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Geschichte Deutschlands – Wikipedia

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Weil Napoleon Deutschland hauptsachlich als imperiale Rekrutierungsbasis der Grande Armee behandelte und finanziell und wirtschaftlich ausbeuten liess, schlugen anfangliche Bewunderung fur den Korsen oder relative Gleichgultigkeit um in Abneigung, Verbitterung und Hass auf die franzosische Okkupationsmacht. Die Bundniskonstellationen zwischen den europaischen Machten und die Verwicklung des osterreichisch-ungarischen Vielvolkerstaats in die seit langerem instabilen Verhaltnisse auf dem Balkan (Balkankrise, Balkankriege) wirkten zusammen, als nach der Ermordung des osterreichischen Thronfolgers Franz Ferdinand am achtundzwanzig Juni eintausendneunhundertvierzehn in Sarajevo die k.u.k-Monarchie am dreiundzwanzig Juli Serbien vorsatzlich ein kaum annehmbares Ultimatum stellte. Eine international orientierte, in ortlichen Gruppen vielfach unter kirchlichem Schutz organisierte Friedensbewegung, die im September 1987 den Olof-Palme-Friedensmarsch mitorganisierte, stimmte uberein mit Michail Gorbatschow, als er mit Glasnost und Perestroika die Vorzeichen sowjetischer Politik anderte und die,,sozialistischen Bruderstaaten" zu eigenverantwortlicher Zukunftsgestaltung anhielt.

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Geschichte Deutschlands – Wikipedia
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das Reichsgut verpfandete er weitgehend, so dass die nachfolgenden Konige sich endgultig nur noch auf ihr Hausgut stutzen konnten. Die Goldene Bulle von eintausenddreihundertsechsundfünfzig stellte bis zum Ende des Heiligen Romischen Reichs eine Art Grundgesetz dar und regelte die Wahlmodalitaten (einschliesslich Mehrheitsprinzip). Ihr Hauptziel war die Verhinderung von Gegenkonigen und Thronkampfen. Karl glaubte, die Machtstellung des Hauses Luxemburg zementiert zu haben, vor allem aufgrund seiner starken Hausmacht, doch gelang es den nachfolgenden Luxemburger Konigen nicht mehr, effektiv daruber zu verfugen. Unter dem Nachfolger Karls verfiel die Konigsmacht endgultig. Wenzel, der altere Sohn Karls IV., wurde eintausendvierhundert von den vier rheinischen Kurfursten wegen Untatigkeit abgesetzt. Nach dem Tod des Nachfolgers Ruprecht von der Pfalz aus dem Hause Wittelsbach eintausendvierhundertzehn wurde mit Wenzels Bruder Sigismund, der bereits Konig von Ungarn war, wieder ein Luxemburger gewahlt. Sigismund war ein gebildeter und intelligenter Herrscher, doch verfugte er uber keine ausreichende Machtbasis im Reich. Er erreichte zwar eintausendvierhundertdreiunddreißig die Kaiserkronung, war jedoch nicht in der Lage, das Konigtum zu stabilisieren. Eine Reichsreform scheiterte an Eigeninteressen der Landesherrscher. Durch die Einberufung des Konzils von Konstanz konnte er allerdings das Abendlandische Schisma beenden. Mit dem Tod Sigismunds erlosch das Haus Luxemburg in mannlicher Linie. Die Habsburger traten eintausendvierhundertachtunddreißig mit Albrecht die Nachfolge an. Von eintausendvierhundertachtunddreißig bis eintausendsiebenhundertvierzig und von eintausendsiebenhundertfünfundvierzig bis zum Ende des Reiches eintausendachthundertsechs sollte das Haus Habsburg nun den romischen Konig stellen. Unter der langen Regierung von Friedrich III. (1440-1493) wurde der Grundstein fur die spatere habsburgische Weltmachtpolitik gelegt. Gleichzeitig durchlief das Reich einen Struktur- und Verfassungswandel, wobei in einem Prozess,,gestalteter Verdichtung" (Peter Moraw) die Beziehungen zwischen den Reichsgliedern und dem Konigtum enger wurden.[25] Maximilian I. erwarb durch Heirat die Besitzungen des Hauses Burgund, zu denen unter anderem die reichen Niederen Lande gehorten, fur sein Haus und behauptete grosse Teile davon im Krieg gegen Frankreich (Frieden von Arras). eintausendvierhundertfünfundneunzig beschloss der Wormser Reichstag eine Reichsreform. Maximilians Sohn Philipp der Schone wurde eintausendvierhundertsechsundneunzig mit der Erbin Spaniens vermahlt. Maximilian nahm eintausendfünfhundertacht ohne papstliche Kronung den Kaisertitel an. Er beendete faktisch die Zuge der romisch-deutschen Konige zur Kaiserkronung nach Rom (sein Enkel Karl V. wurde aber noch vom Papst in Bologna gekront). Grund waren verschiedene schwelende Konflikte mit Frankreich und Venedig, dessen Truppen viele Alpenpasse versperrt hatten. Durch seine Heiratspolitik kamen neben der spanischen Krone auch Bohmen und Ungarn von den Jagiellonen zum Herrschaftsbereich der Habsburger. eintausendfünfhundertneunzehn wurde der Habsburger Karl V. zum Konig gewahlt und nannte sich nach seiner Kronung im Jahre 1520,,erwahlter Kaiser"; erst zehn Jahre spater wurde er im Rahmen einer Aussohnung als letzter deutscher Herrscher vom Papst gekront, diesmal nicht in Rom, sondern in Bologna. Unter Karl stieg Habsburg zur Weltmacht auf. Aussenpolitisch war er in standige Kriege zur Abwehr der Osmanen sowie gegen Frankreich und den Papst verwickelt. Dadurch war seine Stellung im Reich selbst schwach und er konnte die Ausbreitung der Reformation nicht verhindern. In den Jahren eintausendfünfhundertzweiundzwanzig bis eintausendfünfhundertsechsundzwanzig wurde in etlichen Landern und Stadten des Reichs die Lehre Luthers eingefuhrt. Die Reformation erfolgte durch Landesherren, die auch zum Landesbischof wurden. Der Bruder des Kaisers, Ferdinand, wollte die Duldung der Lutheraner aufheben. Dagegen protestierten die evangelischen Landesfursten. Daher leitet sich die Bezeichnung Protestanten fur Anhanger der evangelischen Glaubensrichtung ab. Im Schmalkaldischen Krieg von 1546/1547 kam es erstmals zum Kampf der Katholiken unter Fuhrung des Kaisers gegen die Protestanten. Der Kaiser gewann den Krieg, konnte aber das Augsburger Interim nicht durchsetzen. Als sich die Fursten uber die Religionsgrenzen hinweg gegen ihn erhoben, verzichtete Karl V. eintausendfünfhundertsechsundfünfzig zugunsten seines Sohnes Philipp II. auf Spanien und machte seinen Bruder Ferdinand zu seinem Nachfolger im Reich. Der neue Konig hatte bereits 1555 den Augsburger Religionsfrieden ausgehandelt, dessen Grundsatz Cuius regio, eius religio spater formuliert wurde. Unter dem Eindruck der Reformation begann die katholische Kirche eine innere Reform. Die daraus entstehende Gegenreformation bestand zum einen in der Verfolgung von Zweiflern an der offiziellen papstlichen Lehre durch die Inquisition, zum anderen entstanden neue Orden, von denen die Jesuiten eine fuhrende Rolle bei der Rekatholisierung spielten. Dennoch war die Religionspolitik von Ferdinands Sohn und Nachfolger Maximilian II. vergleichsweise tolerant, wahrend in Frankreich zur selben Zeit die Hugenottenkriege wuteten. Die dezentralisierte Herrschaft im Reich erwies sich hierbei als vorteilhaft, da in den jeweiligen Landesherrschaften unterschiedliche Konfessionen bestehen konnten, aber daraus wenigstens zunachst kein scharfer Gegensatz zum Kaisertum entstand, wahrend in Frankreich das Konigtum bestrebt war, ausschliesslich die katholische Konfession durchzusetzen. Maximilians Sohn Rudolf II. zog sich dagegen in seiner Residenz Prag immer mehr aus der Wirklichkeit zuruck, wahrend die religiosen Konflikte sich zuspitzten. Es kam zum Kolner Krieg, als der dortige Erzbischof zum Protestantismus ubergetreten war. Der Achtzigjahrige Krieg fuhrte zur Teilung der Niederlande in die vom Reich nunmehr unabhangige Republik der Sieben Vereinigten Provinzen und die Spanischen Niederlande, die unter habsburgischer Herrschaft blieben und das spatere Belgien bildeten. Die protestantischen Fursten schlossen sich eintausendsechshundertacht unter Fuhrung Friedrichs von der Pfalz zur Union zusammen. Entsprechend schlossen sich die katholischen Fursten 1609 unter Fuhrung des Bayernherzogs Maximilian I. zur Liga zusammen. Nachdem Kaiser Rudolf II. die Regierungsgeschafte an seinen Bruder Matthias abgetreten hatte, schrankte dieser die den Protestanten gewahrten Rechte wieder ein. 1618 kam es deshalb zum Prager Fenstersturz, bei dem zwei kaiserliche Rate von bohmischen Standesvertretern in der Prager Burg zum Fenster hinausgeworfen wurden. Wallenstein wurde eintausendsechshundertvierunddreißig erneut abgesetzt und bald darauf ermordet. Um die Schweden vom deutschen Boden zu vertreiben, schloss der Kaiser mit dem protestantischen sachsischen Kurfursten 1635 einen Sonderfrieden, den Frieden von Prag. Das Heilige Romische Reich Deutscher Nation eintausendsechshundertachtundvierzig Das katholische Frankreich griff eintausendsechshundertfünfunddreißig auf schwedischer Seite ein, jedoch konnte keine der beiden Seiten den Krieg fur sich entscheiden. Grosse Teile des Reiches wurden verwustet. Die Vorkriegs-Einwohnerzahl wurde erst wieder um eintausendsiebenhundertfünfzig erreicht. Der neue Kaiser Ferdinand III. bemuhte sich seit eintausendsechshundertsiebenunddreißig verstarkt um Friedensverhandlungen, aber Deutschland war langst zum Spielball fremder Machte geworden, wodurch sich das Leid der Bevolkerung weiter verlangerte. Die seit 1642 laufenden Verhandlungen fuhrten am 24. Oktober 1648 zum Westfalischen Frieden. Der Friedensschluss beinhaltete eine Abtretung von Teilen Lothringens und des Elsass an Frankreich. Die Niederlande und die Schweiz schieden offiziell aus dem Reich aus. Die Stellung der Reichsstande und der Territorien wurde gestarkt und der Augsburger Religionsfriede bestatigt. Bei einem Konfessionswechsel des Landesherrn wurde nicht mehr von der Bevolkerung dasselbe verlangt. Die Macht des Kaisers wurde noch weiter eingeschrankt, seine Durchsetzungskraft beruhte in der Zukunft nur noch auf der Stellung seiner Dynastie. Das Heilige Romische Reich zerfiel in dreihundertzweiundachtzig souverane und halbsouverane Territorien. Dieses Reichsgebilde wurde vom zeitgenossischen Staatsrechtler Samuel Pufendorf als,,Monstrum " oder,,durch gottliche Fugung bewahrtes Unding" bezeichnet. Pufendorf verwendete aber auch als einer der ersten die Bezeichnung,,Deutschland". Auf die Zerstorungen und Bevolkerungsverluste des Dreissigjahrigen Kriegs reagierten die Staatshaupter mit der Forderung gelenkter Wirtschafts- und Sozialpolitik. Verbunden mit der merkantilistischen Wirtschaftsform war das Entstehen der absolutistischen Herrschaftsform nach Vorbild des franzosischen Konigs Ludwig XIV. Dadurch wurde ein Krieg gegen Frankreich verhindert, zu dem schon gerufen werden sollte. Im Rahmen der franzosischen Reunionspolitik waren die freie Reichsstadt Strassburg und andere elsassische Gebiete in Frankreichs Territorium einverleibt worden, obwohl diese Gebiete Reichsstande waren. Das Aussterben der spanischen Habsburger loste eintausendsiebenhunderteins den Spanischen Erbfolgekrieg aus, der mit dem Tod von Joseph I. eine fur Habsburg ungunstige Wende nahm, allerdings auch die Krafte Frankreichs erschutterte. Das osterreichische Haus Habsburg war unter Leopold I. und Joseph I. dennoch zur europaischen Grossmacht geworden. Schweden verlor durch seine Niederlage im Grossen Nordischen Krieg (1700-1721) gegen Russland, Danemark, Sachsen-Polen und Preussen fast alle Besitzungen im Reich. Die drei Teilungen Polens 1772, 1793 und 1795 ergaben fur Osterreich und Preussen erhebliche Gebietsgewinne. Als historische Epoche hat das neunzehn Jahrhundert Uberlange, indem es jeweils mit umwalzenden Ereignissen auch fur die Geschichte Deutschlands schon eintausendsiebenhundertneunundachtzig anfangt und erst eintausendneunhundertvierzehn endet. Den Auftakt bilden die Franzosische Revolution und Napoleon Bonapartes zeitweilige Vorherrschaft uber Europa; das Ende markiert der Ausbruch des Ersten Weltkriegs, die,,Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts".[26] Fur Deutschland war dieses lange Jahrhundert jene Epoche, in der Freiheit und Einheit der Nation als Burgerforderungen den deutschen Fursten prasentiert wurden und in der Revolution 1848/49 vorerst scheiterten, in der die industrielle Revolution neue wirtschaftliche, soziale und politische Strukturen hervorbrachte und in der mit Hilfe des preussischen Militars unter Bismarcks politischer Leitung das Deutsche Kaiserreich zustande kam. Das Heilige Romische Reich am Vorabend der Franzosischen Revolution eintausendsiebenhundertneunundachtzig Die Franzosische Revolution wurde in ihrer Fruhphase mit den Schlagworten von Freiheit, Gleichheit, Bruderlichkeit, der Erklarung der Menschen- und Burgerrechte und gewaltenteilender Verfassung auch in Deutschland teils enthusiastisch begrusst. Man kannte und schatzte in gebildeten Kreisen franzosische Aufklarer wie Voltaire, Montesquieu und Rousseau. Die Radikalisierung des Revolutionsgeschehens in Frankreich bis hin zur Terrorherrschaft mit dem Dauereinsatz der Guillotine gegen,,Feinde des Volkes" und Verdachtige fuhrte ausserhalb jedoch schnell zu weit uberwiegender Ablehnung dieser Entwicklung. Die aus dem revolutionaren Frankreich geflohenen adligen Emigranten schurten die gegenrevolutionare Stimmung an den Hofen im Ausland. In der Pillnitzer Deklaration drohten Kaiser Leopold II. und Konig Friedrich Wilhelm II. von Preussen bereits mit militarischer Intervention zugunsten des franzosischen Konigs Ludwig XVI. Die nachfolgenden Koalitionskriege gegen das franzosische Revolutionsheer brachten aber keinen durchschlagenden Erfolg. Vielmehr gelang es dem aus dessen Reihen hervorgegangenen General Napoleon Bonaparte, durch militarische Erfolge und politisches Geschick die Fuhrung der Republik an sich zu reissen, sich zum Kaiser der Franzosen zu kronen und durch die Grundung von Satellitenstaaten wie dem Konigreich Westphalen (1807-1813) die politischen Verhaltnisse in Deutschland in seinem Sinne neu zu ordnen. Wahrend die Franzosen als Nation in einem Staat geeint waren, bot das Heilige Romische Reich deutscher Nation eher ein Bild staatlicher Zersplitterung in die Territorien unterschiedlichster Grosse der mehr als dreihundert Reichsstande. Als Kulturnation lediglich durch Sprache, Literatur und Geistesleben geeint, waren die Deutschen weit davon entfernt, eine Staatsnation zu bilden.