einer breiteren Offentlichkeit vor. Der grosste Teil des Abends aber war der Preisverleihung gewidmet. Der Stifter ist einer der altesten und aktivsten Forderer des HCA und Vorsitzender der Schurmann Gesellschaft. Der Preis wird an eine herausragende noch unveroffentlichte Doktorarbeit in den Amerikastudien verliehen, die an einer deutschen Universitat eingereicht wurde. Preistrager war in diesem Jahr Tom Kaden von der Universitat Leipzig. Tom Kaden studierte Germanistik und Soziologie an der Wolfgang-Goethe-Universitat Frankfurt/Main und an der Albert-Ludwigs-Universitat Freiburg im Breisgau. Zudem ist er Mitglied des DFG-Graduiertenkollegs "Religioser Nonkonformismus und kulturelle Dynamik" an der Universitat Leipzig. Nach einer kurzen Einfuhrung durch Prof. Gunter Leypoldt vom Anglisitischen Seminar der Universitat Heidelberg erklarte Tom Kaden in seinem Festvortrag mit dem Titel,,Die Entwicklung des amerikanischen Kreationismus seit eintausendneunhundertsechzig bis in die Gegenwart. Eine soziologische Analyse" dem zahlreich erschienenen Publikum, wie er sich in seiner Dissertation mit dem amerikanischen Kreationismus, den er als eine Form der religiosen Devianz sieht, beschaftigte. Konkret liegt der Fokus der Arbeit auf der soziologischen Erforschung des amerikanischen Kreationismus seit den spaten 1950er Jahren. Der amerikanische Kreationismus hat sich danach als Reaktion eine Erwartungshaltung entwickelt, die ihm, meist in Form rechtlicher Entscheidungen, entgegengebracht wurde. Fundament des Streits sind die Weltanschauungen, die unterschiedlicher kaum sein konnten. In seinem Vortrag zeigt Tom Kaden die verschiedenen Varianten des Kreationismus auf und deren weitere Bedeutungen fur den Forschungszweig, wie beispielsweise die Einschrankungen des Naturalismus, die ebenfalls erheblich variieren. Tom Kaden folgert daraus, dass Kreationisten sich nicht unbedingt auf eine bestimmte Position festzulegen und diese gegenuber anderen verteidigen, sondern das jeder Kreationist einen die gesamte Gesellschaft betreffenden inneren Antrieb zur Veranderung hat. Die konfliktreiche Beziehung des Kreationismus zu seiner sozialen Umwelt begrundet sich nicht zuletzt durch seinen Einfluss auf Teile des u.s.-amerikanischen Bildungssystems der USA. Zudem wirkt sich der rechtliche, vor allem aber massenmediale Erfolg des Kreationismus negativ auf diesen Konflikt aus. Tom Kadens Dissertation beschaftigt sich aber nicht primar mit der historischen Entwicklung des Kreationismus, sondern betrachtet zusatzlich die damit einhergehende gesellschaftliche Dynamik innerhalb der Wissenschaft. Die Ergebnisse dieses Transformationsprozesses werden als,,science education" und,,Neuer Atheismus" bezeichnet. Diese soziologischen Phanomene wirken sich wiederum auf die Entwicklung des Kreationismus aus. Sowohl der Kreationismus als auch dessen Gegenspieler bilden somit eine dynamische Einheit mit wechselseitiger Abhangigkeit. Dr. Kaden konnte als Folge dieser eben skizzierten Einheit strategische, ideologische und institutionelle Innovationen feststellen und nachweisen, dass das Verhalten der jeweiligen Konfliktseiten einen Einfluss auf das jeweils eigene Verhalten hat. Dieser aufschlussreiche, unterhaltsame und interessant illustrierte Vortrag erhielt viel Beifall. Der anschliessende Empfang in der Bel Etage des HCA gab dem Publikum Gelegenheit, bei einem Drink die Ausfuhrungen weiter zu debattieren. Joan D. Hedrick: "Harriet Beecher Stowe and the Holiness Movement " Das achtzehnte Semester des Baden-Wurttemberg-Seminars des HCA eroffnete am dreizehn Oktober mit einem Vortrag von Joan D. Hedrick, der Charles A. Dana Professorin fur Geschichte am Trinity College in Hartford, Connecticut, und Pulitzer Preistragerin eintausendneunhundertfünfundneunzig Professor Hedrick begann ihre Ausfuhrungen mit einer kurzen Anekdote uber den Ehemann der beruhmten Autorin: Calvin Stowe, ein Padagoge und Wissenschaftler, der zudem als literarischer Agent fur seine Frau tatig war, reiste nach Europa, um Bucher fur die Bibliothek des Lane Theological Seminary zu kaufen. Er schwarmte von der romantischen Ausstrahlung Heidelbergs, und Prof. Hedrick konnte sich dem nur anschliessen. In den vierziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts waren sowohl die Vereinigten Staaten als auch die Kirchen des Landes tief uber die Frage der Sklaverei gespalten. Zur selben Zeit gab es eine Reihe von Frauen, die als Seherinnen, Prophetinnen und Schriftstellerinnen bekannt wurden. Prof. Hedrick konzentrierte sich auf zwei dieser Frauen, Ellen White und Harriet Beecher Stowe, die Autorin, deren Anti-Sklaverei-Roman,,Onkel Toms Hutte" zu einem der meistverkauften Werke des neunzehnten Jahrhunderts wurde. Der Roman basiert auf einer Vision, die Stowe bei einem Kirchenbesuch hatte. Statt des gekreuzigten Jesus Christus sah sie plotzlich einen ausgepeitschten Sklaven vor sich. Diese Vision wurde spater zum am meisten diskutierte Kapitel ihres Romans. Indem sie Christus als Sklaven beschrieb, hatte Stowe einen Weg gefunden, ihre prophetische Kraft in ihrem Buch zu bundeln und bei ihren Leser sehr emotionale Reaktionen hervorzurufen. Viele der Visionen, die Stowe in ihrem Buch verarbeitet hatte, verbanden religiose Traditionen mit amerikanischer Folklore. Harriet Beecher Stowes Ideen hatten eine enorme Wirkung auf die amerikanische Kultur und die Politik des neunzehnten Jahrhunderts. Sie war eine ausserst konservative Frau, die tief im traditionellen Glauben verwurzelt war. Sie betonte oft, dass nicht sie,,Onkel Toms Hutte" geschrieben habe,,,sondern Gott". Prof. Hedrick fuhrte aus, dass Stowes religiose Pragung nicht aus dem Calvinismus ihrer Jugend herruhrte, sondern aus dem,,Holiness movement" des neunzehnten Jahrhunderts. Diese Bewegung basierte auf klassischen christlichen Prinzipien und manifestierte sich bei kleinen Treffen in Privathausern, wo sich die Teilnehmer uber Religion und ihre Visionen austauschten, Gedichte vorlasen oder sich religiose Geschichten erzahlten. Prof. Hedrick wandte sich dann Ellen White zu, einer Prophetin und Mitbegrunderin der,,Seventh-day-Adventist-Church ". Im Vergleich zu Stowe war White in der Zeit des radikalen Adventismus weniger bekannt, ist aber fur seine Geschichte nicht weniger wichtig. Ellen White und ihre Familie waren Methodisten gewesen, bevor sie sich dem Baptistenprediger William Millers zuwandten, der verkundete, dass Jesus Christus am zweiundzwanzig Oktober eintausendachthundertvierundvierzig auf die Erde zuruckkehren wurde. Dass dies weder an diesem noch an einen neu angesetzten Termin geschah, wurde spater als die,,grosse Enttauschung" bekannt. Ellen White war danach stets daruber besorgt, dass Jesus auf die Erde zuruckkehren, jedoch nicht erkannt werden wurde. White war kein Fan von,,Onkel Toms Hutte"; sie hielt Literatur fur Teufelswerk, aber sie erkannte, dass sie und Stowe viel gemeinsam hatten, wie beispielsweise ihre religiose Erfahrung und das Problem, sich als Frauen in einer Mannerwelt Gehor zu verschaffen. Fur die Geschichte des amerikanischen Christentums waren beide von Bedeutung. Beide inspirierte ihre Kritik an der Komplizenschaft zwischen Kirchen und Sklavenhaltern. Beide sind Beispiele dafur, dass der Burgerkrieg Frauen dazu ermachtigte, uber die Themen Sklaverei und Freiheit zu sprechen, auch wenn Prophetin im neunzehnten Jahrhundert nicht als eine angemessene Rolle fur eine Frau angesehen wurde. Insbesondere Stowe wies darauf hin, dass sie die Hoffnung hegte, dass jede Frau, die schreiben konnte, nicht uber die Sklaverei schweigen wurde. Sie war der Meinung, dass die Zeit gekommen sei, in der Frauen sich dazu ermachtigt fuhlten zu sprechen. Abschliessend lasst sich sagen, dass Stowes Roman,,Onkel Toms Hutte", ahnlich wie die Reden von White, dazu beitrugen, ihre Visionen und Vorstellungen zu popularisieren. Podiumsdiskussion: " Der Adler, der Stier und der Bar: Die USA, Europa und Russland auf Konfrontationskurs? " Am vierzehn Juli lud das HCA zu einer Podiumsdiskussion uber aktuelle aussenpolitische Fragen ein. Zu Gast waren John Deni vom Strategic Studies Institute (USA); Inna Melnykovska von der Freien Universitat Berlin; Martin Thunert vom Heidelberg Center for American Studies; und Simon Weiss vom Institut fur Politische Wissenschaft der Universitat Heidelberg. Im Zentrum der Diskussion stand der Konflikt in der Ukraine. Tobias Endler vom HCA moderierte die Diskussion und leitete in die Thematik ein, indem er eine aktuelle Aussage des ehemaligen Sicherheitsberaters des US-amerikanischen Prasidenten Carter, Zbigniew Brzezinski, zitierte:,,Wir sind langst im Kalten Krieg". Doch was genau bedeutet die Ukrainekrise heute? Wie konnte es soweit kommen? Und ist eine Losung uberhaupt in Sicht? Inna Melnykovska begann ihre Ausfuhrungen mit einem Blick auf die angespannte Situation in der Ukraine und die seit neuestem wieder eskalierenden Gefechte. Sie wandte sich dann dem Problem der Binnenfluchtlinge zu. Ihre tatsachliche Zahl ist nur schwer abzuschatzen, da nur wenige offiziell registriert sind; die ukrainische Bevolkerung engagiert sich jedoch sehr fur diese Menschen. Schwierig steht es zudem noch um die politischen und wirtschaftlichen Reformen, so dass sich in der Ukraine nebenbei noch eine weitere Krise entwickelt. Das BIP ist im letzten Jahr um acht Prozent gesunken, was viele Menschen vor zusatzliche Schwierigkeiten stellt. Doch wie sieht die Ukraine die Rolle Russlands? Simon Weiss hob hervor, dass die aktuelle Situation fur beide Seiten neu ist. Der Bruch geht auch durch viele russische Familien, von denen nicht alle Putin favorisieren. Jedoch ist diese Stimmung nicht vergleichbar mit der zu Zeiten der Maidan-Bewegung. Russland baut auf den Minsk II Prozess, der auf einem Abkommen vom Februar zur Deeskalation des Krieges in der Ost-Ukraine basiert. Bereits nach der Unterzeichnung wurde angezweifelt, ob die Waffenruhe eingehalten und der Abzug schwerer Waffen erfolgen wurde. John Deni bezweifelte, dass der Ukrainekonflikt fur die USA eine aussenpolitische Prioritat hat. Fur das State Department ist die Ukraine eher im europaischen Kontext relevant. Es geht primar um Souveranitat, Schutz der Grenzen und Allianzen innerhalb Europas, weniger um wirtschaftliche Hilfe aus den USA. Die Amerikaner sind davon ausgegangen, dass die Grenzen in Europa festgelegt sind; Putin hat gezeigt, dass dem nicht so ist. In der Ukrainekrise ist wieder deutlich geworden, was Unsicherheit eigentlich bedeutet. Martin Thunert hob hervor, dass es in den USA keine einheitliche Meinung zum Thema gibt. Der offiziellen Meinung der Obama-Administration steht oft die offentliche Meinung gegenuber. Putins Politik bezeichnete er als expansiv; die Unterstutzung der Separatisten hat nicht die Vorbereitung eines Einmarsches zum Ziel, sondern das Kippen des europaischen Projekts in der Ukraine und eine permanente Destabilisierung. Nur so kann Russland eine Annaherung der Ukraine an die EU verhindern. Wie geht es also weiter? Gegen einen allgemeinen Expansionismusvorwurf setzte Simon Weiss das Konzept des sogenannten,,neuen Auslands", eine Zone privilegierter Interessensgebiete aus der Sicht Russlands. Die Ukraine ist das wichtigste Land in dieser Zone. Es gibt keine Versuche einer oder Andeutungen uber eine Invasion. Die Kernstaaten der NATO ziehen eine rote Linie, und ihre jeweilige Bevolkerung steht hinter ihnen; sie wollen keine NATO-Ost-Erweiterung. Es gibt eine gewisse Bereitschaft der USA, Raketen in Osteuropa zu stationieren. Russland ist deswegen alarmiert und sieht die NATO als Hauptproblem. Inna Melnykovska sagte, die Ukraine ist verwundert, dass die NATO das Hauptproblem sein soll; vielmehr geht es um die Legitimation des Regimes und darum, dass Russland plotzlich gegen westliches Recht verstosst. Mit dem Budapest Memorandum sicherte Russland unter anderem der Ukraine zu, ihre Souveranitat und die bestehenden Landergrenzen anzuerkennen und die Ukraine zu unterstutzen. Melnykovska bekraftigte, dass die Proteste viele Faktoren hatten, sowohl innere als auch aussere, die jeweils unterschiedlich gewichtet seien. Die Grunde, warum aus einem kleinen Protest ein grosser Protest wurde, sind jedoch intern. Nichts davon hat mit der EU zu tun. Doch vieles ist auch geschafft, es geht voran im Land. So ist ein neuer Prasident gewahlt worden und das Parlament macht dieses Jahr keine Sommerferien, sondern arbeitet weiter. Die russischen Gas-Lieferungen in die Ukraine werden dort als eine Art Droge angesehen, die eine wirtschaftliche Entwicklung nicht zulassen. Die wirtschaftlichen Beziehungen zu Russland werden somit nicht positiv betrachtet. Alle Diskutanten waren sich einig, dass eine starkere Anbindung der Ukraine an den Westen unwahrscheinlich ist. Die USA sind gegen eine NATO-Erweiterung in Bezug auf die Ukraine und eine Anbindung an den Westen ist fur die Ukraine kein Ersatz fur die bisherigen russischen Wirtschaftsbeziehungen. Loic Wacquant: " From Venice to Chicago: The Making and Unmaking of the Ghetto " Das Baden-Wurttemberg Seminar des HCA ging am vierundzwanzig Juni mit einem Vortrag von Loic Wacquant zu Ende. Loic Wacquant ist Soziologieprofessor an der University of California in Berkeley, wo er auch mit dem Program in Medical Anthropology und am Center for Urban Ethnography affiliiert ist, und forscht am Centre de sociologie europeenne in Paris. Seine Arbeit zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass sie so diverse Forschungsfelder wie den Korper, urbane Ungleichheit, Ghettoisierung und Gefangnisse verknupft. Am HCA sprach er uber das Entstehen und Verschwinden des Ghettos, von Venedig bis Chicago. Professor Wacquant begann seinen lebhaften Vortrag, indem er darauf hinwies, dass Historiker, Soziologen und Anthropologen zwar reichlich uber das Ghetto publiziert haben, aber dass diese Forschung aber kein robustes analytisches Konzept des Ghettos hervorgebracht hat. Er stellte dann genau dieses Konzept vor, das das Ghetto also eine sozio-raumliche Institution mit einer doppelten Mission sieht: Eine entrechtete Gruppe gleichzeitig zu isolieren und auszubeuten. Seine Kategorien lassen sich gleichermassen auf die judischen Ghettos der Renaissance, das afroamerikanische Ghetto in den USA zu Fords Zeiten und die Wohndistrikte der Burakumin im Japan der post-Tokugawa Ara anwenden. Sein Modell unterscheidet sich jedoch von dem Begriff, der in den USA im neunzehnten Jahrhundert im Umlauf war. Danach verband man mit dem Begriff zunachst die judischen Viertel in den Stadten der Ostkuste, spater, um die Jahrhundertwende, alle innerstadtischen Viertel, in denen exotisch anmutende Neuankommlinge lebten, auch die Afroamerikaner, die dem rassistischen Leben in den Sudstaaten entfliehen wollten. Das Ghetto war demnach an der Kreuzung zwischen ethnisch gepragten Viertel und Slum angesiedelt, wo, so glaubte man, sich Segregation mit heruntergekommener Bausubstanz, Uberbelegung, Kriminalitat, Zusammenbruch von Familienstrukturen und Pauperismus einherging. Diese Vorstellung verengte sich nach dem Zweiten Weltkrieg, nicht zuletzt durch den Druck der Burgerrechtsbewegung, und bezeichnete nun nur noch die kompakten und uberbelegten Konklaven, in die man die Afroamerikaner relegiert hatte, die in die Industriezentren des Nordens gezogen waren. Zur gleichen Zeit popularisierten europaische Sozialwissenschaftler das Konzept und mit ihm die Furcht vor einer,,Amerikanisierung" der Metropolis im Angesicht postkolonialer Immigration und postindustrieller wirtschaftlicher Restrukturierung. Professor Wacquant entwickelte darauf sein eigenes Modell, das von den Ghettos der europaischen Renaissance ausgeht. Sie waren abgesonderte Wohngebiete, die die politischen und religiosen Autoritaten der judischen Bevolkerung zuwiesen, zunachst, um ihre Ansiedlung zu begunstigen, dann, um sie zu kontrollieren. Das Ghetto war der Ort, wo man materielle Profite maximieren und gleichzeitig intimen Kontakt mit einer stigmatisierten Gruppe minimieren konnte. Diese Absonderung fuhrte zur Uberbelegung, Niedergang der Bausubstanz, und hohen Krankheits- und Sterberaten, aber sie unterstutzte auch die Blute eigener Institutionen und eine kulturelle Konsolidierung, die sich in eigenen Markten, Berufsverbanden, Wohlfahrtsinstitutionen, Gemeinden und Universitaten niederschlug. Das Ghetto der Renaissance enthielt bereits die vier Elemente, die die Institution heute charakterisieren: Stigma, Zwang, raumliche Restriktion und parallele Institutionen. Wacquants Modell sieht das Ghetto nicht nur als einen Ort, an dem das Schwert der dominanten Gruppe omniprasent ist, sondern auch als ein organisatorisches Schild, das die Bildung einer geschlossenen Identitat ermoglicht, die wiederum zu Widerstand oder sogar einer Revolte fuhren kann. Professor Wacquant wies ausserdem darauf hin, dass die beste Analogie fur das Ghetto nicht heruntergekommene Stadtviertel sind sondern vielmehr andere Auspragungen des erzwungenen Zusammenlebens wie Gefangnisse, Reservationen oder Lager. Zum Schluss seines Vortrags wies Professor Wacquant auf die Verbindungen zwischen Ghettoisierung, Segregation und Armut hin und erlauterte einen idealtypisch konstruierten Gegensatz zwischen Ghetto und ethnischem Wohnviertel, mit dessen Hilfe man die Schicksale von stigmatisierten Populationen in unterschiedlichen Stadten, Gesellschaften und Epochen vergleichen kann. The Performing Arts Club of the HCA: "The Poet Emily Dickinson " Seit Mai zweitausendvierzehn hat das HCA eine neue studentische Initiative - den Performing Arts Club. Unter Leitung von Ida Bahmann und Hanna Konradt wandte sich die Gruppe zunachst dem Improvisationstheater zu. Mit Ubungen fur Korper und Stimme tasteten sich die Spielerinnen an literarische Texte heran. Zu Beginn des Wintersemesters 2014/15 fiel die Entscheidung, ein eigenes Stuck zu inszenieren und dieses im kommenden Sommer aufzufuhren. Da alle Mitglieder des Performing Arts Club junge Frauen sind, war schnell klar, dass das Werk einer amerikanischen Autorin im Mittelpunkt stehen sollte. Aufgrund ihrer Facettenvielfalt fiel die Entscheidung zugunsten der Gedichte von Emily Dickinson. In ihrer Lyrik behandelt die Dichterin Themen wie Religion, Natur, Schmerz oder auch den Tod. In einem selbsterdachten Stuck mit ausgewahlten Gedichten und Briefen Dickinsons im Zentrum stellte jede Spielerin einen anderen Aspekt dieser Lyrik dar, die sich teilweise auch widersprechen: Die religiose Emily; die vor Schmerzen Jammernde, die mit der Welt hadert; die Naturverbunde, die aber das Zimmer nicht verlassen will. Die verschiedenen Emilys standen dabei auch fur verschiedene Lebensabschnitte der Dichterin. Die Premiere des Stuckes fand am elf Juni im Theater im Romanischen Keller statt und der rege Besucherandrang sorgte fur eine ausverkaufte Vorstellung. Auch die zweite und letzte Vorstellung am zwölf Juni war sehr gut besucht. Im Allgemeinen war die Resonanz nach den Auffuhrungen sehr positiv und der Performing Arts Club wurde gerne im nachsten Jahr ein neues Projekt starten. Am neun Juni zweitausendfünfzehn feierte das HCA die vierte Verleihung des James W.C. Pennington Awards. Der diesjahrige Preistrager, William L. Andrews, wurde fur seine Forschungen zur afroamerikanischen Literaturgeschichte ausgezeichnet. Der Preis ist nach James W.C. Pennington benannt, einem ehemaligen Sklaven, der eintausendachthundertneunundvierzig die Ehrendoktorwurde der Universitat Heidelberg verliehen bekam. Er war der erste Afroamerikaner, dem diese Ehre zuteil wurde. Die Manfred Lautenschlager Stiftung legte den Grundstock fur die ersten Forschungsaufenthalte, die mit dem Pennington Award verbunden sind. Rektor Prof. Dr. Bernhard Eitel eroffnete die Feierlichkeiten mit einer kurzen Ansprache, in der er die Zusammenarbeit der Theologischen Fakultat, der altesten der Universitat, mit der einer der jungsten Forschungseinrichtungen, dem Heidelberg Center for American Studies, hervorhob. Dr. h.c. Manfred Lautenschlager gratulierte dann zunachst dem Preistrager und stellte darauf kurz das Leben und Wirken von James W.C. Pennington vor, dessen Geschichte und Vermachtnis er als sehr bewegend bezeichnete. Pennington entkam mit einundzwanzig Jahren der Sklaverei und wurde einer ihrer nachdrucklichsten Gegner. Er lernte Lesen und Schreiben, besuchte als erster Afro-Amerikaner die Yale Divinity School und wurde anschliessend zum Pfarrer geweiht. Im Jahr 1849 wohnte er dem Weltfriedenskongress in Paris bei, wo er den Heidelberger Professor Friedrich Carove kennenlernte, der sich in Heidelberg fur die Verleihung eines Ehrendoktors an Pennington einsetzte. Nach dieser kurzen Historie zum Preis hielt Prof. Dr. Jan Stievermann vom HCA die Laudatio auf den Preistrager. William L. Andrews ist E. Maynard Adams Professor of English an der University of North Carolina-Chapel Hill. Er erwarb seinen M.A. an der University of North Carolina-Chapel Hill und promovierte auch dort. Bevor er seine Professur an der UNC erhielt, lehrte Professor Andrews an der Texas Tech University, the University of Wisconsin-Madison, der Justus Liebig Universitat Giessen, und der University of Kansas. Seine Forschung konzentriert sich auf die Beitrage schwarzer und weisser Autoren zur amerikanischen Literatur und ihre historischen Verflechtungen, sowie auf die Literatur der Afroamerikaner und der Sudstaaten. Zu Beginn seines Vortrags betonte Prof. Andrews, dass die literarische Auseinandersetzung mit der Sklaverei nicht nur James Pennington und Mark Twain verbindet, sondern auch die amerikanische Literatur besonders beeinflusst hat. Twains Geschichte von Huckleberry Finn und dem Sklaven Jim war moglicherweise durch Penningtons Vergangenheit als Sklave in Maryland inspiriert. In Penningtons eintausendachthunderteinundvierzig verfasster Autobiographie, die acht Jahre spater unter dem Titel,,The Fugitive Blacksmith" erschien, verwendet er seine eigene Geschichte, um die Sklaverei anzuprangern. Er argumentiert, dass Sklavenhalter keine wahren Christen sein konnen, ganz gleich, wie sie ihre Sklaven behandeln. Pennington verstand Sklaverei als eine Ubertretung der gottlichen Gebote und Bildung als das beste Mittel zu ihrer Abschaffung der Sklaverei. Pennington beschrieb ausserdem das moralische Dilemma, das sich ihm stets auf seiner Flucht stellte, sobald er nach seiner Herkunft gefragt wurde. Er entschied sich jedoch, seine Freiheit durch Lugen zu schutzen anstatt sie durch Ehrlichkeit zu riskieren. Prof. Andrews fuhrte dann aus, dass etliche amerikanische Romane aus der Zeit vor dem Burgerkrieg sich um diese Fragen nach der Moral der Sklaverei und guter christlicher Lebensfuhrung drehen, darunter Mark Twains The Adventures of Huckleberry Finn. Die Erzahlung ist eine kritische Betrachtung der Sklaverei, die Sympathie fur die entlaufenen Sklaven wecken will und Penningtons Dilemma aufgreift. So gibt Huck Finn vor, dass sein Boot mit Pocken infiziert ist, um Sklavenjager davon abzuhalten, nach dem entlaufenen Sklaven Jim zu suchen. Hucks dreiste Luge verletzt ein christliches Gebot um ein anderes durchzusetzen. In Hucks Taten manifestiert sich christliches Handeln; in dieser Hinsicht ist die Geschichte eine klassische Sozialkritik, die der amerikanischen Gesellschaft - nicht nur in den Sudstaaten - einen Spiegel vorhalt. Prof. Andrews halt es fur sehr wahrscheinlich, dass Twain mit Penningtons Schicksal vertraut war und es ihm unter Umstanden als literarische Vorlage gedient hat. Im Vergleich zum gebildeten Pennington jedoch scheint Twains Jim sehr geerdet zu sein. Ein Vergleich beider Texte macht aber klar, dass weder mit Pennington noch mit Jim zu spassen war, wenn es um ihre Freiheit ging. Im Anschluss an den Vortrag und die feierliche Preisverleihung lud das HCA seine Gaste zu einem Empfang im Garten ein. Lloyd Ambrosius: "World War I and the Paradox of Wilsonianism " Zur ersten Juniveranstaltung seines Baden-Wurttemberg Seminars begrusste das HCA Llyod E. Ambrosius, den Samel Clark Waugh Distinguished Professor fur Internationale Beziehungen an der University of Nebraska-Lincoln. