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Bildungsungerechtigkeit : „Sozial schwach"? Wie Sprache Fa

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    Bildungsungerechtigkeit : „Sozial schwach“? Wie Sprache Familien und Kinder stigmatisiert

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    Lernen mit dem digitalen Werkzeugkasten

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    Eine Initiative von

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Dein Artikel ist in deutscher Sprache geschrieben

Haupt Schlagwort (Thema des Artikels):    

Sozial

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Sozial

Hauptthemen des einzigartigen Inhaltes:    

leben ✓ Blick ✓ sozial ✓ arme ✓ Jugendliche ✓ Kindern ✓ Probleme ✓ Kinder ✓ Hilfen ✓ Einschränkungen ✓ Defizite ✓ soziale ✓ Eltern ✓ Schülerinnen ✓ Familien

Zusammenfassung:    

Die COPSY-Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf kam zu dem Ergebnis, dass fast jedes dritte Kind ein knappes Jahr nach Beginn der Pandemie unter psychischen Auffälligkeiten bis hin zu depressiven Symptomen und psychosomatischen Beschwerden leide. Obwohl die Studie damit ganz richtig auf besondere Problemlagen weist, was den Bedarf an Schutz, Unterstützung und Hilfen betrifft, sollten wir die Wortwahl in der medialen Verbreitung solcher Erkenntnisse sehr kritisch betrachten. Diese Erfahrungen sind ganz sicher auch ein Grund, aus dem viele Eltern zusätzlich zu ihren Problemen so empfindlich geworden sind, dass sie die Kooperation mit Hilfestellen verweigern und Gesprächsangebote ablehnen oder sie gar nicht erst suchen.

Artikel Inhalt:    