[27] Fur Goethe war Deutschland nicht recht dingfest zu machen:,,Wo das gelehrte beginnt, hort das politische auf."[28] Der Sieg Napoleons in der Dreikaiserschlacht bei Austerlitz 1805, die Grundung des Rheinbunds unter franzosischem Protektorat eintausendachthundertsechs und die Niederwerfung Preussens durch Napoleon in der Schlacht bei Jena und Auerstedt sowie sein anschliessender Einzug in Berlin setzten neue Rahmenbedingungen fur die Franzosenzeit in Deutschland. Die Sonderformation der Rheinbundstaaten setzte den Schlusspunkt unter die Auflosung des Alten Reiches, da Franz II. als romisch-deutscher Kaiser nun auch formal abdankte. Der Rheinbund, uber den Napoleon militarisch wie aussenpolitisch gebot, folgte mit der Einfuhrung des Code civil dem franzosischen Vorbild und wurde dabei je langer, desto deutlicher zu einem Instrument franzosischer Hegemonie im Dienste Napoleons.[30] Preussen verlor im Frieden von Tilsit die Besitzungen westlich der Elbe und fast alle Gebietszuwachse aus den Teilungen Polens: Es wurde nahezu halbiert. Diese Schwachungen bereiteten aber auch den Boden fur die Preussischen Reformen unter Stein und Hardenberg, die zumal fur das Militar (Scharnhorst und Gneisenau), fur die Wirtschaft sowie fur das Bildungwesen (Wilhelm von Humboldt) neue Krafte wecken und neue Ressourcen erschliessen sollten. Weil Napoleon Deutschland hauptsachlich als imperiale Rekrutierungsbasis der Grande Armee behandelte und finanziell und wirtschaftlich ausbeuten liess, schlugen anfangliche Bewunderung fur den Korsen oder relative Gleichgultigkeit um in Abneigung, Verbitterung und Hass auf die franzosische Okkupationsmacht.[31] Die Verhangung der Kontinentalsperre gegen England durch Napoleon, die ein ausgedehntes Schmuggelwesen erzeugte, gegen das wiederum mit militarischen Mitteln repressiv vorgegangen wurde, liess den allgemeinen Unmut weiter ansteigen. Man war standig Kontrollen und Schikanen ausgesetzt, litt unter Teuerung und Versorgungsengpassen.[32] Erst nach Napoleons gescheitertem Russlandfeldzug konnte eintausendachthundertdreizehn durch eine Koalition der anderen europaischen Machte die Napoleon verbliebenen Truppen geschlagen und die franzosische Vorherrschaft in Deutschland wie in Europa beendet werden. Das Signal fur den Beginn der Befreiungskriege setzte der preussische General Ludwig Yorck von Wartenburg, indem er am dreißig Dezember eintausendachthundertzwölf ohne die Order seines noch mehrere Wochen zogerlichen Konigs die Konvention von Tauroggen abschloss. Offiziell wurde die preussisch-russische Allianz Ende Februar eintausendachthundertdreizehn Osterreich trat erst im August eintausendachthundertdreizehn in den Krieg gegen Napoleon ein, trug aber zu dessen Niederlage in der Volkerschlacht bei Leipzig wesentlich bei. Nun sagten sich auch die Rheinbundstaaten von Napoleon los, und bis zum Jahresende war ganz Deutschland befreit. Als die europaischen Machte auf dem Wiener Kongress darangingen, die Hinterlassenschaft der Ara Napoleons auch in Deutschland neu zu ordnen, suchte man die Balance zu halten zwischen einer Zersplitterung, die als Machtvakuum Begehrlichkeiten der westlichen wie der ostlichen Nachbarmachte Frankreich und Russland hatte wecken konnen, und einer national geeinten deutschen Grossmacht, die ihrerseits auf Expansionskurs hatte gehen konnen.[33] Als fur alle akzeptable Neuschopfung entstand so der Deutsche Bund, kein Bundesstaat, sondern ein Staatenbund aus einundvierzig souveranen Mitgliedern mit einem in Frankfurt am Main tagenden standigen Gesandtenkongress, dem Bundestag, als einzigem gemeinsamen Organ. Mit den Konigen von England, den Niederlanden und Danemark waren einerseits auch auslandische Fursten mit Territorialbesitz im Deutschen Bund vertreten; die Herrscher Osterreichs und Preussens andererseits geboten zusatzlich uber Gebiete ausserhalb des Bundes. Clemens Wenzel von Metternich Friedrich Wilhelm III. Der betont restaurative Charakter der Beschlusse des Wiener Kongresses zeigte sich besonders in der von Zar Alexander I. initiierten Heiligen Allianz, in der die europaischen Herrscher einander Verbundenheit und wechselseitigen Beistand bezeugten und darin ubereinstimmten, ihre Volker in vaterlichem Sinne christlich und friedlich zu regieren.,,Die Heilige Allianz ist kein Instrument realer Politik der europaischen Machte, aber sie wird ein Symbol der konservativen, der antirevolutionaren Restauration und Stabilisierungspolitik."[34] In der politischen Praxis gingen die beiden Grossmachte innerhalb des Deutschen Bundes, Osterreich mit Metternich an der Spitze und Preussen, besonders entschieden auf Restaurationskurs. So loste Friedrich Wilhelm III. von Preussen zur allgemeinen Enttauschung aller Reformanhanger sein wiederholtes Versprechen nicht ein, Preussen zu einem Staat mit Verfassung zu machen, wahrend in Suddeutschland eine ganze Reihe von Verfassungsstaaten entstanden. Das hatten sich viele der Freiwilligen anders vorgestellt, die fur Freiheit und Einheit des Vaterlands in die Befreiungskriege gezogen waren. Die Proteststimmung konzentrierte sich in den studentischen Burschenschaften und kam in offentlichen Manifestationen zum Ausdruck, so beim Wartburgfest 1817, wo neben den Forderungen nach nationaler Einheit und konstitutioneller Freiheit auch solche gegen den Polizeistaat und die feudale Gesellschaft geaussert wurden. Die Ermordung des Schriftstellers August von Kotzebue, der die Burschenschaften verspottet und die russische Regierung mit Berichten uber jakobinische Tendenzen an deutschen Universitaten versorgt hatte, durch den Theologiestudenten Karl Ludwig Sand sowie ein weiteres Attentat mit burschenschaftlich-radikalem Hintergrund wurden zum Anlass fur die von Metternich betriebenen Karlsbader Beschlusse eintausendachthundertneunzehn Diese fuhrten zum Verbot der Burschenschaften, zur Uberwachung der Universitaten auch hinsichtlich staatsfeindlicher Lehre, zu ausgedehnter Zensur von Druckerzeugnissen und zur,,Exekutionskompetenz gegen widerspenstige oder revolutionare Gliedstaaten" des Deutschen Bundes.,,Indem jede freie Bewegung abgewurgt und unterdruckt wurde, konnte sich kein politisches Leben, Offentlichkeit und Verantwortung bilden, keine grossen Ziele und keine konkreten Aufgaben, kein freies Wechselspiel der verschiedenen Krafte."[35] Das deutsche Leben wurde in die Innerlichkeit abgedrangt, in Kunstverehrung, Wissenschaft oder Geschichte, in eine weitgehende Entpolitisierung jedenfalls. Burger, die ihre politische Protesthaltung nicht im Untergrund hochhalten oder theoretisch vertiefen wollten, widmeten sich verstarkt dem Privatleben in Haus und Familie. Kleinheit, Uberschaubarkeit und Gemutlichkeit gehorten zum Biedermeier-Ambiente und pragten das Zusammenleben. Der gemeinsame Sonntagsspaziergang der Familie wurde im burgerlichen Milieu nun ebenso ublich wie der Weihnachtsbaum, das Weihnachtsliedersingen und die Hausmusik im kleinen Kreis.[36] Die Julirevolution von eintausendachthundertdreißig in Frankreich hatte auch weiter ostlich Auswirkungen. So fuhrte der vergebliche Novemberaufstand 1830-1831 in Polen gegen Russlands Vorherrschaft zu einem polnischen Emigrantenstrom nach Westen. In Deutschland loste sich die zwischenzeitliche Erstarrung des politischen Lebens. Eine deutliche Manifestation wiedererwachten offentlichen Eintretens fur Freiheit und Einheit war das Hambacher Fest 1832, wo im Zeichen schwarz-rot-goldener Fahnen unter dem Jubel der Menge Bekenntnisse zu einem geeinten, demokratisch-republikanischen Deutschland abgelegt wurden.[37] Zwar blieben repressive Reaktionen nicht aus, aber es zeigte sich darin wie auch im Professoren-Widerstand der Gottinger Sieben 1837, dass das fortbestehende Regime der Karlsbader Beschlusse nicht uberall durchschlug. In der Rheinkrise 1840, ausgelost durch franzosische Ambitionen auf linksrheinische deutsche Territorien, fanden Burger und Regierende in nationalem Selbstbehauptungsstreben zusammen. Das Kolner Dombaufest eintausendachthundertzweiundvierzig inszenierte Friedrich Wilhelm IV. von Preussen,,als Bekenntnis zu deutscher Grosse und zur Versohnung der Konfessionen im Zeichen eines gemeinsamen kulturellen Erbes", jedoch ohne die Bereitschaft, sein verfassungsloses,,vaterliches Regiment" in Frage stellen zu lassen.[38 ] Neben uneingelosten politischen Forderungen im Burgertum waren fur die Destabilisierung der Ordnung des Deutschen Bundes im Vormarz auch soziale Missstande ursachlich. Dem Bevolkerungswachstum zwischen eintausendachthundertfünfzehn und eintausendachthundertachtundvierzig von zweiundzwanzig auf fünfunddreißig Millionen Menschen (+59 Prozent) stand keine auch nur annahernd proportionale Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion gegenuber, mit der Folge einer desolaten Versorgungslage. Pauperismus steht als Begriff und Zustandsbeschreibung fur das Elend dieser Zeit. Kartoffelfaule und Getreidemissernten verschlechterten die Lage ab 1845 zusatzlich.[39] Als die Februarrevolution 1848, wiederum von Paris ausgehend, in Europa Wellen schlug, gab es deshalb eine breit gestreute Unzufriedenheit und Auflehnungsbereitschaft gegen die bestehenden Verhaltnisse. In Wien wurde am dreizehn Marz Metternichs Rucktritt erzwungen, wahrend der Kaiserhof seinen Sitz vorubergehend nach Innsbruck verlegte. In Berlin reagierte Friedrich Wilhelm IV. auf Barrikadenkampfe und Revolutionstote in der Marzrevolution mit einem Aufruf, der Volksvertretungen auf standischer Grundlage befurwortete, der mit der Formel schloss:,,Preussen geht fortan in Deutschland auf."[40] Die Regierungen in Deutschland ernannten liberale,,Marzregierungen", die wiederum entsprechend neue Gesandte in den Bundestag schickten. 500 Liberale und Demokraten aus ganz Deutschland bildeten am 31. Marz in Frankfurt am Main ein Vorparlament, das den erneuerten Bundestag beriet. Der deutsche Bundesstaat sollte ursprunglich die Grenzen des Deutschen Bundes haben, zuzuglich der preussischen Ostprovinzen und Schleswigs. Das hatte eine grossdeutsche Losung bedeutet, weil grosse Teile Osterreichs zum Bundesgebiet gehort hatten. Diese weithin begrusste Losung erwies sich aber als unmoglich, als die osterreichische Monarchie im Herbst eintausendachthundertachtundvierzig wieder erstarkte. Im Marz eintausendachthundertneunundvierzig war uberdeutlich, dass das zentralistische Osterreich es nicht erlauben wurde, dass nur Teile sich einem deutschen Bundesstaat anschlossen. Ausserdem gab der preussische Konig Friedrich Wilhelm IV. nur undeutliche Signale, ob er eine deutsche Kaiserkrone eines Kleindeutschland annehmen wurde. Innerlich lehnte er sie sowieso ab, weil er lieber von den ubrigen Fursten zum Kaiser ausgerufen werden wollte.[44] Trotzdem wahlte die Nationalversammlung den preussischen Konig zum Kaiser. Im Laufe des April eintausendachthundertneunundvierzig erfolgte erst eine vorlaufige, dann eine endgultige Ablehnung. Der Konig verbot daraufhin, wie auch andere Fursten, seinen Untertanen rechtswidrig die Mitgliedschaft in der Nationalversammlung. Ein Teil der Abgeordneten machte dennoch weiter; viele von ihnen sind dafur verfolgt worden.[45] Die im Zusammenhang mit einer Reichsverfassungskampagne stehenden Maiaufstande in Dresden, in der Rheinpfalz und in Baden wurden allerdings niedergeschlagen; die letzten Revolutionare ergaben sich am 23. Juli in der Festung Rastatt. Ob die Niederlage des deutschen Liberalismus 1848/49 in einen deutschen Sonderweg mundete, der Deutschland weg von freiheitlichen Traditionen des Westens und letztlich in den Zivilisationsbruch der NS-Zeit fuhrte, wird in der Geschichtswissenschaft kontrovers diskutiert.[46] Mit dem doppelten Scheitern der Frankfurter Nationalversammlung erst an der osterreichischen, dann auch an der preussischen Reaktion waren nun auch die von der Revolution inspirierten liberalen Verfassungen hinfallig und wurden in der nun folgenden Reaktionsara durch obrigkeitsgefalligere Modelle abgelost. Zu einem Dauerkonflikt fur anderthalb Jahrzehnte wurde die Rivalitat der beiden Grossmachte um die Fuhrungsrolle in Deutschland. Wirtschaftspolitische Voraussetzungen und Entwicklungsprozesse spielten dabei eine wichtige, die preussischen Ambitionen letztlich begunstigende Rolle. Lokomotivbau bei Borsig Ab der Mitte des neunzehn Jahrhunderts kam die Industrielle Revolution in Deutschland verstarkt zum Zuge. Mit dem Deutschen Zollverein von eintausendachthundertvierunddreißig waren uber Preussen hinausgehend elementare Voraussetzungen zur Herstellung eines einheitlichen Wirtschaftsraumes geschaffen, in dem sich kunftig auch politische Interessen bundeln liessen. Das industrielle Wachstum wurde durch einen mobilen Kapitalmarkt und weitraumige Markte gefordert, die durch verbesserte Transportwege und Nachrichtenkommunikation erschlossen wurden.