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf der amerikanischen Aussenpolitik, der Geschichte der amerikanischen Prasidentschaft und der internationalen Geschichte. Er war Fulbrightprofessor in Koln und Heidelberg sowie Mary Ball Washington Professor fur amerikanische Geschichte am University College Dublin. Aktuell ist er der Vize-Prasident (2013-2015) und zukunftige Prasident (2015-2017) der Society for Historians of the Gilded Age and Progressive Era. Professor Ambrosius begann seinen Vortrag zum Thema "World War I and the Paradox of Wilsonianism" mit einer Definition des Wilsonianism, der eine Reihe von aussenpolitischen Perspektiven und Prinzipien umfasst, darunter die nationale Selbstbestimmung, das Eintreten fur Kapitalismus und Demokratie, eine globale Wirtschaft, den Widerstand gegen Isolationismus und Nicht-Interventionismus, sowie der Glaube an die kollektive Sicherheit und einen fundamentalen Glauben an den historischen Fortschritt, uber den man optimistisch sein kann.,,Wilsonianism" beschreibt ursprunglich die Politik Woodrow Wilsons, des achtundzwanzig Prasidenten der USA, der seine,,14 Punkte", seine Ideen eines liberalen Internationalismus und einer friedlichen Weltordnung in seiner beruhmten Rede vor dem amerikanischen Kongress am acht Januar eintausendneunhundertachtzehn zusammenfasste. Professor Ambroisius betonte, dass Wilsons Ideen in der amerikanischen Aussenpolitik ihren Platz haben, auch wenn sich Wilsons Idee einer friedlichen Weltordnung nicht umsetzen liess. Laut Professor Ambrosius basierte Wilsonianism auf Wilsons traditionellem Bild von Amerika, das politische Prinzipien der Alten und Neuen Welt vereinte und bis ins achtzehn Jahrhundert zuruckreichte. Sein Amerikanismus formte den Wilsonianism. In seiner Kriegsbotschaft an den amerikanischen Kongress am zwei April eintausendneunhundertsiebzehn betonte Wilson, dass ein Aufruf zum Krieg gegen Deutschland, einem Krieg gegen die Menschheit, einem Krieg gegen alle Nationen gleichkame. Er fuhrte sein Verstandnis der Aussenpolitik aus: Amerika sollte Freiheit in der Welt verbreiten und diese sicher fur die Demokratie machen. Die USA hatten die gottgegebene Aufgabe, der Menschheit zu helfen. Aber Wilson war auch ein Sudstaatler und identifizierte sich sehr mit dem Suden. Sein politisches Konzept resultierte in einer globalen,,color line ". Wilson identifizierte sich ausserdem mit dem britischen Weltreich zu einer Zeit, als viele Briten und Amerikaner begonnen hatten, es abzulehnen. Fur ihn befanden sich die Bewohner Afrikas bildlich gesehen am Boden einer Flasche und die Bewohner des Westens am Flaschenhals; sie symbolisierten die Freiheit, die Wilson in der ganzen Welt verbreiten wollte. Wilsonianism war eine Ansicht des Westens fur den Westen. Professor Ambrosius untersuchte in seinem Vortrag die Idee des Wilsonianism und ihre amerikanischen Wurzeln. Er wies auch auf die Dilemmata und Meinungsverschiedenheiten im Zusammenhang mit dem Wilsonianism hin. So machte er beispielsweise deutlich, dass die amerikanische Regierung mit vielen problematischen Folgen zu rechnen gehabt hatte, wenn sie die gesamte Idee des Wilsonianism fur ihre Aussenpolitik adaptiert hatte. Das Problem bestand darin, dass Wilsonianism und der kulturelle Pluralismus in der Welt sowie globale wirtschaftliche und politische Abhangigkeiten nicht vollstandig kompatibel sind. Das HCA setzte sein Baden-Wurttemberg Seminar fort mit einen Vortrag von Christopher Parker, dem Stuart A. Scheingold Professor of Social Justice and Political Science am Institut fur Politikwissenschaft der University of Washington, Seattle. Prof. Parker erhielt zweitausendeins seinen Ph. D. von der University of Chicago. Sein Vortrag,,Identifying the Roots of Reactionary Movements: A Comparative Analysis of European and American Cases" zeigte die Verbindungen zwischen reaktionaren Bewegungen der Vergangenheit und der Gegenwart auf und analysierte so die Beweggrunde und den politischen Einfluss der amerikanischen Tea Party. Er konzentrierte sich auf folgende Fragen: Ist die Tea Party die Zukunft der Republikaner? Sind ihre Anhanger vor allem wirtschaftlich motiviert? Oder sind es einfach nur sehr konservative Burger? Sind sie Rassisten? Beruht ihre Opposition gegen Prasident Obama auf dessen Hautfarbe? Prof. Parker bot dem Publikum im Atrium einige neue Perspektiven auf diese Fragen; fur ihn sind die Anhanger der Tea Party eine politische Bewegung, die vor allem von der Furcht getrieben wird, dass sich Amerika zum Schlechteren verandert hat. Prof. Parker verwies auch darauf, dass die Unterstutzer der Tea Party nicht unbedingt rassistisch sind und dass sie auch nicht einfach nur von ihrer Ideologie geleitet werden. Er glaubt vielmehr, dass sie sich davor furchten, ihr Land zu verlieren und dass sie befurchten, dass Amerika nicht langer Eigentum der,,wirklichen Amerikaner" ist. Diese Furcht ruckte in den Vordergrund, als Barack Obama Prasident der Vereinigten Staaten von Amerika wurde. Prof. Parkers Analyse zahlreicher Interviews mit Unterstutzern der Tea Party ergab, dass es unter ihnen viele Skeptiker gibt sowie zahlreiche traditionelle Konservative, die beispielsweise gleichgeschlechtliche Ehen ablehnen. Auch der Rassismus spielt eine Rolle. Prof. Parker wies darauf hin, dass diese Kombination in der amerikanischen Politik weder ungewohnlich noch neu ist. Konservative Bewegungen entstehen haufig, wenn eine Gruppe von Burgern denkt, dass die sozialen Veranderungen eines Landes seine klassischen Werte verdrangen. Der wichtigste politische Wert fur Sympathisanten der Tea Party ist das,,wirkliche Amerika". Sie sind sich durchaus des demographischen Wandels in den USA bewusst. In den 1970er Jahren waren etwa achtzig Prozent der amerikanischen Bevolkerung weiss; heute sind es nur noch etwa sechzig Prozent. Viele Anhanger der Tea Party machen kurioserweise Obama dafur verantwortlich. 74% von ihnen denken, dass Obama ihr Land zerstort, und die meisten glauben nicht, dass Obama uberhaupt in den USA geboren wurde oder christlichen Glaubens ist. Ihrer Ansicht nach liebt Obama nicht dasselbe Land wie sie. Die Tea Party wird oft als eine konventionelle konservative Bewegung charakterisiert, welche das Ziel verfolgt, Steuern zu senken, Budgets auszugleichen und soziale Programme abzuschaffen. Prof. Parker dagegen sieht sie als reaktionare Bewegung und fuhrte einige ihrer Vorlaufer an: den Ku Klux Klans der 1920er Jahre oder die John Birch Society der 1950er Jahre. Seinem lebhaften Vortrag folgte eine ebenso lebhafte Diskussion mit dem Publikum. John Corrigan: "Religious Intolerance and American Foreign Policy" Am zwölf Mai setzte das HCA sein Baden-Wurttemberg Seminar mit einem Vortrag von John Corrigan fort, dem Lucius Moody Bristol Professor fur Religion und Professor fur Geschichte an der Florida State University, der augenblicklich als Fulbright Distinguished Research Chair am Roosevelt Studies Center in Middelburg, Holland, ist. Prof. Corrigan eroffnete seinen Vortrag "Religious Intolerance and American Foreign Policy" mit einem vielsagenden Fall, der die United States Commission on International Religious Freedom (USCIRF) betrifft. Im Jahr zweitausendneun bot USCIRF einer Rechtsanwaltin aus Arkansas, die fliessend Hindu und Urdu spricht, eine Stelle in Sud-Asien an. Sie sollte dort die religiose Freiheit und die Menschenrechtssituation analysieren. Nach kurzer Zeit aber wurde sie wieder entlassen, mutmasslich wegen ihres muslimischen Glaubens, der mit den Vorstellungen ihrer Vorgesetzten, einer streng konservativen Katholikin kollidierte. Die daraus resultierte Klage wird sich zwar noch einige Zeit hinziehen, aber Prof. Corrigan ist davon uberzeugt, dass sie fur USCIRF nicht gut ausgehen wird. So stellt sich die Frage, ob Religionsfreiheit uberhaupt existiert. Um sie zu beantworten, blickte Prof. Corrigan zunachst weit in die amerikanische Gesichte zuruck. Er wies darauf hin, dass die Geschichte der religiosen Intoleranz in den Vereinigten Staaten mit den Puritanern begann, die, anders als oft angenommen, religiose Toleranz in den Kolonien keineswegs forderten, auch wenn sie ihr Heimatland aus genau diesem Grund verlassen hatten. Sie verlangten Glaubensfreiheit fur sich, aber tolerierten keine anderen christlichen Glaubensrichtungen und vertrieben Katholiken und Quaker aus der Kolonie Massachusetts. John Winthrop's "city upon a hill " liess keinen religiosen oder politischen Dissens zu. Die amerikanische Geschichte bietet viele Beispiele fur religiose Intoleranz. Speziell der Antikatholizismus erwies sich als langlebig und hartnackig und befeuerte beispielsweise eintausendachthundertvierundvierzig die sogenannten Bibelunruhen in Philadelphia. Bereits sechs Jahre zuvor hatte der Gouverneur von Missouri, Lilburn Boggs, mit der Executive Order 44, die als,,Vernichtungsanordnung" bekannt wurde, alle Mormonen aus Missouri vertrieben. Prof. Corrigan wies ausserdem darauf hin, dass seit Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts viele Schulbucher diese blutigen religiosen Konflikte entweder verharmlost oder nur am Rande erwahnt haben. Stattdessen entwickelten sie ein gradliniges Narrativ uber religiose Toleranz und Religionsfreiheit, das sich nicht zuletzt bei Politikern grosser Beliebtheit erfreut. Zwar lehnten die Vereinigten Staaten schon bei ihrer Grundung eine Staatsreligion ab und betonten die Trennung zwischen Kirche und Staat, aber dies geschah vor dem Hintergrund einer versteckten, aber einflussreichen Religion. Wie wirkt sich also eine unterdruckte Geschichte religioser Konflikte auf die amerikanische Aussenpolitik aus? Die Idee von religioser Freiheit ist Teil der nationalen Identitat und ein politisches Prinzip geworden. Obwohl dieses Prinzip in aller Munde ist, lasst es sich in der U.S.-Aussenpolitik nicht einfach umsetzen. Prof. Corrigan nannte als ein Beispiel der War on Terror und die eingangs geschilderte Geschichte des USCIRF als ein weiteres. Er vermutet, dass es in der Umsetzung der amerikanischen Aussenpolitik viele Vorgange gibt, in denen die Religionsfreiheit geschutzt werden soll, aber gleichzeitig Mitarbeiter wegen ihres Glaubens entlassen werden. Am vierundzwanzig April fand die Abschlussfeier der BAS und MAS Jahrgange von zweitausendfünfzehn statt, wie jedes Jahr in der Aula der Alten Universitat. Universitatsrektor Prof. Dr. Bernhard Eitel eroffnete die Zeremonie und griff das Motto der Universitat auf:,,semper apertus" (immer offen). Die Absolventen stunden nun vor offenen Turen und konnten morgen damit beginnen, die Welt zu verandern. Der Prodekan der Philosophischen Fakultat, Prof. Dr. Henry Keazor, erinnerte die Absolventen nicht nur daran, dass sie die Welt verandern konnten, sondern auch daran, dass sie sich auch stets ihrer Wurzeln in Heidelberg erinnern sollten, ein Ort um zu leben, zu studieren und zuruckzukehren. Prof. Dr. Dr. h.c. Detlef Junker, der Grundungsdirektor des HCA , begrusste dann die Absolventen und ihre Familienmitgliedern sowie die Freunde des HCA. Er verwies darauf, dass die Absolventen von ihrem interdisziplinaren und umfassenden Studium profitieren wurden und regte an, dass sie jeden Tag an ihren Fahigkeiten arbeiten mussten, um ihr Wissen uber die Politik, Kultur, Wirtschaft und Gesellschaft der USA nutzbringend anzuwenden. Er stellte dann den Gastredner als einen echten Transatlantiker vor. James D. Bindenagel ist ein ehemaliger US-Botschafter, ein Karrierediplomat und Deutschlandexperte in Deutschland und augenblicklich der Inhaber der Herny-Kissinger-Professur fur Governance and International Security an der Friedrich-Wilhelms-Universitat in Bonn. Er begann seine Festrede mit einem Vergleich zwischen den HCA Studenten und den transatlantischen Beziehungen - in beiden Fallen basiert Freundschaft darauf, dass man sich vertrauen und Ziele gemeinsam erreichen kann. Die deutsch-amerikanischen Beziehungen sind ein Kind des Zweiten Weltkriegs und in gewisser Hinsicht auch der Containmentpolitik des amerikanischen Prasidenten Harry Truman. Sie bildeten uber Jahrzehnte eine Saule der amerikanisch-europaischen Partnerschaft, sowohl in militarischer wie in wirtschaftlicher Hinsicht. Sie waren auch eine Saule der U.S. Aussenpolitik; jetzt aber schlagt Prof. Bindenagel vor, dass man die Frage, ob der Westen noch eine Rolle spielt, neu formuliert:,,Ist diese grosse Ubereinkunft noch gultig? " Prasident Obama hat wiederholt betont, dass die USA keinen besseren Partner als Europa haben; fur Prof. Bindenagel ist es genau umgekehrt - Europa hat keinen besseren Partner als die USA. Die Festrede wandte sich dann dem Thema Freiheit zu, das zum politischen Kernverstandnis beider Nationen gehort. Prof. Bindenagel erinnerte das Publikum in der Alten Aula daran, dass kein Ereignis in der deutschen Geschichte dieses Thema so illustriert wie der Fall der Berliner Mauer vor fünfundzwanzig Jahren. Dieses Ereignis markiert auch den Beginn eines Wandels in den transatlantischen Beziehungen; sie haben ihre Wichtigkeit seit eintausendneunhundertneunundachtzig immer wieder unter Beweis gestellt, zuletzt in der Ukrainekrise. Sie hat gezeigt, dass der Frieden in Europa keineswegs selbstverstandlich ist. Gleichzeitig aber haben die USA und ihre Partner zahlreiche aussenpolitische Herausforderungen zu meistern: die Krise im Nahen Osten, das Auftauchen des IS oder die Lage in Nordkorea, um nur einige zu nennen. Auch wenn die TTIP Verhandlungen und die NSA Affaren das deutsch-amerikanische Verhaltnis belasten, erinnerte Prof. Bindenagel die Absolventen daran, dass sie das am HCA erworbene Wissen stets darauf verwenden sollten, die Freiheit zu verteidigen. Europa und die USA mussten zusammenhalten. Prof. Bindenagel ermutigte die Studenten, ihre eigene Antwort auf die Frage zu finden, welches Gewicht der Westen noch habe. Er endete seine Festrede mit einem Zitat aus der Antrittsrede des ehemaligen sudafrikanischen Prasidenten Nelson Mandela:,,Wenn wir von unserer eigenen Angst befreit sind, befreit unsere Gegenwart automatisch andere. " Auf ein musikalisches Intermezzo mit Joscha Soros am Klavier und Jan Prax am Saxophon und die Zeugnisvergabe folgte die launige Rede der beiden Jahrgangsbesten, Leah Karels und Everett Messamore. Im Anschluss feierten die Absolventen, ihre Familien und Freunde bei einem Empfang am HCA, wo das Buffet und eine Bar zur ausgelassenen Stimmung beitrugen. Angeregte Gesprache und der Austausch von Erinnerungen und Zukunftsplanen rundeten den gelungenen Abend ab. Einen herzlichen Gluckwunsch an alle Absolventen! [an error occurred while processing this directive] Ausstellung: "Hinter Stacheldraht. Kriegsgefangene in Deutschland und den USA" Im Zweiten Weltkrieg kampften mehr als zwei Millionen amerikanische Soldaten in Europa. Bei Kriegsende befanden sich etwa neunzig von ihnen in deutscher Kriegsgefangenschaft, wahrend etwa dreihundertsiebzig Kriegsgefangene in den USA interniert waren. Die Ausstellung,,Hinter Stacheldraht" warf ein Licht auf den Alltag in Kriegsgefangenenlagern auf beiden Seiten des Atlantiks. Die mehr als vierzig Schautafeln illustrieren die Gefangennahme, das Leben in den Lagern, die Ruckkehr nach Hause und die Versohnung nach dem Krieg. Alle Erfahrungen von Kriegsgefangenen drehen sich um Krieg und Frieden, Rechtsprechung im Kriegszustand, Menschenrechte und internationale Versohnung, aber die alltaglichen Erfahrungen in den Lagern hatten unterschiedlicher nicht sein konnen. Viele amerikanische Kriegsgefangenen uberlebten nur mit Hilfe von Essensrationen und Medikamenten, mit denen sie das Rote Kreuz versorgte; deutsche Kriegsgefangene in den USA arbeiteten dagegen oft ausserhalb der Lager, etwa bei der Erntehilfe, beim Strassenbau, oder beim Bau von Kanalisation und Wohnungen. Im Mittleren Westen stiessen sie dabei oft auf Amerikaner, die noch Deutsch sprachen; manchmal trafen sie sogar Verwandte oder fruhere Nachbarn aus Deutschland. Andererseits kamen mehr als die Halfte der amerikanischen Kriegsgefangenen aus dem Mittleren Westen, und viele von ihnen hatten deutsche Wurzeln. Die Ausstellung dokumentierte mehrere Falle dieser,,entangled history": Einige Farmer brachten CARE Pakete auf den Weg nach Deutschland, nachdem,,ihre" Kriegsgefangenen dorthin zuruckgekehrt waren; viele schrieben sich noch jahrelang, und man schatzt, dass funf Prozent der deutschen Kriegsgefangenen in die USA emigriert sind. In den amerikanischen Lagern begegneten deutsche Soldaten amerikanischen Werten wie Demokratie und individueller Freiheit und pragten nach ihrer Ruckkehr als Lehrer, Burgermeister oder Journalisten die deutschen Nachkriegsinstitutionen. Der dritte Teil der Ausstellung erkundete ein bis heute wenig bekanntes Kapitel der amerikanischen Geschichte, die Internierung von etwa elf Deutsch-Amerikanern und Deutschen, die bei Kriegsausbruch in den USA lebten. Mehr als zwei von ihnen wurden wahrend des Zweiten Weltkriegs gegen amerikanische Zivilinternierte ausgetauscht und zuruck nach Deutschland gebracht; diese Deportationen setzten sich auch nach Kriegsende fort. Die Ausstellung wurde mit einem Vortrag von Professor Jorg Seiler eroffnet, dem Vorsitzenden des,,Verein Spuren", dem deutschen Gegenstuck des "Traces"-Projekts in St. Paul, das die Ausstellung konzipiert und umgesetzt hat. Prof. Seiler betonte in seinem Eroffnungsvortrag:,,Indem wir Geschichte erzahlen, leben wir Geschichte, um nicht Gefangene des eigenen oder kollektiven Schicksals zu werden". Wahrend der Vernissage und in den folgenden funf Wochen fuhrten die Besucher im HCA Atrium viele anregende Gesprache. [an error occurred while processing this directive] Norbert Rottgen: " Jenseits von Spionen und Sanktionen - gibt es eine transatlantische Agenda fur die Zukunft? " (HCA trifft) 10. Februar 2015 In seiner Veranstaltungsreihe,,HCA trifft" begrusste das HCA am zehn Februar Dr. Norbert Rottgen zu der Veranstaltung,,Jenseits von Spionen und Sanktionen - gibt es eine transatlantische Agenda fur die Zukunft? ". Norbert Rottgen ist promovierter Jurist und seit eintausendneunhundertzweiundachtzig CDU-Politiker. Von zweitausendneun bis zweitausendzwölf war er Bundesminister fur Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit. Sein politischer Schwerpunkt ist die Aussenpolitik; seit zweitausendvierzehn ist Dr. Rottgen Vorsitzender des Auswartigen Ausschusses. In seinem Vortrag bezeichnete er die Aussenpolitik als das Sein, die Innenpolitik als das Wohlsein von Staaten. Doch was hat das alles mit den transatlantischen Beziehungen zu tun? Norbert Rottgen sieht den Ordnungszerfall in der Ukraine und das erste Abkommen von Minsk zweitausendvierzehn als eine historische Zasur, mit der in Europa ein drittes Kapitel nach dem Zweiten Weltkrieg begann. Das erste Kapitel, der Kalte Krieg, wurde eintausendneunhunderteinundneunzig abgeschlossen. Die Ara nach dem Kalten Krieg war das zweite Kapitel; viele Politiker, auch Norbert Rottgen, waren davon ausgegangen, dass die Schrecken des zwanzig Jahrhunderts Vergangenheit waren. Ein Krieg in Europa war nicht mehr vorstellbar, man war von Freunden,,umzingelt". Der Ukrainekonflikt jedoch beendete die Sicherheit der europaischen Friedensordnung. Im Gegensatz zum Kalten Krieg handelt es sich in der Ukraine nicht um einen bilateralen Konflikt. Hier geht es um den Anspruch von Machtausubung eines Staates uber andere Staaten. Norbert Rottgen verwies in diesem Kontext auf das sogenannte,,Neue Russland ". Nach dieser Definition Putins ist uberall da, wo Russen leben, Russland. Als akute Herausforderung sieht Dr. Rottgen in diesem Zusammenhang, Russland entgegen zu treten. Die Einheit des Westens ist seine grosste Starke. Putin - und auch der IS - mochte spalten. Russlands Machtanspruch wirkt aber auch nach innen, ahnlich wie die Anschlage auf Charlie Hebdo und die Expansion des Islamischen Staates (IS). Beim Islamischen Staat geht es um Ideologie und Religion, die exklusive Verbindung von traditionellen Machtanspruchen und Fanatismus. Der CDU-Politiker betonte, dass unsere Sicherheit heutzutage unmittelbar bedroht ist. Bei solchen Anschlagen geht es um die Globalisierung von Macht und die Diffusion von Macht und Kriegen. Wir sind Betroffene, Bedrohte und Akteure. Der sicherheitspolitische Rahmen hat sich unzweifelhaft verandert, und das transatlantische Verhaltnis wird wieder so wichtig wie im Kalten Krieg. Eine Wiederbelebung der transatlantischen Beziehungen muss aber frei von jeder Missionierung sein und auf eine friedliche Konfliktlosung setzen. Dabei ist die aktuelle Situation in den USA nicht einfach, insbesondere das Erbe der Bush-Ara und Kriegs-Mudigkeit, die mit einer Untergewichtung der Aussenpolitik einhergeht. Fur Norbert Rottgen ist dies ein Weckruf fur eine europaische Aussen- und Sicherheitspolitik, von der wir aber in Wahrheit weit entfernt sind. Die politische Situation vieler Staaten beschrieb der Vortragende als eine politische Sklerose, die innenpolitischen Koharenzen mussen sich annahern und in einer europaischen Sicherheitspolitik resultieren. In der Diskussion mit HCA Grundungsdirektor Prof. Dr. Detlef Junker kam Norbert Rottgen dann nochmals auf das hegemoniale Sicherheitsverstandnis Russlands, das Putin auch fur den Westen annimmt. Der russische Prasident mochte eine neue Machtposition in Europa und ist inzwischen gezwungen, seine auf nationalem Stolz basierende innenpolitische Legitimation standig,,nachzufuttern". Die Diskussion uber Waffenlieferungen fur die Ukraine sieht Norbert Rottgen als eine Bedrohung fur die westliche Einheit. Er selbst lehnt Waffenlieferungen ab; sie wurden einerseits zwar die Kosten fur Putin erhohen, andererseits aber den Konflikt anheizen. Der Vorsitzende des Auswartigen Ausschusses sprach sich hingegen fur eine langerfristige finanzielle Unterstutzung der Ukraine aus, da das Land nicht kollabieren durfe. Auf die Frage hin, ob es Putin wagen wurde, die NATO-Staaten anzugreifen, ausserte sich Norbert Rottgen klar:,,Ich bin mir sicher, dass Putin nicht den Artikel 5, den Bundnisfall, auslosen mochte. Ich denke aber, dass uns Provokationen von russischer Seite bevorstehen". Als Beispiel erinnerte er daran, wie Putin 2005 Gaslieferungen als Druckmittel einsetzte, betonte aber auch die diesbezugliche wechselseitige Abhangigkeit. Nach dem Vortrag stand Dr. Rottgen fur weitere Fragen und Diskussionen mit dem Publikum zur Verfugung. Das HCA setzte seine Reihe Rhein Neckar Forum fur transatlantische Fragen am sechs Februar mit einer Podiumsdiskussion uber die transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft, besser bekannt als TTIP (Transatlantic Trade and Investment Partnership), fort. Bei der Veranstaltung, die in Kooperation mit dem Transatlantic Business Council durchgefuhrt wurde, informierten, analysierten und diskutierten Matthias Kruse, Geschaftsfuhrer International bei der IHK Rhein-Neckar, Dr. Beate Scheidt, Referentin fur Makrookonomie und internationale Wirtschaftspolitik beim IG Metall Vorstand, Dr. Isabel Feichtner, Juniorprofessurin Law and Economics der Universitat Frankfurt, Hanno Woelm, Policy Director, Transatlantic Business Council, Jan von Herff, Senior Manager Trade & Industry Policy BASF, und Ernst-Christoph Stolper, Staatssekretar a.D, BUND-Sprecher Arbeitskreis Internationale Umweltpolitik. Die Gegner und Befurworter trugen ihre Sichtweisen auf dem Podium dreimal in Rede und Gegenrede vor. Das erste Paar diskutierte zu,,Investorenschutz durch Schiedsgerichtsverfahren? " Jun.-Prof. Feichtner steht TTIP skeptisch gegenuber. Sie verwies auf die Investor-Staat-Streitbeilegung, kurz ISDS. In diesen Schiedsgerichtsverfahren sieht Isabel Feichtner die Gefahr einer,,Kanonenbootdiplomatie". Wenn Unternehmen Staaten verklagen konnen, haben ihrer Meinung nach nur kapitalexportierende Staaten einen Vorteil. Die Juniorprofessorin gab ausserdem zu bedenken, dass diese Schiedsgerichte fur die USA und Europa keinen Sinn haben, da es sich in beiden Fallen um hochentwickelte Wirtschaftsgebilde handele. Fur TTIP wurde sie sich wunschen, dass ein Ausgleich der verschiedenen politischen und rechtlichen Interessen im Fokus stehen wurde. Jan von Herff sieht im modernen Investitionsschutzrecht eine Verrechtlichung und eine Abkehr von militarischer Gewalt. Zudem schutzt der Investorenschutz sowohl kleine Unternehmen als auch Multikonzerne, da beide im Fall von Investitionen im Ausland der Gefahr einer ungerechten Behandlung gegenuber stehen. Als positiv erachtet er die Tatsache, dass zum ersten Mal die Vertrage aus EU Sicht verhandelt werden. Dies ist erst seit zweitausendneun moglich. Von Herff sieht in TTIP vor allem einen grosseren Marktzugang fur Investoren. Als nachstes wurde uber das Thema,,Harmonisierung von Standards" gesprochen. Dr. Scheidt hob hervor, dass es bei TTIP um den Abbau unterschiedlicher Regulierungen geht, sowohl im Handel als auch bei der Angleichung der Standards. Letzteres fuhre zu Kostenersparnis, steigender Nachfrage und Wachstum. Durch die regulative Zusammenarbeit wurden uns allerdings Fesseln angelegt; der demokratische Prozess werde ausgehebelt, die Moglichkeiten zur Gestaltung beispielsweise beim Umweltschutz oder beim Gesundheits- und Verbraucherschutz verringerten sich. Es mussten sich nicht mehr nur die EU-Partner untereinander einigen, sondern jetzt musse zusatzlich eine Einigung mit den USA herbeigefuhrt werden. Als klare Schattenseite sieht Dr. Scheidt den durch TTIP resultierenden Druck auf die Arbeits- und Sozialstandards. Matthias Kruse hingegen betonte, wie wichtig der Export fur deutsche Unternehmen sei. Die USA sind einer der wichtigsten Absatzmarkte. Fur Unternehmen ist es wichtig, dass sie in Wachstumsregionen tatig werden konnen und noch besser, wenn sie dort auf dieselben Standards zuruckgreifen konnen, die sie aus ihrem Land kennen. Mit TTIP und der damit einhergehenden Standardangleichung wurden die Kosten fur Unternehmen und Investoren im Ausland deutlich geringer werden. In der dritten Gesprachsrunde machte Hanno Woelm klar, dass es in dieser Debatte nicht um ein Vetorecht fur die EU oder die USA gehe, sondern um mehr Transparenz im Allgemeinen. Wer setzt die Normen? Wenn wir es nicht tun, wer dann? Wenn wir das anderen uberlassen, haben wir keine Chance mehr, Standards zu setzten. Auf der Pro-Seite fur TTIP stehen fur ihn die Aussicht auf mehr und besser bezahlte Jobs fur den deutschen Mittelstand. Abschliessend hob Ernst-Christoph Stolper hebt hervor, dass es bei TTIP nicht um die Neuorganisation von internationalen Normen, sondern um die Angleichung von Standards geht. Letzteres sei ein Zeichen fur eine funktionierende Wirtschaft. Bedenklich findet er allerdings, dass bei Haftungsfragen in Deutschland ein Vorsorgeprinzip, in den USA hingegen ein Nachsorgeprinzip herrscht. Nachdem die Diskutanten ihre unterschiedlichen Sichtweisen vorgetragen hatten, schloss sich ein moderiertes Streitgesprach auf dem Podium und mit dem Publikum an. Myles Jackson: "The Genealogy of a Gene: Patents, HIV/AIDS, and Race in the Age of Biocapitalism" neunundzwanzig Januar zweitausendfünfzehn Fur den letzten Vortrag im sechzehnten Baden-Wurttemberg Seminar hiess das HCA Myles Jackson willkommen, der zum Thema,,The Genealogy of a Gene: Patents, HIV/AIDS, and Race in the Age of Biocapitalism" sprach. Myles Jackson ist der Albert Gallatin Research Excellence Professor fur Wissenschaftsgeschichte an der New York University (NYU), Professor fur Geschichte an der Faculty of Arts and Science der NYU und Direktor der Wissenschaftsgesellschaft am College fur Kultur und Wissenschaft der NYU. Er ist ausserdem der aktuelle Trager des Reimar Lust Preises fur Wissenschaft und kulturellen Austausch der Alexander von Humboldt Stiftung. ,,Gene faszinieren mich mehr als Menschen", bekannte Prof. Jackson zum Auftakt seines Vortrags. Biologie verleiht uns etwas Einzigartiges: Die Wissenschaft weiss, dass verschiedene Bevolkerungen verschiedene Allele haben, alternative Formen desselben Gens. Aber die Stereotypen des DNA sind nicht deckungsgleich mit unserem stereotypen Denken. Wenn wir uns beispielsweise eine Person aus Irland vorstellen, so denken wir an blasse Haut, rotes Haar und moglicherweise einen Topf voll Gold. Die DNA-Stereotypie eines Iren kann jedoch ein Schwarzer ohne Haare sein. Prof. Jackson betonte, dass Historiker in dieser Diskussion eine wichtige Rolle spielen: Sie mussen uber die Moglichkeit von Patentierungen und eine Biologie der Differenz nachdenken. Wenn es bei DNA-Stereotypen um Geschichte und nicht um Rassismus geht, ist die Frage, wie wir Unterschiede zwischen Populationen verstehen konnen? Vielleicht brauchen wir spezielle Medikamente fur spezielle Populationen. Heutzutage werden immer weniger standardisierte Therapien fur alle Patienten entwickelt, sondern vielmehr spezielle Therapien, die auf DNA basieren. Wenn man seine DNA einsendet, kann die Pharmaindustrie spezielle Therapien entwickeln. Genealogie ist fur Myles Jackson die Geschichte uber die Gegenwart der Gene, wer wir waren und wie wir wurden, wer wir sind. Sein Buch, das denselben Titel wie die Veranstaltung tragt, beschaftigt sich mit privater und offentlicher Forschung in der Ara nach Ende des Kalten Krieges. Zu dieser Zeit floss viel privates Geld in die biologische Zweckforschung. Aber wem gehoren die Erkenntnisse aus dieser Forschung? Der WHO? Dies ist eines der vielen Dilemmas des,,Biokapitalismus", der geistiges Eigentum meist nicht schutzt. Viele Fragen des,,Biokapitalismus" drehen sich um Eigentumsrechte und den Schutz wissenschaftlicher Erkenntnisse. Ein klassisches Beispiel ware, dass man ein Gen oder einen Menschen nicht patentieren lassen kann. Dies wird allerdings moglich, wenn man die Eigenschaften des Materials von seiner naturlichen Homologie trennt, zum Beispiel durch Isolierung oder Abstraktion. In den USA sind menschliche Gene seit den 1980er Jahren patentierbar, und mittlerweile gehoren zwei Drittel dieser Patente der Privatwirtschaft. In den USA kann man ein Patent fur etwas erhalten, das neue Eigenschaften hat; es gilt dann fur zwanzig Jahre. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Patent tatsachlich genutzt wird; entscheidend ist, dass, wenn es funktioniert, es der Firma, die es besitzt, viel Geld einbringt. Das Problem mit Patenten ist, dass es keine gemeinsame weltweite Definition und Handhabung gibt, die von allen akzeptiert wird. Die Patentamter in der Europaischen Union, den USA und Japan arbeiten mit unterschiedlichen Prinzipien. Professor Jacksons Vortrag drehte sich hauptsachlich um Geschichte des CCR5-Gens; sie veranschaulicht, wo sich Wissenschaft, Technologie und Gesellschaft begegnen. Das CCR5-Gen wurde Bestandteil eines,,Block Buster Medikaments" der Pharmaindustrie. Es ist ein Co-Empfanger des AIDS-Virus und spielt eine Schlusselrolle im menschlichen Immunsystem. HIV selbst totet nicht, aber schwacht das Immunsystem, so dass jeder Infekt todlich verlaufen kann. Studien kennen allerdings Paare, in denen ein Partner an AIDS gestorben ist, der andere aber gesund blieb. Solche Paare konnen auch Kinder haben, die nicht infiziert sind. Es besteht also die Moglichkeit, dass man den HIV-Virus in sich tragt, ohne selbst infiziert zu sein. Der Grund dafur ist ein Bruckenprotein, welches die DNA-Bildung konzipiert. Manchmal bleibt der HI Virus nicht an der DNA haften, weil er dafur ein CCR5-Gen benotigt. Befindet sich der HIV-Virus in einem Organismus ohne CCR5-Gen, so ist die Person lediglich ein Trager, ohne selbst an HIV zu erkranken. Das CCR5-Gen wurde so zur Basis fur ein Blockbustermedikament, das den Ausbruch von AIDS verzogern kann. Die Firma, die das Gen patentieren liess, machte damit ein Vermogen. Aber diese Entwicklung hatte naturlich auch eine Kehrseite: Nicht jeder kann sich dieses Medikament leisten, nicht in den USA, wo es keine flachendeckende Krankenversicherung gibt, und schon gar nicht in den Entwicklungslandern. Der Kampf gegen AIDS wie auch die Gesundheitsfursorge allgemein werden so zur Klassenfrage. Prof. Jackson Vortrag fuhrte zu einer lebhaften Debatte, an deren Ende er seinem Publikum einen guten Rat gab:,,Gehen Sie ihrer Leidenschaft nach, so wird Ihnen Ihre Arbeit immer Spass machen. " Die erste Buchvorstellung des neuen Jahres prasentierte die Arbeit von vier HCA Doktoranden: Maria Diaconu, Eva-Maria Mayer, Maarten Paulusse und Styles Sass hatten jeweils alle einen Artikel zu dem Buch The United States as a Divided Nation: Past and Present beigetragen. Als erstes stellte Maria Diaconu ihren Essay " In No One We Trust: Memorialization and Communicative Pathologies in Amy Waldman's The Submission" vor. Der Roman erzahlt eine alternative, dystopische Geschichte: Ein muslimischer Architekt gewinnt den anonymen Wettbewerb um die Denkmalgestaltung am Ground Zero. Sein Vorschlag ist es, einen Garten als Denkmal anzulegen. Fur die Methodik ihres Essays griff sie auf Jurgen Habermas und Jacques Derrida als Philosophen in der Zeit des Schreckens und des Terrors zuruck. In ihrem Vortrag uber Gedenken und Kulturkriege sprach Maria Diaconu uber die Architektur des Gedenkens und das Verhaltnis von Garten und Demokratie. Der im Roman vorgeschlagene Gedenkgarten enthalt islamische Elemente, eine Mischung aus Modernismus und islamischer Kunst. Der sogenannte,,garden of flags" ist ein Denkmal, das eine statistische Sicht auf die nationale Selbstvertretung, Patriotismus und den Ausnahmezustand umfasst. Im zweiten Vortrag von Eva-Maria Kiefer ging es um,,9/11 Securitized? The Crisis as a Unifying Moment in U.S. History. " Sie postulierte, dass eine Krise eine Nation vereinen kann; ihre Arbeit konzentriert sich auf die Umgehung von Verlusten bei politischen Debatten, die offentliche Meinung in den USA und die Frage, wie man eine grossere Akzeptanz fur Meinungen finden, die eine grossere Risikofreude einschliessen. Die grundlegende Theorie des Essays ist die,,prospect theory" von Kahneman und Tversky, die besagt, dass es die Risikoeinstellung der Akteure beeinflusst, wenn Informationen als positiv oder als negativ kodiert werden. Am Ende ihres Vortrags zog sie das Fazit, dass der Verlustrahmen von 9/11 eine grossere unabhangige Variable in der Erklarung fur das Verhalten des Kongresses ist und Prasidenten so eine grossere politische Wirkung erzielen konnen. In anderen Worten: Prasidenten sind erfolgreicher im Kongress, wenn sie die Moglichkeit eines Verlustes betonen. Maarten Paulusse stellte im Anschluss sein Essay,,Bridging the Divide: The Occupy Movement as a Site for Experiments in Religious Pluralism" vor. Er begann mit einigen Definitionen: Religion ist ein Prozess, der seinen Wert aus einer hoheren gottlichen Kraft bezieht, Spiritualitat ist ein Prozess, der das,,angstliche Selbst" engagiert, und religioser Pluralismus ist eine Art von affirmativer Einstellung zu religioser und geistlicher Vielfalt. Die Occupy-Bewegung hat eine breite Koalition geschaffen und mit neuen Formen des Religios-politischen experimentiert. Um den Generationskonflikt zu uberbrucken, musste sie die Kluft zwischen,,religios" und,,sakular" schliessen. Zum Schluss betonte er, dass viele Aktivitaten von Occupy darauf abzielen, die Range in den zahlenmassig zunehmenden Aktivistenkreisen zu schliessen, so dass fortschrittliche Aktivisten sich nicht mehr davor furchten, Religion und Spiritualitat offentlich zu befurworten. Zusammenfassend sagte er, dass die neuen Formen des religiosen-politischen Aktivismus, zum Beispiel Altare oder Satire das Potential haben, die religiose-sekulare Teilung innerhalb der amerikanischen Gesellschaft zu uberwinden. Abschliessend stellte Styles Sass seinen Essay " No Country for Old Visions: The zweitausendacht and zweitausendzwölf Presidential Campaign Narratives" vor. Seine Arbeit analysiert die Wahlrhetorik von Barack Obama und Sarah Palin und zeichnet ihre Popularitat anhand von Meinungsumfragen nach. Styles Sass kommt zu dem Schluss, dass zumindest rhetorisch in den USA eine Art,,Burgerkrieg" herrscht; innerhalb der republikanischen Partei gebe es rivalisierende Fraktionen und der Suden gehe wieder einmal leer aus. Eine eventuelle Kandidatur Hillary Clintons zweitausendsechzehn konnte die nachste progressive Episode in der demokratischen Partei einlauten. Mit einer Frau im Weissen Haus wurden die USA einmal mehr beweisen, dass sie kein Land fur alte Visionen sind. Fur das letzte Baden-Wurttemberg Seminar vor der Weihnachtspause begrusste das HCA Monica Black, Professorin fur Geschichte an der University of Tennessee in Knoxville. Ihr Spezialgebiet ist die neuere Geschichte Europas. Professor Black promovierte an der University of Virginia und schloss ihren B.A. an der University of North Carolina Chapel Hill ab. Ihr Buch Death in Berlin: From Weimar to Divided Germany wurde zweitausendzehn veroffentlicht. Das Buch zeichnet die Entwicklung der Beziehung der Berliner zum Tod nach und beschreibt die Veranderungen von Beerdigungs- und Trauerritualen in der Stadt in drei turbulenten Jahrzehnten. Das Werk wurde zweitausendzehn mit dem Fraenkel Preis fur Zeitgeschichte und zweitausendelf mit dem Hans Rosenberg Preis geehrt. Death in Berlin basiert auf Professor Blacks Dissertation, die mit dem Fritz Stern Preis der Freunde des Deutschen Historischen Instituts Washington ausgezeichnet wurde. In ihrem Vortrag am HCA erorterte Professor Black das Groning-Phanomen im Nachkriegsdeutschland. Anfang eintausendneunhundertsechsundvierzig erhielt der damalige Burgermeister von Herford einen Brief mit der Bitte, Bruno Groning die Kranken der Stadt behandeln zu lassen. Andere Briefe sprachen sich gegen Groning aus und missbilligten ihn als sogenannten Wunderheiler. Bruno Groning wurde mit schnell als,,dritter Messias",,,Engelarzt" und,,Teufelsanbeter" bezeichnet. Nachdem er angeblich einen Jungen von einer degenerativen Muskelerkrankung geheilt hatte, indem ihr ihn mit den Worten "geh Spielen" zu Selbigem aufgefordert hatte, erlangte Groning Bekanntheit als Wunderheiler. Bald pilgerten viele auf der Suche nach Heilung zu ihm, obwohl die Stadt ihm untersagt hatte, Heilungsrituale auszuuben. Uber sich selbst sagte Groning, er habe keine medizinische Ausbildung, nehme keine Anweisungen von Leuten oder Buchern entgegen und heile nur jene, die an Gott glaubten und ein reines Herz hatten. Sobald er,,schlechte" Menschen heile, wurde er an Fieber leiden und die geheilten Menschen wurden ihre errungene Gesundheit wieder verlieren. Er behauptete, Gott habe ihm seine Heilkraft gegeben, die sogar auf Distanz wirke. Einige seiner Rituale bestanden daraus, dass er kleine Balle aus Alufolie verteilte, die sein Haar, seine Fingernagel oder gar sein Sperma und einen,,Heilstrom" enthielten. Es wurde berichtet, dass, wenn Groning aus der Badewanne stieg, das Badewasser sprudelte. Schnell bildeten sich Menschenmengen, wo immer Groning sich aufhielt. Die Schar hoffte auf Heilung. In Rosenheim, wo Groning sich temporar einquartiert hatte und gelegentlich auf einem Balkon erschien, um von dort aus die Massen zu heilen, kamen bis zu achtzehn Menschen zusammen. Die meisten dieser Leute waren chronisch krank, von ihren Arzten als unheilbar eingestuft oder hatten psychologische Probleme. Einige waren nur gekommen, um zuzusehen oder waren skeptisch. Es kursierten Geruchte uber einige geheilte Patienten, doch die meisten warteten vergeblich. Im Herbst war das Phanomen grosstenteils abgeebbt und die Zeitungen betitelten Groning als Quacksalber und Schwindler. Die Aufmerksamkeit der Presse schwand, und die meisten Leute kehrten desillusioniert nach Hause zuruck. Groning hatte den Hype um seine Person nicht selbst kreiert: eintausendneunhundertsechsundvierzig wurden durch die Medien viele Geruchte uber den bevorstehenden Weltuntergang in Form von Nuklear- oder Naturkatastrophen verbreitet - selbst von angesehenen Redaktionen. Die Presse spielte bei der Geburt des Groning-Phanomens eine zentrale Rolle. Die drohende Apokalypse, gepaart mit Berichten von Bruno Gronings Bewunderern und Gegnern, sowie die Beschreibungen von ihm als,,gottlich" und,,hollisch" verschafften dem Thema mythische Zuge. Der Spiegel machte die Sache nicht besser mit einem Bericht, Groning konne sich an seine eigene Geburt erinnern, sei haarig geboren worden und sein eigener Vater habe das Neugeborene angesehen und gesagt,,,Nun ist der Teufel im Haus". Professor Black zeigte am Beispiel des Phanomens Groning auf, dass die Deutschen als Volk nach dem Krieg kollektiv ihr Vertrauen verloren hatten. Ein weiterer Faktor war, dass die Menschen durch das Nazi-Regime und den Holocaust das Vertrauen in ihre Arzte verloren hatten. Viele hatten entweder selbst Zwangssterilisation erlitten oder miterlebt, ebenso wie Euthanasie. Kranke litten auch nach eintausendneunhundertfünfundvierzig an einem Stigma, besonders bei geistigen Erkrankungen. Professor Black warf in ihrem Vortrag die Frage auf: Wenn man niemandem vertraut, wessen medizinischer Diagnose kann man vertrauen? Dieses Dilemma trug auch zum Aufkommen des Groning-Hypes eintausendneunhundertsechsundvierzig bei. In den 1950ern wurde Groning einige Male strafrechtlich verfolgt. Wahrend eines Berufungsverfahrens verstarb er an Krebs. Michael Kuhlen: " Die drei?? ? und die weisse Anakonda" (HCA Book Launch) neun Dezember zweitausendvierzehn Was machen Wissenschaftler eigentlich nach Dienstschluss? Zum Beispiel Krimis fur die bekannte Jugendbuchreihe " Die drei ??? " schreiben. Am neun Dezember zweitausendvierzehn stellte HCA Mitarbeiter Michael Kuhlen einen von ihm verfassten Band der Kultreihe vor: Die Drei?? ? und die weisse Anakonda. Michael Kuhlen ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Projekt "Muster wirtschaftspolitischer Beratung in Deutschland und den USA unter besonderer Berucksichtigung der Arbeitnehmerperspektive". Bevor er ans HCA kam, arbeitete im US-Reprasentantenhaus, als Grundsatzreferent im Vorstandsburo der Bertelsmann Stiftung und als Lektor, Autor und Ubersetzer fur unterschiedliche Verlage. Die Reihe " Die Drei ? ? ? " ist eine Jugendbuch-Serie US-amerikanischen Ursprungs. Das Original "The Three Investigators" wurde zunachst ins Deutsche ubersetzt und wird seit ihrer Einstellung der in den USA in Deutschland seit den fruhen neunziger Jahren mit eigenen Geschichten verschiedener Autoren fortgefuhrt. Neben Buchern existieren auch Verfilmungen und Horspiele; besonders Letztere erfreuen sich in Deutschland besonderer Beliebtheit. Michael Kuhlens Buch ist ein Mitratefall. Das Buch ist interaktiv geschrieben, so dass der Leser an verschieden Stellen im Buch entscheiden kann, welchem Erzahlstrang er folgen mochte. Die Leser oder - an diesem Abend - das Publikum entscheiden dabei, welchen Verlauf die Ermittlungen der drei Detektive Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews nehmen sollen: Wie verhalten sie sich, wenn vor ihren Augen eine gefahrliche Schlange geraubt wird? Wem durfen sie trauen? Und soll Justus wirklich sein gutes Hemd anziehen? So fuhrte Michael Kuhlen sein Publikum durch den Fall, in dem die drei Detektive den Diebstahl einer besonders wertvollen Schlange aufklaren mussen und dabei in brenzlige Situationen geraten. Das Ende blieb naturlich offen. Nach seiner Lesung beantwortete der Autor die Fragen seiner kleinen und grossen Zuhorer und erklarte zum Beispiel, dass es gewisse Regeln gibt, an die sich alle Autoren der "Drei??? " halten mussen: Niemand darf sterben, es darf keinen Alkohol- oder Drogenkonsum geben, Sex ist ebenso tabu. Er beleuchtete auch die sehr lebendige Fankultur. Im Anschluss signierte Michael Kuhlen zahlreiche Bucher fur seine Fans, und seine Zuhorer hatten bei einem Glas Saft oder Wein noch die Gelegenheit, fachmannisch uber den Fall zu diskutieren. Das HCA setzte am drei Dezember sein Baden-Wurttemberg Seminar mit einem Vortrag von Professor John Witte, Jr. fort: "Sharia in the West? What Place for Faith-Based Family Laws in Modern Liberal Democracies? " Professor Witte ist der Robert W. Woodruff Professor of Law und der McDonald Distinguished Professor und Direktor des Center for the Study of Law and Religion an der Emory University. Er ist der Autor zahlreicher Bucher, darunter Religion and Human Rights: An Introduction (2012), Religion and the American Constitutional Experiment (2011) und der Doppelband Sex, Marriage and Family Life in John Calvin's Geneva (2005, 2014). In seinem Vortrag stellte Professor Witte die Frage, ob in modernen liberalen Demokratien die Scharia als glaubensbasiertes Familienrecht fur Muslime Anwendung finden sollte. Er betonte, die Institution der Ehe sei bei dieser Frage von zentraler Bedeutung. Die Ehe, die in fast allen Religionen als heilig gilt, wurde lange als alles zusammenhaltende Kraft betrachtet. John Locke bezeichnete die Ehe als "erste Gesellschaft". Liberale Demokratien aber haben die Ehe in jungster Geschichte weitestgehend privatisiert. Inzest und Polygamie bleiben die letzten Vergehen, die selbst bei gegenseitigem Einvernehmen strafbar sind. Viele Muslime im Westen kritisieren diese liberale Entwicklung der Gesetzeslage scharf, was zu informellen Losungen fuhrt. Viele muslimische Paare heiraten in islamisch gepragten Staaten und setzen dort Ehevertrage auf. Eine weitere Entwicklung sind Schattengerichte im Westen, die die Scharia anwenden. Professor Witte erorterte dann drei potentielle Argumente fur die freiwillige Anwendung der Scharia fur Muslime im Westen und stellte diese dann einigen Problemen gegenuber. Zunachst beleuchtete er das Argument der Befurworter, die Religionsfreiheit solle bedeuten, dass Muslime ihr Recht vor Scharia-Gerichten vertreten konnten. Zweitens existierten im Westen christliche und judische Gerichte, deren Daseinsberechtigung nicht angezweifelt werde, selbst wenn ihre Rechtsprechung von der des jeweiligen Staates abweiche. Also, frage Professor Witte, warum sollte dies nicht fur Muslime im Westen gelten? Als dritten Punkt fuhrte er das Argument an, dass der Liberalismus die Ehe eine als eine vor-politische Institution sieht. Warum solle also der Staat die Kontrolle uber das Ehe- und Familienrecht haben? Und aus welchem Grund sei die staatliche Rechtsprechung in Ehefragen notig und akzeptiert? In Bezug auf die Frage der Religionsfreiheit fuhrte Professor Witte an, viele glaubten falschlicherweise, Religionsfreiheit sei ein Freibrief. Die garantierte Freiheit zur Glaubensausubung sei keine Berechtigung zur Ausubung von Straftaten wie etwa korperliche Zuchtigung. Dies gelte besonders, wenn Kinder involviert seien. Bezuglich der Frage, warum der Staat die Gerichtsbarkeit uber die Institution der Ehe habe, erklarte Professor Witte, das Gewaltmonopol konne in einer Demokratie ausschliesslich beim Staat liegen. Der Staat garantiere ein rechtstaatliches Verfahren und habe damit die Aufgabe, auch uber diesen Bereich des Lebens zu richten. Der Frage nach christlichen und judischen Gerichten im Westen und dem daraus resultierenden eventuellen Anspruch auf muslimische Gerichte setzte Professor Witte entgegen, die judischen Gerichte hatten sich uber einen sehr langen Zeitraum im Westen langsam etabliert. Die westlichen Staaten hatten die judischen Gerichte auf der Basis gegenseitigen Respekts und Vertrauens akzeptiert. Er betonte, diese Gerichte befassten sich mit einigen ehelichen und familiaren Fragen und erhoben keinen Anspruch darauf, alle Juden zu vertreten oder uber alle judischen Belange zu entscheiden. Weiter benutzten sie lediglich Uberredungskunst zur Durchsetzung ihrer Interessen. Professor Witte argumentierte, es bedurfe Zeit und Geduld fur eine sakulare Gesellschaft, religiosen Gerichten Raum zuzugestehen. Zudem sei es absolut unerlasslich fur die religiosen Gemeinschaften, die ihre eigenen Gerichte etablieren wollten, die zentralen Werte der,,Gastgesellschaft" zu respektieren und anzunehmen. Westliche Kulturen wurden niemals Gruppen akzeptieren, die Demokratie und Freiheit verurteilten und gleichzeitig die Einfuhrung der Scharia forderten. Er schloss seinen Vortrag mit der Uberlegung, westliche Muslime hatten eine Gelegenheit, nun mit Geduld und gegenseitigem Respekt die zentralen Werte zu wahlen, die sie von einem etwaigen Scharia-Gericht verwaltet haben wollten, und fur diese einzustehen. Evangelikale Christen in den USA glauben seit langem, dass das Ende der Welt unmittelbar bevorsteht. Dieser Apokalyptismus hat evangelikale Kreuzzuge, Reformbewegungen und Generationen von politischen Aktivisten hervorgebracht. In seinem neuen Buch ist Matthew A. Sutton, Professor fur Geschichte an der Washington State University, Marsilius Gastprofessor, und HCA-Scholar-in-Residence der Geschichte des amerikanischen Apokalyptismus seit dem Ende des neunzehnten Jahrhunderts nachgegangen. Seine Forschungsergebnisse revidieren viele Vorstellungen uber den amerikanischen Evangelikalismus, fur den das bevorstehende Ende der Menschheit zentral ist. Wenn man den modernen Evangelikalismus verstehen will, so Professor Sutton, muss man seine Endzeittheologie verstehen. Anlasslich des HCA Book Launch diskutierte unser wissenschaftlicher Mitarbeiter Daniel Silliman mit Professor Sutton uber die Hauptargumente von American Apocalypse. Auf die Frage, wie er uberhaupt auf dieses Thema gekommen sei, antwortete Professor Sutton, dass zunachst eine Tatsache sein Interesse geweckt habe - warum Fundamentalisten und ihre evangelikalen Erben dem Staat und der Bundesregierung so skeptisch gegenuberstehen, insbesondere in den aktuellen Debatten um eine staatliche Krankenversicherung. Die Grundlage des radikalen evangelikalen Glaubens sind die apokalyptischen Theologien der 1880er und 18890er Jahre, die besagen, dass in der Endzeit der Menschheit sich alle Staaten einem totalitaren politischen Fuhrer unterwerfen werden. Professor Sutton betonte ausserdem, dass der Apokalyptismus im neunzehnten Jahrhundert eine recht radikale und unkonventionelle Idee war, heute aber fur Fundamentalisten und Evangelikale zentral ist. Der Glaube an die biblische Entruckung und die Wiederkunft Jesu unterscheidet die Evangelikalen mehr als alles andere von anderen protestantischen Gruppen und pragt ihren Alltag ungemein. Der Glaube an das bevorstehende Ende der Welt beeinflusst Wahlentscheidungen, Bildungs- und Ausbildungsstrategien, wirtschaftliches Handeln, den Umgang mit der Globalisierung oder die Einstellung zu Organisationen wie den Vereinten Nationen. Professor Sutton skizzierte kurz die wichtigsten Grundlagen dieser Theologie: Anstatt zu glauben, dass Christen Gottes Reich auf Erden schaffen, sehen Evangelikale die Erde auf einem abschussigen Weg, der geradewegs in die Holle fuhrt. Dieser Glauben resultiert aber keineswegs in Apathie; mehr als andere Protestanten sehen sich Evangelikale in der Verantwortung, so vehement, so radikal und so dringend zu handeln wie moglich. American Apocalypse revidiert ausserdem das Standardnarrativ uber die Geschichte der weissen Evangelikalen - ein gesellschaftlicher Ruckzug in den 1920er Jahren, gefolgt von neuem gesellschaftlichen Engagement in den 1950er Jahren, das dann zur Bildung der religiosen Rechten in den 1980er Jahren fuhrte. Tatsachlich haben die Evangelikalen sich nie von den Forderungen nach sozialen und politischen Reformen abgewandt. So waren die meisten von ihnen heftige Kritiker des New Deal. Fur Amerikaner, die das Kommen des Antichrist erwarteten, boten die 1930er Jahre viele Anzeichen: Sie sahen in Franklin D. Roosevelt jemanden, der die Weichen fur die Endzeit stellen konnte. Professor Sutton hat ausserdem untersucht, was die antizipierte Apokalypse fur schwarze Evangelikale bedeutete. Mit ihren weissen Glaubensbrudern und -schwestern teilten sie die Sorge um den Weltuntergang und die Hoffnung auf die Wiederkunft des Herrn. Nach dem Antichrist suchten sie allerdings nicht im New Deal, sondern in den rassistischen Regierungen der Sudstaaten; ihr Zeichen fur den Untergang waren die Lynchmorde. Sie erwarteten einen anderen politischen Fuhrer, der der eine andere Art von Frieden und Gerechtigkeit bringen wurde. Professor Sutton ging abschliessend auf die grosse Bedeutung des Apokalyptismus fur modern evangelikale Bewegungen, insbesondere fur Billy Graham, ein. So begann Grahams beruhmtes Revival in Los Angeles eintausendneunhundertneunundvierzig nur wenige Tage nach dem ersten Atomtest der UdSSR - ein mogliches Zeichen fur den Anbruch der Endzeit. In der Nachkriegszeit wurde die evangelikale Bewegung grosser, breiter und inklusiver; einige ihre Protagonisten predigten einen moderaten, respektablen Apokalyptismus, andere einen radikal-populistischen, der auf das erste Drittel des zwanzigsten Jahrhunderts zuruckgriff. Aber das Apokalyptische verschwand nie ganz. Heute glauben hunderte Millionen Amerikaner, dass die Entruckung existiert und Jesus auf die Erde zuruckkehren wird. Das faszinierte Publikum im Atrium des HCA hatte naturlich viele Fragen und konnte die Diskussion mit dem Autor bei einem Glas Wein fortsetzen. Kenny Cupers: "Human Territoriality and the Downfall of Public Housing " Der vierte Vortrag des Baden-Wurttemberg Seminars beschaftigte sich mit Konzepten der menschlichen Territorialitat und dem sozialen Wohnungsbau. Am elf November begrusste das HCA dazu Kenny Cupers, Professor an der Illinois School of Architecture an der Universitat Illinois in Urbana-Champaign und Fellow der Alexander von Humboldt Stiftung. Professor Cupers ist Historiker, der sich uber die europaische Architektur des neunzehn und zwanzig Jahrhunderts und uber Stadtgeschichte arbeitet. Sein Hauptinteresse gilt der geschichtlichen Erkenntnistheorie der globalen Moderne. Sein aktuelles Buchprojekt befasst sich mit dem deutschen Kaiserreich und der Frage, wie Umweltwissenschaft die Logik der Moderne pragte. Professor Cupers ist Autor von The Social Project: Housing Postwar France (2014) und Herausgeber von Use