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Während die Studie damit ganz richtig auf besondere Problemlagen weist, was den Bedarf an Schutz, Unterstützung und Hilfe betrifft, sollten wir die Wortwahl in der medialen Verbreitung solcher Erkenntnisse sehr kritisch betrachten. In Zeiten ohnehin allgemeine Verunsicherung muss die Sprache in der öffentlichen Berichterstattung besondere Sorgfalt zukommen. Mit dem Corona-Virus haben sie es geradezu inflationär wieder in die Schlagzeilen geschafft, nachdem sie zwischen 2013 und 2018 heftig und zu Recht öffentlich kritisiert worden waren. Der verschleiernde Charakter solcher Wörter wurde offenbar, denn wer kein oder wenig Geld hat, ist arm, auch ökonomisch schwach, hat aber nicht automatisch soziale Defizite. Die Nationale Armutskonferenz setzte den Begriff „sozial schwach“ auf die Liste der sozialen Unwörter und das Magazin „journalist“ kürte das Wortpaar zur Floskel des Monats. Es ist ein simples Schwarz-Weiß-Denken entstanden, mit dem entweder schlecht oder gut leben lässt – je nachdem auf welcher Seite man sich selbst verorten kann. Schwarz-Weiß-Denken ist ein einfacher Dänken, mit dem es sich entweder schlecht oder gut leben lässt – je nachdem auf welcher Seite man sich selbst verorten kann. Hört man von „sozial Schwachen“, ahnt man den Geruch von Junkfood, kaltem Zigarettenrauch und ganz viel Weichspüler. Bezogen auf Familien haben sich weitere Erkennungszeichen etabliert. Arme Kinder sollen charakteristische Vornamen tragen, aus denen sich das mangelnde Bildungsniveau ihrer Eltern herauslesen lässt. Sie stören den Unterricht, können nicht lernen und machen keine Hausaufgaben. Die COPSY-Studie hat ergeben, dass es in den Fällen, in denen ein Elternteil allein erzogen wird, keine Strukturen gibt, die von den Forschenden womöglich nicht angestrebt wurden, drängt sich das Bild einer wohlhabenden Familie auf. Die Eltern gehören zum Bildungsbürgertum und üben Berufe mit hoher Verantwortung aus. Die Eltern lesen sie vor und lassen sie nie mit der Chipstüte vor dem Fernseher allein. Sie verfügen über einen festen Halt und Strukturen zur Lebensgestaltung. Die Wirklichkeit sieht natürlich ganz anders aus und zeigt eine bunte Gemengelage mit vielen fließenden Übergängen. Viele Familien leben in relativer Armut, also knapp oberhalb des gesetzlich garantierten Existenzminimums, wie der Werkstattbericht „Der Einfluss von Armut auf die Entwicklung von Kindern“ der Bertelsmann Stiftung aus dem Jahr 2015 feststellt. Die beständig wiederholten pejorativen Begriffe spiegeln dagegen eine klare Zugehörigkeit vor, die es nicht gibt. Sie treiben zugleich den Klassismus in der Gesellschaft voran, indem sie unseren Blickwinkel verengen und soziale Spaltungen vertiefen. Auch deshalb sind Begriffe wie „sozial schwach“ oder „sozial bedürftig“ im Gebrauch abseits der Forschung problematisch. Soziale Unwörter verhindern den wertfreien Blick auf Familien und Kinder mit Problemen. Klischees schwingen immer mit. Schülerinnen und Schüler dieser Schulform kommen kaum aus armen Elternhäusern, keine Probleme haben und deshalb kein Bedarf besteht. Die Bedürftigkeit muss vom Hilfesuchenden nachgewiesen werden, das ist für viele beschämend. Die negativen Zuschreibungen, die den Begriff innewohnen, exkludieren, statt das Ziel der Inklusion voranzutreiben. Sie degradieren Menschen zu Bittstellern und Hilfeempfängern. In unserer Gesellschaft, in der der Spruch „Jeder ist sein Glückes Schmied“ so großes Gewicht hat, erzeugt das eine permanente Beschämung, die das Familienklima zusätzlich belastet und die Selbsthilfekräfte schmälern kann. Das Unwort „Risikofamilie“ signalisiert einen alarmierenden Zustand und befeuert die eigenen ngste und Unsicherheit in belastenden Familien zusätzlich. In ihrem Privat- und Familienleben wird oft wenig sensibel eingedrungen. Selbstverständlich sind detaillierte und auch sensible Auskünfte die Basis für passgenaue Hilfen. Viele Eltern sind zusätzlich zu ihren Problemen so empfindlich geworden, dass sie die Kooperation mit Hilfestellen verweigern und Gesprächsangebote ablehnen oder gar nicht erst suchen. Sie finden sich nicht in der Zuordnung zu marginalisierten Gruppen wieder. Die Politik hat in den vergangenen Jahren umfangreiche Programme aufgelegt und Mittel bereitgestellt. Sie erweisen sich jedoch schnell als unzureichend und aus verschiedenen Gründen schwerfällig in der Umsetzung. Bis zu einem gewissen Grad mag dies zutreffen, aber eine akademische Ausbildung oder ein akdemisches Beschäftigungsverhältnis sichern heute längst nicht mehr, dass man davon sorgenfrei leben könnte, und Krankheit und Arbeitsplatzverlust können jeden treffen. Zweifellos haben viele Familien und Kinder, die in Armut aufwachsen müssen, besondere Probleme, und die Gegenseite hat – zumindest wenn sie über Geld und soziales Kapital verfügen – davon weniger. Aber die Fähigkeit, seinen Kindern Liebe und Fürsorge zu geben, wächst nicht proportional mit dem Einkommen. Es ist ein Unding, diesen Kindern über die Zuordnung zu sozialen Gruppen pauschal Schwächen zuzumessen, aufgrund ihrer Herkunft oder der mangelnden finanziellen Ausstattung ihres Elternhauses. Die Corona-Pandemie sind die Problemlagen vieler Familien noch komplexer, ist die Bestimmung individuellen Hilfebedarfs noch diffuser geworden. Die Pandemie von Corona-Monaten hat gezeigt, wie wenig viele Lehrkräfte darüber wissen, wie die Situation ihrer Schüler und Schülerinnen zu Hause wirklich aussieht. Kinder und Jugendliche, ob arm oder nicht, haben Hilfe und Unterstützung nötig – sie werden nicht auf wundersam Weise plötzlich motiviert und mit selbst erworbenem Schulwissen wieder in den Schulbänken sitzen. Dafür braucht man keine extra Erhebungen der Lernrückstände. Gäben wir an dieser Stelle das Vertrauen, die die Schülerinnen und Schüler am besten kennen, könnten Fördervorgänge entbürokratisiert werden und nötige Hilfe passgenauer ankommen. Die Corona-Pandemie trifft arme Menschen und arme Familien besonders stark. Die Medienberichterstattung vertieft die Kluft zwischen gesellschaftlichen Schichten und grenzten Armeen weiter aus. Das klingt zwiespältig, was richtig gemeint und dringend vonnöten ist.
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https://deutsches-schulportal.de/expertenstimmen/sozial-schwach-wie-soziale-unwoerter-familien-stigmatisieren/

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