[47] Massgeblichen Anteil an dem sich beschleunigenden Industrialisierungsprozess hatte das energisch vorangetriebene Eisenbahnwesen, sei es beim Auf- und Ausbau des Schienennetzes oder bei der Herstellung von Lokomotiven, wie z. B. in den Borsigwerken. Im Ergebnis wurden die Transportkosten um bis zu achtzig Prozent gesenkt und die allgemeine Mobilitat gestarkt. Fur Bodenschatze, Ernteertrage und Massenwaren konnten nun grossere Markte erschlossen werden. Ab der Jahrhundertmitte wurden Aktienbanken fur die Finanzierung von Industrie und Handel typisch.[48] Der durch die Industrialisierung angestossene Strukturwandel verlief in Preussen in mehrerer Hinsicht dynamischer als in Osterreich. Neben ein hoheres Bevolkerungswachstum auf preussischer Seite trat eine beschleunigt veranderte Beschaftigungssituation: Wahrend in Osterreich erst am Ende des neunzehn Jahrhunderts weniger als sechzig Prozent der Bevolkerung in der Landwirtschaft tatig waren, bestand dieses Verhaltnis in den ausserosterreichischen Gebieten des Deutschen Bundes mehr als ein halbes Jahrhundert fruher.,,Die Standortnachteile bei Kohle und Eisen, das Fehlen verkohlbarer Kohle, die ungunstigen Verkehrsverhaltnisse und vor allem die wesentlich geringere durchschnittliche Produktivitat und Kaufkraft schon im Bereich des Agrarsektors - vierzig Gulden pro Kopf und Jahr in der Monarchie, achtundsiebzig Gulden im Zollverein (1852) - hatte ein unaufhaltsames Zuruckfallen der osterreichischen Wirtschaft zur Folge."[49] Bis um 1865 blieb aber die osterreichische Diplomatie darin erfolgreich, die preussischen Ambitionen auf eine mindestens gleichrangige Fuhrungsrolle in Deutschland abzuwehren. Wahrend Preussen unmittelbar nach der gescheiterten Revolution mit der Bildung einer kleindeutschen Union unter preussischer Fuhrung durchzudringen suchte, setzte Osterreich auf Wiederherstellung des Deutschen Bundes und hatte dabei Russlands Unterstutzung. Mit der Olmutzer Punktation nahm Preussen von einer militarischen Auseinandersetzung Abstand und kehrte in den Deutschen Bund mit Osterreich als Prasidialmacht zuruck. Das osterreichische Streben nach Schaffung eines mitteleuropaischen Wirtschaftsraums durch Beteiligung an Preussens Zollverein scheiterte jedoch am preussischen Widerstand und daran, dass die deutschen Mittelstaaten sich politisch zwar eher an Osterreich hielten, wirtschaftlich aber vom Verbund mit Preussen profitierten.[50] Otto von Bismarck, um eintausendachthundertzweiundsechzig Dass das Prasidieren im Deutschen Bund der ausseren Machtstellung Osterreichs nichts nutzte, wenn Preussen sich verweigerte, zeigte sich sowohl im Krimkrieg als auch im Zweiten Italienischen Unabhangigkeitskrieg, der fur Osterreich mit dem Verlust der Lombardei endete. Auch die vorubergehende Schwachung Preussens durch den inneren Konflikt um Heeresreform und Verfassung konnte Osterreich gegen den Widerstand des nunmehr zum preussischen Ministerprasidenten berufenen Otto von Bismarck nicht zur Festigung des Fuhrungsanspruchs im Deutschen Bund nutzen. Bismarck formulierte ein kampfbetontes Programm:,,Preussens Grenzen nach den Wiener Vertragen sind zu einem gesunden Staatsleben nicht gunstig; nicht durch Reden und Majoritatsbeschlusse werden die grossen Fragen der Zeit entschieden - das ist der grosse Fehler von eintausendachthundertachtundvierzig und eintausendachthundertneunundvierzig gewesen -, sondern durch Blut und Eisen."[51] Den Krieg gegen Danemark um Schleswig fuhrten beide Machte eintausendachthundertvierundsechzig gemeinsam und einigten sich danach auch in der Folgenregelung: Nach zunachst gemeinsamer Zustandigkeit fur beide Herzogtumer kam Holstein eintausendachthundertfünfundsechzig unter osterreichische, Schleswig unter preussische Verwaltung. Seit Anfang eintausendachthundertsechsundsechzig betrieb Bismarck in der Holstein-Frage eine auf Konfliktschurung angelegte Politik, die Preussens Fuhrung in Deutschland zum Ziel hatte. Durch eine Allianz mit Italien und die Erlangung der Neutralitat Napoleons III. konnte Bismarck auch Wilhelm I. fur den Waffengang gegen Osterreich gewinnen, das von den ubrigen deutschen Staaten keine durchschlagende militarische Unterstutzung erhielt. In dem knapp sechswochigen Deutschen Krieg besiegte das preussische Lager zunachst die Osterreich verbundenen deutschen Mittelmachte und in der Schlacht bei Koniggratz dann auch das osterreichische Heer selbst. Um ein franzosisches Eingreifen zu vermeiden, begnugte sich Preussen im anschliessenden Friedensschluss mit Osterreichs Verzicht auf Mitwirkung in den deutschen Angelegenheiten, mit der endgultigen Auflosung des Deutschen Bundes sowie mit der Grundung eines Norddeutschen Bundes unter Fuhrung Preussens nordlich der Mainlinie. Die suddeutschen Staaten erhielten die Moglichkeit, sich zu einem Sudbund zusammenzuschliessen, der allerdings nicht verwirklicht wurde.[52] Die Verfassung des Norddeutschen Bundes wie auch die unter preussischer Fuhrung betriebene Wirtschafts- und Infrastrukturpolitik nahmen das nachfolgende Kaiserreich in mancher Beziehung voraus bzw. zielten darauf hin. Wie in der nachmaligen Verfassung des Kaiserreichs gab es einen Bundesrat mit starkem preussischen Ubergewicht, einen Kanzler Bismarck, der in Personalunion die Funktionen des preussischen Ministerprasidenten und des Aussenministers vereinte, sowie einen Reichstag als Entscheidungsorgan uber Gesetzgebung und Staatshaushalt. Die Anbindung der suddeutschen Staaten an den Weltmarkt war wesentlich auf die Nutzung preussischer Eisenbahnen und Wasserwege angewiesen. Durch Zollverein und zentralisierte Gesetzgebung wurde der wirtschaftliche und rechtliche Rahmen in den Mitgliedsstaaten des Norddeutschen Bundes vereinheitlicht.[53] Vor allem die suddeutschen Staaten Wurttemberg und Bayern liessen sich ihre Einbeziehung in das Kaiserreich mit Reservatrechten abgelten. Diese betrafen unter anderem Bier- und Branntweinsteuern sowie die Post- und Eisenbahnverwaltungen.[54] Das deutsche Volk kam mit der Reichstagswahl vom drei Marz eintausendachthunderteinundsiebzig erst ins Spiel, als die Weichen bereits gestellt waren. Die politische Orientierung und Interessenartikulation der Burger vermittelten die Parteien, die in Deutschland von weltanschaulichen Grundsatzen gepragt waren und seit der Revolution 1848/49 ein Funfparteiensystem aus Konservativen, rechten und linken Liberalen, Katholizismus und Sozialisten bildeten.[55] Als erste organisiert hervorgetreten waren im neunzehn Jahrhundert die Liberalen, die Freiheit und Einheit der Nation in einer Gesellschaft rechtsgleicher Burger anstrebten: einen Nationalstaat mit liberaler Verfassung. An der Haltung gegenuber Bismarcks antiparlamentarischem Kurs bei der Budgetierung des preussischen Militars schieden sich die Nationalliberalen von der alteren Fortschrittspartei. Die Konservativen traten im Rahmen der neuen Verfassungsordnung fur die Vorrechte von Monarch, Regierung und landlichem Grundbesitz ein, fur Kirche, Militar und Adel. Die Interessen der anwachsenden Industriearbeiterschaft richteten sich seit der Grundung des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins (ADAV) durch Ferdinand Lassalle auf die Durchsetzung des allgemeinen Wahlrechts und die Verbesserung der Lebens-, Arbeits- und Lohnverhaltnisse durch Machtzuwachs im staatlichen Institutionengefuge. Seit dem Gothaer Vereinigungsparteitag eintausendachthundertfünfundsiebzig mit der SDAP bildeten die Sozialdemokraten eine geschlossene und weiter wachsende politische Bewegung. Die Existenz einer katholischen Volkspartei, des Zentrums, lasst sich mit der Minderheitslage der Katholiken in einer vornehmlich protestantisch und teils sakular gepragten Gesellschaft erklaren, in der Katholiken - ausser in Bayern - einem nichtkatholischen,,Regierungsestablishment " gegenuberstanden.[56] Bismarcks Stellung im politischen System war durch das Vertrauen Wilhelms I. gefestigt, aber auch seine Fahigkeit, mit den Fraktionen des Reichstags umzugehen. Das verschaffte ihm grossen politischen Gestaltungsspielraum, den er mit wechselnden Partnern unter den Parteien zu nutzen wusste. Dabei ging es ihm um die Stabilisierung und Modernisierung des Reiches ebenso wie um die Konservierung politischer und gesellschaftlicher Hierarchien. Bei der Modernisierung handelte es sich unter anderem um Vereinheitlichung und Liberalisierung der Wirtschaftsordnung, um reichsweite Gewerbe- und Niederlassungsfreiheit, um die Vereinheitlichung des Rechtswesens, um Verwaltungsreformen und die Einfuhrung der Verwaltungsgerichtsbarkeit, lauter Anliegen, fur die Bismarck von den Liberalen unterstutzt wurde.[57] Das galt auch fur sein Vorgehen im Kulturkampf gegen die Machtposition des katholischen Klerus, dessen Einfluss auf mehreren Ebenen durch die Reichsgesetzgebung zuruckgedrangt wurde, speziell durch das Verbot politischer Aufwiegelung von der Kirchenkanzel herab, durch Beseitigung der geistlichen Schulaufsicht, Einfuhrung der obligatorischen Zivilehe und Streichung von staatlichen Leistungen an den Klerus (,,Brotkorbgesetz").[58] Als die franzosischen Kriegsentschadigungen, die ihren Teil zur wirtschaftlichen Blute des Grunderbooms bis eintausendachthundertdreiundsiebzig beigetragen hatten, aufgebraucht waren und es um eine Reform der Reichsfinanzverfassung, bald darauf zudem um die Einfuhrung von Schutzzollen ging, verschob sich die Bismarcks Gesetzesvorlagen mittragende Reichstagsmehrheit starker auf die konservative Seite. Und als es Bismarck nach Attentaten auf Kaiser Wilhelm I. eintausendachthundertachtundsiebzig darum ging, die geeinte und als Systembedrohung angesehene Sozialdemokratie durch die Sozialistengesetze niederzuhalten, fand er dafur eine Reichstagsmehrheit aus Konservativen und Liberalen. Diesem bis 1890 bestehenden Repressionsinstrument stellte Bismarck in der Folge eine Sozialgesetzgebung mit Krankenversicherung (1883), Unfallversicherung (1884) und Rentenversicherung (1889) entgegen, die Lebensrisiken und Unmut in der Arbeiterschaft vermindern und zukunftsweisende Bedeutung haben sollte. Aussenpolitisch setzte Reichskanzler Bismarck nach der Krieg-in-Sicht-Krise 1875, in der Frankreich, Grossbritannien und Russland gegen Deutschland zusammenwirkten, auf ein Defensivbundnis mit Osterreich-Ungarn, das Russland moglichst nicht verprellen sollte (Ruckversicherungsvertrag 1887) und damit die prekare deutsche Mittellage in Anbetracht der sicheren Gegnerschaft Frankreichs durch eine elastische Friedenspolitik zu stabilisieren versuchte:,,In jeder europaischen Krise, so stellte sich die Lage in der spaten Bismarckzeit dar, spielte Berlin die Hinterhand, konnte bremsen, beruhigen, abwarten und sich nach Moglichkeit heraushalten."[59] Die eintausendachthundertvierundachtzig einsetzende deutsche Kolonialpolitik in Afrika und Ozeanien, wo sich Briten und Franzosen mit ihren Einflussgebieten bereits gegenuberstanden, fuhrte in West-, Sudwest- und Ostafrika sowie in der Sudsee zwar nominell zu Landnahmen, die die Flache des Reichsgebiets mehrfach uberstiegen, stellte sich aber weder wirtschaftlich noch aussenpolitisch als Gewinn dar und spielte in Bismarcks Politik alsbald kaum noch eine Rolle. Im Ernstfall waren die deutschen Kolonien nicht verteidigungsfahig, drohten aber, das Kaiserreich in unubersehbare Konflikte zu verwickeln.[60] Nachdem das Dreikaiserjahr eintausendachthundertachtundachtzig nicht nur den Tod Wilhelms I., sondern auch den seines Sohnes Friedrichs III. gebracht hatte, der liberalen politischen Vorstellungen nahestand, jedoch den Thron nur neunundneunzig Tage innehatte, wurde dessen Sohn Wilhelm II. 29-jahrig Deutscher Kaiser, der unverhohlen von der Vorstellung des,,personlichen Regiments" geleitet war. Meinungsverschiedenheiten uber die Beibehaltung des Sozialistengesetzes, wofur Bismarck stand, wurden zu einem Hauptgrund seiner Entlassung eintausendachthundertneunzig Seit der Berufung zum preussischen Ministerprasidenten eintausendachthundertzweiundsechzig war Bismarck damit langer im Amt gewesen, als es seine vier Nachfolger bis zum Ersten Weltkrieg in der Summe sein wurden (Leo von Caprivi (1890-1894); Furst Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfurst (1894-1900); Bernhard von Bulow (1900-1909) und Theobald von Bethmann Hollweg (1909-1917)). Die dem,,Grunderkrach" folgende wirtschaftliche Depression hatte gesellschaftliche Ruckwirkungen, die sich im vermehrten Auftreten von Interessenverbanden wie auch in innergesellschaftlichen Ab- und Ausgrenzungstendenzen zeigten. Politisch und gesellschaftlich diskriminiert waren nicht allein die Sozialdemokraten, sondern verstarkt auch wieder Juden, deren Gegner sich nun als Antisemiten bezeichneten, sich in Antisemitenparteien sammelten, eine Antisemitenliga grundeten und eine Antisemitenpetition verfassten. Zu dieser Zeit erklarte Hofprediger Adolf Stoecker die Juden zu,,einer Gefahr fur das deutsche Volksleben". Eugen Duhring publizierte im Jahr darauf ein Buch zur,,Judenfrage" als Rassen-, Sitten und Kulturfrage, beklagte darin das,,Ubel der Verjudung und Judenherrschaft fur die modernen Volker" und erwog Moglichkeiten der,,Entjudung".