Matters: An Alternative History of Architecture (Routledge, 2013). Professor Cupers Vortrag fuhrte zunachst den Begriff,,Umweltdeterminismus" ein. Im Fall des sozialen Wohnungsbaus bezieht er sich auf die Vorstellung, dass die Lebensumstande das Leben der Menschen pragen. Professor Cupers erlauterte die Entwicklung des offentlichen Wohnungsbaus und erorterte einige Probleme, mit denen dieser konfrontiert war. In den 1950er Jahren gab es einen immensen Bedarf an Wohnraum in den Industrienationen. Experten, die ursprunglich weisse Mittelschicht-Familien als Zielgruppe ins Auge gefasst hatten, wollten in den neu zu errichtenden Vierteln alles ansiedeln, das Menschen im taglichen Leben neben Wohnraum benotigen. Diesen neuen,,Umgebungen" sollten,,Habitat" heissen. Dieses Konzept beinhaltete Geschafte, arztliche Versorgung und alle anderen Notwendigkeiten des taglichen Bedarfs und hatte einen direkten Einfluss auf die Planung der Vororte: Sie waren nach den Bedurfnissen der Einwohner unterteilt. Diese,,Habitat"-Vororte verstarkten unter anderem die bestehende Geschlechterungleichheit durch die Annahme, dass die Hausfrauen und Mutter weniger mobil sein mussten als die Manner. Schulen und Kindergarten wurden in der Nahe der Wohnorte angesiedelt, was sicherstellte, dass Frauen keinen Bedarf an hoherer Mobilitat hatten - und so in ihrer taglichen Mobilitat weiter eingeschrankt wurden. In den 1960ern begannen sich die Bewohner uber einige Aspekte ihrer,,Habitats", wie etwa lange Anfahrtszeiten zur Arbeit, zu beschweren. Ausserdem verlangten sie, direkt in die Schaffung oder Veranderung ihrer,,Habitats" eingebunden zu werden. Dies wurde gewahrleistet, oder zumindest ausprobiert, um die Zufriedenheit der Mieter zu erhohen. Beispielsweise arbeiteten Architekten Plane aus, damit die Leute ihre Wohnungen personlicher gestalten konnten. Oskar Newman entwickelte das Konzept der,,latenten Territorialitat", die Auffassung, dass alle Menschen das inharente Bedurfnis haben, ihren direkten Lebensraum zu kontrollieren. Er fand heraus, dass das Fehlen einer klaren Grenze zwischen der privaten und der offentlichen Sphare im,,Habitat" zu Problemen wie einer erhohten Kriminalitatsrate fuhrte, da die einzelnen Menschen ihre Territorialitat von ihrem Zuhause auf die gesamte Nachbarschaft oder sogar den ganzen Vorort ausweiteten. Robert Audreys Vorstellung, dass die,,Deterritorialisierung des Menschen", also die Nichtexistenz von Privateigentum, direkt fur Probleme wie Jugendkriminalitat verantwortlich sei, schien Oskar Newmans These zu untermauern. In England wurde der offentliche Wohnungsbau ebenfalls fur Vandalismus verantwortlich gemacht. Daher wurde die Idee popular, sogar offentliche Orte zu privatisieren, in der Hoffnung, dadurch den Vandalismus zu reduzieren. Professor Cupers fuhrte weiter aus, dass es nicht das eine naturliche Verhaltnis zwischen Menschen und ihrem Zuhause gabe, sondern vielmehr einen Wettbewerb verschiedener Konzepte. Nach seinem Vortrag fuhrte Professor Cupers mit seinen Zuhorern eine lebhafte Debatte uber offentlichen Wohnungsbau in Europa und den USA, und daruber, was Wohneigentum und die Rolle der Architekten fur das schlechte Ansehen des offentlichen Wohnungsbaus bedeuten. Barbara Ladd: "Beyond the Plantation: Race and Class at the Edge of the Swamp " dreißig Oktober zweitausendvierzehn Fur die zweite Veranstaltung des Baden-Wurttemberg Seminars begrusste das HCA Barbara Ladd zu ihrem Vortrag "Beyond the Plantation: Race and Class at the Edge of the Swamp. " Barbara Ladd ist Professorin fur Englisch an der Emory University in Atlanta und Fulbright Professorin an der Karls-Universitat Prag. Ihr Forschungsinteresse gilt der Rassen- und Geschlechterforschung, transatlantischen Fragen, den Amerikastudien, der amerikanischen Moderne in der Literatur und William Faulkner. Sie verfasste die Bucher Resisting History: Gender, Modernity, and Authorship in William Faulkner, Zora Neale Hurston, and Eudora Welty (2007) und Nationalism and the Color Line in George W. Cable, Mark Twain, and William Faulkner (1997). Momentan arbeitet Professor Barbara Ladd an einem Buch zu transatlantischen Routen in der Sudstaatenliteratur und an einer Sammlung von Essays zu William Faulkner, verfasst von Forschern aus sudlichen Regionen der Welt. In ihrem Vortrag am HCA analysierte Professor Ladd die Konzepte von Rassen- und Klassenzugehorigkeit in der amerikanischen Sudstaatenliteratur in Bezug auf die Gegend des Great Dismal Swamp, einer Sumpf- und Moorlandschaft in den Kustenregionen des udostlichen Virginia und nordostlichen North Carolina. Sie erklarte zu Beginn ihres Vortrags, das statische Narrativ von Rasse prage noch immer die Sudstaatenliteratur. Professor Ladd fuhrte aus, dass Diskriminierungen wegen Rassen- und Klassenzugehorigkeit sich im Suden und allerdings die meisten Bewohner von dem Einen oder dem Anderen betroffen seien. Als Beispiel fur die Uberschneidung beider Konzepte nannte Professor Ladd den Umstand, dass arme Weisse in der Literatur zumeist als Analphabeten, dumm und kranklich beschrieben wurden - dennoch zeichne diese armen Sudstaatenweissen der Stolz auf ihre Rassenzugehorigkeit aus, durch die sie sich von Schwarzen abheben wurden. Die wirklich existierende Region des Great Dismal Swamp ist ein wiederkehrendes Motiv in der amerikanischen Sudstaatenliteratur. Beispielsweise beschreibt Harriet Beecher Stowe den Great Dismal Swamp in ihrem Werk Dred. Am Rande des Sumpfes standen Hauser und Hofe, und auf den Kanalen im Moor bewegte man sich mit Booten vorwarts. Das Unterholz und die Gefahren des Sumpfes erschwerten eine Dauerbesiedlung, machten sie aber nicht unmoglich. Archaologische und historische Hinweise legen den Schluss nahe, der Sumpf sei ein Versteck und Wohnstatte von entlaufenen Sklaven, amerikanischen Ureinwohnern und Kriminellen gewesen. Am Rande des Sumpfes lebten Quaker, und Liebespaare trafen sich im Moor, fernab von gesellschaftlichen Zwangen. Im Great Dismal Swamp wurden Sklaven wie freie Menschen behandelt. Wahrscheinlich waren ihre Kenntnisse der gefahrlichen Landschaft von unschatzbarem Wert. Einige Sklaven verdienten sich durch Arbeit im Sumpf einen Lebensunterhalt und konnten sich so ihre Freiheit erkaufen. Der Sumpf sei weniger eine echte Perspektive, als vielmehr einen Zufluchtsort fur arme Weisse, Schwarze, Sklaven, Ureinwohner und Kriminelle - also fur alle, die keine respektierten Gesellschaftsmitglieder darstellten - gewesen, erklarte Professor Ladd. Sie beendete ihren Vortrag mit einen Vorschlag fur kunftige Forschungen: Um ein wahres Verstandnis fur die Uberschneidung von Klassen- und Rassenproblematik in der amerikanischen Sudstaatenliteratur zu entwickeln, sei die Entwicklung eines neuen Paradigmas erforderlich. Im Anschluss an den Vortrag beantwortete Professor Ladd die Fragen ihres Publikums und fuhrte mit ihren Zuhorern eine lebhafte Diskussion. Das sechzehnte Semester des Baden-Wurttemberg Seminars des HCA begann am dreiundzwanzig Oktober zweitausendvierzehn im Rahmen des Enjoy Jazz Festivals mit einem Vortrag von Penny von Eschen, Professorin fur Geschichte und amerikanische Kultur an der University of Michigan. Ihre Forschung konzentriert sich hauptsachlich auf transnationale kulturelle und politische Dynamiken und die politische Kultur des Imperialismus der USA sowie Rassen- und Geschlechterfragen. Professor von Eschens Vortrag am HCA basierte grosstenteils auf der Forschung fur ihr Buch Satchmo Blows Up the World: Jazz Ambassadors Play the Cold War (2004). Sie stellte zunachst klar, dass Jazz den Kalten Krieg nicht gewonnen habe, da dieser Konflikt keine Gewinner hatte. Dennoch wurden nach Dizzy Gillespies erster internationaler Propagandatour hunderte Jazz- und Bluesmusiker von der US-Regierung auf Propagandamissionen geschickt. Auf diese Weise habe Jazz im Kalten Krieg eine nicht unbedeutende Rolle gespielt. Jazz war bereits durch die Besetzung der Philippinen und durch das Unterhaltungsprogramm fur die amerikanischen Truppen im Zweiten Weltkrieg und im Koreakrieg international verbreitet worden. Er wurde als einmalige Form der amerikanischen Moderne und Freiheit angesehen und die strukturelle Freiheit der Jazzmusik wurde in den USA zur Allegorie fur die Freiheit. Einige der bedeutendsten Jazzproduzenten wie Dan Morgenstern und George Wein hatten judische Wurzeln und hatten den Holocaust und Vertreibung in Europa erlebt. Wahrend das amerikanische Aussenministerium die ersten Jazztourneen zu Propagandazwecken organisierte, diskutierten Jazzinterpreten in den USA uber ihre Musik und Freiheit. Sie sahen Freiheit und Demokratie als erstrebenswerte Ziele an. Die schwarze Burgerrechtsbewegung steckte zu dieser Zeit noch in den Kinderschuhen, und Freiheit und Gleichberechtigung waren fur viele Schwarze in weiter Ferne. Dizzy Gillespie wurde von allen weiteren Jazztouren im Ausland suspendiert, da er sich auf seiner Reise im Iran geweigert hatte, die Rassentrennung in den USA herunterzuspielen. Ironischerweise nutzte auch Prasident Nixon die afroamerikanische Kultur fur diplomatische Zwecke auf internationaler Ebene, wahrend er zu Hause die Burgerrechtsbewegung unterminierte. Die Tatsache, dass Jazzkunstler wie Thelonious Monk und Charles Mingus auf ihren Jazztourneen offen ihre personliche Antikriegsmeinung kundtaten, machte das US-Aussenministerium nervos, brachte den beiden Musikern in Europa allerdings eine noch grossere Beliebtheit ein. Die letzten offiziellen vom US-Aussenministerium organisierten Jazztourneen fanden eintausendneunhundertachtundsiebzig statt. Nach dem elf September wurden sie wieder aufgenommen. Die aktuellen Tourneen sind weniger restriktiv organisiert, und die amerikanischen Musiker haben die Gelegenheit, sich mit den einheimischen Kunstlern zu treffen und mit ihnen zu musizieren. Das amerikanische Aussenministerium hielte sich auch mit Versuchen zuruck, die Meinungsausserungen der Musiker zu kontrollieren, erklarte Professor von Eschen. Sie erlauterte zudem, dass, obwohl das amerikanische Aussenministerium massgeblich an der Globalisierung von Jazz beteiligt gewesen sei, die Musikrichtung erst durch transnationale Umwalzungen entstanden sei und daher nie exklusiv den USA als,,fundamentaler Teil der amerikanischen Kultur" gehort habe. Nach dem Vortrag beantwortete Professor von Eschen zahlreiche Fragen und fuhrte mit ihrem faszinierten Publikum eine lebhafte Debatte uber Jazz und amerikanische Aussenpolitik. Awarding of the Rolf Kentner Dissertation Prize 2014 16. Oktober 2014 Am sechzehn Oktober zweitausendvierzehn fand am HCA die nunmehr funfte Verleihung des Rolf Kentner Dissertationspreises statt. Das Institut stellte ausserdem die neuen Mitglieder des MAS und des Ph. D. Programmes einer breiteren Offentlichkeit vor. Der grosste Teil des Abends aber war der Preisverleihung gewidmet. Der Stifter ist einer der altesten und aktivsten Forderer des HCA und Vorsitzender der Schurmann Gesellschaft. Der Preis wird an eine herausragende noch unveroffentlichte Doktorarbeit in den Amerikastudien verliehen, die an einer deutschen Universitat eingereicht wurde. Er ging in diesem Jahr an Dr. Juliane Braun, die zweitausenddreizehn an der Julius-Maximilians-Universitat Wurzburg promovierte. Juliane Braun studierte Anglistik, Amerikanistik und Romanistik mit Schwerpunkt franzosische Literatur an den Universitaten Mainz, Reading (England), und Dijon (Frankreich), und an der Bread Loaf School of English in Santa Fe (USA) und schloss zweitausendsechs mit einem Master der Universitaten Mainz und Maitrise in Dijon ab. Mit ihrem Dissertationsprojekt blieb sie sowohl ihrem Interesse an der amerikanischen wie der franzosischen Literatur treu und untersuchte die Kultur der franzosischen Theater in Lousiana im neunzehnten Jahrhundert. Die Arbeit erhielt bereits den Dissertationspreis der Bayerischen Amerika-Akademie. In ihrem Festvortrag mit dem Titel "Imagining Freedom in the Black Theatres of Francophone New Orleans" erklarte Dr. Braun ihren zahlreichen Zuhorern, wie Theatertraditionen in Louisiana Elemente der franzosischen und spater der amerikanischen Theaterkultur aufgenommen, verandert und vereinnahmt haben. Sie nahm ihr Publikum mit auf eine Reise von der Eroffnung des ersten franzosischen Theaters in New Orleans eintausendsiebenhunderteinundneunzig bis zum Beginn des amerikanischen Burgerkrieges siebzig Jahre spater. Ein ganzes Jahrhundert lang fungierten Theater in der Crescent City als soziale Zentren, die zur Integration der heterogenen Bevolkerung beitrugen, und als Auffuhrungsorte fur Stucke, die in New Orleans entstanden waren. Das Geld, das sie erwirtschafteten, trug signifikant zum Wirtschaftskreislauf der Stadt bei. Auf der anderen Seite waren diese Theater Orte von Auseinandersetzungen uber kulturelle Souveranitat, ethnische Identitat, und nationale Zugehorigkeit. Angesichts der wachsenden Vorherrschaft der anglo-amerikanischen Bevolkerung entwickelten die franzosischsprachigen Bewohner der Stadt neue Strategien damit ihre Kultur nicht in Vergessenheit geriet. Theater wurden die wichtigste Waffe in diesem Kampf um das kulturelle Uberleben. Dieser aufschlussreiche, unterhaltsame und wunderschon illustrierte Vortrag erhielt viel Beifall, auch weil er von faszinierenden Fotografien und Zeichnungen begleitet wurde, die die Theater, ihre Lage und ihre Architektur zeigten. Der Vortrag wurde musikalisch umrahmt von dem Duo Florence Launay und Michael Cook, das eine Auswahl franzosischer "Romanzen" darboten, eine Musikform, die in den USA des spaten achtzehnten und neunzehnten Jahrhunderts ausserst popular waren, zum Beispiel "Plaisir d'amour. " Der anschliessende Empfang in der Bel Etage des HCA gab dem Publikum Gelegenheit, den Vortrag ausfuhrlich zu debattieren, begleitet von Drinks, einem Buffet und mehr Livemusik. Joseph Crespino: "Strom Thurmond and the Rise of the Modern American Right" siebzehn Juli zweitausendvierzehn Joseph Crespino setzte am siebzehn Juli den Schlusspunkt des Baden-Wurttemberg Seminars im Sommersemester. Er referierte uber Strom Thurmond, einen der am langsten dienenden amerikanischen Politiker. Joseph Crespino ist Geschichtsprofessor an der Emory University und Fulbright Distinguished Chair fur American Studies an der Eberhard-Karls-Universitat Tubingen. HCA Gastprofessor Mark Wilson stellte Professor Crespino als einen der fuhrenden amerikanischen Politikhistoriker vor. Seine Thurmond-Biographie legt nicht zuletzt, wie Professor Wilson scherzhaft bemerkte, Zeugnis uber seine hervorragende Arbeitsmoral ab. Schliesslich wurde Strom Thurmond einhundert Jahre alt. In seinem Vortrag beschrieb Professor Crespino, wie die Idee zu diesem Buch entstand. Im Jahr zweitausendzwei sorgte Trent Lott, der Senator fur Mississippi, fur eine Kontroverse, als er Strom Thurmond zu dessen hundertsten Geburtstag gratulierte und betonte, viele Fehler hatten vermieden werden konnen, hatte man Thurmond zum Prasidenten gewahlt. Diese Aussage sorgte fur Furore, weil Thurmond sich in seiner politischen Karriere als Senator fur South Carolina als Demagoge und Anhanger der Rassentrennung hervorgetan hatte. Er hatte nach dem Civil Rights Act von eintausendneunhundertvierundsechzig entrustet die Partei gewechselt, weil er die demokratische Unterstutzung fur das Gesetz missbilligte. Senator Trent Lott trat nach der Kontroverse zweitausendzwei von seinem Amt als Mehrheitsfuhrer im Senat zuruck. Professor Crespino schrieb einen Kommentar uber die vorangegangenen positiven Ausserungen Lotts zu Thurmond. An diesem Punkt beschloss er, dass sechshundertfünfzig Worter nicht ausreichten, um Strom Thurmond und seinen Einfluss auf die Politik der Sudstaaten zu wurdigen. Also schrieb er ein Buch. Professor Crespino skizzierte dann Thurmonds politische Karriere. Dieser trat nicht nur vehement fur die Rassentrennung ein, sondern war einer der ersten,,Sunbelt Conservatives" und propagierte viele Ansichten dieser politischen Gruppierung. Er sprach bei zahlreichen antikommunistischen Versammlungen im ganzen Land, stimmte gegen jegliche Arbeitsgesetzgebung, die seinen Weg kreuzte, und war mit einigen Evangelikalen der religiosen Rechten eng bekannt. Schliesslich kam Professor Crespino auf die Rolle der Rasse in der Sudstaatenpolitik und in Strom Thurmonds Leben zu sprechen. Obwohl er ein lautstarker Befurworter der Rassentrennung war, zeugte er eine schwarze Tochter, Essie Mae Washington-Williams. Ihre Existenz blieb bis nach dem Tod Thurmonds ein Gerucht, das von den meisten Medien ignoriert und nur von der schwarzen Presse angesprochen wurde. Sechs Monate nach dem Tod ihres Vaters im Jahr zweitausenddrei bestatigte Essie Mae Washington-Williams offentlich ihre Verwandtschaft mit Thurmond. Ihr Name wurde spater zu seinem Denkmal hinzugefugt, das bereits seine vier weissen Kinder namentlich erwahnte. Die Familie stimmte dem aus Dankbarkeit fur Essie Maes Loyalitat und Ergebenheit ihrem Vater gegenuber zur. Professor Crespino interpretierte die Geste auch als Dankbarkeit dafur, dass Essie Mae die Heuchelei ihres Vaters nicht zu seinen Lebzeiten enthullt habe. Nach seinem Vortrag beantwortete Professor Crespino zahlreiche Fragen seiner interessierten Zuhorer bezuglich Strom Thurmonds Einstellung zur Rassentrennung und deren Bedeutung fur seine Karriere und Privatleben. Podiumsdiskussion: " Der Adler, der Drache und der Stier: Die USA, China und Europa im einundzwanzig Jahrhundert " 16. Juli 2014 Am sechzehn Juli zweitausendvierzehn fand im HCA die Podiumsdiskussion,,Der Adler, der Drache und der Stier: Die USA, China und Europa im einundzwanzig Jahrhundert" statt. Die Diskutanten Prof. Dr. Sebastian Harnisch vom IPW Heidelberg, Dr. Saskia Hieber von der LMU Munchen und die Journalistin Olivia Scholler widmeten sich auf dem Podium insbesondere aussenpolitischen Fragen und analysierten dabei die Selbstwahrnehmung der Akteure in diesem Dreieck sowie ihre jeweilige strategische Ausrichtung zueinander. Dr. Tobias Endler vom HCA moderierte die Veranstaltung. OOlivia Scholler stellte anfangs heraus, dass aus Sicht der USA von einem aussenpolitischen Abstieg keine Rede sein kann. Die eigene Fuhrungsrolle wird als selbstverstandlich erachtet: nicht ob, sondern wie man fuhrt, steht im Mittelpunkt der inneramerikanischen Diskussion. Unter Obama hat es zudem einen Wandel hin zur,,smart power" gegeben. Als Ordnungsmacht bekampfen die USA Krisen zunehmend mit Sanktionen statt mit militarischen Mitteln. Die grosste Schwierigkeit bleibt dabei die US-interne Polarisierung, weniger die internationale Wahrnehmung des Landes. Der Aufstieg Chinas ist aus US-amerikanischer Sicht unaufhaltsam, jedoch nicht vollstandig. Zielsetzung ist es, den eigenen Einfluss im chinesischen Raum geltend zu machen und den Aufstieg so gut wie moglich mit zu lenken. Der,,pivot to Asia" ist ausdrucklich kein Zeichen einer Abkehr von Europa; vielmehr beweist die Krimkrise die Bedeutung der gemeinsamen Wertegemeinschaft. Dennoch ist man in den USA mit Blick auf das,,burden sharing" enttauscht von Europa und fordert ein grosseres internationales Engagement. Dr. Hieber betonte zunachst, dass aus chinesischer Sicht die Einheit des Landes nicht nur durch das Militar geschaffen, sondern von einem Grossteil der Bevolkerung getragen wird. Die politischen Interessen liegen in erster Linie im Schutz der Exportwirtschaft und darin, den Binnenkonsum weiter anzukurbeln. Das Kredo,,big is beautiful" wird von der Bevolkerung nicht nur toleriert, sondern gefordert. China ist dennoch keine,,smart power". Es gelingt dem Land nicht, langfristig belastbare und tiefgehende Allianzen zu bilden, sogar im unmittelbaren Umkreis ist China politisch isoliert. Der,,pivot to Asia" der USA ist aus chinesischer Sicht umstritten, die Wunsche widerspruchlich: eine US-Militarprasenz in der unmittelbaren Einflusssphare sowie eine Allianz werden klar abgelehnt, genauso wie ein Engagement der EU in Afghanistan und Zentralasien. Dem angeblichen Scheitern der westlichen Integrationspolitik und des Interventionismus des Westens folgt jedoch eine Destabilisierung der Region, was aus Sicht Chinas ebenfalls unerwunscht ist. Insgesamt zeichnet sich China durch einen Pragmatismus aus; Partner ausserhalb des Westens bleibt Russland. Europa kampft im Zuge der Finanz- und Krimkrisen nach innen sowie nach aussen mit einem enormen Attraktivitatsverlust. Nach innen wird dies besonders deutlich durch den Zuspruch fur europaskeptische Parteien bei den letzten Europawahlen. Prof. Dr. Harnisch stellte heraus, dass die Sicherheitsstrategie der EU als,,soft power" primar auf der wirtschaftlichen und kulturellen Dimension fusst. Europa gilt somit nicht nur als politische Einheit, sondern vielmehr als erfolgreiches, fortwahrendes Friedensprojekt, dessen Konzept oft schlecht kopiert wurde. Nach Aussen hat die Krise in der Ukraine verdeutlicht, dass die USA fur Europa unverzichtbar bleiben und andere aussenpolitische Krisen wie im Iran nur gemeinsam gelost werden konnen. Die Grenzen der Verstandigung aller Akteure standen ebenfalls im Mittelpunkt der Diskussion. Da in Europa, den USA und China unterschiedliche politische Kulturen vorherrschen, fusst die Verstandigung haufig auf fehlerbehafteten Wahrnehmungen. Fur Europaer wird das vor allem im Unverstandnis gegenuber dem Territorialverhalten Chinas deutlich, wahrend dort die Lehren des europaischen Einigungsprozesses mit Skepsis betrachtet werden. Aus Sicht der USA hingegen ist der eigene Wohlstand abhangig von chinesischen Produkten, andererseits bleiben fur Nordamerika viele der Anspruche Chinas unverstandlich. Einig waren sich alle Diskutanten darin, dass Europa und die USA auf den Wirtschaftsbeziehungen zu China aufbauen mochten, wahrend das Verhaltnis Europas und der USA zueinander durch eine gemeinsame Wertegemeinschaft gepragt ist und deutlich daruber hinaus geht. Im Anschluss offnete sich die Diskussion dem Publikum, das lebhaft uber das amerikanische Wirtschaftsmodell, die Spionageaffare in Deutschland und dem wirtschaftlichen Erfolg Chinas im Kontext der jeweils eigenen Selbstwahrnehmung miteinander ins Gesprach kam. Zehn Jahre Heidelberg Center for American Studies vier Juli zweitausendvierzehn Am vier Juli zweitausendvierzehn feierte das Heidelberg Center for American Studies sein zehnjahriges Bestehen in der Alten Aula der Universitat. Prof. Dr. Dieter W. Heermann, Prorektor fur internationale Angelegenheiten der Universitat Heidelberg, und Prof. Dr. Dr. h.c. Stefan Maul, Dekan der Philosophischen Fakultat, eroffneten die Feierlichkeiten und wunschten dem HCA viele weitere Jahrestage. Sie lobten die interdisziplinare Herangehensweise des Institutes und seine in den deutschen Geisteswissenschaften einzigartige Forderung durch private Mittel. Dr. Mausbach stellte dann die Festrednerin, Prof. Dr. Carmen Birkle, vor, die die neugewahlte Prasidentin der Deutschen Gesellschaft fur Amerikastudien ist und ausserdem Professorin fur American Studies an der Universitat Marburg. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt hauptsachlich auf Frauen- und Geschlechterforschung und den Minderheitsstudien. [an error occurred while processing this directive] In ihrer Rede hob Prof. Birkle drei wesentliche Merkmale hervor, die jedes American Studies Programm in sich vereinen sollte, die aber nicht leicht zu erreichen seien. Zum einen nannte sie Interdisziplinaritat als wichtiges Element. Sie sei schwer umzusetzen, weil dazu verschiedene Forschungsbereiche eine funktionierende Kommunikation aufbauen mussten. Das zweite wichtige Merkmal sei Sichtbarkeit, was effizientes Marketing notig mache - die Institution musse global erreichbar sein. Der letzte Faktor sei transnationale Arbeit. Das HCA sei eines der sehr wenigen florierenden American Studies Institute in Deutschland, zudem das sichtbarste, transnationalste und interdisziplinarste Institut und zudem das einzige, das seine eigenen B.A., M.A. und Doktorandenprogramme habe. Das HCA halte viele internationale Konferenzen ab und habe sehr enge Kontakte zu verschiedenen Forschungsabteilungen entwickelt, was zu einem hohen Grad an Interdisziplinaritat gefuhrt habe. In Anlehnung an ein Zitat aus John Winthrops Predigt,,A Model of Christian Charity" nannte Prof. Birkle das HCA die "City Upon a Hill" der American Studies und lobte Grundungsdirektor Professor Junkers,,Yes-We-Can"-Einstellung. Sie gratulierte dem HCA im Namen der Deutschen Gesellschaft fur Amerikastudien zu seinem Erfolg und schloss mit den Worten, das HCA sei wirklich eine,,City Upon a Hill". Als nachstes teilten einige Gaste ihre personlichen Erinnerungen an ihre Zeit am HCA mit. Prof. Kirsten Fischer, Visiting Scholar in den Jahren zweitausendacht und 2011, lobte den respektvollen Dialog, den das HCA unter seinen Studierenden kultiviere. Diese Dialogkultur sei so in den Vereinigten Staaten nicht zu finden und habe sie nachhaltig beeindruckt. Prof. Junker habe ein unvergleichliches Institut kreiert, ein Juwel fur Professoren, Mitarbeiter und Studenten. Jasmin Miah, Absolventin des BAS-Jahrgangs 2014, beschrieb ihr Leben als Mitglied des ersten BAS-Jahrgangs und betonte vor allem die familiare Atmosphare und die HCA Aktivitaten jenseits von Vorlesungen und Seminaren. Axel Kaiser, Absolvent des MAS-Jahrgangs 2011, gratulierte dem Grundervater des HCA zum Jubilaum und bedankte sich bei den Professoren und Mitarbeitern fur ihre Unterstutzung, die seinen akademischen Weg gepragt habe. Wie Jasmin Miah betonte auch er, dass er sich am HCA heimisch gefuhlt habe. Dr. Karsten Senkbeil, der zweitausendzehn am HCA promovierte, beschrieb seine Nervositat vor seinem ersten Kolloquium am HCA. Das HCA, bemerkte er, stelle seine Studenten vor Herausforderungen und belohne sie, wenn sie diese meisterten, mit der Moglichkeit, viel von einem ganzen Team von Professoren und Kommilitonen zu lernen. Er nannte seine Zeit am HCA seine,,Champions League-Jahre". Prof. Stanislaw Burdziej lernte das HCA zunachst bei der Spring Academy kennen, einer internationalen Konferenz fur Doktoranden. Dort, berichtete er, habe man seine Arbeit so auseinandergenommen, dass er im Anschluss sein ganzes Projekt auf den Kopf gestellt habe. Er kehrte spater als Student an das HCA zuruck und absolvierte das MAS-Programm. Er bedankte sich fur die Investition, die das HCA in ihn getatigt habe und deren Fruchte er nun ernte. Prof. Dr. Dr. h.c. Detlef Junker bedankte sich bei allen Rednern und zeigte sich geruhrt von ihrem Lob, ihren Erinnerungen und ihren geistreichen Schilderungen. In seinem eigenen Ruckblick bezeichnete er die Grundung des HCA als eine Erfolgsgeschichte, die auch hatte scheitern konnen. Er stellte die Vermutung auf, das HCA ware vermutlich gescheitert, ware es nach zweitausendacht gegrundet worden. Die Finanzkrise hatte wohl eine public-private partnership verhindert. An dieser Stelle bedankte Prof. Junker sich bei allen Spendern des HCA. Weiter betonte er, dass das HCA ohne sein hervorragendes Grundungsteam vermutlich gescheitert ware, bevor es sich richtig hatte entwickeln konnen. Er bedankte sich bei allen Mitgliedern des damaligen Teams, das sofort durchgestartet sei, und bei dem gesamten aktuellen HCA-Team. Dr. Mausbach erklarte, das Jubilaum am vier Juli sei ein Dreifaches: Der zweihundertachtunddreißig Unabhangigkeitstag der Vereinigten Staaten, das zehn Jubilaum des HCA und der fünfundsiebzig Geburtstag seines Grundungsdirektors. Dr. Mausbach dankte Professor Junker fur seinen Humor, sein schallendes Gelachter und seinen Enthusiasmus - und fur die Grundung des HCA. Er nannte Professor Junker den,,George Washington des HCA". Die Feierlichkeiten wurden musikalisch untermalt von Eva Mayerhofer und Christian Eckert. Im Anschluss an den Festakt in der Alten Aula fand im Garten des HCA ein amerikanisches Barbecue statt, und viele Gaste liessen sich den deutschen Sieg im Viertelfinale der Fussballweltmeisterschaft nicht entgehen. Am vierundzwanzig Juni zweitausendvierzehn feierte das HCA die dritte Verleihung des James W.C Pennington Awards. Die diesjahrige Empfangerin des Preises ist Professor Laurie Maffly-Kipp, Distinguished Professor in the Humanities am John C. Danforth Center on Religion and Politics an der Washington University in St. Louis. Der Pennington Award wurde zweitausendelf von der Theologischen Fakultat, einer der Grundungsfakultaten der Ruperto Carola, und einem der neuesten Institute, dem Heidelberg Center for American Studies, ins Leben gerufen. Der Preis ist nach James W.C. Pennington benannt, einem ehemaligen Sklaven, der eintausendachthundertneunundvierzig die Ehrendoktorwurde der Universitat Heidelberg verliehen bekam. Er war der erste Afroamerikaner, dem diese Ehre zuteilwurde. Die Manfred Lautenschlager Stiftung legte den Grundstock fur die ersten Forschungsaufenthalte, die mit dem Pennington Award verbunden sind. Dr. h.c. Manfred Lautenschlager gratulierte zunachst der Preistragerin Professor Maffly- Kipp und stellte dann kurz das Leben und Wirken von James W.C. Pennington vor, dessen Geschichte und Vermachtnis er als sehr bewegend bezeichnete. Pennington wurde als Sklave geboren, entkam diesem Leben als junger Mann und wurde einer der nachdrucklichsten Gegner der Sklaverei. Er besuchte die Yale Divinity School und wurde zum Pfarrer geweiht. Der in seinem Namen gestiftete Preis ehrt herausragende Forschungsleistungen auf dem Feld der afroamerikanischen Geschichte und Religionswissenschaft. Professor Stievermann stellte dann Professor Maffly-Kipp als fuhrende Wissenschaftlerin auf den Forschungsfeldern afroamerikanische und amerikanische Religion, Religion und Geschlecht sowie der Geschichte des Mormonentums vor. Professor Maffly-Kipp hat bereits zahlreiche Preise und Stipendien erhalten. Neben ihrer hervorragenden wissenschaftlichen Arbeit ist sie standig bemuht, ihre Erkenntnisse einer breiteren Offentlichkeit zuganglich zu machen. Professor Maffly-Kipp ist die Autorin zahlreicher Bucher und Artikel in Fachzeitschriften. Sie interessiert sich momentan besonders fur die Rolle von Denominationalismus in schwarzen Kirchengemeinden, die Geschichte der Afroamerikaner und die Rolle von Frauen in der Religionsgeschichte von der Zeit vor dem Burgerkrieg bis zur Harlem Renaissance. Zu Beginn ihres Vortrags mit dem Titel,,James W.C. Pennington and the Origins of African American Historiography" dankte Professor Maffly-Kipp zunachst dem HCA, der Theologischen Fakultat und der Manfred Lautenschlager Stiftung fur die Auszeichnung und stellte ihrem Publikum dann den Mann vor, dem der Preis seinen Namen verdankt. Sie wandte sich zunachst der,,Race History" zu, die James W.C. Pennington, ein enger Freund von Frederick Douglass, verfasste - im Wesentlichen eine Historiographie der Schwarzen. Spater veroffentlichte Pennington eine Autobiographie, in der er seine Flucht aus der Sklaverei detailliert beschreibt. Dort findet sich auch die Begebenheit, bei der Pennington von Sklavenjagern gefragt wird, wem er gehort - seine Antwort:,,Nur mir, niemandem sonst. " Um Pennington dem Publikum naher zu bringen, ging Professor Maffly-Kipp auf die vier Dinge ein, die ihm am wichtigsten waren: Seine Familie, seine Rasse, seine Religion und der internationale Kampf gegen die Sklaverei. Sie betonte, dass Pennington sozusagen das,,Gluck" gehabt habe, als Sklave auf einer relativ kleinen Farm aufzuwachsen, auf der seine gesamte Familie gemeinsam leben konnte. Er habe immer das Gefuhl gehabt, seine Eltern und zehn Geschwister durch seine Flucht im Stich gelassen zu haben und befurchtet, sie dadurch in Gefahr gebracht zu haben. Tatsachlich wurden nach seiner Flucht einige Familienmitglieder an andere Sklavenhalter verkauft und die Familie so getrennt. Pennington bat seine Familie, zum Christentum zu konvertieren, damit sie sich zumindest symbolisch im Glauben nahe sein konne, erklarte Professor Maffly-Kipp. James Pennington argumentierte stets gegen Ungleichbehandlung von Schwarzen und betrachtete die Sklaverei als kollektiven Kampf und systemische Ungerechtigkeit. Professor Maffly-Kipp erklarte, Pennington habe die Schwarzen als Teil des,,Korpers der Menschheit" betrachtet. Solange ein Korperteil verletzt werde, leide der gesamte Korper. Aus diesem Grund habe er sich dem Krieg gegen die Sklaverei verschrieben. Dieser Krieg - Pennington verwandte den Begriff angesichts des Ausmasses von Blutvergiessen und Gewalt absichtlich - hatte internationale Ausmasse. Pennington kritisierte das britische System der indischen Vertragsknechtschaft und den Bedarf aller modernen Nationalstaaten an billigen Arbeitskraften als Grundursache der Sklaverei. In seinem Krieg gegen die Sklaverei habe sein Glaube ihm Trost gespendet, sei aber auch eine Quelle der Leidenschaft gewesen, so Professor Maffly-Kipp. James W.C. Penningtons Versuche, seine Familie zu retten, fruchteten schliesslich, er befreite seine Eltern und einige Geschwister aus der Sklaverei und erkaufte sich am Ende seine eigene Freiheit. Im Anschluss an diesen engagierten Vortrag und die Preisverleihung lud das HCA seine Gaste zu einem Empfang im Garten ein. Florian Pressler: " Die erste Weltwirtschaftskrise: Eine kleine Geschichte der Grossen Depression" (HCA Book Launch) zehn Juni zweitausendvierzehn Zur letzten Buchvorstellung im Sommersemester begrusste das HCA Dr. Florian Pressler von der Universitat Augsburg. Er stellte seinen in der beck'schen reihe erschienenen Band,,Die erste Weltwirtschaftskrise. Eine kleine Geschichte der Grossen Depression" vor. Die jungste Finanzkrise hat zwar Dutzende von Buchern uber die,,Neue Weltwirtschaftskrise" hervorgebracht, doch die,,alte Weltwirtschaftskrise" lasst auch nach Jahrzehnten der Forschung noch immer viele Fragen uber ihre Ursachen und die Massnahmen zu ihrer Bekampfung offen. Dr. Pressler will mit seinem Buch in die Thematik einfuhren und Erklarungen liefern, die auch heute relevant sind. Dabei steckt er den Rahmen weit, von den 1920er Jahren, als sich die Entwicklungen anbahnten, die schliesslich zum Borsencrash im Oktober eintausendneunhundertneunundzwanzig fuhren sollten, uber die Plane der Alliierten fur eine weltwirtschaftliche Nachkriegsordnung bis zu den Problemen und Debatten der gegenwartigen Wirtschafts- und Finanzkrise. Dr. Pressler versteht die Krise als globale Krise, auch wenn das Buch weitgehend eine transatlantische Perspektive einnimmt und dabei wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Entwicklungen miteinander verknupft. Der Vortrag am HCA schlug den Bogen von den,,roaring twenties" und ihrem unerschutterlichen Glauben an das Unternehmertum und dem Beginn des Massenkonsums und die internationale Wahrungspolitik uber die Weltwirtschaftskrise bis zum Keynesianismus. Dabei kam Dr. Pressler immer wieder auf einzelne Biographien von Menschen zuruck, die die Krise in besonderer Weise gepragt hatten bzw. von ihr gepragt wurden: Der amerikanische Bankier Charles Dawes erarbeitete einen Finanzplan zur wirtschaftlichen Stabilisierung Deutschlands; aus der Dawes-Anleihe erhielt Deutschland eine Anschubfinanzierung, die seine Wirtschaft wieder in Gang brachte. Seine,,Goldenen Zwanziger" hatte Deutschland also in erster Linie amerikanischem Geld zu verdanken; gleichzeitig aber wurde auch ein europaisches Schuldenkarussell in Gang gesetzt. US-Prasident Herbert Hoover hielt angesichts der durch den Borsenkrach im Oktober eintausendneunhundertneunundzwanzig ausgelosten Weltwirtschaftskrise zu lange an okonomischen Orthodoxien fest und handelte - gemessen an der Herausforderung - zu spat und zu zaghaft. Sein Nachfolger Franklin Delano Roosevelt dagegen griff in einem nie dagewesenen Ausmass und mit beispielloser gesetzgeberischer Aktivitat in die amerikanische Wirtschaft ein, wenn auch ein Stuck weit auf Kosten seiner europaischen Partner. Die transatlantische Dimension der Krise illustrierte Dr. Pressler schliesslich anhand der Biografie von Ivar Kreuger, dem schwedischen,,Zundholzkonig", der sich gegen Kredite an klamme Staaten drei Viertel des globalen Streichholzmarktes sicherte, im Zuge der Weltwirtschaftskrise aber selber zahlungsunfahig wurde. Wie die Weimarer Republik war Kreuger von amerikanischen Krediten abhangig und geriet in ernsthafte Schwierigkeiten, als diese ausblieben. Beide haben diese Krise nicht uberlebt. Nach diesem lebhaften Vortrag, in den immer wieder Passagen aus dem Buch einflossen, diskutierte Dr. Pressler noch etliche Fragen aus dem Publikum. Thomas Sugrue: "The Education of Barack Obama: Race and Politics in the Age of Fracture " drei Juni zweitausendvierzehn Das HCA setzte am drei Juni sein Baden-Wurttemberg Seminar fort und begrusste Thomas Sugrue, David Boies Professor of History and Sociology an der University of Pennsylvania und Direktor des Penn Social Science Forum. Sein Vortrag griff viele Themen aus seinem Buch Not Even Past: Barack Obama and the Burden of Race auf und stiess damit auf grosses Interesse bei den Zuhorern im bis zum letzten Platz besetzten Atrium des HCA. Prof. Sugrue begann seine Ausfuhrungen uber "the Education of Barack Obama" mit der Beobachtung, dass viele das derzeitige U.S. Staatsoberhaupt fur den intellektuellsten Prasidenten seit Woodrow Wilson halten. Obama hat die besten Schulen seines Landes besucht und einen Abschluss der Harvard Law School erworben. Seine Politik speist sich aus dem Wissen, das er dort erworben hat, und seinen Erfahrungen als Bewohner, Aktivist und Politiker der South Side in Chicago. Darauf fusst Obamas Analyse der Wechselwirkungen von Rassendiskriminierung, Strukturwandel, dysfunktionalen Familien und Armut, eine Analyse, die so wirkungsmachtig wie pragmatisch ist. Prof. Sugrue zeigte ausserdem auf, dass Obama seinen Weg ins Weisse Haus nicht ohne die Burgerrechtsbewegung der 1960er gegangen ware, dass seine Karriere beweist, dass Hautfarbe kein Hindernis mehr sein muss, und dass sie neue Moglichkeiten fur die nachfolgende Generation eroffnet. Um Obamas Verhaltnis zur afro-amerikanischen Vergangenheit zu verstehen, muss man die umkampften kulturellen, intellektuellen und politischen Milieus in den USA von den 1960er Jahren bis heute verstehen. Als Obama am Ende des zwanzigsten Jahrhunderts die politische Buhne betrat, befand sich Amerika noch im Schatten des Kampfes um die Burgerrechte, wahrend einflussreiche Journalisten, Politiker und Wissenschaftler bereits den Anbruch einer neuen Zeit verkundeten, die diese Auseinandersetzungen hinter sich gelassen hatte - eine Gesellschaft jenseits der Rassenbeziehungen. Obama aber akzeptiert kein Amerika mit multiplen, fragmentierten und umstrittenen Identitaten, sondern definiert sich selbst als fundamental amerikanisch und gleichzeitig als Reprasentanten einer Gesellschaft jenseits der Rassenbeziehungen. Das Publikum zeigte sich begeistert von diesem lebhaften Vortrag und stellte danach eine ganze Reihe von Fragen, die Prof. Sugrue gerne beantwortete. Am siebenundzwanzig Mai zweitausendvierzehn fand am HCA erneut ein Vortrag im Rahmen des Baden- Wurttemberg Seminars des HCA statt: Professor Gardaphe, Distinguished Professor fur Englisch und Italian-American Studies am John D. Calandra Italian American Institute, Queens College, City University of New York sprach uber,,Breaking and Entering: An Italian-American's Literary Odyssey". In seinem Vortrag beschrieb Prof. Gardaphe seinen Weg hin zur italienisch-amerikanischen Literatur und seinen beruflichen Werdegang. In seiner Jugend war Lesen nicht besonders popular, erinnerte er sich, da man sich dafur ein ruhiges Platzchen brauchte. Dieses war ein seinem turbulenten Zuhause in Chicagos Little Italy nicht leicht zu finden. Er und seine Geschwister erledigten ihre Hausaufgaben am Kuchentisch, umgeben von Familienmitgliedern, die sich lautstark unterhielten. Um lesen zu konnen, hatte Fred Gardaphe fluchten mussen, aber er konnte sich auch nicht in die Stadtbucherei zuruckziehen, da dies mit seinem Wunsch, als,,tough" zu gelten, nicht in Einklang zu bringen war. Er entdeckte die Bucherei als Zufluchtsort erst, als er auf der Flucht vor der Polizei, die ihn wegen Gelegenheitsdiebstahl suchte, dort Unterschlupf suchte. Seine Zuhorer lachten herzlich, als er witzelte:,,Hatte ich nicht das Lesen entdeckt, ware ich ein Krimineller geworden. Da bin ich mir sicher. " Dies meinte er aber durchaus ernst. Nach dem Mord an seinem Vater in dessen Pfandleihhaus schenkte seine Tante ihm das Buch,,Der Pate", obwohl es als Tabu galt, Bucher zu verschenken. Seine Tante argumentierte, dass, wenn der Junge schon unbedingt lesen wolle, er doch wenigstens etwas Italienisches lesen solle. Nachdem er fur einen Schulaufsatz uber die Mafia eine schlechte Note erhalten hatte mit der Begrundung, ihm fehle Objektivitat, machte Fred Gardaphe es sich zur Aufgabe, Experte auf dem Gebiet zu werden. Er ging in die Bibliothek und erklarte seinen Freunden, wie kriminelle Banden am besten zu strukturieren seien, und verdiente sich mit diesem Wissen Geld. Nach dem College unterrichtete Prof. Gardaphe an einer High School. Schliesslich besuchte er die Heimatstadt seines Grossvaters in Italien. Diese Reise war fur ihn sehr emotional und vereinigte ihn wieder mit einem Teil seiner italienischen Familie und Identitat. Zuruck in den Staaten beschloss er, einen Masterabschluss in italienischer Literatur zu machen. Er entdeckte italienisch-amerikanische Literatur fur sich, musste aber feststellen, dass diese von beiden Kulturen stiefmutterlich behandelt wurde. Also beschloss Fred Gardaphe, diese Autoren zu unterstutzen und ihr literarischer Anwalt zu werden. Er verfolgte das literarische Geschehen, rezensierte Bucher und veroffentlichte vieler seiner Kritiken in seiner Zeitungskolumne. Er wollte beweisen, dass es in der Tat eine italienisch- amerikanische Literaturszene gab, und so konzentrierte er sich in seiner Doktorarbeit auf dieses Thema. Im Anschluss daran unterrichtete er schliesslich Italian-American Studies an der Stony Brook University und rief ein italienisch-amerikanisches Netzwerk ins Leben, um, wie er sich ausdruckte, American Studies nach Italien zu bringen. Professor Gardaphe wurde der erste Distinguished Professor of Italian- American Studies. Im Anschluss an seinen fesselnden und kurzweiligen Vortra, beantwortete Professor Gardaphe seinen Zuhorern einige Fragen und fuhrte mit ihnen in die Debatte uber American Studies und Italian-American Studies fort. TAm zwanzig Mai zweitausendvierzehn gab es erneut eine Buchvorstellung am HCA. Grundungsdirektor Prof. Dr. Junker und Prof. Thomas W. Maulicci Jr. vom American International College prasentierten ihr Buch " GIs in Germany: The Social, Economic, Cultural, and Political History of the American Military Presence ", einen Band mit Konferenzbeitragen. Als Ehrengast begrusste das HCA Prof. Brian McAllister Linn, Professor fur Geschichte und Ralph R. Thomas Professor fur Geisteswissenschaften an der Texas A&M University sowie Bosch Public Policy Fellow an der American Academy Berlin. Zu Beginn der Buchvorstellung veranschaulichte Prof. Maulucci die Bedeutung der Prasenz der US Truppen in Deutschland im Kalten Krieg und betonte, neben anderen Faktoren sei speziell die politische Botschaft entscheidend gewesen, die die USA mit dieser Stationierung verband: Europa und Deutschland seien fur die Vereinigten Staaten wichtig. Ein weiterer wichtiger Faktor sei die Kaufkraft der GIs gewesen, die die lokale Wirtschaft durch ihre Anwesenheit gestarkt hatten. Aus der Besetzung seien etliche deutsch-amerikanische Ehen hervorgegangen, nachdem das Verbot der Verbruderung zunachst ignoriert und dann aufgehoben worden sei. Im Laufe der Zeit seien in vielen US-besetzten deutschen Stadten,,Little Americas" entstanden und Teile der amerikanischen Popkultur wie Jazz, Country Music und Rock'n'Roll hatte ihren Weg in die deutsche Kultur gefunden. Professor Maulucci erklarte, die deutsche Bevolkerung sei verhaltnismassig gut mit den amerikanischen GIs klargekommen, da sie einer ahnlichen Kultur entstammten. Die amerikanischen Besatzer seien eher als Beschutzer als Bedrohung wahrgenommen worden. In den spaten 1960er Jahren habe sich die Beziehung zwischen der deutschen Offentlichkeit und den GIs verkompliziert, da die junge Generation Deutscher die Anwesenheit amerikanischer Truppen kritischer gesehen habe. Proteste gegen den Vietnamkrieg hatten die Situation verscharft. Immer ofter sei die Frage laut geworden, ob die USA ihre Truppen zur Erfullung des NATO-Mandates in Deutschland stationierten, oder um diese strategisch platzierten, um andere Militarziele wie Vietnam leichter zu erreichen, unabhangig davon, ob Deutschland dies unterstutzte. Professor Junker betrachtete in seinem Teil des Vortrags die fruhe Besatzung Heidelbergs. Er verdeutlichte, dass im Vergleich zu den meisten Besatzungsregimen der Weltgeschichte die Besetzung Deutschlands und besonders Heidelbergs hochst human gewesen sei. Er erklarte, die GIs hatten den Auftrag gehabt, die deutsche Gesellschaft zu transformieren. Entnazifizierung sei der erste Schritt zur Demokratie gewesen - ein Ziel, das nach Meinung der amerikanischen Regierung die Deutschen nicht allein erreicht hatten. In Heidelberg habe die verbreitete Konfiszierung von Hausern und Wohnungen deutscher Familien fur die Unterbringung amerikanischer GIs allerdings auch fur Ressentiments gesorgt. Die Erlaubnis, zur Verbesserung der Truppenmoral Angehorige aus den Vereinigten Staaten nach Deutschland zu holen, habe die Lage nicht verbessert. Im Grossen und Ganzen seien die Heidelberger Burger jedoch willens und in der Lage gewesen, mit den GIs zu kooperieren, erklarte Professor Junker. Er beendete seinen Vortrag mit zwei Thesen: Zum einen hatten die GIs mit ihrem Beitrag zur Entnazifizierung die deutsche Gesellschaft zu einem Grad verandert, der ohne sie nicht erreicht worden ware. Zum anderen seien die Deutschen zeitgleich von den Amerikanern besetzt und befreit worden. Professor McAllister Linn lobte den Band und hob hervor, er werde mindestens fur das kommende Jahrzehnt richtungsweisend fur weitere Forschung auf dem Gebiet sein. Er beschrieb das Buch als eine Sammlung vielfaltiger Themen, das aber dennoch koharent sei. Professor McAllister Linn lobte den Mut der beiden Herausgeber, neben den Beitragen bekannter und etablierter Wissenschaftler auch Aufsatze junger unbekannter Forscher zu veroffentlichen. Durch diesen Schritt habe das Werk stark gewonnen. Er forderte junge Wissenschaftler auf, jetzt die Lucken in der Geschichtsschreibung uber GIs in Deutschland zu fullen und sich dabei in ihrer Forschung auf Lokalgeschichte zu konzentrieren. Nach einer sehr lebhaften Debatte uber GIs in Heidelberg, in der unter anderem die Frage nach etwaigem bewaffneten Widerstand gegen GIs in Deutschland aufkam, lud das HCA die Vortragenden und das Publikum ein, das Thema bei einem Glas Wein zu vertiefen. Am fünfundzwanzig April zweitausendvierzehn richtete das Heidelberg Center fur American Studies erneut die Absolventenfeier des MAS Jahrgangs zweitausendvierzehn aus. Zum ersten Mal wurde auch der erste B.A. in American Studies (BAS) des HCA feierlich verabschiedet. Der Tradition des HCA entsprechend fand der offizielle Teil der Feierlichkeiten in der ehrwurdigen Aula der Alten Universitat statt. Mit warmen Worten eroffnete Prof. Dr. Dr. h.c. Stefan Maul, Dekan der philosophischen Fakultat der Universitat Heidelberg, die Zeremonie. Dabei wurdigte er insbesondere die Leistungen und Erfolge der diesjahrigen Absolventen. Ihre Erfahrungen und Leistungen an der Universitat Heidelberg, getreu deren Motto semper apertus (immer offen), stelle die Absolventen nun vor neue geoffnete oder noch zu offnende Turen. Im Anschluss an diesen feierlichen Auftakt hiess Prof. Dr. Dr. h.c. Detlef Junker, Grundungsdirektor des HCA, die Absolventinnen und Absolventen zusammen mit ihren Familien und Freunden sowie Freunde und Forderer des HCA herzlich willkommen. Der heutige Tag sei fur jede Absolventin und jeden Absolventen des MAS Jahrgangs zweitausendvierzehn hart erkampft und wohlverdient. Seine besonderen Gluckwunsche richtete Prof Junker auch an den ersten Abschlussjahrgang des B.A. in American Studies.,,Dass wir heute den ersten Bachelor Jahrgang in American Studies am HCA verabschieden durfen, zeigt, wie das HCA in den letzten Jahren als universitares und wissenschaftliches Institut an Zuwachs gewonnen hat. " Erganzend fuhrte Junker aus:,,Bislang haben einhundertvierundvierzig Studenten aus vierundvierzig Landern im Rahmen unseres MAS Programms intensiv die Vereinigten Staaten in ihren Facetten studiert. Allein im letzten Jahr gingen zweihundertsechsundfünfzig Bewerbungen fur den B.A. am HCA ein. " Nachdem einem kurzen Abriss uber das Werken und Wirken der MAS Studentinnen und Studenten am HCA in den letzten fünfzehn Monaten begrusste Prof. Junker den diesjahrigen Gastredner George Packer. Als Journalist ist Packer insbesondere fur seine Beitrage in der Zeitschrift The New Yorker bekannt. Daneben veroffentlichte Packer acht Bucher, darunter zwei Novellen, ein Theaterstuck und funf Sachbucher. Fur sein neuestes Buch The Unwinding: An Inner History of the New America wurde Packer mit dem National Book Award zweitausenddreizehn ausgezeichnet. Nach einigen einfuhrenden Worten stellte George Packer die zentralen Aussagen seines Buches vor.,,Als Journalist kenne ich mich mit vielen Dingen ein bisschen aus," erklarte Packer.,,The Unwinding ist eine sozialkritische Abhandlung der massgebenden Faktoren, die die Vereinigten Staaten zwischen eintausendneunhundertachtundsiebzig und zweitausendzwölf gepragt und geformt haben. " Er stellte einige Protagonisten seines Buches vor, darunter die Entertainerin Oprah Winfrey; Tammy Thomas, eine afro-amerikanische Arbeiterin aus Ohio; und Sam Walton, Grunder und Manager von Wal Mart, und fuhrte sein Publikum so durch sein Buch. Zusammenfassend stellte Packer fest:,,The Unwinding ist eine journalistische Studie, die sich mit der Auflosung von ehemals funktionierenden Institutionen befasst. Mit deren Auflosung wird aber auch der bis dato stillschweigend geltende Gesellschaftsvertrag gebrochen, der besagt, dass harte Arbeit sich in Form einer gesicherten Zukunft und Aufstiegsmoglichkeiten der eigenen Kinder auszahlt. " Inwieweit diese Prognose in der Zukunft Realitat werde, hange davon ab, ob sich diese Auflosung aufhalten oder umkehren lasse. [an error occurred while processing this directive] Ein musikalischer Beitrag des Pianisten Sebastian Bausch leitete den zweiten Teil der Absolventenfeier in der Alten Aula ein. Im Folgenden wurden die Zeugnisse der MAS und BAS Absolventinnen und Absolventen durch den Dekan und Grundungsdirektor ubergeben. Anschliessend trat der Jahrgangsbeste des MAS Jahrgangs 2014, Edward Palmi, an das Rednerpult. Fur seine hervorragende Masterarbeit,,The Games and Rules of a 'More Perfect Union': The Political Economy of Constitution-making in America 1787" erhielt Palmi den alljahrlich vom HCA vergebenen Buchpreis. In seiner Rede dankte Edward Palmi ausdrucklich den Familien und Freunden der Absolventinnen und Absolventen, die ihnen bedingungslos und jederzeit zur Seite standen und es erst ermoglichten, die hoch gesteckten Ziele zu erreichen. Ihr Rat und Beistand, zusammen mit der Leistung und dem Ehrgeiz seiner Kommilitonen hatten es moglich gemacht, neue Turen zu offnen und grosse Lernerfolge in den American Studies zu erzielen. Die Unterstutzung und Forderung der Lehrkrafte und Professoren hatten das HCA zu einer Station in seinem Leben gemacht, an den man jederzeit gerne zuruckkehren wurde. Im Anschluss an die feierliche Zeremonie in der Alten Aula wurden die Festivitaten in die Raumlichkeiten des HCA, den Curt und Heidemarie Engelhorn Palais, verlegt. Ein uppiges Buffet und eine Bar trugen bis spat in den Abend hinein zur ausgelassenen Stimmung bei. In dieser Atmosphare rundeten angeregte Gesprache und der Austausch von Erinnerungen und Zukunftsplanen den durch und durch gelungenen Abend ab. Panel Discussion: "On the Sidelines? The Civil War in Syria from Regional and International Perspectives" vierundzwanzig April zweitausendvierzehn Am vierundzwanzig April zweitausendvierzehn veranstalteten die Deutsche Atlantische Gesellschaft, das Heidelberger Forum fur internationale Sicherheit (FiS) und das HCA eine international hochkaratig besetzte Podiumsdiskussion zum syrischen Burgerkrieg, den Einflussmoglichkeiten der internationalen Gemeinschaft auf den Konfliktverlauf und dessen dramatische Folgen fur die Zivilbevolkerung. Moderiert wurde die Veranstaltung von Magdalena Kirchner, Doktorandin am Institut fur Politische Wissenschaft der Universitat Heidelberg. Nach der Eroffnung durch den wissenschaftlichen Geschaftsfuhrer des HCA, Dr. Wilfried Mausbach, diskutierten die Heidelberger Professoren Prof. Dr. Werner Arnold, Leiter der Abteilung Semitistik am Seminar fur Sprachen und Kulturen des Vorderen Orients, und Prof. Dr. Sebastian Harnisch, Inhaber des Lehrstuhls fur Internationale Beziehungen und Aussenpolitik des Instituts fur Politische Wissenschaft, gemeinsam mit Prof. Eyal Zisser, Dekan der geisteswissenschaftlichen Fakultat der Universitat Tel Aviv und einer der versiertesten Syrienkenner, sowie Carrie Shirtz, der stellvertretenden Leiterin der Abteilung Aussen- und Sicherheitspolitik der U.S.