[61] Spatestens eintausendachthundertneunzig ging die deutsche Wirtschaftsentwicklung wieder in eine so ausgepragte Wachstumsphase uber, dass sogar von einem,,ersten deutschen Wirtschaftswunder" die Rede ist, zu dessen Leitsektoren Grosschemie, Elektrotechnik und Maschinenbau gehorten. Beim Anteil an der Weltindustrieproduktion lag Deutschland eintausendneunhundertdreizehn an zweiter Stelle hinter den USA, im Welthandel ebenfalls auf dem zweiten Platz hinter Grossbritannien.[62] Fur die Mehrzahl in der arbeitenden Bevolkerung verbesserte der Wirtschaftsaufschwung auch die Lebensverhaltnisse um die Jahrhundertwende. Dies galt nicht zuletzt fur die wachsende Industriearbeiterschaft, die ihre Interessen auch zunehmend gewerkschaftlich organisierte und vertreten liess. Dagegen gab es in hauslicher Arbeit und traditionellem Handwerk kaum noch ein Auskommen.[63] Das wirtschaftlich prosperierende Kaiserreich dieser Zeit schien somit vielen gesellschaftlich einflussreichen Kopfen pradestiniert, sich auch weltpolitisch im Kampf um Markte und Rohstoffe einen,,Platz an der Sonne" zu sichern. In Kombination mit der Neigung Wilhelms II. zum Auftrumpfen und zur Prestigesteigerung wurde daraus eine hyperaktive, unstete und wenig substantielle aussere Politik, die mit vielen Forderungen und Drohgesten vor allem Unruhe stiftete.[64] Ein besonders markanter, an Bedeutung stetig zunehmender und letztlich fataler Aspekt deutscher Weltmachtpolitik war die Flottenrustung, die Alfred von Tirpitz mit Unterstutzung unter anderen des,,Flottenkaisers" und des Alldeutschen Verbandes vorantrieb. Dabei war Navalismus als Vorstellung, dass Weltmacht sich auf Seemacht grundete, seinerzeit international durchaus verbreitet. Dass aber das Kaiserreich in seiner prekaren Mittellage zwischen den Machten Frankreich und Russland, die untereinander einen Interessenausgleich herbeigefuhrt hatten und ein Bundnis eingegangen waren, mit seinem unverkennbar gegen England gerichteten, herausfordernden Flottenrustungsprogramm sich diese etablierte Weltmacht auch noch zum Gegner machte, ist unter rationalen Gesichtspunkten kaum zu erklaren.[65] Ausser Osterreich-Ungarn stand im Wesentlichen nur Italien noch fur ein Bundnis zur Verfugung. Nach den Marokkokrisen, der Bosnienkrise und wahrend der Balkankriegen bildete sich im Kaiserreich zunehmend die Vorstellung aus, eingekreist zu sein. Dies zeigte sich auf hochster Ebene im Kriegsrat vom acht Dezember 1912, wo der Chef des Generalstabes von Moltke davon sprach, den fur unvermeidlich gehaltenen Krieg je eher desto besser zu fuhren. Wilhelm II. sprach sich in erster Konsequenz bezuglich Marine und Heer fur intensivierte Kriegsvorbereitungen aus, wahrend der nicht anwesende Reichskanzler Bethmann-Hollweg einstweilen auf diplomatische Entscharfung der Lage setzte. Wahrend das durch den Aufstieg des Burgertums, durch die Industrialisierung und die Rivalitat der imperialistischen Machte gepragte Zeitalter auch in Deutschland das erste Jahrzehnt des zwanzig Jahrhunderts uberdauerte, endete die nachfolgende Epoche der verscharften globalen Konflikte des zwanzig Jahrhunderts, an denen Deutschland wesentlichen Anteil hatte, bereits am Ende der 1980er Jahre. Die Bundniskonstellationen zwischen den europaischen Machten und die Verwicklung des osterreichisch-ungarischen Vielvolkerstaats in die seit langerem instabilen Verhaltnisse auf dem Balkan (Balkankrise, Balkankriege) wirkten zusammen, als nach der Ermordung des osterreichischen Thronfolgers Franz Ferdinand am achtundzwanzig Juni eintausendneunhundertvierzehn in Sarajevo die k.u.k-Monarchie am dreiundzwanzig Juli Serbien vorsatzlich ein kaum annehmbares Ultimatum stellte. Dieses Vorgehen wurde begunstigt durch den,,Blankoscheck", den Wilhelm II. mit der deutschen Regierung dazu erteilt hatte. Am achtundzwanzig Juli erklarte Osterreich-Ungarn Serbien den Krieg; Deutschland folgte am eins August mit der Kriegserklarung gegen Russland und am drei August mit der gegen Frankreich. Der volkerrechtswidrige Einmarsch deutscher Truppen nach Belgien, der in der alliierten Propaganda als Schandung Belgiens bezeichnet wurde, war der Anlass fur die Kriegserklarung Grossbritanniens an Deutschland am vier August eintausendneunhundertvierzehn Somit entwickelte sich innerhalb weniger Tage aus einem Lokalkrieg der Erste Weltkrieg, die,,Urkatastrophe des zwanzig Jahrhunderts" (George Kennan). Angesichts der durch den Kaiser verkundeten Burgfriedenspolitik und der allgemeinen Mobilmachung zu Kriegsbeginn zerstoben zunachst alle Aktivitaten der Friedensbewegung in einer Welle der Kriegsbegeisterung grosser Teile der burgerlich-akademischen Schichten. Zum ersten Mal in der Geschichte wurde die Kriegsschuldfrage gestellt und fuhrte zu jahrzehntelangen Diskussionen. Volkerrechtlich gilt nach wie vor die Setzung des Versailler Vertrages, wonach,,Deutschland und seine Verbundeten als Urheber fur alle Verluste und Schaden verantwortlich sind". Nach einer Phase der gegenseitigen Schuldzuweisungen in den 1920er Jahren naherte man sich spater auf internationaler Ebene der Deutung, dass Europa eintausendneunhundertvierzehn in den Krieg,,hineingeschlittert" sei (,,Europe slithered over the brink into the boiling cauldron of war", so David Lloyd George im Jahre 1933). Infolge der Fischer-Kontroverse kam es seit den 1960er Jahren zu der Auffassung, dass zwar eine langerfristige Planung des Krieges seitens Deutschlands nicht nachweisbar, die unverantwortliche Politik der deutschen Regierung in der Julikrise aber ausschlaggebend fur die Auslosung des Weltkriegs gewesen sei. Zum 100. Jahrestag des Kriegsbeginns sind andererseits eine Reihe von Veroffentlichungen erschienen, welche die Teilverantwortung Russlands, Serbiens und Frankreichs sowie der Gesamtheit der beteiligten Staaten wieder mehr in den Blickpunkt rucken und den Sinn einer Schuldzuweisung generell bezweifeln.[66] Der Chateauwald bei Ypern besteht nach den intensiven Artilleriebombardements nur noch aus Baumstumpfen (1917) Ende September eintausendneunhundertachtzehn uberraschte die OHL die deutsche Offentlichkeit mit der Forderung, die politisch Verantwortlichen mussten nunmehr umgehend Waffenstillstandsverhandlungen aufnehmen. Diese Wendung fuhrte zur Oktoberreform, auf deren Grundlage erstmals eine parlamentarische Regierung gebildet wurde, die nun aber auch fur den Ausgang des Krieges wurde einstehen sollen. Kurzzeitig und einmalig in seiner Geschichte war Deutschland vom achtundzwanzig Oktober bis zum neun November eintausendneunhundertachtzehn eine parlamentarische Monarchie. Noch wahrend der laufenden Bemuhungen um einen Waffenstillstand erteilte die Seekriegsleitung den Befehl an die Flotte, zu einer auf den ehrenvollen Untergang angelegten letzten Schlacht gegen die Royal Navy auszulaufen. Diesem Befehl verweigerten die Schiffsbesatzungen in Wilhelmshaven und Kiel den Gehorsam, und der daraus sich entwickelnde Kieler Matrosenaufstand weitete sich aus zur Novemberrevolution der Arbeiter und Soldaten, die die Monarchie in Deutschland beseitigte und im Ergebnis der politischen Richtungskampfe zur Ausbildung einer parlamentarischen Republik fuhrte. Die Nationalversammlung hatte die Aufgabe, dem Deutschen Reich eine neue politische Ordnung zu geben, was in Form der am vierzehn August eintausendneunhundertneunzehn in Kraft getretenen Weimarer Verfassung geschah, und sie fungierte gleichzeitig als Parlament, stimmte uber Gesetze und Haushaltsfragen ab, wahlte ein neues Staatsoberhaupt (ReichsprasidentFriedrich Ebert) und bildete eine breite Regierungskoalition, die sog. Weimarer Koalition, aus der am dreizehn Februar eintausendneunhundertneunzehn das Kabinett Scheidemann hervorging. Unter den sowohl innen- wie aussenpolitisch ausserst schwierigen Nachkriegsbedingungen strebte es eine soziale Befriedung und die Umstellung der Kriegs- auf eine Friedenswirtschaft an. Umstritten waren bei dieser Neuordnung Sozialisierungsmassnahmen in bestimmten Wirtschaftsbereichen wie auch Moglichkeiten und Ausmass einer personellen Erneuerung in den Bereichen Verwaltung, Justiz und Militar, um mit den gesellschaftspolitischen Strukturen des Kaiserreichs zu brechen. Diesbezuglich wird mitunter von einer,,unvollendeten Revolution" gesprochen. Vorerst unumstritten waren hingegen die Einfuhrung des Achtstundentags, die Anerkennung der Gewerkschaften und das Betriebsrategesetz. Berliner Tageszeitung meldet, dass in New York ein Dollar eine Million Mark kostet, Juli eintausendneunhundertdreiundzwanzig Zur inneren Zerreissprobe und dauerhaften Belastung der Weimarer Republik wurde die Auseinandersetzung um die Unterzeichnung des von den Siegermachten des Ersten Weltkriegs ausgehandelten Versailler Vertrags durch Deutschland.[68] Mit Gebietsabtretungen, Reparationsforderungen und Abrustungsauflagen war zugleich das Eingestandnis gefordert, dass Deutschland und seine Verbundeten,,Urheber aller Verluste und aller Schaden" seien, was als offizielles Schuldeingestandnis interpretiert wurde und in Deutschland ganz uberwiegend als,,Kriegsschuldluge" aufgefasst wurde.[69] Um die deutsche Position in den Friedensverhandlungen nicht zusatzlich zu schwachen, blieben Dokumente, die die kaiserzeitliche politische Fuhrung belasteten, mit sozialdemokratischer Unterstutzung unter Verschluss. Als die Nationalversammlung unter ultimativem Druck der Siegermachte dem Vertrag schliesslich doch zustimmte, trat Scheidemann als Regierungschef zuruck. Anhaltende politische Instabilitat und republikfeindliche Tendenzen begleiteten die Weimarer Republik auch weiterhin. Im Marz eintausendneunhundertzwanzig trieb der von oppositionellen Militars initiierte Kapp-Putsch die Berliner Regierung zunachst in die Flucht, scheiterte jedoch am entschlossenen Widerstand und Generalstreik breiter Bevolkerungskreise. Der Ruhraufstand der Roten Ruhrarmee wurde von der Reichsregierung niedergeschlagen. Matthias Erzberger und Walther Rathenaus wurden eintausendneunhunderteinundzwanzig bzw. eintausendneunhundertzweiundzwanzig von rechtsterroristischen Attentatern der Organisation Consul als,,Erfullungspolitiker" im Hinblick auf den Versailler Vertrag ermordet. eintausendneunhundertdreiundzwanzig kam es zu einer mehrseitig bedrohlichen staatlichen Existenzkrise: Neben der durch Kriegsfinanzierung, Reparationspflichten und finanzpolitische Weichenstellungen bedingten Grossen Inflation des Jahres 1923, in der das sparfreudige Burgertum alle verbliebenen Geldreserven verlor, fuhrte der Ruhrkampf im geschwachten Rheinland zu separatistischen Aktivitaten. Im Hamburger Aufstand kam es zu kommunistischen Machtkampfen, in Sachsen und Thuringen zu kommunistischen Regierungsbeteiligungen. In Munchen, das 1919 kurzzeitig von einer Raterepublik regiert worden war, fand am 9. November 1923 der Hitlerputsch statt. Die Beendigung von Ruhrkampf und Grosser Inflation gelang im Herbst eintausendneunhundertdreiundzwanzig durch eine Wahrungsreform unter dem kurzzeitigen Reichskanzler Gustav Stresemann, der im Zusammenwirken mit Reichsprasident Ebert auch die anderen Krisenherde unter Kontrolle brachte. Mit Hilfe des Dawes-Plans wurde ab eintausendneunhundertvierundzwanzig eine relative Stabilisierung der Weimarer Republik erreicht. Dabei kam es in verbesserter Finanzlage unter anderem zum Infrastrukturausbau, zu Wohnungsbauprogrammen und eintausendneunhundertsiebenundzwanzig zur Einfuhrung der Arbeitslosenversicherung. Die Rede von den,,goldenen zwanziger Jahren" hat aber nicht in politisch oder wirtschaftlich glanzvollen Zeiten ihren Ursprung, sondern bezieht sich auf,,die sturmische Entfaltung eines neuen Lebensgefuhls und die eruptive Freisetzung schopferischer geistiger Krafte in einem kurzen Jahrzehnt denkbar weitgehender Freiheit und grosser Vielfalt des geistig-kunstlerischen Schaffens."[70] Den diesen Aufbruch tragenden Kraften standen andererseits breite konservative Stromungen gegenuber, die sich kulturpessimistisch und zivilisationskritisch zur kunstlerischen und intellektuellen Avantgarde etwa in der Malerei, in Literatur und Theater oder in der Architektur verhielten. Mit der Neuregelung der Reparationsbedingungen im Dawes-Plan, dem ein Zustrom amerikanischer Kredite und Investitionen nach Deutschland folgte, ging auch die aussenpolitische Isolierung des Landes nach dem Ersten Weltkrieg zu Ende. In den Locarno-Vertragen sicherte das Deutsche Reich die Anerkennung der Westgrenzen gemass Versailler Vertrag zu und wurde eintausendneunhundertsechsundzwanzig in den Volkerbund aufgenommen. Die diesen Verstandigungsprozess gestaltenden Aussenminister Frankreichs und Deutschlands, Briand und Stresemann erhielten dafur gemeinschaftlich den Friedensnobelpreis. Massenelend auf dem Hohepunkt der Weltwirtschaftskrise 1932: Speisesaal eines Obdachlosenasyls in Berlin-Prenzlauer Berg Ausdruck einer zunehmenden Rechtsverschiebung des politischen Spektrums in der Republik war nach dem Tod Friedrich Eberts die Reichsprasidentenwahl 1925, aus der der 77-jahrige Paul von Hindenburg als Sieger hervorging, der die Dolchstosslegende popular gemacht hatte. Andererseits kam es nach der Reichstagswahl eintausendneunhundertachtundzwanzig zur Bildung einer grossen Koalition der Parteien SPD, DDP, des Zentrums, der BVP und der DVP unter Fuhrung des sozialdemokratischen Reichskanzlers Hermann Muller. Sie zerbrach im Marz eintausendneunhundertdreißig im Streit um die Finanzierung der eintausendneunhundertsiebenundzwanzig eingefuhrten Arbeitslosenversicherung, die seit Fruhjahr eintausendneunhundertneunundzwanzig unterfinanziert war. Hinzu kamen der Youngplan, der zwar die jahrlichen Reparationszahlungen senkte, die Verantwortung fur deren Transfer aber Deutschland selbst ubertrug, und die durch den New Yorker Borsenkrach im Oktober 1929 ausgeloste Weltwirtschaftskrise, die den Zustrom amerikanischer Kredite nach Deutschland beendete.[71] Ob der Bruch der Grossen Koalition auf die divergierenden sozialpolitischen Positionen ihrer Flugelparteien SPD und DVP oder auf die erklarte Absicht von Reichsprasident und Reichwehrfuhrung zuruckzufuhren ist, die SPD aus der Regierung zu drangen, ist seit eintausendneunhundertsiebenundfünfzig umstritten.[72] Stimmzettel der Reichsprasidentenwahl eintausendneunhundertzweiunddreißig Hindenburg ernannte den als Finanzpolitiker profilierten Zentrumsmann Heinrich Bruning zum Reichskanzler und unterstutzte ihn in den Jahren eintausendneunhundertdreißig bis eintausendneunhundertzweiunddreißig mit allen Befugnissen, die ihm laut Weimarer Verfassung zu Gebote standen: Das Notverordnungsrecht nach Artikel achtundvierzig der Verfassung, die Moglichkeit der Reichstagsauflosung nach Artikel fünfundzwanzig mit nachfolgenden Neuwahlen und die Ernennung des Reichskanzlers ohne Wahl durch den Reichstag nach Artikel dreiundfünfzig Nachdem der Reichstag erstmals eine Notverordnung Brunings mit Mehrheit abgelehnt und dadurch aufgehoben hatte, wurde er aufgelost, wahrend Bruning blieb und in der Zeit bis zu den Neuwahlen wiederum per Notverordnung weiterregierte. Als die rechtsextreme Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) bei den Septemberwahlen eintausendneunhundertdreißig sprunghaft zu einer bedeutenden politischen Kraft im Reichstag anwuchs, entschloss sich die SPD bis auf Weiteres zur Tolerierung von Brunings Notverordnungsregime, wahrend die oppositionellen Krafte der aussersten Rechten sich in der Harzburger Front sammelten. Mit harten Sparprogrammen, Steuererhohungen und Leistungskurzungen war Bruning um die Vermeidung einer neuerlichen Inflation und um Zugestandnisse des Auslands bei den Reparationen bemuht, verscharfte im Zuge der Bankenkrise damit aber noch die wirtschaftliche Rezession. Frankreich und Grossbritannien irritierte er mit Planen fur eine Deutsch-osterreichische Zollunion. Nach der Reichsprasidentenwahl eintausendneunhundertzweiunddreißig entzog ihm Hindenburg Ende Mai seine Unterstutzung und berief statt seiner Franz von Papen zum Reichskanzler, der die antiparlamentarische Stossrichtung des Prasidialregimes mit seinem,,Kabinett der Barone" noch verstarkte. Sein autoritarer Kurs gipfelte in dem Preussenschlag vom zwanzig Juli 1932, mit dem er die geschaftsfuhrende Regierung unter sozialdemokratischer Fuhrung absetzte und in Abstimmung mit Hindenburg selbst als Reichskommissar fur Preussen an ihre Stelle einnahm. Im Reichstag hatte Papen kaum Unterstutzer; seine Notverordnungen wurden, sofern der Reichstag nicht gerade aufgelost war, mit drastischen Mehrheiten zuruckgewiesen. Unter dem Eindruck der immer weiter massenhaft sich ausbreitenden Arbeitslosigkeit und sozialen Not in der Weltwirtschaftskrise radikalisierte sich das Wahlerverhalten noch zunehmend. Die beiden 1932 vorgenommenen Reichstagsauflosungen fuhrten in den Reichstagswahlen sowohl des Julis als auch des Novembers jeweils dazu, dass die NSDAP starkste Kraft im Reichstag wurde und eine negative Mehrheit der Demokratiegegner mit den Kommunisten bildete, sodass republikanische Regierungsmehrheiten in weite Ferne ruckten. Da Papen auch nach der Novemberwahl im Reichstag auf bruske Ablehnung stiess, machte Hindenburg, indem er Adolf Hitler das Amt zunachst noch verweigerte, den Reichswehrgeneral Kurt von Schleicher zum Reichskanzler. Als aber dessen,,Querfront" scheiterte, mit der er Teile der NSDAP abspalten und fur eine ubergreifende Gewerkschaftsinitiative gewinnen wollte, fand sich Hindenburg unter dem Einfluss seiner Berater bereit, den von Papen und Hugenberg vermeintlich,,eingerahmten" Hitler am 30. Januar 1933 zum Reichskanzler zu ernennen. Reichskanzler Adolf Hitler begrusst Reichsprasident Paul von Hindenburg am einundzwanzig Marz 1933, dem Tag von Potsdam, aus Anlass der Konstituierung des am fünf Marz neugewahlten Reichstags. Es war Hitlers einziger offentlicher Auftritt in Cut und Zylinder. Mit Hitlers Reichskanzlerschaft begann am dreißig Januar eintausendneunhundertdreiunddreißig die Zeit des Nationalsozialismus. Die zur Diktatur zielfuhrenden Schritte waren in den Grundzugen bei Hitlers Amtsantritt bereits vorgesehen und wurden im Prozess der,,Machtergreifung" durch die Ausschaltung sowohl der politischen Gegner als auch der anfanglichen Regierungspartner, unter Beseitigung hinderlicher Verfassungsbestimmungen, binnen weniger Monate beschleunigt. Einer erneuten Reichstagsauflosung durch Hindenburg am einunddreißig Januar folgte als Reaktion auf KPD-Streikaufrufe schon am vier Februar eintausendneunhundertdreiunddreißig die Verordnung des Reichsprasidenten zum Schutze des Deutschen Volkes zur Einschrankung der Meinungs-, Presse- und Versammlungsfreiheit. Der Reichstagsbrand am 27./28. Februar, fur den die NS-Fuhrung sogleich die Kommunisten als Brandstifter verantwortlich machte, bot vor der fur den fünf Marz angesetzten Reichstagsneuwahl fur eine noch viel umfassendere Notverordnung Anlass, die praktisch jeden Schutz politischer Grundrechte auf Dauer ausser Kraft setzte, wie sich zeigen sollte. Mittels vorbereiteter Listen kam es umgehend zu einer Verhaftungswelle gegen profilierte NS-Gegner im linken Spektrum. Die unter diesen Umstanden abgehaltene Reichstagswahl verschaffte zwar dem Kabinett Hitler eine parlamentarische Mehrheit, nicht aber der NSDAP allein. Mit dem bei der Regierungsbildung verabredeten Ermachtigungsgesetz vom vierundzwanzig Marz 1933, das nach Streichung der kommunistischen Mandate und der uberwiegenden Zustimmung des Zentrums die notige Zweidrittelmehrheit erhielt, wurde die Regierung und wurde insbesondere Reichskanzler Hitler von jeglicher parlamentarischen Zustimmung unabhangig, sogar hinsichtlich verfassungsandernder Gesetze. Nun konnte der auf die Lander, auf die Verwaltungsbehorden, die Gewerkschaften wie auf die politischen Parteien gerichtete Gleichschaltungsprozess beschleunigt werden. Am vierzehn Juli 1933, nach dem Verbot bzw. der Selbstauflosung samtlicher Parteien ausser der NSDAP, wurde diese mit dem Gesetz gegen die Neubildung von Parteien zur einzig zugelassenen Partei in Deutschland. Die schon seit Februar 1933 in grosser Zahl willkurlich festgenommenen NS-Widersacher wurden grossteils in Konzentrationslagern inhaftiert. Als attraktives Gegenbild zur Bekampfung und Vernichtung ihrer tatsachlichen Gegner und vermeintlichen Feinde propagierten die Nationalsozialisten eine geschlossene Volksgemeinschaft, in der sich jeder nach Kraften nutzlich machen und vorankommen sollte.[73] Mit ihr und durch sie sollte der,,Schandfrieden" von Versailles getilgt werden und das Deutsche Reich zu neuer Kraft und Grosse aufsteigen. Gesellschaftliche Standesunterschiede galt es zu beseitigen, die Gleichwertigkeit korperlicher und geistiger Arbeit anzuerkennen, die,,Volksgenossen" unterschiedlicher Herkunfte bei Gemeinschaftsaufgaben zusammenzufuhren. Dazu dienten teilnahmepflichtige Organisationen wie Hitlerjugend, Bund Deutscher Madel, Reichsarbeitsdienst, Wehrdienst und eine Vielzahl weiterer Einrichtungen, unter denen sich die Freizeit- und Reiseorganisation Kraft durch Freude (KdF) besonderer Beliebtheit erfreute. Fur die Verbreitung und Durchsetzung der NS-Weltanschauung in allen Gliederungen von Staat und Volk war als Hauptinstrument das Reichsministerium fur Volksaufklarung und Propaganda unter Joseph Goebbels zustandig, dem auch die Zensur der veroffentlichten Meinung in Schrift und Bild unterlag. Am zehn Mai eintausendneunhundertdreiunddreißig war er der Hauptredner bei der Bucherverbrennung auf dem Opernplatz, die von Studenten der Friedrich-Wilhelms-Universitat,,wider den undeutschen Geist" veranstaltet wurde. Gerade unter den Nachwuchsakademikern waren die NSDAP-Anhanger bereits zu Zeiten der Weimarer Republik besonders stark vertreten, stand die Partei in ihren Augen doch fur die Uberwindung verkrusteter Strukturen, fur Modernitat, Mobilitat und Egalitat:,,Den hochgespannten Erwartungen, an dem grossen Projekt einer Modernisierung Deutschlands unter den Auspizien eines dynamisierten Nationalismus selber teilnehmen zu konnen, entsprach offenbar glaubwurdig die messianische Vision eines - im Vergleich mit allen anderen Parteipolitikern - ganz ungewohnlichen charismatischen <> mit einer extraordinaren <> und der rhetorischen Fahigkeit, das Erreichen grossartiger Ziele zu einer unumstosslichen Gewissheit zu erheben."[74 ] Seit Anfang April eintausendneunhundertdreiunddreißig gab es ein Hauptamt fur Presse und Propaganda der Vereinigten Deutschen Studentenschaften, das in einem Rundschreiben jeden Studenten aufforderte, seine und die Bibliotheken seiner Bekannten zu,,saubern" und dafur zu sorgen, dass,,ausschliesslich volksbewusstes Schrifttum darin heimisch ist."[75] Die mit der Kapitulation besiegelte Niederlage des,,Dritten Reiches" am Ende des,,totalen Krieges" war als historische Zasur noch durchdringender als der Weltkriegsausgang 1918.[77] Sie fuhrte zur Teilung Deutschlands, wobei sich aus den Besatzungszonen der vier Siegermachte im Rahmen des Alliierten Kontrollrats schliesslich zwei deutsche Staaten ergaben. Die deutsche Teilung bedeutete aber auch den faktischen Verlust aller Gebiete jenseits von Oder und Neisse, die seit der mittelalterlichen Ostsiedlung unter deutsche Hoheit gelangt waren. Das in den Kalten Krieg ubergehende, durch systembedingte politische und wirtschaftliche Interessenkonflikte verursachte Zerwurfnis zwischen den drei westlichen Machten und der Sowjetunion bewirkte einen viereinhalb Jahrzehnte andauernden Teilungsprozess bezuglich der politischen Systeme und bei der Entwicklung staatsburgerlicher Identitaten in beiden deutschen Staaten. Zwar bestand ein Bewusstsein fur Zusammengehorigkeit der Deutschen bei vielen DDR-Bewohnern fort, wie sich 1989/90 zeigen sollte; die unterschiedlichen Sozialisations- und Lebensbedingungen in Ost und West wirken aber auch nach erfolgter Wiedervereinigung in vielen Bereichen des individuellen und gesellschaftlichen Lebens nach, wie es grob vereinfachend in dem Bild von der,,Mauer in den Kopfen" zwischen,,Ossis" und,,Wessis" zum Ausdruck kommt. Das Ende von Krieg und NS-Herrschaft wurde zur Befreiung fur die Vielzahl der vom Regime Verfolgten, in Lagern Internierten und todlich Bedrohten, darunter neben Juden auch deportierte Zwangsarbeiter hauptsachlich ostlicher Herkunft und Kriegsgefangene sowie die unterschiedlich motivierten Widerstandler und inneren Emigranten. Auch fur die ubrige deutsche Bevolkerung ging nun die Schreckenszeit der nachtlichen Luftangriffe und der schliesslich sogar nach innen gerichteten Zerstorungswut Hitlers und seiner Gefolgsleute zu Ende, die weder Industrieanlagen noch Elektrizitatswerke oder uberhaupt eine uberlebenswichtige Einrichtung unzerstort den Alliierten uberlassen wollten und die den,,Verbrannte-Erde-Befehl" ihres Fuhrers moglichst grundlich umzusetzen trachteten.[78] Mancher Empfanger widersinniger Befehle und Durchhalteparolen verweigerte nun die Selbstaufopferung und suchte die eigene Haut zu retten. Die Mehrheit der Deutschen, darunter Vertriebene, Ausgebombte, Hungernde und vergewaltigte Frauen mit ihren Familien, erlebte zunachst keine Befreiung vom Nationalsozialismus, sondern einen allgemeinen Zusammenbruch und das damit einhergehende Elend. Die von den Hauptsiegermachten auf der Potsdamer Konferenz getroffenen Vereinbarungen sahen fur Deutschland eine grundlegende Abkehr von den NS-Strukturen in verschiedener Hinsicht vor: Entnazifizierung mittels strikter Entmilitarisierung und Demokratisierung, politische Dezentralisierung verbunden mit einer wirtschaftlichen Dekartellierung und einem Demontageprogramm. Die Demontagen industrieller Anlagen sollten die Kriegsschaden der Anti-Hitler-Koalition zum Teil ausgleichen, was insbesondere die Sowjetunion in ihrer Besatzungszone, der SBZ, in die Tat umsetzte. Alle deutschen Patente und Industriegeheimnisse wurden 1945-1947 von den USA beschlagnahmt, nach John Gimbel eine durchgreifende Beraubung des deutschen technischen Wissens, Wert fast zehn Milliarden US-Dollar.[79] Ende eintausendneunhundertfünfzig wurden die Demontagen in der Bundesrepublik eingestellt. Frankreich forderte basierend auf den Planen Jean Monnets (1946-50), das Saar- und Ruhrgebiet von Deutschland abzutrennen. Die Ruhrbehorde wurde aber eintausendneunhundertzweiundfünfzig durch die Montanunion abgelost; und nach der gemass den Pariser Vertragen durchgefuhrten Volksabstimmung wurde das Saarland am eins Januar eintausendneunhundertsiebenundfünfzig der damaligen Bundesrepublik angegliedert. Im Rahmen der Entnazifizierung sollten Haupt- und Mitverantwortliche in NSDAP, Staatsapparat und Wirtschaft je nach ihrer Belastung zur Rechenschaft gezogen, aus ihren Positionen entfernt und bestraft werden. Die uberlebenden Hauptverantwortlichen wurden in den Nurnberger Prozessen der Kriegsverbrechen und der Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt und je nach Beweislage und Grosse der Schuld zu Freiheitsstrafen oder zum Tode verurteilt, einige freigesprochen. Fur die breite Bevolkerung in den Westzonen wurde ein Entnazifizierungsverfahren entwickelt, wobei mit umfangreichen Fragebogen in Spruchkammerverfahren eine Einteilung in funf Kategorien, von Kriegsverbrechern und Belasteten uber Mitlaufer bis zu Entlasteten vorgenommen wurde. Der Anteil der auf diese Weise als belastet eingestuften Personen war gering.