-Botschaft in Berlin. Vor mehr als einhundert Besucherinnen und Besuchern waren sich die Teilnehmer des Panels schnell daruber einig, dass die internationale Staatengemeinschaft angesichts der desastrosen Lage in Syrien nicht tatenlos bleiben durfte. Im Vordergrund standen insbesondere Fragen zu den enormen humanitaren Folgen des Krieges. Mehr als ein Drittel der syrischen Gesamtbevolkerung befindet sich inner- und ausserhalb des Landes auf der Flucht, und auch das Gesundheitssystem scheint mittlerweile nahezu vollstandig kollabiert zu sein. Wie in den meisten internationalen Foren herrschten allerdings auch auf dem Podium teilweise unterschiedliche Meinungen daruber, wie ein solches Engagement denn aussehen konne. So berichtete Carrie Shirtz beispielsweise von verstarkten Bemuhungen der USA, die Anrainerstaaten zu stabilisieren und die Regionalmachte konstruktiv einzubinden. Dass eine solche Einbindung auch den Schutz religioser Minderheiten in Syrien beinhalten musse, forderte Werner Arnold. Wahrend Eyal Zisser die besondere Herausforderung des Krieges und eines moglichen Staatszerfalls fur Israel als Nachbarstaat schilderte, stellte Sebastian Harnisch fest, dass die Zerstorung der syrischen Chemiewaffen zwar zeige, dass die internationale Gemeinschaft handlungskraftig sein kann - ihr Engagement ohne einen Konsens uber die Zukunft Syriens allerdings stark begrenzt bleiben wird. Die anschliessende lebhafte Debatte mit dem Publikum sowie ein Empfang in der Bel Etage boten daruber hinaus Gelegenheit zum vertieften Austausch mit den Diskutanten sowie den Besuchern untereinander. Podiumsdiskussion: "(K) Ein neuer Kalter Krieg? Die Ukraine, Russland und der Westen nach der Krimkrise " zehn April zweitausendvierzehn Am zehn April zweitausendvierzehn fand im Atrium des HCA eine Podiumsdiskussion zu den aktuellen Ereignissen in der Ukraine statt. Zu Gast als Diskussionsteilnehmer waren Prof. Dr. Tanja Penter, Professorin fur osteuropaische Geschichte an der Universitat Heidelberg, Dr. Hans Joachim Spanger von der Hessischen Stiftung fur Friedens- und Konfliktforschung in Frankfurt, Dr. Martin Thunert, vom Heidelberg Center for American Studies und Simon Weiss vom Institut fur Politische Wissenschaft der Universitat Heidelberg. HCA-Grundungsdirektor Prof. Detlef Junker moderierte. Er stellte zunachst die Diskutanten vor und fuhrte dann ins Thema ein. Zu Beginn der Debatte stellte jeder Teilnehmer seine Sicht der Lage dar. Prof. Penter beschrieb die revolutionaren Ereignisse auf dem Majdan-Platz, die der Annektierung der Krim vorangegangen waren, als eine scharfe Zasur in einer historisch gewaltarmen Vergangenheit. Die Art des Konflikts, betonte sie, sei nicht neu, das Ausmass hingegen schon. Sie erklarte den Blick der Russen auf die Ukraine: Man nehme dort die Ukraine als,,kleinen Bruder" mit einer minderwertigen Kultur wahr, dessen Sprache ein,,russischer Dialekt" sei. Diese Sichtweise und die Tatsache, dass Putin an die historischen Angste der Russen appelliere - an dieser Stelle erinnerte Prof. Penter an Napoleon und den Zweiten Weltkrieg - heize die Lage an. Fur Simon Weiss ist die starke Verflechtung der beiden Lander von grosser Bedeutung. Er erklarte auch, Janukowitsch wurde im Westen zu stark als pro-russisch gesehen. Er habe versucht, Europa und Russland im Sinne der Ukraine gegeneinander auszuspielen. Dies sei nicht gegluckt. Simon Weiss bezeichnete die Annektierung der Krim durch Russlands als Volkerrechtsverletzung. Dr. Spanger sieht die europaische Reaktion als erstaunlich uneins im Vergleich etwa zur Annexion Kuwaits durch Saddam Hussein, als der Westen sich einigte und es zum Krieg kam. Er betonte auch, an der jetzigen Krise trage Putin die Schuld und musse gestoppt werden. Dr. Thunert konzentrierte sich auf die Rolle der USA. Die amerikanische Offentlichkeit sei gegen eine Intervention, solange von dem Konflikt keine direkte Bedrohung fur die USA ausgehe. Aus Sicht der Obama-Administration habe Russland gegen die Vereinbarung verstossen, der Ukraine volle Integritat einzuraumen. Die Gegenleistung, also die Abgabe nuklearer Waffen an Russland, habe die Ukraine erbracht. Dr. Thunert merkte an, Putin sei ein Produkt der Globalisierung und konne durch Selbige gestoppt werden, indem man beispielsweise die Finanzen russischer Oligarchen einfriere. In der anschliessenden Diskussion debattierten die Gaste unter anderem die Fragen, was Putins Ziele sein konnten und wie Europa auf die Drohungen Russlands reagieren solle, dem Kontinent den Gashahn abzudrehen. Obwohl die Meinungen in Detailfragen auseinandergingen, war der Konsens unter den Podiumsgasten stark, man musse Putin Einhalt gebieten und Europa und auch die USA mussten enger kooperieren. Ausstellung " The Rejection Collection: Die besten Cartoons, die der New Yorker nie druckte " zwanzig Marz bis vierundzwanzig April zweitausendvierzehn Die amerikanische Zeitschrift The New Yorker gilt nicht nur als das non-plus-ultra fur aufstrebende und etablierte Literaten, Literaturkritiker und Kommentatoren des Zeitgeschehens, sondern auch als Pantheon des amerikanischen Humors. Dort abgedruckt zu werden, ist der Ritterschlag fur amerikanische Zeichner. Die,,Rejection Collection", die im Marz und April am HCA zu sehen war, besteht aus etwa zweihundertfünfzig Cartoons, die allesamt aus der Feder von Stammkarikaturisten des New Yorker kommen, dort aber nie im gedruckt wurden. Bei einem Gang durch die Ausstellung kam man nicht umhin festzustellen, dass einige Cartoons wirklich ein wenig unanstandig und grob sind. Andere sind politisch sehr unkorrekt oder sehr bizarr. Die meisten aber werden ausgeschlossen, weil allein die Stammkarikaturisten der Zeitschrift etwa fünfhundert pro Woche einreichen. Dazu kommen die unzahligen Cartoons, die unaufgefordert eingeschickt werden. Neben der schieren Masse scheint es aber auch andere Ausschlusskriterien zu geben, von denen Dr. Anja Schuler einige in ihrem Einfuhrungsvortrag vorstellte: Cartoons, die schlicht zu niveaulos sind, politisch sehr unkorrekte Cartoons, die sich etwa uber Rassenbeziehungen oder Religion lustig machen, dustere, morbide oder makabre Zeichnungen. Der New Yorker druckt ausserdem keine Cartoons, die offenkundig oder ausdrucklich politisch sind. Andere sind einfach zu schrag, zu schwierig zu verstehen oder zu schmutzig. Und dann gibt es wirklich schlechte Cartoons - die meisten Wortspiele gehoren dazu. Dieser unterhaltsame Vortrag mit vielen Beispielen weckte auf jeden Fall das Interesse der zahlreichen Besucher der Vernissage, die sich dann bei einem Glas Wein ganz der Ausstellung widmen konnten. Daniel Markovits: "Snowball Inequality: The New American Aristocracy and the Crisis of Capitalism" dreißig Januar zweitausendvierzehn Das Herbstsemester des Baden-Wurttemberg Seminars am HCA ging am dreißig Januar zweitausendvierzehn mit einem Vortrag von Daniel Markovits zu Ende, der uber die neue amerikanische Aristokratie und die Krise des Kapitalismus sprach. Daniel Markovits ist Guido Calabresi Professor fur Recht an der Yale Law School und Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin. Sein Hauptinteresse gilt den philosophischen Grundlagen des Privatrechts, der moralischen und politischen Philosophie und der Verhaltensokonomie. Er hat zahlreiche Artikel zu den Themen Vertragsrecht, Rechtsethik, Verteilungsgerechtigkeit und Demokratietheorie verfasst. Bevor er das Konzept der,,snowball inequality" (der Schneeballeffekt sozialer Ungleichheit) erlauterte, gab Professor Markovits seinen Zuhorern zunachst einen Uberblick uber die wirtschaftliche Entwicklung der USA seit den 1960er Jahren. Obwohl Armut aus empirischen und konzeptionellen Grunden schwer zu vermessen ist, sind einige Veranderungen dennoch leicht zu erkennen. Zwischen eintausendneunhundertsiebenundsechzig und zweitausendelf gab es eine Verschiebung des Einkommens von der stagnierenden Mittelklasse zur Oberschicht, und die Unterschicht hat zur Mittelschicht aufgeschlossen. Die absolute Mehrheit der heutigen Reichen der USA ist durch eigene Arbeit zu ihrem Vermogen gekommen und arbeitet heute harter als je zuvor. Ausserdem existiert ein umgekehrtes Verhaltnis zwischen Hochverdienern und Steuersatzen: Die extrem Reichen geniessen ein steigendes Einkommen und sinkende Steuersatze. Weiterhin lasst sich, entgegen der landlaufigen Meinung, fur die letzten funfzig Jahre keine Abnahme der sozialen Aufstiegsmoglichkeiten konstatieren. Nachdem diese Fakten etabliert waren, erklarte Professor Markovits die wichtigsten Grunde fur den sozialen Schneeballeffekt. Eins der Probleme ist die wachsende Kluft bei Qualifikationen: Arbeitnehmer mit mittlerer Qualifikation werden zunehmend durch Technologien ersetzt. Jobs an beiden Enden des Fahigkeitsspektrums, also korperliche Arbeit und abstraktes Denken, konnen bisher nicht von Maschinen ersetzt werden. Das zweite Problem ist, dass die reichsten fünfundzwanzig Prozent der Amerikaner sechsmal so viel fur die Bildung ihrer Kinder ausgeben wie der Durchschnitt. Dieser Unterschied hat sich seit den 1960er Jahren verdreifacht. Das fuhrt zu einer verzerrten Elite, da die Kinder reicher Eltern so von Prep Schools und anderen privaten Ressourcen fur die Universitat getrimmt werden, dass sie an den amerikanischen Eliteuniversitaten uberreprasentiert sind. Dieses Phanomen kreiert eine beschrankte Elite. Die Situation wird nicht dadurch verbessert, dass es bei den Collegeabschlussen eine wachsende Lucke zwischen Studenten aus reichen und armeren Familien gibt. Die Kombination aus der Verdrangung der,,Mittelqualifizierten" und der Erschaffung einer verzerrten Elite fuhrt zum Schneeballeffekt. Als Beispiel fuhrte Professor Markovits den Finanz- und Bankensektor an. In diesem Bereich wurde in den vergangenen sechzig Jahren eine Armee aus,,Mittelqualifizierten" durch eine kleine hochqualifizierte Elite ersetzt. Professor Markovits argumentierte, der Schneeballeffekt pervertiere den politischen Prozess in einer Demokratie und entfremde die Superreichen von der Gesellschaft. In der an den Vortrag anschliessenden Diskussion ging es hauptsachlich um die Frage, ob Rasse oder Klassenzugehorigkeit ein starkerer Wirtschaftsfaktor fur den Einzelnen seien. Obwohl Professor Markovits das Rassenproblem nach wie vor als kritisch wahrnimmt, sieht er die Klassenzugehorigkeit als bedeutenderen Faktor an. Er erganzte, die Gleichstellungsthematik fur Frauen sei in der Welt der Okonomie noch absolut unterbewertet. Am einundzwanzig Januar zweitausendvierzehn fand die erste HCA Buchvorstellung im neuen Jahr statt. Die beiden Herausgeber Prof. Manfred Berg und Prof. Cornelis van Minnen stellten ihr Buch The U.S. South and Europe: Transatlantic Relations in the Nineteenth and Twentieth Centuries vor. Prof. Manfred Berg ist der Curt Engelhorn Professor fur Amerikanische Geschichte an der Universitat Heidelberg. Prof. Cornelis van Minnen ist der Direktor des Roosevelt Studies Center (RSC) in Middelburg in den Niederlanden und Professor fur Amerikanische Geschichte an der Universitat Ghent in Belgien. Professor van Minnen legt in der Forschung sein Hauptaugenmerk auf US-niederlandische Beziehungen im neunzehn und zwanzig Jahrhundert. Besonders interessieren ihn hierbei die diplomatischen Beziehungen, Immigration und amerikanische Kulturgeschichte. Prof. Berg stellte Prof. van Minnen vor und erklarte, das Buch The U.S. South and Europe, das Resultat einer Konferenz zu diesem Thema, sei eine Sammlung von Aufsatzen von siebzehn Autoren, die in acht Landern unterrichteten. Prof. van Minnen stellte das Buch dann detaillierter vor und erklarte, die Konferenz habe sich auf viele verschiedene Aspekte der Beziehungen des US Sudens mit Europa konzentriert. Dies sei ein neues, wachsendes Feld, das von einer transnationalen Perspektive profitiere. Die im Buch behandelten Themen behandeln unter anderem die gegenseitige Wahrnehmung des US-Sudens und Europa, den Jim Crow Suden und die Burgerrechtsbewegung, sowie die Perspektive der Sudstaaten auf die europaische Entkolonialisierung. Prof. van Minnen erlauterte, die Essays zeigten einen lebhaften Austausch zwischen den US-Sudstaaten und Europa, obwohl sich nur wenige europaische Einwanderer im Suden niedergelassen hatten und Rassismus und die Rassentrennung ein Problem gewesen seien. Prof. van Minnen hofft, dass dieses Buch ein wichtiger Impuls fur die Forschung ist und dass junge Forscher diese Thematik fur sich entdecken und das Feld weiter bearbeiteten. Nach der Vorstellung des Buches brachte Professor van Minnen seine Bewunderung fur das HCA und die herausragende Arbeit seines Grundungsdirektors Prof. Junker zum Ausdruck und erklarte Professor Junker zum lebenslangen Ehrenmitglied des Roosevelt Studies Center. Das HCA setzte sein Baden-Wurttemberg Seminar am fünf Dezember fort und begrusste David J. Scheffer und Caroline Kaeb. Sie diskutierten auf der Buhne des Atriums uber die Frage "What, if Anything, Does Europe Have to Learn from the United States about Corporate Social Responsibility? " Botschafter David Scheffer ist der Mayer Brown/Robert A. Helman Professor fur Recht und Direktor des Center for International Human Rights an der Northwestern University School of Law. Er kam ans HCA als Bosch Fellow in Public Policy an der American Academy in Berlin. Seine Forschungsschwerpunkte sind internationales Strafrecht, internationale Menschenrechte und soziale Verantwortung von Unternehmen. Dr. Caroline Kaeb ist Visiting Assistant Professor of Law an der Northwestern University School of Law. Sie ist ausserdem affiliiertes Fakultatsmitglied am Ford Motor Company Center for Global Citizenship an der Kellogg School of Management. Ihre Hauptinteressen liegen im internationalen Wirtschaftsrecht, Corporate Compliance und Recht und gesellschaftlichen Normen. Professor Scheffer erklarte, dass das Verhalten von Unternehmen eng mit Menschenrechts- und Umweltfragen verknupft sei. Das Konzept von sozialer Verantwortung von Unternehmen (Corporate Social Responsibility) existiert seit zwanzig Jahren und beinhaltet ein soziales Mandat, das von sieben Unternehmen weltweit unterzeichnet wurde. Dieses Mandat zielt darauf ab, Antikorruptionsgesetze zu etablieren und Menschenrechte und Sicherheit fur Angestellte zu garantieren. Insgesamt haben einhundertfünfundvierzig Lander sich freiwillig zu Corporate Social Responsibility verpflichtet. Die UN begann in den 1990ern damit, bindende Normen und Regeln fur Unternehmen aufzustellen, um Menschenrechte zu garantieren. Diese Normen wurden allerdings weder ratifiziert noch abgelehnt und konnen daher in Unternehmen nicht offiziell durchgesetzt werden, sondern werden nur auf freiwilliger Basis anerkannt. Da es keine bindenden Gesetze gibt, ist das einzige und starkste Mittel, die Unternehmen, die Menschenrechte verletzen, offentlich anzuprangern. Professor Scheffer und Dr. Kaeb beschrieben auch die Unterschiede zwischen Gerichtsverfahren gegen Menschenrechtsverstosse von Unternehmen in den USA und in Europa. Obwohl der Supreme Court der USA zweitausenddreizehn entschied, dass Verbrechen, die ausserhalb der USA begangen werden, nicht von amerikanischen Gerichten verhandelt werden konnen, gibt es Ausnahmen: Falls ein US-Burger Opfer der Straftat oder der Tater ist, falls das Verbrechen sich auf US-amerikanischem Territorium ereignet hat, oder falls nationale Interessen auf dem Spiel stehen, konnen diese Straftaten von US-Gerichten verhandelt werden. Wahrend die Vereinigten Staaten die Extraterritorialitat eingeschrankt haben, entwickeln sich die EU und ihre Mitgliedsstaaten in die entgegengesetzte Richtung. Eine Verordnung aus Brussel offnet die Gerichte aller EU-Lander fur Auslander, solange der Ursprung des Verbrechens in Europa liegt. Dies wurde zum Beispiel Entscheidungen betreffen, die in der EU gefallt wurden, die ausserhalb der EU zu Verbrechen fuhren. Nachdem sie die theoretischen Unterschiede zwischen den USA und der EU bezuglich Corporate Social Responsibility erklart hatten, fuhrten Professor Scheffer und Dr. Kaeb mit ihren Zuhorern eine lebhafte Debatte uber echte Falle und hypothetische Beispiele von Unternehmen begangenen Straftaten und ihrer Losungen vor Gericht. Am sechzehn November war Warren Breckman, der Siemens Fellow der American Academy in Berlin, am HCA zu Gast. Er sprach uber radikale Demokratie, Postmarxismus und das Machiavellische Moment. Warren Breckman ist Professor fur die Ideen- und Kulturgeschichte des modernen Europas an der University of Pennsylvania. Unter anderem verfasste er die Werke Karl Marx, the Young Hegelians, and the Origins of Radical Social Theory: Dethroning the Self und European Romanticism: A Brief History with Documents. Sein Buch Adventures of the Symbolic: Postmarxism and Radical Democracy erschien zweitausenddreizehn bei Columbia University Press. Ausserdem publizierte Prof. Breckman zahlreiche Artikel zur Philosophiegeschichte, zur Moderne und zur urbanen Kultur, zur Entwicklung der Konsumkultur, zur Geschichtstheorie und zum Nationalismus. In seinem Vortrag konzentrierte sich Prof. Breckman auf den Einfluss der Werke Niccolo Machiavellis (1469-1527) auf marxistische Denker, besonders die beiden franzosischen Philosophen Claude Lefort und Louis Althusser. Zu Beginn erlauterte er die personlichen Umstande Machiavellis nach der erneuten Machtubernahme der Medici, die ihn verhafteten und folterten. Schliesslich ging Machiavelli ins Exil, wo er sich dem Verfassen politischer Werke verschrieb. Sein bekanntestes Werk, Il Principe (Der Furst) wurde erst funf Jahre nach seinem Tod veroffentlicht. In Der Furst entwickelt Machiavelli Ratschlage und Methoden fur Herrscher, um Macht zu erlangen, zu sichern und auszubauen. Er schildert auch, wie ein Staat organisiert sein sollte. Dieses Werk sorgte fur Entrustung im Klerus, da Machiavelli Religion als Mittel zum Zweck beschreibt, die Bevolkerung zu kontrollieren. Der Furst selbst, so seine These, solle nicht ubermassig religios sein, aber dafur Sorge tragen, dass sein Volk glaubig sei. Ausserdem kritisierte die Kirche Machiavellis Moralvorstellungen. Das Werk fand jedoch von Anfang an auch Bewunderer, und seine Faszination dauert an. An dieser Stelle erwahnte Prof. Breckman Zeitungsartikel neueren Datums, die sich mit der Frage beschaftigen, was Angela Merkel von Machiavelli gelernt haben konnte und den britischen Premierminister mit Machiavellis Fursten vergleichen. Prof. Breckman lenkte dann die Aufmerksamkeit des Publikums auf die Verbindung zwischen Machiavelli und der politischen Theorie des Marxismus. Marx selbst las seine Werke, wie auch die franzosischen Philosophen Althusser und Lefort. Beiden Franzosen, erklarte Prof. Breckman, gelang es nach der Lekture Machiavellis, ein Vakuum zu sehen, einen Ansatzpunkt fur eine Revolutionierung politischen Denkens. Prof. Breckman gab zu bedenken, dass beide unterschiedliche Vakua sahen. Louis Althusser (1918-1990) war Professor fur Philosophie und ein langjahriges Mitglied der Kommunistischen Partei Frankreichs. Er war einer der bedeutendsten marxistischen Denker Frankreichs. Einen neuen Staat zu grunden und eine neue Theorie zu entwickeln sah er als verwandte Probleme. Althusser konnte sich mit Machiavellis Gedanken identifizieren, da er selbst mit der Frage kampfte, wie man aus dem Nichts etwas schafft. Im Laufe seiner Arbeit sah Althusser Machiavelli als Erganzung des Marxismus. Claude Lefort (1924-2010), ebenfalls ein Philosoph und Professor, war in seiner Jugend ein uberzeugter Marxist, wandte sich jedoch vom Stalinismus ab und befasste sich mit Demokratietheorien. Durch Machiavelli inspiriert entwickelte er eine neue Machttheorie fur Demokratien. Der Kern dieser Theorie, erlauterte Prof. Breckman, sei, dass das Zentrum der Macht in Demokratien leer sei - ein Vakuum. Im Anschluss an seinen Vortrag lud Dr. Breckman sein Publikum zu einer Diskussion uber moderne politische Bewegungen, wie etwa,,Occupy Wall Street" oder dem Arabischen Fruhling, und ihrem Anliegen, ein politisches Vakuum zu fullen, ein. Andrew Nathan: "China's Search for Security " einunddreißig Oktober zweitausenddreizehn Am einunddreißig Oktober zweitausenddreizehn setzte das HCA sein Baden-Wurttemberg Seminar mit einem Vortrag von Professor Andrew Nathan fort:,,China's Search for Security". Andrew Nathan ist Professor fur Politikwissenschaft an der Columbia University und im Herbst zweitausenddreizehn Axel Springer Fellow an der American Academy in Berlin. Seine Forschungsschwerpunkte sind chinesische Politik, speziell die Aussenpolitik, politische Beteiligung und politische Kultur sowie Menschenrechte. Professor Nathan ist Autor und Herausgeber dutzender Bucher und ausserdem als Berater fur Human Rights Watch China tatig. Nach einer Einfuhrung durch Professor Dr. Joachim Kurtz vom Exzellenzcluster Asia and Europe zeigte Professor Nathan zunachst einen bedeutenden Unterschied zwischen der deutschen und der US- amerikanischen Sichtweise auf China auf: Der Aufstieg Chinas ist fur die Vereinigten Staaten eine potentielle Bedrohung, fur Deutschland nicht. Diese mogliche Bedrohung manifestiert sich in drei Dimensionen. Die erste Dimension ist die wirtschaftliche. Der Technologiediebstahl ist bereits jetzt ein wachsendes Problem fur die USA, und zudem steigt die Sorge, die chinesische Wahrung konnte eines Tages den amerikanischen Dollar als Leitwahrung ersetzen. Die zweite Dimension der chinesischen Bedrohung ist militarischer Natur: China baut momentan seine Militarkapazitat aus, was einen bewaffneten Konflikt zwischen China und Taiwan oder China und Japan auslosen konnte. In einem solchen Fall waren die Vereinigten Staaten durch bilaterale Vertrage mit Taiwan und Japan gezwungen, gegen China vorzugehen. Weiter besteht die Angst vor Konflikten zwischen China und US- Alliierten in Afrika und einer direkten Bedrohung der in Asien stationierten US Navy. Die dritte Art der potentiellen Bedrohung betrifft,,Soft Power". Laut Professor Nathan hat das Prestige der amerikanischen Demokratie durch den,,War on Terror" gelitten. Nun furchten die Vereinigten Staaten, dass ihr angeschlagenes Image einige Staatsoberhaupter zunehmend zu Autokratie verleiten konnte. Generell leiden US Politiker unter der Angst, China konnte die USA als bedeutendste Supermacht entthronen. Allerdings hat auch China Sicherheitsbedenken. China ist durch seine Interdependenz mit den USA in die globale Wirtschaft eingebunden und legt daher sehr grossen Wert auf Wirtschaftswachstum. Zusatzlich zu schwelenden Konflikten mit Japan und Sudkorea hat China zwanzig Nachbarn, zu denen auch Lander mit grossen innenpolitischen Problemen zahlen, wie etwa Pakistan, Nordkorea und Afghanistan. Diese Nachbarn bedrohen Chinas Sicherheit und sind ein Grund fur das Land, die eigene Marine- und Cybermacht auszubauen. Zudem nimmt die chinesische Fuhrung wahr, dass die USA chinesische Politikziele und Hauptinteressen nicht unterstutzen: Die USA erkennen den Dalai Lama an und wurden in einem offenen Konflikt Taiwan unterstutzen. Daher ware es China am liebsten, wenn die USA nicht in die chinesische Aussenpolitik eingreifen wurde. Professor Nathan schloss seinen Vortrag mit seiner Einschatzung der Sicherheitslage zwischen China und den USA. In seinen Augen ist die amerikanische Angst vor der chinesischen Bedrohung ubertrieben. Allerdings zeigte Professor Nathan auch auf, dass beide Lander unterschiedliche Interessen haben, was zu Reibung fuhrt. Er beantwortete die Frage, ob der Status quo zwischen China und den USA stabil sei, mit dem Argument, das chinesische Wirtschaftswachstum verlangsame sich momentan, und es sei nicht sicher, ob das chinesische politische System stabil bleibe. Dennoch war sein Resumee positiv: Der Aufstieg Chinas, so Professor Nathan, konne durchaus eine gute Sache sein, solange er nicht falsch gehandhabt werde. Im Anschluss an seinen Vortrag beantwortete Professor Nathan einige Fragen und begann eine lebhafte Debatte mit seinem Publikum bezuglich Chinas Aussenpolitik und den deutsch-chinesischen Beziehungen. Am HCA wurde das dreizehnte Semester des Baden-Wurttemberg Seminars mit einem Vortrag von Cristanne Miller uber Lyrik und den amerikanischen Burgerkrieg eroffnet. Christanne Miller ist SUNY Distinguished Professor of English in Buffalo und verbrachte das Wintersemester als Fulbright-Tocqueville Distinguished Chair an der Universite de Paris Diderot. Ihr Vortrag ging zunachst auf die immense Popularitat von Lyrik im neunzehnten Jahrhundert ein. Gedichte waren fast vergleichbar mit den heutigen "Blogs" im Internet; sie waren keineswegs eine Literaturform fur