[80] In der SBZ gab es keine Fragebogenaktion, aber einen intensiv und anhaltend propagierten Antifaschismus sowie mehr als eine halbe Million Entlassungen fruherer Nationalsozialisten bis eintausendneunhundertachtundvierzig Dennoch waren beispielsweise mehr als die Halfte aller Schuldirektoren in der DDR Anfang der 1950er Jahre ehemalige NSDAP-Parteigenossen.[81] August 1947: Frauen und Madchen, die in sowjetische Kriegsgefangenschaft kamen, im Heimkehrlager Polte Nord. In Rumanien und Jugoslawien wurden im Dezember eintausendneunhundertvierundvierzig zehntausende Volksdeutsche im Alter von achtzehn bis vierzig Jahren ergriffen, ein Grossteil davon Frauen. 16 Prozent der Gefangenen uberlebten die Arbeitslager des Donezbeckens nicht. Politisch und wirtschaftlich stellten die Besatzungsmachte die Weichen in ihren Zonen jeweils im Sinne der eigenen Zielvorstellungen und Systemlogik. Wahrend in der sowjetisch besetzten Zone schon eintausendneunhundertfünfundvierzig eine Bodenreform zur Enteignung von Grossgrundbesitzern und zur Schaffung kleinbauerlicher Existenzen durchgefuhrt wurde, unterblieb Derartiges im Westen. Dafur intervenierte die amerikanische Besatzungsmacht gegen eine in der Verfassung des Landes Hessen vorgesehene Option zur Sozialisierung hauptsachlich von Grundstoffindustrien. Je deutlicher der Ost-West-Gegensatz sich im weltpolitischen Massstab ausbildete, desto klarer schlug er sich auch in der Deutschlandpolitik der Grossmachte nieder. Wahrend die sowjetische Besatzungsmacht die Zwangsvereinigung von SPD und KPD in ihrer Zone durchsetzte und freie Wahlen nach ersten SED-Misserfolgen fur die Zukunft ausschloss, unterstutzten die Westmachte die Ausbildung konkurrierender Parteien im Rahmen eines demokratischen Pluralismus. Die Grundung diverser Parteien auch in der SBZ hatte dagegen nur scheinbar eine demokratische Funktion. Es galt von vornherein das aus Moskau von der Gruppe Ulbricht fur den ostdeutschen Wiederaufbau mitgebrachte Motto:,,es muss demokratisch aussehen, aber wir mussen alles in der Hand haben."[82] In der Truman-Doktrin boten die USA eintausendneunhundertsiebenundvierzig allen vom,,Totalitarismus" bedrohten Landern ihre Hilfe an:[83] Westdeutschland wurde mit dem Marshallplan wirtschaftlich in die Lage versetzt, bald wieder eine wichtige Rolle unter den marktwirtschaftlichen Okonomien der westlichen Welt zu spielen. Darauf bereitete eintausendneunhundertsiebenundvierzig auch der Zusammenschluss der amerikanischen und britischen Besatzungszone zur Bizone vor, die mit franzosischer Beteiligung im April eintausendneunhundertneunundvierzig zur Trizone erweitert wurde. Mit der Londoner Sechsmachtekonferenz im Marz eintausendneunhundertachtundvierzig wurden von westlicher Seite die Weichen fur die Grundung eines von der SBZ separierten deutschen Teilstaats gestellt, was den Protest der Sowjetunion hervorrief und ihren Auszug aus dem Alliierten Kontrollrat zur Folge hatte. Die Wahrungsreform in den Westzonen und in den Westsektoren Berlins im Juni eintausendneunhundertachtundvierzig beantwortete die sowjetische Besatzungsmacht mit einer Wahrungsreform in der SBZ und in Ost-Berlin sowie mit der Berlin-Blockade, sodass die Bewohner West-Berlins von jeglicher Versorgung abgeschnitten zu werden drohten. Oberburgermeister Ernst Reuter gelang es, den amerikanischen Militargouverneur Lucius D. Clay vom Freiheitswillen und von der engen Bindung der West-Berliner an die Westalliierten zu uberzeugen und fur die Errichtung der Berliner Luftbrucke gemeinsam mit der britischen Royal Air Force zu gewinnen. In den an die Ministerprasidenten der westdeutschen Lander am eins Juli eintausendneunhundertachtundvierzig ubergebenen Frankfurter Dokumenten formulierten die Westmachte ihre Forderungen und Bedingungen bezuglich der Grundung eines westdeutschen Staates. In zwei Konferenzen bis zum Monatsende (Rittersturz-Konferenz und Niederwaldkonferenz) gaben die westdeutschen Landerverantwortlichen dieser Aufforderung unter der Bedingung nach, dass der zu errichtende Weststaat als ein Provisorium anzulegen sei und das Ziel einer spateren Wiedervereinigung aller Deutschen in einem Staat ausdrucklich erhalten bliebe. Mit der Ausarbeitung eines Grundgesetzes statt einer Verfassung beauftragt wurde deshalb nach Vorarbeiten durch den Verfassungskonvent auf Herrenchiemsee anstelle einer Verfassunggebenden Versammlung ein Parlamentarischer Rat, der in Bonn zusammentrat. Das von den westdeutschen Landern bis auf Bayern ratifizierte und von den Militargouverneuren der Westmachte genehmigte Grundgesetz fur die Bundesrepublik Deutschland wurde am 23. Mai 1949 verkundet. In Reaktion auf diese Vorgange und parallel dazu fanden auch in der SBZ Vorbereitungen fur die Grundung eines separaten Staates nach sowjetischen Leitlinien statt: Aus der Volkskongressbewegung ging ein von SED-Mitgliedern dominierter Deutscher Volksrat hervor, der einen SED-nahen Verfassungsentwurf prasentierte und beschloss, den wiederum der Dritte Deutsche Volkskongress verabschiedete. Damit war der Weg in die staatliche Teilung Deutschlands festgelegt. Die Grundungsphase der Bundesrepublik Deutschland stand anhaltend im Zeichen der Kriegsfolgenbewaltigung und des wirtschaftlichen Wiederaufbaus. Nachdem die Trummerfrauen den Schutt abgetragen hatten, die allgemeine Versorgungslage sich stabilisiert hatte und Lebensmittelmarken wie Schwarzmarktbeschaffungen nicht mehr gebraucht wurden, ging es in Politik und Alltag um die Beseitigung von Wohnraumnot und um die Herstellung einer funktionierenden sozialen Marktwirtschaft. Deren Motor und leitender Verfechter war bereits seit seiner Zeit als Wirtschaftsdirektor der Bizone Ludwig Erhard, nun Wirtschaftsminister im Kabinett Adenauer und spater dessen Nachfolger als Bundeskanzler. Erhards Weichenstellung mit der Freigabe der Preise wurde bis eintausendneunhundertfünfzig auf eine harte Probe gestellt, als die Arbeitslosenzahlen von eintausendneunhundertachtundvierzig (400.000) auf uber zwei Millionen anstiegen. Erst als der Preisauftrieb der Korea-Krise in einen Korea-Boom uberging, der die unausgelasteten Produktionskapazitaten der westdeutschen Industrie ins Spiel brachte, die Exportwirtschaft ankurbelte und den Durchbruch zu anhaltendem Wirtschaftswachstum brachte, kam das Wirtschaftswunder in Gang. Vollbeschaftigung, wachsender Wohlstand und der Durchbruch zur Konsumgesellschaft waren die Folge.[84] Aus dem wirtschaftlichen Boom entstanden Verteilungsspielraume, die sich auch sozialpolitisch niederschlugen. Nicht nur hohere Lohne und Einkommenssteigerungen, sondern auch die Beteiligung der Rentner an den Zuwachsen durch Einfuhrung der dynamischen Rente eintausendneunhundertsiebenundfünfzig sorgten dafur, dass Arbeiterschaft, Gewerkschaften und Sozialdemokratie nun nicht mehr auf Zerschlagung, sondern auf Erganzung der Marktwirtschaft durch Ausbau des Sozialstaats setzten. Ein starker Impuls in Richtung auf eine ausgleichende Sozialpolitik in der deutschen Nachkriegsgesellschaft war aber mit der notigen Integration der Millionen von Vertriebenen aus dem osteuropaischen Raum gesetzt. Speziell darauf zielte das Lastenausgleichsgesetz von 1952, das durch langzeitlich verteilte, massige Vermogensabgaben der Nichtgeschadigten die mittellos Hinzugekommenen u. a. mit Eingliederungshilfen, Hausratentschadigung und Aufbaudarlehen unterstutzte. Aussenpolitisches Hauptziel der Regierung Adenauer nach dem Petersberger Abkommen war in den Anfangsjahren der Bundesrepublik die Wiederherstellung der vollen staatlichen Souveranitat gegenuber den westlichen Siegermachten. Dies kam in einer von wechselseitigen Interessen bestimmten starken Westbindung der Bundesrepublik zum Tragen, die eintausendneunhunderteinundfünfzig zur Schaffung der Europaischen Gemeinschaft fur Kohle und Stahl fuhrte und damit den Grundstein fur die Europaische Union legte. Mit dem Inkrafttreten der Pariser Vertrage eintausendneunhundertfünfundfünfzig wurde die angestrebte Souveranitat erlangt und im Zuge dessen durch den Deutschlandvertrag das Besatzungsstatut beendet. Die Rechte der Alliierten wurden durch - erheblich eingeschrankte - Vorbehaltsrechte abgelost.[85] Zur Wiederbewaffnung des westdeutschen Staates hatte bereits der Koreakrieg auch gegen erheblichen inneren Widerstand (Ohne mich-Bewegung) Anlass gegeben. eintausendneunhundertfünfundfünfzig wurde die Bundesrepublik Mitglied des westlichen Verteidigungsbundnisses NATO. Die vormaligen Besatzungsmachte behielten als Schutzmachte eigene militarische Standorte und Einrichtungen im Bundesgebiet. Zudem entstanden die Kasernen und Ubungsplatze der neu gegrundeten Bundeswehr. In der Deutschlandpolitik verfolgte Adenauer strikt einen Alleinvertretungsanspruch der Bundesrepublik fur alle Deutschen und die staatliche Nichtanerkennung der DDR. Mit der Hallstein-Doktrin sollte auch deren Anerkennung durch andere Staaten verhindert werden. Gegenuber der Sowjetunion zeigte sich Adenauer flexibel, um bei seinen Moskauer Verhandlungen 1955 die Ruckkehr der restlichen deutschen Kriegsgefangenen aus sowjetischen Arbeitslagern zu erreichen. Einen neuen, wirksamen Anstoss zur Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit erhielt die deutsche Offentlichkeit seit Anfang der 1960er Jahre mit dem Eichmann-Prozess in Jerusalem und den vor deutschen Gerichten stattfindenden Prozessen gegen die Verantwortlichen in den deutschen Vernichtungslagern der SS, so z. B. die auf Veranlassung von Fritz Bauer und Hermann Langbein initiierten Auschwitzprozesse. In der Verjahrungsdebatte beschloss der Deutsche Bundestag eintausendneunhundertfünfundsechzig die Verlangerung der Verjahrungsfrist fur Mord und Beihilfe zum Mord in der NS-Zeit. In Teilen der bundesdeutschen Gesellschaft (insbesondere unter Studenten und Akademikern) setzte zeitlich parallel ein Bewusstseins- und Wertewandel ein. Gegenuber,,neuen" Werten wie Emanzipation, insbesondere Frauenemanzipation, Partizipation und Lebensqualitat traten die im industriegesellschaftlichen Rahmen funktionalen Werte wie Disziplin, Zuverlassigkeit und Unterordnungsbereitschaft zuruck.[86] Auch auf der Regierungsebene kam Mitte der 1960er Jahre ein Wandel in Gang: In der Grossen Koalition unter Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger gelangte die SPD erstmals zur Regierungsbeteiligung; in der sozialliberalen Koalition unter Willy Brandt wurde sie zur fuhrenden politischen Kraft.,,Mehr Demokratie wagen", hiess es in der Regierungserklarung als Motto fur einen nun einsetzenden Prozess gesellschaftspolitischer Reformen, darunter die Ausweitung von Bildungschancen durch Einfuhrung des BAfoG, die Senkung des Wahlalters, eine Reform des Strafrechts, die Neuregelung von Schwangerschaftsabbruchen (SS zweihundertachtzehn StGB) sowie ein Betriebsverfassungsgesetz zwecks Mitbestimmung von Arbeitnehmervertretern. Die 68er-Bewegung spaltete sich zeitlich parallel in unterschiedliche politische Richtungen auf. Diverse kommunistische inspirierte Untergruppierungen waren von eintausendneunhundertzweiundsiebzig bis eintausendneunhundertneunundsiebzig durch den Radikalenerlass bedroht, wahrend reformorientierte Verfechter der Systemveranderung den,,Marsch durch die Institutionen" antraten. Die Kaufhaus-Brandstiftungen am zwei April eintausendneunhundertachtundsechzig in Frankfurt am Main standen am Beginn des Terrorismus der RAF, der zu einer ernsten Herausforderung fur die Regierung von Bundeskanzler Helmut Schmidt wurde. Wirksames Krisenmanagement wurde Schmidt auch wirtschaftspolitisch abverlangt, vor allem hinsichtlich der Folgenbewaltigung des Olpreisschocks, der Ende eintausendneunhundertdreiundsiebzig die von nahostlichen Olimporten abhangigen westlichen Industrielander traf. Nach Jahren uppigen Wirtschaftswachstums geriet die Bundesrepublik bei steigenden Arbeitslosenzahlen 1975 in eine Rezession. Auf die mit dem Mauerfall am neun November eintausendneunhundertneunundachtzig in Gang kommende Dynamik reagierte der mit dem Ziel der deutschen Wiedervereinigung stets eng verbundene Kanzler Kohl situationsangepasst flexibel. Dem am achtundzwanzig November im Deutschen Bundestag vorgetragenen 10-Punkte-Programm zur Uberwindung der Teilung Deutschlands und Europas folgte am neunzehn Dezember eintausendneunhundertneunundachtzig ein Treffen mit dem neuen DDR-Ministerprasidenten Hans Modrow in Dresden und am Nachmittag eine Massenkundgebung, die fur Kohl den dringlichen Einheitswunsch der Ostdeutschen unterstrich. Er verliess Dresden,,mit der Uberzeugung, dass das Regime der DDR vor dem Zusammenbruch stand und es keine Alternative mehr gab zu einer Wiedervereinigung in moglichst naher Zukunft."