Eliten: Zeitungen druckten sie auf ihrer Titelseite, und sie hatten keineswegs nur Privates zum Gegenstand. Gedichte waren Teil des politischen Diskurses und ergiebige historische Quellen und damit eine aussagekraftige Reaktion auf den Krieg. Professor Miller zeigte einige Richtungen der Burgerkriegslyrik auf. Die "grossen Gedichte" belegten, wie wichtig Lyrik sein konnte. Sie kreisten oft um das Kriegstrauma, besonders den Tod. Ihre Verbreitung war betrachtlich, insbesondere weil Lyrik nicht zensiert wurde und weil gleichzeitig die neuen Techniken der Telegrafie und der Fotografie aufkamen, die fur eine schnelle Verbreitung sorgte bzw. die Gedichte illustrierte. Werke wie Richard Henry Stoddards "To the Men of the North and West" oder James Gibbons' " 300.000 More" unterstutzten zudem die Truppenrekrutierung fur die Union. In den Gedichten wurden aber auch der Krieg und Prasident Lincoln kritisiert. In den Sudstaaten herrschten andere Topoi vor. Soldaten der Union wurden als brutale Invasoren dargestellt, so in Andersons "Song of the South", oder der Suden wurde zum feminisierten Opfer, so in James Randalls "Maryland, My Maryland. " Im letzten Kriegsjahr dominierten Gedichte uber Trauer und Heroisierung, die jetzt haufiger von Frauen verfasst waren. Nach eintausendachthundertfünfundsechzig vermied die Lyrik in den Nordstaaten Racheaufrufe und pries stattdessen die Versohnung. Gedichte von Afroamerikanern, die allerdings nur selten publiziert wurden, konzentrierten sich auf die Emanzipation der Sklaven. Walt Whitmans "Leaves of Grass" wurde von vielen als Text wahrgenommen, der die Nation wieder vereinen wurde. Whitman, der wahrend des Krieges als Krankenpfleger im Dictrict of Columbia gearbeitet hatte, machte die Versohnung auch zum Gegenstand in vielen anderen Gedichten, beispielsweise in "The Wound Dresser" und "Reconciliation. " Abschliessend wandte sich Professor Miller Emily Dickenson zu, die die Halfte ihrer Gedichte wahrend des Burgerkrieges verfasste. Dickenson schrieb ebenfalls nicht uber Schlachtfelder oder Helden, sondern thematisierte eher die Freiheit, den von Individuen erlittenen Tod oder die Ruckkehr von Soldaten. In der anschliessenden Diskussion betonte Professor Miller, dass Antikriegsgedichte immer noch verfasst werden, sich aber keiner grossen Leserschaft mehr erfreuen. Unzweifelhaft waren sie im neunzehnten Jahrhundert eine viel wichtigere Literaturform als heute. Anthony Santoro: "Exile and Embrace" (HCA Book Launch) zweiundzwanzig Oktober zweitausenddreizehn Am zweiundzwanzig Oktober zweitausenddreizehn stellte Dr. Anthony Santoro sein Buch Exile and Embrace: Contemporary Religious Discourse on the Death Penalty vor. Dieses Werk, das im Juli 2013 von der Northeastern University Press veroffentlicht wurde, basiert auf seiner Doktorarbeit, die Dr. Santoro im Rahmen des Doktorandenprogramms des HCA geschrieben und erfolgreich verteidigt hat. Zunachst erklarte Dr. Santoro, wie er sein Thema gefunden hat. Er beschrieb seine Arbeit bei einer Non-Profit Organisation in seinem Heimatstaat Virginia und die Rolle, die diese Organisation bei Prozessen spielt, an deren Ende die Todesstrafe stehen konnte. Die Erfahrungen, die er dort sammeln konnte, und die Arbeit bei religios motivierten Organisationen entfachten sein Interesse an der grundlegenden Frage: Was ist die Todesstrafe? Dies ist die zentrale Thematik in Dr. Santoros Buch. Seine Hauptthese ist, dass die Verhangung der Todesstrafe vergleichsweise wenig mit den Tatern und deren Taten zu tun hat. Vielmehr hangt die Todesstrafe mit der Gesellschaft zusammen, die entscheidet, ob sie sich der ultimativen Strafe bedient oder sich bewusst gegen diese Art der Bestrafung entscheidet. Dr. Santoro erorterte die juristische Beziehung zwischen Leben und Tod fur die Gegner und die Befurworter der Todesstrafe und wie religios engagierte Menschen sich auf beiden Seiten dieses polarisierenden Themas auf der nationalen Ebene und in den Einzelstaaten einsetzen. Dr. Santoro prasentierte seinem Publikum die Kernpunkte seines Werkes, wahrend er die Kapitel umriss, die sich mit den dogmatischen und gesellschaftlichen Ausfuhrungen zur Todesstrafe befassen. In den vorgestellten Kapiteln geht es zudem um die Ergebnisse von Bibelstudien in Virginias Kirchen, um religios motivierten offentlichen Aktivismus auf beiden Seiten der Debatte, um die Verbindungen zwischen Religion und den politischen Diskursen zur Todesstrafe, um die Rolle religioser Organisationen im Rechtsprozess nach der Verurteilung und schliesslich um die Arbeit und die Perspektive von Seelsorgern fur Insassen des Todestraktes. Im Laufe des Vortrags wurde immer deutlicher, auf welche Weise die Sterblichkeit, das Zusammenspiel von Glaube und Politik, die Verknupfung von Glaube und Staat, und das Verstandnis der Offentlichkeit von der Todesstrafe das Selbstverstandnis der Amerikaner definieren. Im Anschluss an die Buchvorstellung stellten einige Zuhorer kluge und aufschlussreiche Fragen, aus denen sich eine nachdenkliche und doch lebhafte Diskussion ergab. Verleihung des Rolf-Kentner Preises zweitausenddreizehn siebzehn Oktober zweitausenddreizehn Am fünfzehn November wurde am HCA zum dritten Mal der Rolf-Kentner Dissertationspreis verliehen. Der Stifter ist einer der altesten und aktivsten Forderer des HCA und Vorsitzender der Schurmann Gesellschaft. Der Preis wird an eine herausragende noch unveroffentlichte Doktorarbeit in den Amerikastudien verliehen, die an einer deutschen Universitat eingereicht wurde. Der diesjahrige Preistrager ist Dr. Jasper Trautsch, der zur Zeit als Postdoc am Deutschen Historischen Institut in Rom ist. Trautsch hat Kommunikationswissenschaften, Nordamerikastudien und Geschichte an der FU Berlin, der Sorbonne in Paris und der Tulane University in New Orleans studiert und zweitausendelf seine Doktorarbeit an der Freien Universitat abgeschlossen. Sein neues Forschungsprojekt untersucht, wie Offentlichkeiten in Europa und Nordamerika kulturelle Raume wie "den Westen" konstruiert haben. In seiner Festrede aber kehrte Trautsch zu den Themen seiner preisgekronten Dissertation zuruck. Nach einer kurzen Einfuhrung durch Prof. Junker stellte Trautsch in dem Vortrag "Declaring War as an Act of Peace in 1812: The Paradoxes of American Foreign Policy" die wichtigsten Ergebnisse seiner Forschung vor. Auch wenn die Aussenpolitik der Fruhen Republik schon oft Gegenstand wissenschaftlicher Abhandlungen war und Historiker sich durchaus bewusst sind, dass sich Innen- und Aussenpolitik gegenseitig beeinflussen, konnte Trautschs Arbeit zu diesem Forschungsstand signifikant beitragen: Sie fragt nach der Funktion der Aussenpolitik fur die Innenpolitik und umgekehrt und, was vielleicht noch wichtiger ist, erforscht Prozesse der Identitatsfindung in der noch jungen Nation. Diese Prozesse liefen nicht automatisch ab. Die fruhe amerikanische Aussenpolitik war stets darauf bedacht, das Land von anderen Staaten abzugrenzen, insbesondere von Grossbritannien und Frankreich. Trautsch fuhrt das Konzept des "identity engineering" fur eine Analyse des Verhaltnisses zwischen Aussen- und Innenpolitik ein. Die daraus resultierende Arbeit ist ein wichtiger Beitrag fur die Diplomatiegeschichte, der durch Aspekte der Kulturgeschichte entscheidend bereichert wird. Dieser instruktive, klar strukturierte und provokante Vortrag erhielt viel Beifall und rief eine lebhafte Diskussion hervor. Der Abend wurde mit einem Empfang in der Bel Etage fortgesetzt, wo der Preistrager, der Stifter und viele Gaste die Debatte fortsetzten. HCA trifft Stefan Kornelius dreißig August dreißig Am dreißig August hob das HCA ein neues Format fur sein Forum aus der Taufe: "HCA trifft " will ausgewiesene deutsche USA-Experten nach Heidelberg bringen und sich dabei vornehmlich an ein deutsches Publikum richten . Die erste Veranstaltung dieser neuen reihe war vielversprechend: Drei Wochen vor der Bundestagswahl kam Stefan Kornelius nach Heidelberg, um seine Biografie der Kanzlerin vorzustellen: Angela Merkel. Die Kanzlerin und ihre Welt. Stefan Kornelius ist Ressortleiter Aussenpolitik der Suddeutsche Zeitung. Nach einem Studium der Politikwissenschaft, der Geschichte und des Rechts in Bonn und London ging er an die Henri-Nannen Schule und arbeitete danach als freier Mitarbeiter fur den Stern, die BBC und die Suddeutsche Zeitung bevor er der Korrespondent der SZ in Bonn, Washington, D.C., und Berlin wurde. Stefan Kornelius kennt Angela Merkel seit dem Beginn ihrer politischen Karriere Anfang der 1990er Jahre. Er hat ihren Aufstieg aufmerksam verfolgt und seine Biographie wirft viel Licht auf ihren bemerkenswerten Weg zur Staatsfrau. Die Tatsache, dass Merkel die ersten fünfunddreißig Jahre ihres Lebens in der DDR verbrachte, macht diese Karriere umso bemerkenswerter. Das Buch ist eine grundlich recherchierte und intellektuell anregende Analyse von Merkels Leben vor und nach dem Fall der Mauer. Das HCA-Publikum erfuhr, wie sie mit der Wiedervereinigung umging, wie schnell sie sich im Westen anpasste, und wie ihr fruheres Leben ihre Politik beeinflusste. Stefan Kornelius beschrieb die faszinierende Wandlung einer Burgerin eines autoritaren Regimes zur fuhrenden Politikerin einer wichtigen Demokratie, die die humanistischen Werte ihrer Erziehung als die Tochter eines lutheranischen Pastors bewahrte. Der Vortrag beleuchtete Merkels Starken und Schwachen, ihre bemerkenswerten analytischen Fahigkeiten, ihre systematische Arbeitsweise, ihre Gradlinigkeit, Offenheit und Ehrlichkeit, und ihren Pragmatismus im Umgang mit Grundsatzen der Politik, der immer von ihren Kernwerten Freiheit und Toleranz geleitet wird. Stefan Kornelius wandte sich dann seinem Kapitel uber die deutsch-amerikanischen Beziehungen zu, einer detaillierten Analyse von Merkels Beziehung zu den US-Prasidenten Bush und Obama. Nach seiner Buchvorstellung liess sich Stefan Kornelius noch auf eine angeregte Debatte mit dem Publikum ein. Das HCA beschloss das dreizehnte Semester des Baden-Wurttemberg Seminars am acht Juli zweitausenddreizehn mit einem Vortrag von David Wilson von der University of Illinois at Urbana-Champaign:,,Deepening the Creative City: America's New Development Machine ". David Wilson ist Professor fur Geographie und Geographic Information Science und arbeitet insbesondere uber Wirtschaftspolitik und Raumproblematik in amerikanischen Stadten. Professor Wilson begann seinen Vortrag mit der Beschreibung der Transformation von Stadten im amerikanischen Rust Belt. Dort tritt eine ungleiche Entwicklung immer deutlicher hervor und insbesondere die ethnische Problematik ist im urbanen Bewusstsein ein heikles Thema, wie der Fall Trayvon Martin verdeutlicht hat. Zudem benannte Professor Wilson die Frage der Klassenzugehorigkeit als wunden Punkt. In der heutigen globalisierten Welt werden Stadten zunehmend als Wirtschaftsmotoren gesehen. Wenn eine Stadt nicht wirtschaftlich genug ist, scheitert sie, erklarte Professor Wilson. Weiter fuhrte er aus, dass die ideale Stadt ein schillerndes Zentrum, aufgewertete Wohngegenden und Kunstviertel benotigt. Andere Eigenschaften durfen dagegen nicht zutage treten. So sollte eine Stadt nach Moglichkeit keine isolierten afroamerikanischen oder Latinoviertel haben. Eine ideale Stadt - laut Professor Wilson ein kontroverses Konzept - solle keine sichtbaren,,Schandflecken" haben, wie etwa Obdachlosigkeit oder verkommene Gebaude. Dies wirft die Frage auf, wie potentiell explosive Stadte mit ausgepragten Rassen- und Klassenkonflikten weiter existieren und sogar wachsen konnen. Professor Wilson sieht die Antwort auf diese Frage in den zwei Saulen, auf die sich neu geplante Stadte stutzen: Eine wachsende Angst-Maschinerie und verbale Panikmache. Stadte wurden zunehmend von Angsten vor durch die Globalisierung notigen Sparmassnahmen und vor Rassen- und Klassenkonflikten heimgesucht. Die durch den elf September verursachte und von den noch Medien angeheizte Angst habe der Umstrukturierung der Stadte Tur und Tor geoffnet. Professor Wilson schloss seinen Vortrag mit dem Argument, die US-Regierung nutze die Angst der Bevolkerung, um eine problematische der Veranderung amerikanischer Stadte voranzutreiben. Verleihung des James W.C. Pennington Award des Heidelberg Center for American Studies und der Theologischen Fakultat der Universitat Heidelberg neun Juli zweitausenddreizehn Am neun Juli zweitausenddreizehn fand im Atrium des HCA die zweite feierliche Verleihung des James W.C. Pennington Awards statt. In diesem Jahr ging der Preis an Professor Evelyn Brooks Higginbotham, Victor S. Thomas Professor fur afrikanische und afroamerikanische Studien an der Harvard University. Sie hat unter anderem den Klassiker der afroamerikanischen Geschichte From Slavery to Freedom uberarbeitet. Momentan arbeitet sie an einem Werk uber Afroamerikaner und Menschenrechte. Nach der Eroffnung des Festakts durch den Rektor der Universitat Heidelberg, Professor Bernhard Eitel, hielt Dr. h.c. Manfred Lautenschlager die Laudatio. Die Lautenschlager-Stiftung hat grosszugig die Finanzierung der ersten Pennigton Preise ubernommen. Professor Jan Stieverman stellte dann dem gespannten Publikum die Preistragerin vor. Er wies darauf hin, dass Professor Higginbothams Familiengeschichte auf verschiedene Weise nicht nur mit der gesamten afroamerikanischen Gemeinschaft und Kirche, sondern auch mit dem Studium dieser Geschichte verwoben ist. Ihr Grossvater, Walter Henderson Brooks (1851-1948) war uber sechzig Jahre lang der Pastor in Washingtons historischer Ninth Street Baptist Church. Ihr Vater, Alfred N.D. Brooks, arbeitete als Geschichtslehrer und Schulleiter in einer weiterfuhrenden Schule im District of Columbia, wurde dann zu einer Fuhrungsperson des African American history movement und einer Schlusselfigur in der Association for the Study of African American Life and History. Professor Higginbothams Ehemann, der verstorbene A. Leon Higginbotham, war ein bedeutender Burgerrechtler, Autor und Richter an einem staatlichen Berufungsgericht. In ihrem Vortrag blickte Professor Higginbotham auf die Gewalt und Rassentrennung zuruck, die Afroamerikaner wahrend des grossten Teils des zwanzig Jahrhunderts erdulden mussten. Afroamerikanische Kirchen, besonders die grossen Baptisten- und Methodistenkonfessionen, dienten als bedeutender Ruckzugsraum, in dem Afroamerikaner Schutz fanden und Strategien fur den Kampf gegen Rassismus und Armut entwickelten. Professor Higginbotham hob die bislang nicht ausreichend gewurdigte Rolle hervor, die die Kirche in der afroamerikanischen Selbsthilfe gegen den Rassismus; dort entwickelten sich sowohl theologische Interpretationen wie auch praktische Strategien. Die Kirche war ein geeignetes und starkes Forum fur die Verbreitung einer progressiven Agenda und forderte die gesellschaftliche Mobilitat von Afroamerikanern. Dies galt sowohl im fruhen zwanzig Jahrhundert als auch nach dem Zweiten Weltkrieg. Professor Higginbotham beendete ihren Vortrag mit personlichen Erinnerungen an einen entscheidenden Moment der amerikanischen Burgerrechtsbewegung, Martin Luther Kings,,I Have A Dream"-Rede beim Marsch auf Washington eintausendneunhundertdreiundsechzig Nach Professor Higginbothams engagiertem Vortrag genossen die Gaste bei einem Empfang den schonen Sommerabend im Garten des HCA. Mark McGurl: "The Institution of Nothing: David Foster Wallace in the Program" zwanzig Juni zweitausenddreizehn Das HCA setzte sein Baden-Wurttemberg Seminar am zwanzig Juni mit einem Vortrag von Professor Mark McGurl von der Stanford University fort. Der Vortrag in der Alten Aula der Universitat war auch die Keynote der Konferenz " Acquired Taste: Reading and the Uses of Literature in the Age of Academic Literary Studies ". "The Institution of Nothing: David Foster Wallace in the Program" konzentrierte sich auf eine detaillierte Analyse der Romane und Kurzgeschichten des verstorbenen Gegenwartsautors David Foster Wallace. Im Mittelpunkt stand eine akribische Interpretation von Wallaces unvollendetem Roman The Pale King, anhand derer McGurl zeigte, inwieweit Wallaces Texte einer modernistischen Raum- und Landschaftsasthetik verpflichtet sind und wie diese Tendenz des literarischen Modernismus durch das Creative Writing System im Nachkriegsamerika institutionalisiert wurde. In seiner Interpretation legte McGurl das Hauptaugenmerk auf die gleichzeitige Entwicklung von Wallace als Erzahler und als Creative Writing Lehrer und argumentierte, dass die Entwicklung von Wallaces literarischem OEvre nicht von seiner Rolle innerhalb der Universitat getrennt werden konne. Wallaces Selbstreflektivitat als Autor, so McGurl, ergab sich aus der Einsicht, dass er Teil eines Systems war, das er einerseits aufrechterhielt, von dem er sich aber andererseits immer befreien wollte. Der Vortrag schloss mit einer provozierend biographistischen Interpretation von Wallaces Selbstmord, in der McGurl den offenen Entstehungsprozess von The Pale King in Relation zu Wallaces vorzeitigem Tod setzte. Donna Leon: "A Guide to Writing/Reading a Crime Novel " vier Juni zweitausenddreizehn Am Nachmittag des vier Juni konnte das HCA einen ganz besonderen Gast begrussen: Die amerikanische Erfolgsautorin Donna Leon. Sie gab ihrem Publikum im voll besetzten Atrium einen ausfuhrlichen Einblick in die Entstehungsgeschichte ihrer Bestseller und damit gleichzeitig eine kleine Anleitung zu deren Lekture. Die geburtige Amerikanerin lebt seit fast funfzig Jahren im Ausland, wo sie unter anderem als Reisebegleiterin, Werbetexterin und Lehrerin gearbeitet hat. Als sie in den siebziger Jahren im Iran unterrichtete, entstand eine Doktorarbeit uber Jane Austen. Wahrend der Revolution verschiffte sie ihre Bucher, Notizen und Entwurfe in die USA, wo sie aber nie ankamen, weil die iranische Regierung alles beschlagnahmte. Sie fragte sich:,,Donna, kannst du den Gedanken ertragen, deine Dissertation noch mal komplett neu zu schreiben? " und merkte nein, also liess sie es sein und spurte eine unglaubliche Erleichterung. Seit eintausendneunhunderteinundachtzig wohnt und arbeitet Donna Leon in Venedig. Die Brunetti-Romane machten sie weltberuhmt, doch die Barockmusik ist ihr nicht weniger wichtig. Sie forderte zahlreiche Einspielungen, unter anderem mit dem Orchester,,Il Pomo d'Oro". Zu ihrem Erstlingswerk, so berichtete sie, kam Donna Leon uber ihre Leidenschaft fur die Oper. Wahrend des Besuchs einer Probe im venezianischen Opernhaus La Fenice ereiferte sich ihr Begleiter:,,Ich konnte den Dirigenten umbringen! " -,,Ich mach's fur dich, aber in einem Roman", beruhigte sie ihn und erfand Commissario Guido Brunetti, der seit dem,,Venezianischem Finale" in zweiundzwanzig Romanen den Tatern auf der Spur ist. Donna Leon fuhrt mit ihren Brunetti Krimis stets die deutschen Bestsellerlisten an. Doch in Italien werden ihre Romane nicht veroffentlicht. Sie mochte es nicht, weil sie keine geburtige Italienerin ist und dort wegen ihrer oft kritischen Schilderung der italienischen Gesellschaft nicht fur Unfrieden sorgen mochte. Von vielen ihrer amerikanischen Bestsellerkollegen ist sie nicht begeistert:,,Ich mag keine Gewalt, ich kann nicht diesen amerikanischen blutrunstigen Stoff lesen. Es argert mich, dass so viele Menschen sich fur diesen Kram interessieren. " Bisher hat Donna Leon seit ihrem ersten Roman jedes Jahr ein Buch geschrieben. Schreibblockaden kennt sie nicht.,,Schreiben ist ein Handwerk wie jedes andere auch", beantwortete sie eine Frage des Publikums.,,Man kann es jeden Tag acht Stunden ausuben und wenn man mit dem Resultat nicht zufrieden ist, muss man es nicht behalten. " Nach anderthalb Stunden mit vielen Anekdoten aus dem Leben von Donna Leon kamen viele ihrer Leser bei einem Glas Weisswein und einem Tramezzino in der Bel Etage noch mit der sympathischen Autorin ins Gesprach, die zudem zahlreiche Bucher signieren musste. Film: Michael Verhoeven - "The Second Execution of Romell Broom " 14. Mai 2013 Am vierzehn Mai konnte das HCA im vollbesetzten Atrium einen besonderen Gast begrussen, den bekannten deutschen Regisseur Michael Verhoeven. Wir zeigten an diesem Abend seinen Film,,Die zweite Hinrichtung", der 2012 fur den Prix d'Europe nominiert war. Romell Broom wurde im Jahr eintausendneunhundertfünfundachtzig fur die Entfuhrung, Vergewaltigung und Ermordung der 14-jahrigen Tryna Middleton aus Cleveland, Ohio, zum Tode verurteilt und sollte im September zweitausendneun durch eine Giftspritze hingerichtet werden. Nach zweieinhalb Stunden und achtzehn erfolglosen Versuchen, bei Romell Broom einen intravenosen Zugang zu legen, erklarte Gouverneur Ted Strickland Brooms Hinrichtung an dem Tag fur gescheitert. Seitdem versuchen Romell Brooms Anwalte mit einer Klage gegen den Bundesstaat Ohio, die drohende zweite Hinrichtung von Romell Broom zu verhindern. Der Film rekonstruiert den Mordfall vom September eintausendneunhundertvierundachtzig und die Gerichtsverhandlung von Romell Broom im Jahr eintausendneunhundertfünfundachtzig Noch heute sind viele Fragen offen. Er diskutiert ausserdem die Folgen und Auswirkungen der Todesstrafe mit Rechtsexperten und legt die Fehler und Instabilitat eines Systems offen, in dem die Wahrscheinlichkeit, zum Tode verurteilt zu werden, vor allem von der Finanzkraft des Beschuldigten und seiner Hautfarbe abhangt. Zudem sind die Karrieren von Staatsanwalten und Richtern oft abhangig von der Anzahl der Todesurteile, die sie erfolgreich anstreben oder verhangen. Die Familie Romell Brooms und seine Verlobte geben Einblicke, wie zerstorend die Todesstrafe fur diejenigen ist, die dem Verurteilten nahestehen. Dagegen steht die offenkundige Freude eines Opfers von Romell Broom, das er als Elfjahrige auf brutale Weise entfuhren wollte. Sie hat ihr Trauma nie verwunden und kann seine Exekution nicht abwarten, weil sie hofft, danach endlich zur Ruhe zu kommen. Der Film lasst auch Yvonne Pointer zu Wort kommen, die Mutter des mutmasslichen Opfers Brooms, die einen Weg gefunden hat, mit diesem Schicksalsschlag umzugehen. Sie hilft anderen, ihren Schmerz zu bewaltigen, indem sie Verurteilte in Gefangnissen besucht und versucht, den Teufelskreis von Hass und Kriminalitat zu durchbrechen. Nach der Vorfuhrung berichtete Michael Verhoeven uber die Entstehungsgeschichte des Films und diskutierte seine Auswirkungen mit Prof. Manfred Berg, einem Experten fur die Geschichte der Todesstrafe, und dem tief bewegten Publikum. Am fünfzehn April zweitausenddreizehn setzte das HCA sein Baden-Wurttemberg Seminar mit einem Vortrag von Professor Walter Benn Michaels von der University of Illinois at Chicago fort. Bevor er nach Chicago kam, unterrichtete Professor Michaels an der Johns Hopkins University und in Berkeley. Er ist der Autor von Buchern wie,,The Trouble with Diversity: How We Learned to Love Identity and Ignore Inequality" und,,The Shape of the Signifier: eintausendneunhundertsiebenundsechzig to the End of History". In seinem Vortrag stellte Professor Michaels kurz Maggie Nelsons Werk,,Jane: A Murder" vor. Das Buch erzahlt die Geschichte von Leben und Tod von Maggie Nelsons Tante Jane, die eintausendneunhundertneunundsechzig ermordet wurde. Obwohl der Fall offiziell als ungelost gilt, scheint klar, dass Janes Mord mit einer Reihe von brutalen Vergewaltigungen und Morden in der Gegend in Verbindung gebracht werden kann. Professor Michaels kritisierte die Politik der Gleichgultigkeit, die das Buch spiegelt, und stellte die Frage nach dem Wert eines Menschenlebens: Sind einige Menschenleben mehr wert als andere? Wiegen einige Verluste schwerer als andere? Er argumentierte, Befreiungsbewegungen, wie etwa die Burgerrechtsbewegung in den USA, die Frauenrechtsbewegung, oder die Bewegung zur Starkung der Rechte von Homosexuellen, seien eine Kritik des Gedanken, einige Leben seien wertvoller als andere. Dies betitelte Professor Michaels als Politik der Anerkennung. Wahrend das Problem der Anerkennung durch Befreiungsbewegungen langsam gelost wird, bleibt das Problem der Neuverteilung - also das Problem der Einkommensungleichheit - ungelost. Professor Michaels erklarte, dass Diskriminierung aufgrund von Rasse, Geschlecht, oder sexueller Orientierung mittlerweile als falsch und unproduktiv wahrgenommen wurden. Diskriminierung aufgrund von Klassenzugehorigkeit werde jedoch nicht als ebenso problematisch empfunden. Nach seinem Vortrag beantwortete Professor Micheals Fragen aus dem Publikum und diskutierte lebhaft mit einigen Gasten. David Frum: "The Crisis of American Conservatism " (HCA Commencement) 12. April 2013 Die Festrede anlasslich der HCA Absolventenfeier war 2013, wie in vielen Jahren, auch der Auftakt fur das Sommersemester des Baden-Wurttemberg Seminars. Sie wurde von David Frum gehalten, einem amerikanischen Intellektuellen und republikanischen Aktivisten. Er diente Prasident George W. Bush als Redenschreiber und veroffentlichte ein Buch mit dem Titel,,The Right Man: The Surprise Presidency of George W. Bush. " David Frum ist ausserdem Journalist, dessen Leitartikel in The Daily Beast, der National Post, Newsweek und The Week erscheinen. In seinen Artikeln in Zetischriften und Blogs bringt er immer wieder seine zunehmende Unzufriedenheit mit dem republikanischem Konservatismus zum Ausdruck. Obwohl er zuvor bereits Reden fur Abschlussfeiern verfasst hatte, erstmals die Rede, die Prasident Bush zweitausendeins in Yale hielt, war diese die erste, die er selbst vortrug. Nachdem er dem Abschlussjahrgang zweitausenddreizehn gratuliert hatte, erlauterte David Frum, warum er den Brauch, anlasslich Abschlussfeiern Ratschlage zu geben, fur schwierig hielt: Die Redner seien mittleren Alters und wussten oft nicht, welchen Rat sie den jungen Absolventen mit auf den Weg geben sollten. Er sinnierte uber den englischen Begriff,,Commencement" fur eine Abschlussfeier - das Wort bedeutet Beginn oder Anfang, obwohl die Feier das Ende des Studiums zelebriert. Jedoch beginne fur die Absolventen auch etwas Neues: Ihre