[87] Von der aus dem Deutschen Volksrat hervorgegangenen provisorischen Volkskammer wurden am elf Oktober eintausendneunhundertneunundvierzig Wilhelm Pieck zum Staatsprasidenten und Otto Grotewohl zum Ministerprasidenten der DDR-Regierung gewahlt (Wahlen zur Volkskammer fanden erstmals am fünfzehn Oktober eintausendneunhundertfünfzig statt, und zwar nach dem Einheitslistenprinzip). Tatsachliches politisches Machtzentrum aber war das Politburo der SED, das sich die Kontrolle uber alle wichtigen Initiativen und Beschlusse von Volkskammer und Regierung vorbehielt. Den grossten personlichen Einfluss auf die Ausgestaltung der Herrschaftsverhaltnisse in den Anfangsjahren der DDR ubte der im Juli eintausendneunhundertfünfzig zum Generalsekretar der SED gewahlte Walter Ulbricht aus. Nach dem Prinzip des Demokratischen Zentralismus wurden nicht nur die wichtigen Weichenstellungen innerhalb des engsten SED-Fuhrungszirkels getroffen, sondern auch fur die nachgeordneten Organisationen von Partei und Staat mit bindender Wirkung durchgesetzt. Auf dieser Linie wurden dann auch die politisch einflusslosen Lander im Rahmen der Kreisreformen in der DDR im Juli eintausendneunhundertzweiundfünfzig aufgelost und durch vierzehn Bezirke ersetzt, die ihrerseits von den zugehorigen SED-Gliederungen dominiert wurden, ebenso wie die den Bezirken untergeordneten zweihundertsiebzehn Kreise. Wichtigster Hebel zur Durchsetzung der Parteilinie in der Praxis war die Kaderpolitik der SED, mittels derer alle wichtigen Positionen in Staat und Gesellschaft durch Personen besetzt wurden, die den spezifischen Eignungskriterien laut SED-Vorgaben entsprachen.[88] Ebenfalls dem sowjetischen Muster folgend, wurde die Wirtschaft mit dem ersten Funfjahresplan eintausendneunhunderteinundfünfzig zentralistisch ausgerichtet;[89 ] im Folgejahr wurden die ersten Volkseigenen Betriebe (VEB) und die erste Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) gebildet. Zugleich erhohte die SED den Druck auf alle von den Parteivorgaben Abweichenden innerhalb und ausserhalb der SED durch Kriminalisierung und gerichtliche Aburteilung der Widersacher.[90] Ausspahung und Bereitstellung belastenden Materials wurde dabei hauptsachlich von den Mitarbeitern des 1950 gegrundeten Ministeriums fur Staatssicherheit (kurz: MfS oder,,Stasi") ubernommen, dem,,Schild und Schwert" der Partei bis zum Ende der DDR. Erich Honecker (links) und Leonid Breschnew Tatsachlich gab es Widerstand wahrend der gesamten vier Jahrzehnte, in denen die DDR existierte.[91] Eine breite Volkserhebung gegen das SED-Regime gab es vor eintausendneunhundertneunundachtzig jedoch nur einmal, und zwar mit dem Aufstand vom siebzehn Juni 1953, der sich gegen verstarkten Leistungsdruck am Arbeitsplatz richtete. Durch Erhohung der Arbeitsnormen sollten vor allem die hohen Rustungskosten gedeckt werden, die im Zuge der beiderseitigen deutschen Wiederbewaffnung als Folge des Koreakriegs und der Verhartung im Ost-West-Konflikt anfielen. Nach der Niederschlagung des Volksaufstands mit Hilfe sowjetischer Militars und Panzer entschlossen sich bis zum Bau der Berliner Mauer eintausendneunhunderteinundsechzig Millionen von Menschen zur Flucht aus der DDR, was fur diesen Staat schwerwiegende wirtschaftliche und ideologische Folgen hatte. Als die Fluchtmoglichkeit entfiel, bot sich dem SED-Regime einerseits die Moglichkeit, den Ausbau der sozialistischen Gesellschaft zu forcieren; fur das Gros der DDR-Bewohner andererseits galt es nun, sich in den bestehenden Verhaltnissen einzurichten und mit dem System zu arrangieren. FDJ-Studenten als Erntehelfer im Bezirk Leipzig im August eintausendneunhundertachtundsiebzig In der nach innen gerichteten Kulturpolitik schwankte die SED-Fuhrung je nach aktuellen politischen Opportunitaten zwischen Phasen einer verhaltenen Liberalisierung - auch in Bezug auf westliche Einflusse - und solchen rigider ideologischer Verhartung. Die mit dem Prager Fruhling eintausendneunhundertachtundsechzig aufkeimenden Hoffnungen auf einen mit mehr Freiheiten verbundenen Reformsozialismus wurden mit der Niederschlagung durch die Staaten des Warschauer Pakts unter Mitwirkung der DDR zerstort. Als im Mai eintausendneunhunderteinundsiebzig Erich Honecker mit sowjetischer Unterstutzung seinen politischen Ziehvater Ulbricht in der DDR-Staatsfuhrung abloste, war die soziale Revolution in der DDR bereits im Wesentlichen durchgefuhrt, und die visionar-utopischen Erwartungen verblassten. Vielmehr wurde nun die,,Gestaltung der entwickelten sozialistischen Gesellschaft" im Rahmen des,,realen Sozialismus'" propagiert.[92] Eine wesentliche Rolle spielte dabei die Erziehung zur sozialistischen Personlichkeit, mit der Zielsetzung,,,die Arbeit zu achten, die Sowjetunion zu lieben und die Grenzen zu verteidigen" (notfalls auch mit Waffengewalt).[93] Der Heranbildung solcher Personlichkeiten diente das gesamte Bildungssystem in der DDR, nicht nur in den Schulen, sondern auch in den parteinahen Jugendorganisationen: zum einen die Pionierorganisation Ernst Thalmann mit den 6- bis 10-jahrigen Jungpionieren und den 10- bis 14-jahrigen Thalmannpionieren; zum anderen die Freie Deutsche Jugend (FDJ) fur die 14- bis 25-Jahrigen, die wahrend der Ara Honecker zwei Drittel bis vier Funftel der Jugendlichen und jungen Erwachsenen einschloss.[94] Neben Flaggenappellen, ideologischen Unterweisungen, dem Liedersingen, Schiessubungen und Zeltlagern wurde auch zum Mitmachen bei sogenannten Jugendobjekten angehalten. Das waren Arbeitseinsatze vielfaltiger Art, die sich 1974 auf 68.370 Objekte richteten und 854.912 Jugendliche beschaftigten.[95] Mit der an den schulischen Rahmen angebundenen Jugendweihe, die - bis auf wenige mit meist starker kirchlicher Bindung - die Jugendlichen in der DDR auf ein sozialistisches Gelobnis verpflichtete, pragte sich in der DDR ein nachhaltig wirksames eigenes Brauchtum aus.[96] Die von Honecker betonte Bedeutung der Landesverteidigung und Grenzsicherung fur alle Bereiche der Gesellschaft war ein weiteres Sondermerkmal der DDR, in der ab eintausendneunhundertachtundsiebzig an allen Schulen ein obligatorischer Wehrunterricht erteilt wurde.[97] Honeckers Gattin Margot Honecker, 1963-1989 Ministerin fur Volksbildung, leitete in dieser Eigenschaft alleinverantwortlich die Jugendhilfe in der DDR, die zunehmend repressive Zuge annahm. In der Frauen- und Familienpolitik der DDR bildete eine auf Frauen ausgerichtete Vereinbarkeit von Familie und Beruf einen Schwerpunkt, und fur die Frauen in der DDR war die eigene Berufstatigkeit der Normalfall. Zur Forderung eines hohen Beschaftigungsgrades der Frauen trugen verschiedene Massnahmen bei, insbesondere der Aufbau eines umfassenden Kinderbetreuungssystems mit Krippen, Kindergarten und Betreuungsangeboten nach Schulschluss. Kindergelderhohungen, erweiterter Mutterschaftsurlaub und Arbeitsplatzgarantien wirkten ebenfalls daran mit, dass die Geburtenfreudigkeit von 1973 bis 1980 um ein Drittel anstieg.[98] Am Arbeitsplatz waren Frauen wie Manner zu Kollektiven zusammengefasst, die im sozialistischen Wettbewerb, typischerweise als Brigaden, durch eine hohe Produktivitat Pramien erlangen konnten. Der Zusammenhalt solcher Kollektive erstreckte sich aber auch auf ausserbetriebliche Aktivitaten wie gemeinsame Geburtstagsfeiern, Ausfluge, Ausstellungs- und Theaterbesuche sowie auf ein Sich-Kummern um Probleme und Sorgen einzelner Mitglieder. Im Zuge des vom Staat dergestalt organisierten Arbeits- und gesellschaftlichen Lebens,,schrieb sich das Kollektiv als Team, als Schule der Kommunikation und ihrer Grenzen, als Hort arbeiterlicher Gemeinschaftserfahrung und sozialer Kontrolle in die Alltagserfahrung der DDR ein."[99] Doch auch in Fragen des Urlaubs, der Mobilitat und der Versorgung mit Konsumgutern war man davon abhangig, was die staatliche Planung vorsah und was produziert und angeboten wurde. Trotz subventionsbedingt niedriger Preise etwa bei Grundnahrungsmitteln, offentlichen Verkehrsmitteln, Mieten und Buchern wurde die DDR oft als fehlgesteuerte Mangelwirtschaft erlebt. Engpasse in der DDR gab es insbesondere bei Waren des gehobenen Bedarfs. Wer aber Zugang zu westlichen Devisen hatte, konnte diese Waren im Intershop bekommen. Zum Teil lange Wartezeiten fielen an bei der Verteilung nachgefragter Urlaubsplatze durch den Feriendienst des FDGB, bei der bedarfsgerechten Wohnraumvergabe und bei der Auslieferung von Kraftfahrzeugen. Die regulare Wartefrist auf den mit dreizehn Mark der DDR noch erschwinglichsten, etwa ein durchschnittliches Jahreseinkommen kostenden Kleinwagen Trabant betrug in der DDR-Spatphase vierzehn Jahre.[100] Das,,Weltniveau" in der Produktion zu erreichen und mitzubestimmen, lautete die von der DDR-Fuhrung ausgegebene Parole im Streben um innere und aussere Anerkennung. Hinsichtlich letzterer wurden in der ersten Halfte der 1970er Jahre wichtige Fortschritte erzielt, als man im Verhaltnis zur Bundesrepublik Deutschland den Grundlagenvertrag, die beiderseitige Einrichtung Standiger Vertretungen in Bonn und Ost-Berlin sowie ein devisentrachtiges Transitabkommen aushandelte. Mit der Aufnahme beider deutscher Staaten in die Vereinten Nationen erlangte die DDR international einen gleichberechtigten Status, der durch die Mitunterzeichnung der KSZE-Schlussakte eintausendneunhundertfünfundsiebzig noch unterstrichen wurde. Durch gezielte Forderung sportlicher Nachwuchstalente und ein staatliches Zwangsdopingsystem im DDR-Leistungssport erzielte die DDR in manchen Bereichen international herausragende Erfolge, etwa bei Olympischen Spielen. Dass die innergesellschaftliche Akzeptanz des SED-Regimes gleichwohl prekar blieb, zeigte die Ausburgerung des Liedermachers Wolf Biermann 1976, die zu einer breiten Protestwelle fuhrte und vielfach resignative Tendenzen hinsichtlich der Reformierbarkeit des Herrschaftssystems bestarkte. Mit Berufung auf die Menschenrechtsgarantien der KSZE-Schlussakte stellten immer mehr Burger einen Antrag auf legale Ausreise aus der DDR. Von rund 32.000 Antragstellern im Jahre 1984 wuchs die Anzahl - trotz teilweise jahrelanger Wartezeiten und gesellschaftlicher Benachteiligungen - im Jahr 1988 auf uber 110.000 an.[101] Die Situation war aber noch in anderer Hinsicht instabil. Denn der im Vergleich zu allen anderen Ostblockstaaten am hochsten entwickelte Lebensstandard der DDR-Bevolkerung beruhte auf einer zunehmend dramatischen Staatsverschuldung, die ausweglose Zuge annahm, weil die SED-Fuhrung unter Honecker an den vielfaltigen Subventionen keine Abstriche machen wollte, um nicht zusatzliche Unzufriedenheit in der Bevolkerung zu schuren. Nach der drastischen Kurzung sowjetischer Ollieferungen 1981 nahm die Krise der DDR-Staatsfinanzen immer dramatischere Zuge an, die auch durch westdeutsche Devisenzuflusse aus Handel und Vertragen sowie durch wiederholte Milliardenkredite nur kurzfristig uberbruckt werden konnten:,,Allein Improvisationskunst und der westliche Devisentropf vermochten die marode Planwirtschaft noch halbwegs am Laufen zu halten."[102 ] Trotzdem verschlechterte sich die Versorgungslage der Bevolkerung merklich, selbst bei Waren des taglichen Bedarfs; und die notwendigen Investitionen zur Substanzerhaltung bei Wohnungsbauten und Industrieanlagen blieben aus, was der Volksmund bitter kommentierte:,,Ruinen schaffen ohne Waffen!"[103] In den 1980er Jahren verstarkten sich Opposition und Widerstand in der DDR unter der nach dem Mauerbau erwachsen gewordenen Generation. Protestgruppen befassten sich mit Menschenrechtsfragen, Rustungseskalation und Umweltzerstorung, mit den Ursachen von Verelendung in der Dritten Welt und mit den Perspektiven eines Europas ohne Grenzen. Eine international orientierte, in ortlichen Gruppen vielfach unter kirchlichem Schutz organisierte Friedensbewegung, die im September 1987 den Olof-Palme-Friedensmarsch mitorganisierte, stimmte uberein mit Michail Gorbatschow, als er mit Glasnost und Perestroika die Vorzeichen sowjetischer Politik anderte und die,,sozialistischen Bruderstaaten" zu eigenverantwortlicher Zukunftsgestaltung anhielt.[104] Die DDR-Fuhrung, die jede Kursanderung ablehnte und daranging, sogar sowjetische Medien zu zensieren und deren Abonnenten zu dupieren, geriet zunehmend in die Isolation. Dem Problemandrang - aus finanzwirtschaftlichen Problemen, sich verschlechternder Versorgungslage der Bevolkerung, einer wachsenden Protestbewegung gegen die Kommunalwahlfalschungen vom Mai eintausendneunhundertneunundachtzig und den uber die seit Juni offene ungarische Grenze massenhaft abstromenden DDR-Bewohnern - hatte die nun auch mit Desillusionierten und Unzufriedenen in den Reihen der SED konfrontierte Staatsfuhrung ausser ortlichen Gewaltubergriffen, Internierungen und Gewaltandrohung nichts mehr entgegenzusetzen. Nach dem Triumph der Leipziger Montagsdemonstranten am neun Oktober und dem Fall der Berliner Mauer infolge des Massenansturms vom neun November eintausendneunhundertneunundachtzig war die SED-Herrschaft am Ende. Die nach den Machtwechseln von Honecker uber Egon Krenz und Hans Modrow zu Lothar de Maiziere neu ausgerichtete und nun von Burgerrechtlern mitgestaltete DDR selbst ging binnen eines Jahres im wiedervereinigten Deutschland auf. Die Ostdeutschen bewirkten mit ihrer friedlichen Revolution nicht nur den Zusammenbruch der SED-Diktatur, sondern nahmen nach der Grenzoffnung mit einer Akzentverschiebung ihrer zentralen Parole bei den fortgesetzten Montagsdemonstrationen mehrheitlich auch deutlich Kurs auf ein wiedervereinigtes Deutschland. Hatte man die DDR-Obrigkeit vordem mit dem Ruf,,Wir sind das Volk! " in die Schranken gewiesen, so demonstrierte man nun vorwiegend mit der Wendung,,Wir sind ein Volk! " fur die deutsche Einheit. Artikel dreiundzwanzig des Grundgesetzes der alten Bundesrepublik garantierte die Moglichkeit eines geschlossenen Beitritts der DDR zur Bundesrepublik Deutschland.[105] Wer es als Ostdeutscher besonders eilig hatte, in der Bundesrepublik anzukommen, konnte das aber auch durch Ubersiedlung unverzuglich in die Tat umsetzen. Anfang eintausendneunhundertneunzig schwoll die Zahl der diese Moglichkeit Nutzenden in einer fur beide Staaten auf unterschiedliche Weise problematischen Grossenordnung an. Die ohnehin auf Vereinigungskurs ausgerichtete Regierung Kohl arbeitete ihrerseits energisch auf die Herstellung der Einheit Deutschlands hin und wurde durch den Ausgang der Volkskammerwahl vom Marz eintausendneunhundertneunzig darin bestarkt, in der die Allianz fur Deutschland mit dem kunftigen CDU-Ministerprasidenten Lothar de Maiziere triumphierte. Schon zum eins Juli wurde eine Wahrungs-, Wirtschafts- und Sozialunion vereinbart und durchgefuhrt. Der mit den vier Siegermachten des Zweiten Weltkrieges ausgehandelte Zwei-plus-Vier-Vertrag bildete den ausseren Grundstein der Einheit Deutschlands; der von Volkskammer, Bundestag und Bundesrat ratifizierte Einigungsvertrag schuf die inneren Voraussetzungen dafur, dass es am 3. Oktober 1990 zur deutschen Wiedervereinigung kam. In der ersten gesamtdeutschen Bundestagswahl im Dezember eintausendneunhundertneunzig und nochmals eintausendneunhundertvierundneunzig wurde die christlich-liberale Koalition unter Bundeskanzler Helmut Kohl bestatigt, die den Vereinigungsprozess wesentlich gestaltet hatte. Mit knapper Mehrheit (338 zu dreihundertzwanzig Stimmen) beschloss der Bundestag am zwanzig Juni 1991, Bonn als Regierungssitz aufzugeben und Regierung und Parlament nach Berlin zu verlegen. Seit eintausendneunhundertneunundneunzig tagt der Deutsche Bundestag im von Grund auf renovierten Reichstagsgebaude in Berlin. Seit September 1999 ist auch die Bundesregierung endgultig in Berlin angesiedelt. Innenpolitisch absolut vorrangig - und wie der gesamte Vereinigungsprozess mit enormen Kosten verbunden - war wahrend der 1990er Jahre der Aufbau Ost. In den neuen Bundeslandern wurde die verkehrliche Infrastruktur modern ausgebaut und die Sanierung von Bausubstanz und Industriebetrieben, wo nicht abrissreif, vorangetrieben. Der Umbau hin zu marktwirtschaftlichen Strukturen mit Hilfe der Treuhandanstalt wurde in hohem Tempo und unter Abwicklung der unverkauflichen bzw. als unrentabel geltenden Betriebe durchgefuhrt; und die in DDR-Zeiten durch industrielle Schadstoffeintrage aus veralteten Produktionsanlagen okologisch besonders belasteten Gewasser und Regionen wurden den Erfordernissen des Umweltschutzes angepasst. Der,,Vereinigungsboom" kam wesentlich den Unternehmen in der alten Bundesrepublik zugute, wahrend die angestammten Produktangebote aus DDR-Zeiten nun kaum noch Abnehmer fanden. Der wirtschaftliche Restrukturierungsprozess in den neuen Bundeslandern brauchte Zeit und verlief regional unterschiedlich erfolgreich. Die Arbeitslosenquoten in ostdeutschen Bundeslandern lagen mitunter doppelt so hoch wie in den alten Landern, die durch Partnerschaften und Aushilfe mit qualifiziertem Verwaltungspersonal die Anpassung der neuen Lander an die administrativen, juristischen, wirtschaftlichen und politischen Standards der Bundesrepublik unterstutzten. Die konzentrierten Anstrengungen und finanziellen Transferleistungen, die zur Angleichung der Lebensverhaltnisse im Osten Deutschlands aufgewendet wurden, ruckten mit dem Abklingen des vereinigungsbedingten Wirtschaftsaufschwungs einen unterdessen eingetretenen Reformstau ins Bewusstsein. Mehrere Reformvorhaben der Bundesregierung scheiterten an der rot-grunen Mehrheit im Bundesrat (sogenannte,,Blockade"). Der lange Zeit vielerorts unergiebige ostdeutsche Arbeitsmarkt hatte auch eine fortgesetzte Abwanderung gerade junger Menschen zur Folge, die im Westen Beschaftigung suchten - ein anhaltendes demographisches Problem in den strukturschwachen Regionen Ostdeutschlands. Teils gibt es dort auch verstarkt rechtsextremistische Tendenzen. Andererseits ist die sozial benachteiligte Lage vieler Ostdeutscher ein wichtiger Grund fur die vergleichsweise starke Stellung der in Die Linke aufgegangenen,,Partei des Demokratischen Sozialismus" (vormals SED) in den neuen Bundeslandern. Das wiedervereinigte Deutschland ist ein souveraner Staat. Die Truppen der Vier Machte sind zum grossten Teil abgezogen, die noch verbliebenen Militareinheiten der Westalliierten haben keinerlei Hoheitsbefugnisse mehr und unterliegen dem NATO-Truppenstatut. Die Zustimmung der vormaligen Siegermachte zur deutschen Wiedervereinigung war an Zusagen der deutschen Bundesregierung geknupft, den Prozess der europaischen Integration weiterhin nachhaltig zu fordern, nachdem die Bundesrepublik diesen bereits seit den 1950er Jahren entscheidend mitgestaltet hatte. Diese Ausrichtung wurde auch in die veranderte Praambel des Grundgesetzes eingetragen. Mit der Unterzeichnung des Vertrages von Maastricht eintausendneunhundertzweiundneunzig wurde die Europaische Gemeinschaft (EG) in die mit erweiterten Kompetenzen ausgestattete Europaische Union (EU) uberfuhrt. Der Vertrag stellte auch die Weichen fur die Einfuhrung einer gemeinsamen europaischen Wahrung, des Euro. Mit klarer Unterstutzung der Bundesregierung wurde zudem die EU-Osterweiterung beschlossen, die 2004 in Kraft trat. Aus der Losung der deutschen Frage eintausendneunhundertneunzig sind neue Erwartungen und Anspruche an eine verantwortlich mitgestaltende Rolle Deutschlands bei der Aufrechterhaltung des Weltfriedens, bei der militarischen Umsetzung von UN-Resolutionen wie auch hinsichtlich der Beteiligung an Militareinsatzen der NATO erwachsen. Nach der Wiedervereinigung beteiligte sich die Bundeswehr erstmals an Auslandseinsatzen, so zum Beispiel nach den Terroranschlagen in den USA vom elf September zweitausendeins am Krieg in Afghanistan. Eine Beteiligung am Irakkrieg lehnte die Regierung Schroder/Fischer dagegen ab. Mit der in den letzten Jahren deutscherseits erhobenen Forderung nach einem standigen Sitz im UN-Sicherheitsrat, die gleichfalls mit der gewachsenen internationalen Rolle und Verantwortungsbereitschaft Deutschlands begrundet wird, ist die Bundesregierung einstweilen nicht durchgedrungen. Bei der Bundestagswahl eintausendneunhundertachtundneunzig wurde die CDU/CSU-FDP-Koalition unter Kohl abgelost. Die neue Bundesregierung aus SPD und Bundnis 90/Die Grunen (rot-grune Koalition) ging unter Bundeskanzler Gerhard Schroder eine Reihe umstrittener Reformen an. Allgemein wurde das Thema Okologie starker gewichtet, beispielsweise mit dem Beginn des Atomausstiegs oder mit Gesetzesinitiativen zur Reduzierung von Treibhausgasen. Die Regierung setzte auch erste Ansatze fur richtungsweisende Veranderungen in der Sozial-, Renten- und Gesundheitspolitik (siehe Agenda 2010) durch. Mittels der Einnahmen aus der Okosteuer gelang es, die Lohnnebenkosten (Rentenversicherungsbeitrage) zu reduzieren. Im Zuge der schon in den 1990er Jahren fur die Volkswirtschaften weiter gewachsenen Bedeutung des Weltmarkts, der sogenannten Globalisierung, verlagerten aber vor allem grossere Unternehmen Produktionskapazitaten in sogenannte Billiglohnlander, sodass die Arbeitslosenquote zunachst weiterhin hoch blieb. Mit dem auf wirtschaftliche Wettbewerbsfahigkeit zielenden Hartz-Konzept zur Neuordnung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe konnte die rot-grune Koalition aber nur Teile der eigenen Wahlerschaft uberzeugen. zweitausendneun wurde die Grosse Koalition nach der Bundestagswahl zweitausendneun durch eine schwarz-gelbe Koalition aus Union und der FDP ersetzt. Merkel behielt ihr Amt als Bundeskanzlerin. Bei den Bundestagswahlen 2013 hat die FDP den Einzug in den Bundestag verpasst, es kam erneut zu einer Grossen Koalition unter Merkel als Bundeskanzlerin. Am einunddreißig Dezember zweitausendfünfzehn hielten sich in Deutschland zweihundertelf Komma null fünf zwei anerkannte Fluchtlinge und vierhundertsiebenundvierzig Komma drei drei sechs Asylbewerber auf, hauptsachlich aus dem Nahen Osten und Afrika; im Jahr zweitausendfünfzehn hatten insgesamt vierhundertsechsundsiebzig Komma sechs vier neun Personen Asylantrage in Deutschland gestellt. Dies bedeutete einen Zuwachs von 135,0 % gegenuber dem Jahr 2014 und war der hochste Jahreswert seit Bestehen des Bundesamtes.[106] Die ursprunglichen Prognosen fur das Jahr von zunachst vierhundertfünfzig und dann achthundert wurden signifikant ubertroffen. Angela Merkel hat fur ihre Politik der offenen Grenzen Zustimmung,[107] aber auch harsche Kritik geerntet.[108] Die Fluchtlingskrise wird von einigen Politikern und Organisationen als grosste Herausforderung des Landes seit der Wiedervereinigung gesehen.[109] Mit der Bundestagswahl zweitausendsiebzehn wurde die Grosse Koalition unter Bundeskanzlerin Merkel erneut fortgesetzt. Der politischen Partei FDP gelang der Wiedereinzug in den Bundestag und der politischen Partei AfD gelang infolge der Migrationsdebatte erstmals der Einzug in den Bundestag. Rainer A. Muller (Hrsg.) : Deutsche Geschichte in Quellen und Darstellung. elf Bde. , Reclam, Stuttgart 1995-2002 (Reclams Universal-Bibliothek, Bd. 17001-17011). [Quellensammlung zur deutschen Geschichte, vom Fruhmittelalter bis zur Gegenwart. Jede Quelle ist knapp kommentiert, dazu gesellt sich eine allgemeine Einleitung zum geschichtlichen Kontext der jeweiligen Epoche. ] Ausgewahlte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters. Freiherr vom Stein-Gedachtnisausgabe. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1955ff. [mehrere Bande umfassende Quellenausgabe mit deutscher Ubersetzung] Enzyklopadie deutscher Geschichte. (Die jeweiligen Bande nehmen wichtige Epochen oder geschichtliche Gegenstande auf und sind jeweils in Darstellung, Forschungslinien und Bibliographie gegliedert. Geeignet fur den wissenschaftlichen Einstieg in ein Hauptthema.) Dieter Groh u. a. (Hrsg.): Propylaen Geschichte Deutschlands. neun Bde. (bisher), Berlin eintausendneunhundertdreiundachtzig ff. (fur ein breiteres, gebildetes Publikum geschriebene Darstellung, von den Anfangen bis 1933; Band sieben wurde in zwei Teilen ausgeliefert, Bd. neun wurde spater aufgrund von Bedenken inhaltlicher Art wieder zuruckgezogen) Neue Deutsche Geschichte. Beck, Munchen. (im Entstehen begriffene moderne Darstellung der deutschen Geschichte vom Fruhmittelalter bis zur Gegenwart, die weniger Wert auf die Ereignisgeschichte legt als noch der Gebhardt) Siedler Deutsche Geschichte (Das Reich und die Deutschen sowie Die Deutschen und ihre Nation). zwölf Bande, Taschenbuch Sonderauflage, Siedler, Berlin eintausendneunhundertachtundneunzig (gut lesbare Darstellung, die sich an ein breiteres Publikum wendet, aber von Fachleuten verfasst ist) Brendan Simms: Kampf um Vorherrschaft. Eine deutsche Geschichte Europas eintausendvierhundertdreiundfünfzig bis heute. Deutsche Verlags-Anstalt, Munchen zweitausendvierzehn (Simms zufolge,,eine deutsche Geschichte Europas", da er Deutschland eine zentrale Rolle - ob aktiv oder passiv - in der europaischen Geschichte seit der Fruhen Neuzeit zuweist.) Hans-Ulrich Wehler (Hrsg.) : Moderne Deutsche Geschichte. zwölf Bde. u. Reg.-Bd. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1996, ISBN 3- 518-09240-5. (sozialgeschichtlich ausgerichtete Darstellung der deutschen Geschichte seit der Fruhen Neuzeit) Grundlegend zur Reichskrise (mit weiterfuhrender Literatur) ist nun Klaus-Peter Johne (Hrsg.): Die Zeit der Soldatenkaiser. Krise und Transformation des Romischen Reiches im 3. Jahrhundert n. Chr. (235-284). zwei Bde. , Berlin 2008. Es handelt sich um das Harzhornereignis, vgl. Gustav Adolf Lehmann: Imperium und Barbaricum. Neue Befunde und Erkenntnisse zu den romisch-germanischen Auseinandersetzungen im nordwestdeutschen Raum - von der augusteischen Okkupationsphase bis zum Germanien-Zug des Maximinus Thrax (235 n. Chr.), Verlag der Osterreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2011, S. sechsundneunzig -112. Vgl. allgemein zur spatantiken Geschichte die entsprechenden Literaturhinweise im Artikel Spatantike. Einfuhrend siehe etwa Alexander Demandt: Die Spatantike. zwei Aufl. , Munchen 2007. Siehe die Beitrage in Heinrich Beck (Hrsg.): Zur Geschichte der Gleichung,,germanisch-deutsch". Berlin 2004. Vgl. etwa Walter Pohl: Identitat und Widerspruch. Gedanken zu einer Sinngeschichte des Fruhmittelalters. In: Walter Pohl (Hrsg.): Die Suche nach den Ursprungen. Von der Bedeutung des fruhen Mittelalters. Wien 2004, S. dreiundzwanzig ff. Zur Einordnung der ottonischen Geschichte allgemein Hagen Keller, Gerd Althoff: Die Zeit der spaten Karolinger und der Ottonen. Stuttgart 2008, S. 18 ff. Zu den unterschiedlichen Forschungsansatzen siehe Joachim Ehlers: Die Entstehung des Deutschen Reiches. vier Aufl. , Munchen 2012; vgl. allgemein auch Johannes Fried: Der Weg in die Geschichte. Berlin 1994, speziell S. neun

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