Karriere. Die Vorstellung von Neuanfang, so Frum, ist eine zentrale Idee in der Geschichte der USA. Der Gedanke, immer wieder neu beginnen zu konnen, manifestierte sich beispielsweise in der Frontier oder Roosevelts New Deal. Trotz dieser Idee des permanent moglichen Neubeginns gibt es in den USA aber auch viel Kontinuitat. Frum erklarte, die Republikaner seien an die Macht gekommen, weil sie auf Themen, die die Wahler umtrieben - wie etwa Kriminalitat oder Inflation - besser reagiert hatten, als andere Parteien. Er fugte hinzu, dass heute eine neue Generation von Problemen auf Losung warte, und es so scheine, als ob die Republikaner keine passenden Antworten fanden. Aktuelle Probleme seien etwa folgende Fragen: Wie konnen amerikanische Einkommen steigen, obwohl die USA mit China und Indien konkurrieren? Wie kann man die Mittelschicht erhalten und unterstutzen? Wie kann internationale Sicherheit gewahrleistet werden, in einem eher anarchischen globalen System, in dem die USA immer mehr Macht einzubussen scheinen? David Frum beschrieb die aktuellen republikanischen Politiker als altere Herren mit uberholten Ideen, die durch die politischen Medien mehr und mehr verbitterten. Er kam zu dem Schluss, dass die Absolventen die Botschafter ihrer Generation und auch ihrer Universitat seien und es nun an ihnen lage, eigene Ideen zu entwickeln und diese zu verwirklichen. Ausstellung: "The Early Days - HipHop in der DDR " 14. Marz bis 25. April 2013 Vom vierzehn Marz bis zum sechsundzwanzig April war am HCA die Ausstellung,,The Early Days - HipHop in der DDR" zu Gast. Mit Fotos, T-Shirts, Radiorekordern und anderen Alltagsgegenstanden illustrierte sie ein ungewohnliches Stuck DDR-Geschichte und zeigte, dass HipHop als globale Jugendkultur in den 1980er Jahren auch den Eisernen Vorhang uberwand. Die,,vier Elemente" der HipHop-Kultur - Breakdance, DJ-ing, Rap und Graffiti - hatten ihre Ursprunge in der Bronx in New York. In der DDR entstand schnell eine eigene Szene, die den SED-Staat vor grosse Herausforderungen stellte. Spatestens mit dem Film,,Beat Street", der seit eintausendneunhundertfünfundachtzig auch in den DDR-Kinos gezeigt wurde, entwickelte sich die HipHop-Kultur dort nahezu flachendeckend und die regionalen Szenen vernetzten sich miteinander. HipHop war in der DDR nicht verboten, sollte aber kontrolliert, uberwacht und gegebenenfalls eingedammt werden. Die Ausstellung warf einen Blick auf das Verhaltnis zwischen den Akteuren der HipHop Bewegung und der DDR-Obrigkeit, sowie auf Freiraume fur Breakdancer, Rapper und Graffitikunstler jenseits der Mauer. Im Mittelpunkt der Ausstellung standen die Biographien der Akteure, basierend auf Zeitzeugeninterviews, Archivmaterial und Alltagsgegenstanden aus privaten Sammlungen. Dabei konnte man insbesondere das Improvisationstalent der Jugendlichen jenseits der Mauer bewundern:,,Fat Laces" wurden aus alten Hemden hergestellt, Graffiti nach dem Verbot von Spraydosen kurzerhand mit Pinsel und Farbe angefertigt. Zur Eroffnung konnten wir Reno Rossel vom Steinhaus Bautzen e.V. begrussen, der die Ausstellung zusammen mit der Universitat Leipzig konzipiert hat. Zudem kam das zahlreich erschienene Publikum in Anwesenheit des Regisseurs nochmals in den Genuss von Nico Raschiks Film,,Here We Come" (2006), der die Protagonisten der Szene und andere Zeitzeugen zu Wort kommen lasst. Tobias Endler: "How to Be a Superpower" (HCA Book Launch) 5. Februar 2013 Am fünf Februar stellte Dr. Tobias Endler sein neues Buch How to be a Superpower - The Public Intellectual Debate on the Global Role of the United States after September elf am HCA vor. Er ist dort verantwortlich fur das strukturierte Doktorandenprogramm und andere Forschungsprogramme sowie fur die Betreuung der Gastwissenschaftler. Er begann seine Buchvorstellung mit einem Verweis auf Barack Obamas Rede an die Nation im Januar. Dort hatte der amerikanische Prasident betont, dass sie die USA keineswegs in einer Abwartsphase befanden, sondern dass vielmehr politische Fuhrungsqualitaten weltweit ein Problem darstellten. Dr. Endlers Buch widerspricht der Vorstellung, dass auch die Intellektuellen in den USA auf dem Ruckzug seien. Seine wichtigste These ist, dass Intellektuelle eine wichtige Vermittlerrolle in der Bildung der offentlichen Meinung spielen. Er las aus der Einleitung seines Buches, in der er den Begriff des,,offentlichen Intellektuellen" definierte: Er argumentierte, dass Politiker oft nicht uber genugend Wissen uber ein bestimmtes Thema verfugen und offentliche Intellektuelle dann wichtig werden, weil sie neue Ideen hervorbringen. Oft konnen sie ein Thema in der Offentlichkeit mitdiskutieren, auch wenn sie auf dem jeweiligen Feld keine ausgewiesenen Experten sind. Intellektuelle haben in den USA die offentliche Meinung immer mit bestimmt. Gleichzeitig gab es immer eine gewisse Skepsis gegenuber solchen,,offentlichen Intellektuellen". Viele von ihnen haben der Regierung als Berater gedient oder in Think Tanks oder an Universitaten gearbeitet. Dies bedeutet, dass sie nicht langer politisch neutral sein konnen, da ihre Arbeitgeber gewisse Interessen haben. Dennoch formen sie den offentlichen Diskurs, beispielsweise die Debatte uber amerikanische Identitat und Moral. Es gibt jedoch Probleme, die diese Diskussion behindern. Eine Herausforderung ist, dass die Kommunikation auch in einer polarisierten Gesellschaft aufrechterhalten werden muss. Es muss breite Debatten uber amerikanische Werte geben und alle mussen daran teilnehmen. Dies schliesst die Medien ein, die bewusst eine Kommunikationsplattform bieten mussen. Die Diskussion muss fur alle offen sein, die daran teilnehmen mochten; allerdings glauben viele Burger, dass sie nichts beizutragen haben. Deswegen fallt der Lowenanteil an dieser Diskussion den "offentlichen Intellektuellen" zu. Nach der Vorstellung seines Buchs beantwortete Dr. Endler Fragen aus dem Publikum und es entspann sich eine Diskussion uber amerikanische Werte und Moglichkeiten der Kommunikation daruber. Am siebzehn Januar beging das HCA den einhundertfünfzig Jahrestag der Abschaffung der Sklaverei in den USA durch Abraham Lincolns Emancipation Proclamation. Anlasslich dieses Jahrestages hielt Professor John David Smith von der University of North Carolina in Charlotte einen Vortrag uber Abraham Lincoln, die Sklavenemanzipation und die afro-amerikanischen Truppenteile der Nordstaatenarmee. Professor Manfred Berg stellte den Gast als einen Kenner der afro-amerikanischen Geschichte in den USA vor. Professor Smith erhielt eintausendneunhundertsiebenundsiebzig seinen Doktortitel von der University of Kentucky. Als angesehener und sehr produktiver Historiker ist er der Autor von mehr als zwanzig Monographien und der Herausgeber mehrerer wichtiger Buchreihen. Professor Smith stellte sein neues Buch Lincoln and the Colored Troops vor. Er ist davon uberzeugt, dass Lincoln mehr als jeder andere Prasident fehlinterpretiert wurde. Er war kein Abolitionist, wie viele heute glauben. Er war vielmehr davon uberzeugt, dass Schwarze minderwertige Menschen waren und ausserte haufig rassistische Bemerkungen. Er war ein Kind seiner Zeit. Dennoch war er davon uberzeugt, dass Sklaverei moralisch falsch war und ein vormodernes, unwirtschaftliches System beforderte. Es lag ihm vor allem daran, die Union wieder zu herzustellen, mit oder ohne Sklaverei. Dies war ihm wichtiger als die Abschaffung der Sklaverei. In einem ersten Entwurf der Emanzipationserklarung verkundete Lincoln, dass alle Sklaven, denen es gelang, in den Norden zu fliehen, frei sein sollten. Er drohte den Konfoderierten ausserdem damit, dass er alle Sklaven am eins Januar eintausendachthundertdreiundsechzig befreien wurde, sollte die,,Rebellion" nicht beendet werden. Der Black Recruitment Clause war fast ein Nachgedanke der Erklarung. Er besagte, dass Afro-Amerikaner Soldaten der Nordstaatenarmee werden konnte, dass es keine finanzielle Kompensation fur Sklavenhalter geben wurde und dass die Sklaven, die in den Sudstaaten lebten, frei seien und nicht von der Regierung kolonisiert werden konnten. Auf diese Art und Weise stand Lincoln ein verfuhrerisches Potential an Soldaten zur Verfugung, die hochmotiviert waren, gegen ihre ehemaligen Besitzer zu kampfen. Afro-Amerikaner machten zwischen neun und zwolf Prozent der Nordstaatenarmee aus. Selbst vor der offiziellen Erklarung kampften 4,000 schwarze Soldaten fur die Union, von denen Lincoln angeblich nichts wusste, da er immer noch versuchte, die Sudstaaten auf diplomatischem Weg zuruckzugewinnen. Die Prasenz schwarzer Truppenteile in Regionen, in denen sich noch Sklaven auf den Plantagen befanden fuhrte zu Sklavenaufstanden; viele Flohen und traten in die Armee ein. Professor Smith erklarte, dass die Emanzipationserklarung den Effekt eines "langsamen Sklavenaufstandes" hatte und fur die Plantagenbesitzer in den Sudstaaten letztlich den Ruin bedeutete. Sie schwachte die Widerstandskraft des Sudens, starkte den Kampfgeist des Nordens und unterstutze wesentlich die Kampfmoral der Nordstaatenarmee. Professor Smith beendete seinen Vortrag mit der Beobachtung, dass Lincolns Emanzipationserklarung auch die Frage aufwarf, was nun mit den befreiten Afro-Amerikanern geschehen sollte. Wenn sie als Soldaten dienten, bedeutete das auch, dass sie Burger waren? Wenn sie Burger waren, sollten sie wahlen konnen? Lincoln wurde ermordet, bevor er sich diesen Fragen widmen konnte. Im Anschluss an den Vortrag verwickelte Professor Smith seine Zuhorer in eine anregende Debatte. Podiumsdiskussion: "Toward a New Global Financial Architecture " vierzehn Dezember zweitausendzwölf Im Dezember fand das Baden-Wurttemberg Seminar erneut in einem ungewohnlichen Format statt. Als Teil der Konferenz,,Lessons from the North Atlatnic Financial and Economic Crisis" erorterten die Teilnehmer einer Podiumsdiskussion Wege zu einer neuen globalen Finanzarchitektur. Das hochkaratig besetzte Podium, von der Journalistin und Finanzexpertin Susanne Schmidt (London) moderiert, bestand aus Anat Admati (Stanford University), Mathias Drehmann (Bank fur internationalen Zahlungsausgleich, Basel) und dem ehemaligen Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Thomas Mayer. Insbesondere Admati und Mayer bezogen in der Diskussion unterschiedliche Positionen zur Frage der Eigenkapitalquote. Wahrend Mayer betonte, dass man nicht alles regulieren konne und niemand wisse, wie viel Eigenkapital ausreichend sei, hielt Admati dagegen, dass gerade wenn man dies nicht wisse, dreißig Prozent besser als drei Prozent seien. Auf Schmidts Frage, ob die Regulierungsbehorden mit ausreichenden Befugnissen ausgestattet seien, reagierte Mayer mit dem Hinweis, dass diese aufgrund der allseits herrschenden Unsicherheit zu stark auf den schlimmsten anzunehmenden Fall fixiert seien und nun die Fehler der Banker wiederholten, indem sie glaubten, das gesamte System kontrollieren zu konnen. Es sei aber eine Illusion zu glauben, man konne das gesamte System im Blick behalten; gerade diese Unmoglichkeit unterscheide eine Marktwirtschaft von einer Planwirtschaft. Admati betonte demgegenuber, dass es nicht um Planwirtschaft gehe, sondern darum, wirksame Sicherheitsmassnahmen zu verankern. Wahrend Mayer es fur ausreichend hielt, Finanzakteure haftbar zu machen, verglich Admati dies damit, einen Krankenwagen zu schicken, wenn der Unfall bereits passiert sei, und verlangte Reformen, die darauf ausgelegt seien, den Unfall selbst zu verhindern. Drehmann, der gemeinhin eine vermittelnde Position einnahm, wies darauf hin, dass die Regulierer keineswegs unabhangig von der Politik seien. Die lebhafte Diskussion mit dem zahlreich erschienenen Publikum drehte sich unter anderem um die Frage, wie denn Haftung am besten herzustellen sei. Auf Martin Hellwigs Einwurf, dass die Diskrepanz zwischen privaten und offentlichen Interessen starkere Beachtung verdiene, reagierte Mayer mit dem Hinweis, dass die Banken lediglich gesetzlichen Steuerungsanreizen gefolgt seien. Seine kontroverse Warnung, dass ein Ersticken der Globalisierung durch Regulierungsmassnahmen nicht zuletzt die Entwicklungschancen der armeren Weltregionen beeintrachtigen wurde, lenkte die Diskussion abschliessend noch auf die Frage, welche Rolle China und Indien uberhaupt in einer neuen globalen Finanzarchitektur spielen sollten. Das HCA nahm im Wintersemester zweitausendzwölf seine Veranstaltungsreihe mit Buchvorstellungen wieder auf. Am vier Dezember fuhrte Professor Dieter Schulz in seine neue Publikation ein:,,Emerson and Thoreau or Steps Beyond Ourselves: Studies in Transcendentalism". Professor Schulz ist seit zweitausendacht emeritierter Professor fur englische und amerikanische Literatur. Er hat in seinen Buchern eine grosse Bandbreite an Themen bearbeitet, darunter Transzendentalismus und Metaphysik. Sein neuestes Werk ist ein Sammelband mit Essays, die uber einen Zeitraum von fünfzehn Jahren entstanden sind. Professor Schulz gestand seinem Publikum, dass Emerson und Thoreau ihn bei der ersten Lekture zunachst hatten. Im Laufe der Jahre habe er sich allerdings immer mehr mit Emerson identifizieren konnen. Er erklarte, er habe auf das Drangen amerikanischer Freunde hin, beiden Autoren,,noch eine Chance gegeben". Professor Schulz erlauterte seinen Zuhorern, dass die Kapitel seines Buches,,Emerson and Thoreau or Steps Beyond Ourselves" durch wiederkehrende Metaphern, hauptsachlich die Metapher des Laufens, miteinander verbunden sind. Die Essays in diesem Sammelband konnten als Kapitel in einem Buch verstanden werden, da sie um den Begriff und die Symbolik der Transzendenz kreisen. Dieses Konzept ist nicht nur fur die Bewegung des Transzendentalismus mit Emerson und Thoreau als Schlusselfiguren von grosster Bedeutung, es ist ebenso wichtig fur deren literarische Vorfahren, die Puritaner in Neuengland. Die Anhanger des Transzendentalismus standen der zeitgenossischen Politik, Gesellschaft und Kultur sehr kritisch gegenuber und hinterfragten wissenschaftliche Methoden. Nach der Vorstellung seines Buches beantwortete Professor Schulz bei einem Glas Wein Fragen aus dem Publikum. Am siebenundzwanzig November begrusste das HCA Daniel Albright zu einem Vortrag mit dem Titel "Setting James Joyce to Music: John Cage and Harry Partch". Daniel Albright ist Ernest Bernbaum Professor fur Literatur an der Harvard University und unterrichtet dort sowohl am Institut fur Englisch als auch am Institut fur Musikwissenschaft. Das Hauptaugenmerk seiner Forschung legt Professor Albright auf die Frage, wie kunstlerische Medien wie Dichtkunst, Musik und Malerei sich gegenseitig beeinflussen. Sein im Jahr 2000 erschienenes Buch "Untwisting the Serpent: Music, Literature, and the Visual Arts" gewann den Susanne M. Glasscock Humanities Book Prize for Interdisciplinary Scholarship. In seinem Vortrag am HCA konzentrierte Professor Albright sich auf das Zusammenspiel von Musik und Literatur und erklarte sein Konzept von,,belletristischer Musik". Darunter versteht er Musik, die anstrebt, zu Literatur zu werden. Um seinem Publikum vor Augen zu fuhren, wie Musik und Literatur interagieren, stellte Professor Albright zwei Kunstler und ihre Werke vor. Zunachst befasste er sich mit Harry Partch, einem amerikanischen Komponisten, der mit der sogenannten,,Pseudomorphose" arbeitet, dem Zusammenspiel von Musik und Literatur in Romanen. Er kreierte Sprechmusik aus Romanen wie James Joyces "Finnegan's Wake". Professor Albright erklarte, dass dies moglich sei, weil Joyces Romane sehr stark mit Sprache spielten. In seiner Arbeit vertonte Harry Partch einen Satz aus "Finnegan's Wake ". Ein weiterer Roman von Joyce,,,Ulysse"s, wurde von dem Kunstler Berio Omaggio vertont. Professor Albright spielte seinen Zuhorern einen Teil dieses Werks vor. In dem Klangmuster wird eine Textpassage vorgelesen und dann akustisch bearbeitet. Dieses Werk besteht nicht aus komponierter Musik, sondern vielmehr aus Experimenten mit Tonaufnahmen. Als letztes Beispiel fur das Zusammenspiel von Literatur und Musik fuhrte Professor Albright das Radiostuck,,Laughtears" von John Cage vor. Laut Professor Cage ist "Laughtears" die beeindruckendste Vertonung von Joyces,,Finnegan's Wake". Der Kunstler nahm an allen Orten Irlands, die im Roman erwahnt werden, Tonproben auf und liess sie mit Worten aus dem Roman verschmelzen, deren erste Buchstaben insgesamt den Namen JAMES JOYCE buchstabierten. Zu diesem Zweck nahm er das erste Wort im Buch, das mit dem Buchstaben,,J" beginnt, gefolgt vom ersten Wort beginnend mit dem Buchstaben,,A" und fuhrte diese Technik fort, bis er den kompletten Namen buchstabiert hatte. Dies untermalte der Kunstler mit Tonaufnahmen von Donner, um das Werk akustisch abzurunden. Nach der Vorfuhrung dieser sehr verschiedenen Kunstwerke regte Professor Albright eine Debatte uber das Gehorte an. Alice Eagly: "Women as Leaders: Negotiating the Labyrinth" einundzwanzig November zweitausendzwölf Am einundzwanzig November hiess das HCA Alice Eagly von der Northwestern University willkommen. Die bekannte Psychologin ist auf den Bereich Gender Studies spezialisiert. Professor Eaglys Vortrag trug den Titel "Women as Leaders: Navigating the Labyrinth ". Professor Eagly beschaftigte sich mit der Frage, warum Frauen nach wie vor in Fuhrungspositionen unterreprasentiert sind. Sie kritisierte die Bezeichnung,,glaserne Decke", da diese den Eindruck vermittle, Frauen scheiterten,,an der Spitze", obwohl es vielmehr so sei, dass Frauen haufig gar nicht erst die Gelegenheit bekamen, an der,,glasernen Decke" zu scheitern, weil sie bereits viel fruher,,aussortiert" wurden. Daher bevorzugt Professor Eagly den Begriff,,Labyrinth", der der Komplexitat der Entscheidungen, die Frauen im Laufe ihrer Karrieren treffen mussten, besser Ausdruck verleiht. Professor Eagly erklarte ihren Zuhorern den Zusammenhang zwischen nachteiligen Stereotypen von Mannern, Frauen und Fuhrungseigenschaften und dem Phanomen, dass Manner im Allgemeinen als bessere Fuhrungskrafte angesehen werden. Gangige Geschlechterstereotypen stellen Manner als kompetitiv, aggressiv, extrovertiert und mutig dar, wahrend Frauen eher als freundlich, sensibel, sanft, unterstutzend und fursorglich gesehen werden. Generell wird von einer Fuhrungsperson erwartet, dass sie selbstbewusst, handlungsorientiert, durchsetzungsfahig, und risikofreudig ist. Diese,,idealen Fuhrungsqualitaten" decken sich oft mit den mannlichen Stereotypen, was zur Folge hat, dass Manner im Allgemeinen als Fuhrungsperson bevorzugt werden. Dies gilt jedoch nicht in,,weiblichen" Berufsbildern wie Krankenschwester oder Kindergartnerin. In diesen Berufsfeldern werden Manner diskriminiert. Professor Eagly analysierte die Zwickmuhle, in der sich Frauen befinden, die in die Chefetage aufsteigen wollen. Einerseits mussen diese Frauen streng und sehr fahig sein, um als Fuhrungsperson anerkannt zu werden; andererseits sollten sie nicht zu,,tough" sein, um nicht unsympathisch zu wirken. Weiter ging Professor Eagly darauf ein, ob sich weiblicher Fuhrungsstil vom mannlichen unterscheidet. Sie erklarte, Frauen seien generell demokratischer als Manner und nutzten haufiger positive, belohnende Strategien. Manner hingegen favorisierten haufig Drohungen als Anreiz. In ihren Abschlussbemerkungen wies Professor Eagly darauf hin, dass gerade ein kultureller Wandel im Gange sei, der es fruher oder spater mehr Frauen ermoglichen werde, Fuhrungspositionen zu bekleiden. Verleihung des Rolf-Kentner Preises zweitausendzwölf fünfzehn November zweitausendzwölf Am fünfzehn November wurde am HCA zum dritten Mal der Rolf-Kentner Dissertationspreis verliehen. Der Stifter ist einer der altesten und aktivsten Forderer des HCA und Vorsitzender der Schurmann Gesellschaft. Der Preis wird an eine herausragende noch unveroffentlichte Doktorarbeit in den Amerikastudien verliehen, die an einer deutschen Universitat eingereicht wurde. Der diesjahrige Preistrager ist Dr. Leonard Schmieding vom Historischen Seminar der Universitat Leipzig, augenblicklich Fulbright Fellow an der Stanford University. Nach einer kurzen Einfuhrung durch Prof. Dr. Manfred Berg hielt Leonard Schmieding seinen Festvortrag mit dem Titel " Hip-Hop Under Honecker: This Is Our Party! " Eine eindrucksvolle Hip Hop Darstellung der jungen Tanzerinnen von AlphaBeats vom Haus der Jugend in Heidelberg hatte das Publikum vorher auf das Thema eingestimmt. Dr. Schmieding stellte einige Hauptthesen seiner preisgekronten Arbeit vor, die sich mit der Begeisterung fur Hip Hop Musik und Breakdance in der fruheren DDR beschaftigte. Der Vortrag begann mit einem Auszug aus dem Film Beat Street, der eintausendneunhundertvierundachtzig auch in den DDR-Kinos lief, und Leipzig, Berlin, Dessau und andere Stadte schnell zu regelrechten Hochburgen dieser Jugendkultur machte. Dr. Schmiedings Arbeit analysiert die Faszination mit dieser Form der amerikanischen Popularkultur. Sie zeigt auf, dass viele DDR Hip Hopper quasi,,schwarz" wurden, indem sie sich kulturelle Formen, die "Schwarz" kodiert waren, aneigneten. Hip Hop wurde so zu einem wirkungsvollen Symbol fur Rebellion und "Anderssein". Der instruktive, provokative und unterhaltsame Vortrag bekam viel Applaus und resultierte in einer lebhaften Diskussion. Der Abend klang mit einem Empfang in der Bel Etage aus, wo der Preistrager, der Stifter und viele Gaste miteinander ins Gesprach kamen. Der zweite Vortrag im Herbstprogramm des Baden-Wurttemberg Seminars fand in einem ungewohnlichen Format statt. Im Rahmen des internationalen Symposiums "Lost in Diversity: A Transatlantic Dialogue on the Social Relevance of Jazz" begrusste das HCA die Jazzgrossen Archie Shepp und Yusuf Lateef. In der Alten Aula der Universitat erklarte Yusuf Lateef in seinem Vortrag mit dem Titel "Reflections on the Social Relevance of Black Improvised Music" zunachst, warum er den Begriff "Jazz" als negativ besetzt ablehnt. Lateef zieht es vor, seine Musik als audiophysiopsychisch zu bezeichnen - also Musik, die sich aus dem korperlichen, spirituellen und mentalen Selbst ergibt,,,Musik des Herzens ". Er sieht afroamerikanische Musik als einen besonders bedeutenden Beitrag zur Restauration der amerikanischen Gesellschaft, vor allem in den 1950er und 1960er Jahren. Diese beiden Jahrzehnte stellen fur Lateef einen starken Anstieg der afroamerikanischen Selbstbestimmung und Selbstdarstellung dar nach Jahrhunderten von beispielloser Misshandlung, Vorurteilen und Brutalitat. In der afroamerikanischen Gemeinschaft gehen Arbeit, Freizeit, Freude, Leid, Feste und Verlust seit jeher mit Musik einher. An diesem Umstand haben auch Spott, Verachtung und Tadel nichts andern konnen. Durch die Bewegung der afroamerikanischen Musik hin zum Mainstream der amerikanischen Kunst wurde laut Lateef die gesamte amerikanische Gesellschaft erhoht. Eine der Thesen in Archie Shepps Vortrag mit dem Titel "Reflections on the Political Power of Black Improvised Music" war:,,Ja, Musik hat die Macht, Kriege zu beenden. " Unter anderem berichtete Shepp von einer Begebenheit im Zweiten Weltkrieg, als ein temporarer Waffenstillstand ausgerufen wurde, damit die deutschen Soldaten in den Schutzengraben eine Jam-Session mit dem legendaren Bebop Schlagzeuger Kenny Clarke geniessen konnten. Shepps Uberzeugung, Jazz,,gehore" den Afroamerikanern und weisse Jazzkunstler wurden diese lediglich kopieren, fuhrte im Anschluss zu einer recht kontroversen Diskussion mit dem Publikum. US Elections 2012: "Wahlanalyse " 7. November 2012 Am Tag nach der amerikanischen Prasidentschaftswahl fand am HCA eine Podiumsdiskussion zum Wahlausgang statt. Zu den HCA-Experten Dr. Wilfried Mausbach, Dr. Martin Thunert und Dr. Tobias Endler gesellte sich Dr. Robert Gerald Livingston, Grundungsdirektor des American Institute for Contemporary German Studies in Washington, D.C. Die Teilnehmer des Podiums erklarten warum diese Wahl einzigartig war und gaben eine Einschatzung der Wahlerschaft und der Herausforderungen fur die zweite Amtszeit Obamas. Die Wahl zweitausendzwölf war aus verschiedenen Grunden eine besondere Wahl. Zum einen hatte der Wahlkampf auf beiden Seiten astronomische Summen verschlungen. Eine weitere Neuheit war die professionelle Verwendung der Social Media wie Facebook und Twitter um mit potentiellen Wahlern in Kontakt zu treten. Die Ehefrauen beider Kandidaten waren beide sehr popular und sehr aktiv. Nie zuvor hatten die Medien so viel Muhe auf die Uberprufung von Fakten im Wahlkampf aufgewendet. Die Wahleranalyse zeigte, dass DemoKraten und Republikaner auf sehr unterschiedliche Gruppen abzielten: Mitt Romney war hauptsachlich der Kandidat der weissen, alteren und mannlichen Wahler, die zudem meist aus den Vororten kamen. Er wurde zudem uberproportional von Militarangehorigen unterstutzt. Barack Obama wurde von den 18- bis 40-jahrigen gewahlt, von Frauen, Hispanics, Afro-Amerikanern, Amerikanern asiatischer Herkunft und von judischen Amerikanern. Die Teilnehmer des Podiums waren sich daruber einig, dass demographische Faktoren erheblich zu Obamas Sieg beigetragen hatten. Den Demokraten ist es gelungen, die wachsende Zahl Minderheiten anzusprechen, wahrend die Republikaner zur Partei der weissen Manner geworden sind. Naturlich haben viele Faktoren zu Obamas Sieg beigetragen: Sein Kampf gegen den Terror und der Tod Bin Laden haben ihm eine grosse Popularitat eingebracht, genauso wie das in Aussicht gestellte Ende der Kriege in Afghanistan und im Irak. Zwar sind viele Wahler nach wie vor unzufrieden mit der wirtschaftlichen Situation, die meisten aber schreiben sie der Bush-Prasidentschaft zu. Die Experten skizzierten kurz die Herausforderungen der zweiten Amtszeit Obamas: Eines der dringendsten Probleme ist die unmittelbar bevorstehende Finanzklippe. Die republikanische Mehrheit im Reprasentantenhaus wird Verhandlungen und Kooperation notwendig machen; unter Umstanden wird dies auch in einem politischen Stillstand enden.

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